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Autor Thema: Vorladung als Beschuldigte, Ermittlungsverfahren  (Gelesen 2462 mal)

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Offline mystik-1

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Vorladung als Beschuldigte, Ermittlungsverfahren
« am: 18. Januar 2018, 16:07:18 »
 :schock:
Hallo, ich dachte nach vollendeter Zwangsversteigerung geht es endlich aufwärts.  Das dem schon beim Jobcenter nicht so ist, merke ich.
Jetzt kam der nächste  Hammer. Mir wurde eine Vorladung zur Polizei zugestellt. Diebstahl/Sachbeschädigung, Anfang November. Da es sich um mein Exeinfamilienhaus handelt, kommt das dann vermutlich von den Neueigentümern?!
Soweit ich weiss, sollte man bei der Polizei gar nichts sagen und Akteneinsicht durch Dritte beantragen lassen? Anwalt kostet Geld und ich bin mir keiner Schuld bewusst. Zwangsversteigerung, es war vorher niemand im Haus drinnen. Im besagten Zeitraum auch kein Fremder, ausser es wäre jemand eingebrochen und behauptet jetzt würde was fehlen. Was denn? Meine Möbel?
Die Neueigentümer hatten vorab schriftlich angekündigt Schadenersatz zu fordern, wenn Schimmel o.ä.vorhanden ist. Schimmel war vor Versteigerung längst da.
Da ich mir absolut keiner Schuld bewusst bin, fühle ich mich zu Unrecht angeprangert.
Muss ich zur Vernehmung, auch wenn ich nichts sagen sollte? Oder bin ich dann erst recht verdächtig, weil ich nichts sagen möchte ohne vorher zu wissen, was mir überhaupt konkret vorgeworfen wird? Habe damit keine Erfahrung.
 :sad:

Offline Sheherazade

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Re: Vorladung als Beschuldigte, Ermittlungsverfahren
« Antwort #1 am: 18. Januar 2018, 16:17:31 »
Ich würde der Vorladung auf jeden Fall Folge leisten, alleine um zu erfahren, worum es geht. Wahrscheinlich musst du nichts sagen, was dich selbst belastet, aber du hast dir doch nichts vorzuwerfen, schreibst du. Ggf. stellt die Polizei die Ermittlungen aufgrund deiner Aussage auch ein. Eine Anzeige kann jeder bei der Polizei erstatten, die müssen dann erst mal den Sachverhalt prüfen - um mehr geht es hier gerade nicht.
Gesunder Menschenverstand ist kein Geschenk, es ist eine Strafe. Denn man muss mit all denen klar kommen, die keinen besitzen. (von unbekannt)

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Offline Keen

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Re: Vorladung als Beschuldigte, Ermittlungsverfahren
« Antwort #2 am: 18. Januar 2018, 16:29:17 »
Ich würde der Vorladung auf keinen Fall folge leisten.
Es gibt keinen Strafverteidiger der dir zu einer Aussagen raten wird.

Beschuldigte haben oftmals die Befürchtung, dass ihnen das Schweigen negativ ausgelegt wird. Im Strafprozess darf das Schweigen auf keinen Fall negativ ausgelegt werden. Aussagen dürfen dagegen negativ ausgelegt werden.
Aussagen gegenüber der Polizei (als Beschuldigter) richten in aller Regel nur Schaden an. Sollte deine Aussage wirklich gute Auswirkungen haben, kann man die im späteren Ablauf des Verfahrens immer noch stellen. Selbst wenn du bei der Polizei anrufst und den Termin absagst und dort ein paar Worte zum Fall sagst gilt dies als Aussage gegen über der Polizei.
Einstellen tut auch nicht die Polizei das Ermittlungsverfahren sondern die Staatsanwaltschaft.

Offline NevAda

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Re: Vorladung als Beschuldigte, Ermittlungsverfahren
« Antwort #3 am: 18. Januar 2018, 16:30:50 »
Aber wenn sie nicht geht, wird sie nie erfahren, worum es geht!!

Offline Sheherazade

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Re: Vorladung als Beschuldigte, Ermittlungsverfahren
« Antwort #4 am: 18. Januar 2018, 16:34:34 »
Aussagen gegenüber der Polizei (als Beschuldigter) richten in aller Regel nur Schaden an.

Wenn man Dreck am Stecken hat ganz bestimmt sogar. Ansonsten ist deine Aussage Blödsinn.
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Offline mystik-1

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Re: Vorladung als Beschuldigte, Ermittlungsverfahren
« Antwort #5 am: 18. Januar 2018, 16:57:37 »
Aber wenn sie nicht geht, wird sie nie erfahren, worum es geht!!
Sagen die mir das ohne Anwalt denn auch alles als Beschuldigte?

Ich war erst ein mal bei der Polizei mit Kind. Mein Kind war Zeuge. Bei Befragung hab ich irgendwann nicht mehr gewusst ob er Zeuge oder doch Beschuldigter war.  :schock:
(Er war wirklich nur Zeuge)


Offline Sheherazade

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Re: Vorladung als Beschuldigte, Ermittlungsverfahren
« Antwort #6 am: 18. Januar 2018, 17:01:11 »
Mal einfach erklärt:

Zitat
Wann erhalte ich eine Strafanzeige?

Hast Du eine vermeintliche Straftat begangen, kann das Opfer gegen Dich eine Strafanzeige erstatten. Eine Strafanzeige ist ein Hinweis darauf, dass eine Straftat begangen worden sein könnte. Eine Strafanzeige kann jeder erstatten. Solltest du also die Mitteilung erhalten, dass eine Strafanzeige gegen Dich erstattet wurde, wirst Du zunächst nur verdächtigt, etwas Verbotenes getan zu haben.


Was passiert bei einer Anzeige?

Es wird nun gegen und für Dich ermittelt. Das nennt man Ermittlungsverfahren. Hat das Opfer bei der Polizei Strafanzeige gestellt, ermittelt häufig nur die Polizei. Aber auch die Staatsanwaltschaft kann ermitteln. Wer tatsächlich ermittelt, macht für Dich als Angezeigter keinen Unterschied. Die Staatsanwaltschaft oder Polizei versucht nach der Anzeige in Erfahrung zu bringen, was genau passiert ist. Sie untersuchen, welche Umstände tatsächlich bei dem angezeigten Tathergang vorgelegen haben und versuchen unter anderem Antworten auf die folgenden Fragen zu finden: Wer war beteiligt? Wer hat in Notwehr gehandelt? Welche strafbaren Handlungen wurden tatsächlich begangen? Außerdem sichern sie Beweise. Dabei verlassen sich die Behörden nicht nur auf die Aussage des Opfers. Es werden auch Zeugen gehört, Fotobeweise genommen und auch Du wirst zur Aussage gebeten.

Diese Aussage ist freiwillig. Du musst nicht bei der Polizei oder Staatsanwaltschaft aussagen. In vielen Fällen ist es jedoch ratsam, der Ladung zur Aussage nachzugehen - sonst steht in der Ermittlungsakte nur die Darstellung des Opfers oder eines Zeugen. Die müssen nicht richtig sein und können Dich unangemessen belasten.

Wichtig: Du bist noch nicht angeklagt, es ist daher nicht unbedingt notwendig, dass Du zu einem Rechtsanwalt gehst. Die Polizei oder die Staatsanwaltschaft wird Dich jedoch zu einer Aussage laden. Eine anwaltliche Beratung vor der Aussage, kann Dir helfen, die Geschehnisse richtig darzustellen.

Mit welchen weiiteren Konsequenzen muss ich nach einer Anzeige rechnen?

Der erste Schritt der Ermittlungsbehörden wird oft die Anhörung von Zeugen, Opfern und vermeintlichen Täter sein. Du wirst also häufig eine Ladung zur Aussage bei der Polizei oder bei der Staatsanwaltschaft erhalten. Du bist nicht verpflichtet, zu erscheinen. Solltest Du nicht auf die Vorladung reagieren, darfst Du nicht zur Aussage gezwungen werden.

Vor der Aussage musst du ordnungsgemäß belehrt werden. Die Belehrung sollte enthalten, dass man nicht verpflichtet ist, auszusagen, man sich nicht selbst belasten muss, dass es einem frei steht, einen Rechtsbeistand hinzuzuziehen und dass frühere Aussagen die Selbstbelastungsfreiheit in dieser Aussage nicht beeinflussen. Solltest Du falsch oder gar nicht belehrt werden, hat das für Dich keine Nachteile. Du solltest es Deinem Rechtsanwalt aber später mitteilen.
Quelle
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Offline Orakel

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Re: Vorladung als Beschuldigte, Ermittlungsverfahren
« Antwort #7 am: 18. Januar 2018, 17:06:24 »
Und im Zweifel hilft ein Blick ins Gesetz, hier § 136 StPO ...
Rechtlicher Hinweis: Zu Risiken und Nebenwirkungen meiner Beiträge fragen Sie bitte Ihren Rechtsanwalt oder Steuerberater. Rechtsanwälte und Steuerberater sind allerdings berechtigt, sich die Beantwortung Ihrer Fragen bezahlen zu lassen.
Ein Blick ins Buch und zwei ins Leben // wird die rechte Form dem Geiste geben. (Johann Wolfgang von Goethe)
Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)

Offline mystik-1

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Re: Vorladung als Beschuldigte, Ermittlungsverfahren
« Antwort #8 am: 18. Januar 2018, 17:25:01 »
Danke. Dann kann ich nur hoffen herauszufinden, was konkret vorgeworfen wird. Bei einer ZV kauft man die Katze im Sack. Sie wissen auch, dass geldlich nichts zu holen ist und keiner im ZV-verfahren (Gutachter, Neueigentümer usw) vorher das Haus von innen gesehen hat. Sie kündigten schriftlich an das Haus eigenmächtig aufzubrechen. Ob dabei etwas beschädigt wurde?
Jetzt weiss ich ja noch keine Details, aber wenn sich herausstellt, dass von vorne herein eine Anschuldigung gar nicht bewiesen werden konnte oder meine Unschuld feststeht, wäre dann eine Anzeige meinerseits sinnvoll? Bei so einer Anzeige hat es ja auch Folgen für mich.

Ich empfand die vielen Briefe mit zig Forderungen, Ankündigung uns trotz Auszug als Bewohner beim Jobcenter zu melden und Miete vom Jobcenter zu fordern, trotz Hausverbot mehrfach auf dem geschlossenen Grundstück meiner Whg auf uns zu warten, schriftlich anzukündigen Hausrat oder Müll meines Exeigenheimes auf das Grundstück meiner Vermieter zu kippen usw.schon fast Psychoterror. Und jetzt Mitte Januar Anzeige für Anfang November.

Offline mousekiller

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Re: Vorladung als Beschuldigte, Ermittlungsverfahren
« Antwort #9 am: 18. Januar 2018, 17:45:21 »
Als Beschuldigte hast du keine Pflicht, eine Aussage zu tätigen. Zu der Ladung sollte seitens der Polizei ein Fragebogen mitgesandt worden sein.

Dort machst du lediglich die Pflichtangaben: Name, Wohnort, Geburtsdatum, Einkommen. Mehr nicht.

Du gibst ausdrücklich an, keine Aussagen machen zu wollen und schickst das zurück. Den Ladungstermin kannst du ignorieren.

In der Sache wird dann die Akte nach Ende der Ermittlungen an die Staatsanwaltschaft abgegeben und irgendwann ein Verfahren terminiert.

Rat am Rande: Suche dir einen Anwalt, es muß nicht zwingend ein Strafverteidiger sein. Der kann für dich Akteneinsicht beantragen und dir beistehen.
Die meisten Anwälte schließen in solchen Fällen Honorarvereinbarungen ab. Das Honorar richtet sich meistens nach dem Streitwert. Du findest mit Sicherheit auch einen Anwalt, der mit Ratenzahlung einverstanden ist.

Sollte sich im Nachhinein herausstellen, dass du keine Schuld hast, zahlt die Staatskasse deine Auslagen. So oder so: bei Strafsachen ist ein Anwalt immer ratsam.
Welcome to Babylon the traitors' homes of nower days ~ Diary of Dreams

Offline mystik-1

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Re: Vorladung als Beschuldigte, Ermittlungsverfahren
« Antwort #10 am: 18. Januar 2018, 17:52:50 »
Im Brief war nur die Vorladung, keine weitere Seite.

Offline Sheherazade

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Re: Vorladung als Beschuldigte, Ermittlungsverfahren
« Antwort #11 am: 18. Januar 2018, 18:29:19 »
Jetzt weiss ich ja noch keine Details, aber wenn sich herausstellt, dass von vorne herein eine Anschuldigung gar nicht bewiesen werden konnte oder meine Unschuld feststeht, wäre dann eine Anzeige meinerseits sinnvoll?

Bist du dir sicher, dass du so eine (überflüssige) Nebenbaustelle noch gebrauchen kannst?
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Re: Vorladung als Beschuldigte, Ermittlungsverfahren
« Antwort #12 am: 18. Januar 2018, 18:37:09 »
"FragRobin" ist ja mal eine seriöse Quelle. Da haste aber lange suchen müssen um jemanden mit dieser Meinung zu finden.

Auszug aus seriösen Quellen:
Zitat
Rechtsanwalt und Strafverteidiger Dr. Hennig: „Einer polizeilichen Beschuldigtenvorladung müssen – und sollten – Sie niemals Folge leisten.“
https://www.anwalt.de/rechtstipps/umgang-mit-einer-polizeilichen-vorladung_108490.html

Zitat
Viele Beschuldigte haben die Befürchtung, dass ihnen ein Schweigen negativ ausgelegt wird. Strafprozessual darf das Schweigen jedoch gerade nicht negativ gewertet werden, Ihre Aussage jedoch schon. Gleiches gilt für ein „Teilschweigen“.

Gegenüber der Polizei können Sie mit einer Aussage in der Regel nur Schaden anrichten. Eine Aussage, die positive Auswirkungen haben könnte, können Sie auch problemlos in einem späteren Stadium des Verfahrens nach Rücksprache mit einem erfahrenen Strafverteidiger vorbringen.
https://www.strafrecht-bundesweit.de/strafrecht-blog/verhalten-als-beschuldigter-bei-einer-polizeilichen-vorladung/
usw. usw. usw.

Hier weitere Ergebnisse bei der Suche nach Verhaltensweisen:
https://www.google.de/search?q=verhalten+bei+polizeilicher+vorladung&rlz=1C1CHBD_deDE735DE739&oq=verhalten+&aqs=chrome.0.69i59j69i57j69i61j69i60j69i61j0.3844j1j9&sourceid=chrome&ie=UTF-8

Offline mystik-1

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Re: Vorladung als Beschuldigte, Ermittlungsverfahren
« Antwort #13 am: 18. Januar 2018, 18:51:55 »
Zitat von: Sheherazade link=topic=113040.msg1241200#msg1241200

Bist du dir sicher, dass du so eine (überflüssige) Nebenbaustelle noch gebrauchen kannst?

Der Ort ist klein. Was meinst Du welche Gerüchte hier seit ZV schon losgingen. Sie verlangen vom JC immerhin noch bis Ende Januar Miete. (Wer weiss ob das sogar mit der Verweigerung meiner aktuellen KDU zusammenhängt?) Da ist der Zeitraum in der Vorladung sehr interessant.
Zumal in meiner neuen Nachbarschaft schon das Gerede losgeht, wer die sind, die hier rumstehen und warten.

Offline CCR

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Re: Vorladung als Beschuldigte, Ermittlungsverfahren
« Antwort #14 am: 18. Januar 2018, 20:14:25 »
wenn man nicht hin will kann man im Netz einen Anwalt beauftragen der die Akte von der Staatsanwaltschaft dir kopiert und nach Hause schickt etwa 30€.
Wir leben in einem System,  in dem man entweder Rad sein muss  oder unter die Räder gerät.


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