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Autor Thema: Mit Inkassobüro verhandeln - brauche Hilfe  (Gelesen 982 mal)

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Offline 5vor12

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Mit Inkassobüro verhandeln - brauche Hilfe
« am: 22. Juli 2017, 21:01:46 »
Hallo,

seit gut einem Jahr bin ich endlich aus Hartz IV raus.
Ich habe von meinen Eltern ein Einfamilienhaus geerbt und lebte bis vor kurzem von der Miete, die aber nicht reichte, da ich noch eine 12-jährige Tochter habe. Nun habe ich vor einem Monat endlich einen Job gefunden, so dass unsere finanziell enge Zeit endlich vorbei ist.

Leider habe ich aus meiner Ehe noch einige Schulden meines Ex-Mannes abzutragen, was bisher mangels Geld nicht ging. Weil es durch meinen neuen Job aber endlich möglich ist, möchte ich sie nun natürlich loswerden.

Insgesamt sind es 5 Gläubiger. Mit zweien habe ich bereits eine Regelung für die Raten treffen können.
Nun habe ich nach einem Telefonat mit einem der Inkassobüros ein Schreiben bekommen, in dem sie mir, wie telefonisch besprochen, einen Antrag für eine Ratenzahlung schicken. Aber diesen Antrag möchte ich so keinesfalls unterschreiben, und zwar aus folgenden Gründen:

1. Die Forderung ist deutlich höher als vom Gerichtsvollzieher benannt. (Allerdings war das 2012)
    Es sind somit wahrscheinlich die angefallenen Zinsen. Aber trotzdem muss das doch irgendwie aufgeführt werden, damit es nachvollziehbar
    ist?

2. Ich soll meine gesamten Ansprüche auf alle Einnahmen und Sozialleistungen abtreten. Von dieser Abtretung wird Gebrauch gemacht, wenn
    ich mit der Höhe von zwei Monatsraten in Verzug gerate.

3. Ich soll eine sehr umfangreiche und detaillierte Selbstauskunft ausfüllen.
    U.a. wollen die Auskünfte zu:
    - meine Mobilnummer
    - meinen Kindern und deren Einkünfte
    - meine gesamten Einnahmen
    - meine gesamten Ausgaben
    - Versicherungen
    - meinen Arbeitgeber
    - andere Schulden


Ist das alles so überhaupt rechtens?  :scratch:
Wenn ich jetzt nicht bereit bin, einen solchen Antrag mit Selbstauskunft zu unterzeichnen, was kann schlimmstenfalls passieren?
Und was ist, wenn ich einfach jeden Monat einen Betrag in Höhe der Rate überweise?

Danke für euer Interesse und eure Hilfe.   :smile:

Einen schönen Abend wünscht euch
5vor12        :bye:         

Offline coolio

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Re: Mit Inkassobüro verhandeln - brauche Hilfe
« Antwort #1 am: 22. Juli 2017, 21:12:03 »
Bei der Forderung dürfen lediglich Zinsen lt. Recht (also 4% über aktuellem Basis Zinssatz)- derzeit knapp über 0% verlangt werden - die der GV auch verrechnen würde. (passenden Begriff habe ic gerade nicht in der Birne)
Die Inkassos rechnen da meist die eigenen Kosten ein, was regelmässig zu eine Multiplizierung  statt moderaten Erhöhung der Forderung führt.
Du hast das Recht bzw. das Inkasso die Pflicht eine GV fähige Abrechnung vorzulegen.
Hast Du die EV/Vermögensverzeichnis schon abgegeben?
2012? - nicht verjährt? auch hier Vorsicht!
Wenn ich ein Angebot über eine einmal Zahlung mache, erwarte ich mir mindestens einen Nachlass von 50% der Hauptforderung von der Inkasso!
Das ist freie Marktwirtschaft und die Inkasso sowieso nur die Abzocker auf unterstem Level.
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Offline 5vor12

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Re: Mit Inkassobüro verhandeln - brauche Hilfe
« Antwort #2 am: 22. Juli 2017, 21:38:38 »
Danke, coolio, für deine schnelle Antwort.  :sehrgut:

Ich werde also auf jeden Fall ernst nochmal eine genaue Forderungsaufstellung anfordern.

Ja, 2012 habe ich eine sogenannte Vermögensauskunft abgegeben.
Aber verjährt ist die Forderung leider nicht, da sie ja mit einem Vollstreckungsbescheid tituliert ist.

Einen Nachlass werde ich nicht  bekommen, da ich ja kein Vergleichsangebot mit größerer Einmalzahlung machen kann, sondern ganz normal monatliche Raten.

Was sagst du zu der Abtretung und der Selbstauskunft?

Offline coolio

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Re: Mit Inkassobüro verhandeln - brauche Hilfe
« Antwort #3 am: 22. Juli 2017, 21:55:12 »
besser nix!  :grins: wars klar genug?
Also: V-Auskunft ist da, Inkasso schaut in die Röhre!
Deal or no deal?  :smile:
Die nehmen auch den Spatz in der Hand.
Wie hoch war die Ursprungsforderung?
Davon getilgt?
Wo ist Dein EX eigentlich? Hat der damit so garnix zu tun?
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Offline 5vor12

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Re: Mit Inkassobüro verhandeln - brauche Hilfe
« Antwort #4 am: 22. Juli 2017, 22:08:33 »
V-Auskunft ist da, aber seit 2012 hat sich doch was geändert. Könnten die wieder eine verlangen? Also natürlich quasi "in Auftrag geben" beim GV?

2012 bei Abgabe der V-Auskunft lag die Forderung laut GV bei rund 1800,-- Euro.
Wir hatten vorher auf die ursprünliche Forderung von 3000,-- Euro schon Zahlungen geleistet. 2012 ging dann nichts mehr wegen Hartz IV. Die Restforderung belief sich damals auf 1200,-- Euro. Aber, wie gesagt, dann ging leider nichts mehr. Es war ein Kredit und es entstanden Kosten für die Vertragskündigung, Gerichtliches Mahnverfahren etc.

Mein Ex hat Verbraucherinsolvenz. Der ist raus aus dem Schneider. :sad:

Offline coolio

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Re: Mit Inkassobüro verhandeln - brauche Hilfe
« Antwort #5 am: 22. Juli 2017, 22:31:40 »
Zitat
Könnten die wieder eine verlangen? Also natürlich quasi "in Auftrag geben" beim GV?
Ich glaube aktuell alle 3 Jahre.
Nur aus Neugier: was würde denn das Inkasso aktuell gerne haben wollen?
Die Vorfälligkeitsgebühren stehen auch ernsthaft in der Kritik... wäre aber ne eigene Baustelle.
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Offline scire

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Re: Mit Inkassobüro verhandeln - brauche Hilfe
« Antwort #6 am: 23. Juli 2017, 09:32:48 »
Zur Klarstellung:

wenn mit einem Inkasso-Unternehmen ein Vergleich geschlossen wird, gleichgültig ob Raten oder Forderungs-Teilverzicht, kann das Inkasso-Unternehmen wie auch jeder RA hierfür eine Vergleichsgebühr in Rechnung stellen.
Die Vergleichsgebühr erhöht die Gesamtforderung.

Zahlungen des Schuldners werden entsprechend gesetzlicher Regelung erst auf Kosten, dann auf die Zinsen und erst dann auf die Hauptforderung berechnet.

Die Vermögensauskunft wird für die Dauer von 2 Jahren abgegeben. Die "frühere Eidesstattliche Versicherung" galt für 3 Jahre.
Allerdings kann die Vermögensauskunft auch innerhalb der 2 Jahre auf Antrag "ergänzt" werden, wenn der Gläubiger dies beantragt und mit einer Änderung der wirtschaftlichen Verhältnisse des Schuldners  begründet.
VE

Offline 5vor12

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Re: Mit Inkassobüro verhandeln - brauche Hilfe
« Antwort #7 am: 23. Juli 2017, 15:30:37 »
@coolio
Die wollen jetzt 2270 Euro haben.

@scire
Die Gesamtforderung wird im Schreiben vom Inkassobüro aber nicht näher erläutert, sie wird einfach nur genannt. Das ist für mich so nicht nachvollziehbar und darum auch nicht okay. Es muss schon eine detaillierte Forderungsaufstellung vorgelegt werden.

Zahlungen des Schuldners werden entsprechend gesetzlicher Regelung erst auf Kosten, dann auf die Zinsen und erst dann auf die Hauptforderung berechnet.
Wo steht das genau?
Ich habe da schon anderes gelesen. Wenn man selbst bei Zahlung genau angibt, wofür die Zahlung ist, dann muss das vom Inkassobüro auch so verbucht werden. So habe ich es an mehreren Stellen gelesen.

Gast30751

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Re: Mit Inkassobüro verhandeln - brauche Hilfe
« Antwort #8 am: 23. Juli 2017, 15:34:10 »
Ich glaube ich kenne das Inkassounternehmen.

Ignoriere dieses Schreiben und fülle es nicht aus, zu mal denen mittlerweile auch bekannt sein sollte, dass Sozialleistungen nicht abgetreten werden können.

Außerdem solltest du, sofern du es versäumt hast, nochmals anrufen und darum bitten den Betrag zu fixen. Das bedeutet, die sollen einen fixen Betrag nennen, damit lässt es sich nämlich um einiges einfacher für die Zukunft planen und auch eine Ratenzahlung vereinbaren, die man immer einhalten kann (habe ich seinerzeit auch so gemacht und einige haben tatsächlich auch auf einen Großteil der Zinsen und 2 sogar komplett verzichtet).

Außerdem kannst du eine komplette Forderungsaufstellung verlangen, die muss kostenlos auf verlangen von dir zugesendet werden!

https://www.inkassoportal.de/lexikon/forderungsaufstellung

Und coolio (nur der Vollständigkeit wegen)

Die Zinsen betragen 5% über dem Basiszinssatz, das bedeutet, nur weil derzeit ein Negativzins vorhanden ist, beträgt der aktuelle Zinssatz ca 4%

https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__288.html

Und so generell sollte man sich die Zinsberechnungen immer genauer anschauen. Habe so einige Inkassobüros gehabt, die haben sich nicht daran gehalten und den Zinssatz entsprechend immer dem aktuellen Basiszinssatz angepasst. Das bedeutet, wenn man zum Beispiel Schulden aus 2006 hatte mit einem Zinssatz von 7,XX% rechnen die auch noch heute damit, obwohl das nicht zulässig ist!

Nachtrag zu der Frage, wo das steht bzgl Abrechnung Kosten, Zinsen etc. Das steht hier

https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__367.html

Natürlich kann man allerdings auch individuelle Vereinbarungen dazu treffen, wo dann beide Seiten sich darüber einigen, dass erst die Hauptforderung getilgt wird etc pp