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Autor Thema: Ältere ALG II Leute  (Gelesen 10359 mal)

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Online Birgit63

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Re: Ältere ALG II Leute
« Antwort #45 am: 27. März 2017, 10:53:35 »
Unsere Kassen sind so leer, weil die Menschen, die diese Kassen auffüllen, immer weniger und die Menschen, die diese Kassen leeren immer mehr werden. Irgendwann bricht unser tolles Sozialsystem auseinander. Was mich immer so ärgert, sind die Ansprüche, die Hartz IV-Empfänger haben. Wenn das Kind kommt, muss sofort eine größere Wohnung her. Der Umzug wird natürlich vom Staat bezahlt. Beim Otto-Normalverdiener wird ein Umzug mit Freunden und Familie organisiert. Dann hat man Anspruch auf Erstausstattung. Meine Tochter hat ihre Möbel aus ihrem Zimmer mitgenommen. In meinen Schränken nach brauchbaren Geschirr und Haushaltszubehör gestöbert und wir als Eltern haben schon während der Suche nach einer passenden und bezahlbaren Wohnung nach günstigen Haushaltsartikeln und diversen Möbeln gesucht, im Freundeskreis nach Möbeln auf Speicher und im Keller gefragt. Das ist ja für Hartz IV-Empfänger unzumutbar. Es gibt aber auch andere, das weiß ich. Nur leider müssen die unter diesem Ruf leiden.

Offline vierzehnnothelfer

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Re: Ältere ALG II Leute
« Antwort #46 am: 27. März 2017, 11:05:35 »
Birgit, ich habe meine erste Wohnung so möbliert, dass ich ins Kleinanzeigenblatt geschaut habe,
wo Möbel gegen Abholung abgegeben wurden. Und einen (sehr hässlichen) Pepitastoff für fast nichts
gekauft und die Couch irgendwie selber bezogen, sah scheußlich aber sauber aus.
Später haben wir nur die Möbel gekauft, für die wir Geld hatten..........

Online Birgit63

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Re: Ältere ALG II Leute
« Antwort #47 am: 27. März 2017, 11:46:37 »
Ja so in der Art kenne ich das auch

Offline kroetenschleim

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Re: Ältere ALG II Leute
« Antwort #48 am: 27. März 2017, 13:20:14 »
Unsere Kassen sind so leer, weil die Menschen, die diese Kassen auffüllen, immer weniger und die Menschen, die diese Kassen leeren immer mehr werden.

Die "Kassen" sind nicht leer. Es kommt lediglich auf die Verteilung der Gelder an.

Offline MichaK

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Re: Ältere ALG II Leute
« Antwort #49 am: 27. März 2017, 14:27:14 »
Die "Kassen" sind nicht leer. Es kommt lediglich auf die Verteilung der Gelder an.

Das BIP ist in den letzten 10 Jahren um eine schlappe Billion EUR gestiegen. Pro Jahr also um schlappe 100 Milliarden EUR. Bei rückläufiger Bevölkerung, wenn man mal von den Flüchtlingen absehen will. Gleichzeitig warnt jetzt die Bundesregierung vor einer zu starken sozialen Spaltung der Gesellschaft.
„Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken.“
Karl Marx (MEW 3/46)

Offline Annemarie

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Re: Ältere ALG II Leute
« Antwort #50 am: 30. Oktober 2017, 03:21:59 »
Meine Mutter hat eines immer getan- für ihr Geld gearbeitet. Und zwar so, dass sie heute von ihrer Rente gut leben kann.
Auch sie stammt aus einer kleinen Stadt, ihre Eltern haben allerdings für ordentliche Bildung gesorgt und sie nicht zu dem machen wollen, was sie selber waren.
Zudem hatte meine Mutter ihren eigenen Kopf und ist mit 18 in eine Großstadt gezogen, um bessere Chancen zu haben.

Eine Hausfrauenehe wäre für sie nicht in Frage gekommen, und man hat mir immer ganz deutlich vermittelt, dass ich, wenn ich mir etwas leisten möchte, dafür auch etwas tun muss. Umsonst ist nur der Tod. (5€ ins Phrasenschwein)

Meine Mutter hatte aber eine Hausfrauen-Ehe, sie ist jetzt bald 88  Jahre, der Vater über 90. Die Mutter hätte damals wahrscheinlich eine gute Ausbildung machen können, was damals in Arbeiterkreisen wenig möglich war, ich selbst kenne keine Frau in ihrem Alter, nur ein paar wenige Frauen aus besser begüterten oder akademischen Familien. Die alten Leute leben jetzt zufrieden in ihrem damals gemeinsam erwirtschaftetem Eigentum. Meine Mutter hat übrigens eine etwas höhere Bildung selbst erlangt, auch durch ihren Vater, der aber "nur" ein Bergmann war. Sie hat wirklich ein großes Allgemeinwissen und zu ihrer jüngeren Zeit auch Können.  Meine Mutter hat auch immer gearbeitet, teils 10 -12 Stunden am Tag: kranke Eltern gepflegt, uns Kinder bestens versorgt, einen allerbestens Selbstversorgergarten über Jahrzehnte gehabt, sich anderswo sozial eingebracht etc. usw.   

Online Birgit63

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Re: Ältere ALG II Leute
« Antwort #51 am: 30. Oktober 2017, 07:06:18 »
Meine Mutter ist im Januar im Alter von 92 Jahren verstorben. Ihr Vater war gelähmt, ihre Mutter ist immer arbeiten gegangen, um die 4 Kinder zu versorgen. Meine Mutter hatte "nur" einen Hauptschulabschluss mit 8 Jahren Schulbesuch. Trotzdem hat sie neben ihren eigenen 5 Kindern immer gearbeitet. Mein Vater war in seinem Leben auch keinen einzigen Tag arbeitslos, hatte auch "nur" einen Hauptschulabschluss. Er ist mit seinen Eltern geflüchtet. Aus diesem Grund war seine Schulbildung nicht so gut (monatelang keinen Schulbesuch). Er hat sich durch die Medien weitergebildet. Konnte uns Kindern dank der Medien viel Wissen über Erdkunde, Geschichte und Biologie vermitteln. Ich hatte, trotz dass meine Eltern immer beide gearbeitet haben, eine tolle Kindheit. Daraus habe ich viel mitgenommen und meiner Tochter weitergegeben. Auch sie sagt mir immer wieder, dass sie eine tolle Kindheit hatte, obwohl ihre Eltern beide berufstätig waren. Es kommt auf die Qualität und nicht auf die Quantität an. Ich sage nicht, dass "nur Hausfrauen" nicht gearbeitet haben. Oftmals waren es aber ausgerechnet die "nur Hausfrauen", die es nicht gebacken bekommen haben, für ein Schulfest einen Kuchen zu backen oder bei der Organisation zu helfen. Das haben bei meiner Tochter seltsamerweise immer die berufstätigen Mütter gemacht. Und warum? Weil diese viel besser organisiert waren, als die gestressten "nur Hausfrauen".

Offline KnotenKurt

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Re: Ältere ALG II Leute
« Antwort #52 am: 30. Oktober 2017, 07:33:40 »
Wer sich für das reine Mutter-Sein entscheidet, ist ja frei, dies zu tun. Allerdings wäre es für einen selbst dann sicherer, wenn der Partner ausreichend verdient und auch dafür sorgt, dass sie im Alter eine auskömmliche Rente erhält.

Offline CCR

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Re: Ältere ALG II Leute
« Antwort #53 am: 01. November 2017, 00:34:47 »
Die "Kassen" sind nicht leer. Es kommt lediglich auf die Verteilung der Gelder an.

Das BIP ist in den letzten 10 Jahren um eine schlappe Billion EUR gestiegen. Pro Jahr also um schlappe 100 Milliarden EUR. Bei rückläufiger Bevölkerung, wenn man mal von den Flüchtlingen absehen will. Gleichzeitig warnt jetzt die Bundesregierung vor einer zu starken sozialen Spaltung der Gesellschaft.
ich frage mich auch immer wo doch 80 Millionen Bürger tagtäglich Steuern zahlen, wo das ganze Geld hinfließt. :weisnich:
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Offline Annemarie

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Re: Ältere ALG II Leute
« Antwort #54 am: 04. November 2017, 02:09:35 »
Ich bin jetzt ü 60, werde ab 2020 nur eine knappe eigene Rente  unter 1000 € bekommen.  Ich würde mir wirklich wünschen, daß ich dann noch irgendwie ein wenig erwerbstätig sein kann, ohne die Ämter großartig  anbetteln zu müssen.  Eine kleine selbständige Erwerbstätigkeit, wo ich drauf hin arbeite. Da mal 100 €, da mal 300 €.   

Offline Annemarie

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Re: Ältere ALG II Leute
« Antwort #55 am: 06. November 2017, 04:50:57 »
Wer sich für das reine Mutter-Sein entscheidet, ist ja frei, dies zu tun. Allerdings wäre es für einen selbst dann sicherer, wenn der Partner ausreichend verdient und auch dafür sorgt, dass sie im Alter eine auskömmliche Rente erhält.

Ein freundliches Hallo an KnotenKurt,
einige Mütter (und auch Väter) wollen ihre Kinder/ Kleinkinder, nicht von früh bis spät in Kinderkrippen abgeben, weil sie sich selbst um die Kinder bemühen wollen. In den Kitas ist oft wechselndes Personal, oft sind sehr junge Praktikantinnen dort beschäftigt. Kleine Kinder benötigen unbedingt feste Ansprechpartner, die über längere Zeit zuverlässig sind, was in diesen Kitas kaum geleistet werden kann.

Es wäre wünschenswert, wenn die Allgemeinheit und auch die Firmen, familienfreundlicher wären.  Das Gegenteil passiert aber seit einigen Jahren. Mütter und Väter mit kleinen Kindern werden gnadenlos in die Pläne der Firmen eingeteilt - Schichtarbeit für Mütter und Väter, Arbeit auf Abruf, Zeitarbeit mit langen Anfahrtswegen und außer Haus Tagen.
Die Mieten / Preise für immobilien, sind inzwischen in einigen Regionen unerschwinglich geworden, daß es wirklich nur zwei erwerbstätige Leute bezahlen können. Viele jungen Leute mit kleinen Kindern sind in die Gegend vom Job gezogen, haben alle Kontakte verlassen, nur wegen der paar €.     

Offline Quinky

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Re: Ältere ALG II Leute
« Antwort #56 am: 06. November 2017, 11:20:52 »
Ich bin jetzt ü 60, werde ab 2020 nur eine knappe eigene Rente  unter 1000 € bekommen.  Ich würde mir wirklich wünschen, daß ich dann noch irgendwie ein wenig erwerbstätig sein kann, ohne die Ämter großartig  anbetteln zu müssen.  Eine kleine selbständige Erwerbstätigkeit, wo ich drauf hin arbeite. Da mal 100 €, da mal 300 €.

Das ist der Punkt, ältere Leute, die eine kleine Rente bekommen, werden vorsätzlich (weil im SGBXII verankert) wie der letzte Dreck behandelt. Selbst HartzIV-Empfänger werden besser behandelt!
Warum?
Annemarie:
Du bekommst nur eine "kleine" Rente von knapp unter 1.000€. Somit gehörst Du nicht zu den Sozialhilfeempfängern. Daher darfst Du die mal 100, da mal 300€ grundsätzlich als ZUSATZ behalten.
Jedoch die mittlerweile mindestens 1.000.000 Menschen, die auf Grundsicherung angewiesen sind, dürfen das NICHT. Diese unterliegen wenn sie arbeiten der sogenannten "Sonderarmensteuer" von 70%, d.h. von 100€ dürfen sie 30€ behalten, von 300€ dürfen sie 90€ behalten. Es ist praktisch unmöglich, das sie die Armutsgrenze erreichen, das ist politisch gewollt!!
Bedenke:
45 Jahre Vollzeitarbeit bei Mindestlohn ergibt ca. 610-625€ Nettorente!!! NIEMAND kann davon länger überleben, auch das ist politisch gewollt (sonst gäbe es eine andere Rentenpolitik, die durchaus möglich ist!!), und wissen die Politiker!!!

Gruß
Ernie

Online MarianneX

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Re: Ältere ALG II Leute
« Antwort #57 am: 16. November 2017, 21:46:59 »
Das stimmt. Ich bekomme auch nur eine kleine Rente, die ich leider aufstocken muß mit Grundsicherung. Wenn ich was nebenbei machen würde, nimmt mir das Amt 70 Prozent meiner Einnahmen ab.
Da mache ich lieber gar nichts, das lohnt sich ja nicht.

So kommt man nie raus aus der Grundsicherung. Nie mehr, wäre richtig ausgedrückt.

Ich kann mir das eigentlich gar nicht vorstellen, ich bin 56 Jahre alt. Mein Leben ist praktisch vorbei. Ich könnte noch 20 gute Jahre haben, so geht das aber nicht. Mit dem Geld komme ich so vorne und hinten nicht aus, es ist ein Knappsen von Monat zu Monat. Sparen geht gar nicht und nun kommt noch die Angst wegen der Wohnung dazu.

Ich denke daß es in Zukunft noch vielen Rentnern so gehen wird. Aber wenn viele Leute merken, was vor sich geht im Land, wird es längst zu spät sein, etwas zu ändern.

Gruß MarianneX

Edit: Wenn der Beitrag hier falsch ist, ich sehe gerade, das Thema heißt ja "ältere hartz-Vier-Menschen", dann bitte löschen.