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Autor Thema: BGH: Schmerzensgeld auch bei rechtmäßigen Behördenmaßnahmen möglich  (Gelesen 1132 mal)

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Offline oldhoefi

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Schmerzensgeld auch bei rechtmäßigen Behördenmaßnahmen möglich

Mit einem sehr wichtigen Urteil hat der BGH entschieden, dass der Anspruch auf Entschädigung für hoheitliche Eingriffe in Leben, körperliche Unversehrtheit oder Freiheit (sog. Aufopferung) auch einen Schmerzensgeldanspruch umfasst.

Bisher hat der BGH die Ersatzpflicht bei Eingriffen in immaterielle Rechtsgüter grundsätzlich auf daraus folgende Vermögensschäden beschränkt. Hier gibt es jetzt eine deutliche Rechtspositionsänderung.

Damit hat der BGH grundsätzlich den Weg aufgemacht bei Eingriffen in immaterielle Rechtsgüter, zum Beispiel bei übergriffigen Eingriffen durch Jobcenter, Schadensersatzansprüche gegen diese geltend machen zu können.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 07.09.2017 – III ZR 71/17

BGH Pressemitteilung vom 11.09.2017 --> http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=pm&Datum=2017&Sort=3&nr=79490&pos=0&anz=139

(Zitat und Quelle: Harald Thomé – Newsletter vom 02.10.2017)
„Ein Kluger bemerkt alles - ein Dummer macht über alles eine Bemerkung.“ (Heinrich Heine)

Offline Martell

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Damit hat der BGH grundsätzlich den Weg aufgemacht bei Eingriffen in immaterielle Rechtsgüter, zum Beispiel bei übergriffigen Eingriffen durch Jobcenter, Schadensersatzansprüche gegen diese geltend machen zu können.
Da irrt der Thome. Entsprechend schwer wird es ihm fallen, eine Fallkonstellation zu kreieren, in der der Aufopferungsanspruch greifen würde.

Offline dagobert1

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Damit hat der BGH grundsätzlich den Weg aufgemacht bei Eingriffen in immaterielle Rechtsgüter, zum Beispiel bei übergriffigen Eingriffen durch Jobcenter, Schadensersatzansprüche gegen diese geltend machen zu können.
Da irrt der Thome.
Nicht unbedingt.
Wenn ein Schadensersatz- bzw. Schmerzensgeldanspruch bei (in diesem Fall) rechtmäßigem Behördenhandeln geltend gemacht werden kann, dann dürfte dies bei unrechtmäßigem Behördenhandeln (z.B. willkürliche Zahlungseinstellungen) erst recht möglich sein.
Auch in einem Forum wie diesem gilt: Wer am lautesten schreit, hat deswegen nicht automatisch recht.

Offline unicon

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Bei unrechtmäßigem Verhalten ging das ja schon immer.

Und im Aufopferungsfall müsste ein vollständig Unbeteiligter Opfer einer Handlung eines Mitarbeiters des JC werden.

Wie soll das aussehen?

Offline Orakel

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Ist doch egal. Irgendein YouTube-Rechtsexperte wird sich schon finden, der das Urteil zurechtbiegt. Und wenn es nicht gelingt, dann haben halt die Richter keine Ahnung ...
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Offline oldhoefi

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Zitat von: oldhoefi am 07. Oktober 2017, 04:51:03
Damit hat der BGH grundsätzlich den Weg aufgemacht bei Eingriffen in immaterielle Rechtsgüter, zum Beispiel bei übergriffigen Eingriffen durch Jobcenter, Schadensersatzansprüche gegen diese geltend machen zu können.
Ich kann diese – von mir fett hervorgehobene – Auffassung auch nicht teilen.

Da bin ich schon beim Einstellen des Beitrages darüber gestolpert.
„Ein Kluger bemerkt alles - ein Dummer macht über alles eine Bemerkung.“ (Heinrich Heine)

Offline dagobert1

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H. Thome hätte auch vielleicht besser nicht Schadenersatz, sondern Schmerzensgeld schreiben sollen. Denn da verbirgt sich die eigentliche Neuerung an dem Urteil.

Der Volltext ist inzwischen draußen und über den obigen Link zur Pressemitteilung zu finden.
Auch in einem Forum wie diesem gilt: Wer am lautesten schreit, hat deswegen nicht automatisch recht.

Offline Martell

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H. Thome hätte auch vielleicht besser nicht Schadenersatz, sondern Schmerzensgeld schreiben sollen. Denn da verbirgt sich die eigentliche Neuerung an dem Urteil.
Das ändert nichts, denn nach wie vor geht es um den Aufopferungsanspruch. Und da kann ich mir derzeit keinerlei Fallkonstellation vorstellen, in der der Aufopferungsanspruch "bei übergriffigen Eingriffen durch Jobcenter" greifen könnte.