Zur optimalen Funktion verwenden wir Cookies. Durch die Nutzung von hartz.info stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.

Autor Thema: Kurse in christlicher/kirchlicher Trägerschaft  (Gelesen 640 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline pad008

  • öfter hier
  • *
  • Beiträge: 12
Kurse in christlicher/kirchlicher Trägerschaft
« am: 16. April 2018, 09:47:02 »
Hallo,

wie ist das wenn man aus Überzeugung schon vor dem Studium und über 20 Jahre her aus der Kirche ausgetreten ist und also dort auf dem normalen Arbeitsmarkt keine Anstellung findet.

In den 1 Euro Jobs ist man von kirchlicher Seite nicht so wählerisch..., und da kann man sich was bei denken!

Wenn es ansonsten menschlich passt und die christliche Lebenshaltung nicht missioniert wird , o.k. aber sehr viele der sozialen Angebote sind in christlicher Trägerschaft und jemanden dort nicht arbeiten lassen zu wollen nach einem Kirchenaustritt kann durchaus gute Gründe haben. Tägliche Diskussionen vermeiden, kann ja anstrengend für beide Seiten werden!

Wie ist das wenn man auch anderweitig aktiv ist und z.B. Mitglied bei der Giordano-Bruno-Stiftung.

Kann man solche Maßnahmen verweigern?
Also der HIWI in der christlichen KITA/Altenheim o.ä., der aber nix kostet (Hurra, Hurra!) und den man für GELD auch nie einstellen würde? Boden putzen, Klo, Küchendienst - aber Gespräche verboten!

Eigentlich Privatsache..., und nicht mein Thema Nummer 1 (vor dem Studium ausgetreten!) an christlichen Ritualen wie Tischgebeten o.ä. möchte ich nach 25 Jahren nicht zwangsweise plötzlich teilnehmen müssen. Nicht nur beim Geld muss man die Hosen runter lassen. Nervt einfach und möchte mit einer Behörde nicht über meine Lebenshaltung diskutieren.

Offline Sheherazade

  • Urgestein
  • ****
  • Beiträge: 31920
Re: Kurse in christlicher/kirchlicher Trägerschaft
« Antwort #1 am: 16. April 2018, 09:59:12 »
Kann man solche Maßnahmen verweigern?

Würde ich nicht tun, da man 1. kein Gesprächsverbot hat und 2. innerhalb der Maßnahme kaum zum Essen eingeladen wird und es dann auch keinen Zwang zu Tischgebeten geben wird - demnach fehlen hier einfach plausible Gründe für eine Verweigerung.

Die Maßnahmezuweisung kann man besser im Vorfeld auseinandernehmen - da findet sich meist was.
Hallo liebe "Klartextsprecher", "Wahrheitsager" und "Durchblicker". Begreift es doch endlich: Ihr dürft in diesem Land aussprechen, was ihr möchtet. Immer! Und sei es noch so unsachlich, hasserfüllt und dumm. Ihr dürft einfach nur nicht erwarten, dass andere euch zustimmen. (ruthe.de)

Alles, was das Böse benötigt, um zu triumphieren, ist das Schweigen der Mehrheit. (Kofi Annan)

Offline pad008

  • öfter hier
  • *
  • Beiträge: 12
Re: Kurse in christlicher/kirchlicher Trägerschaft
« Antwort #2 am: 16. April 2018, 10:14:50 »
Diskutiere halt gern und bei der Giordano-Bruno-Stiftung aktiv. Von Arche usw. hatte ich bisher große Stücke gehalten bis ich ein bisschen weiter recherchiert hatte. Also ich halte bei Konfrontation oder Mobbing mit meiner Meinung nicht in den Berg, weil es ja sehr einfache DIENSTE sind für die 1 Euro Jobber eingeteilt werden, notleidende Menschen DIREKT unterstütze ich SEHR gerne aber nicht die Institution und man muss da wohl sehen wo der Schwerpunkt liegt und welche Freiheiten man hat. > Diskutieren Sie nicht über Gott mit unseren Patienten! < , würde ich mir allerdings nicht verbieten lassen wenn es ggf. dazu kommen würde. Kurz: versuchen die es mit einem wie mir, hatte das bisher nicht für nötig (!) gehalten dem JC mitzuteilen, GELL?! ;-) 

Online BigMama

  • Urgestein
  • ****
  • Beiträge: 4271
  • Für das Können gibt es nur einen Beweis: das TUN!
Re: Kurse in christlicher/kirchlicher Trägerschaft
« Antwort #3 am: 16. April 2018, 10:42:01 »
Eine für mich sehr interessante Frage   :scratch:
Steht denn konkret etwas an? Ich denke, dass sich deine Frage nicht so pauschal mit ja oder nein beantworten lässt.
Obwohl ich voll und ganz hinter deiner Haltung stehe (siehe meine Signatur  :grins:) kann ich dir nicht versichern, dass du ohne Sanktion eine Maßnahme bei einem kirchlichen Träger ablehnen kannst. Pauschal ablehnen wird bestimmt zu ner Sanktion führen.
Ansonsten schließe ich mich @Sheherazades Ausführungen an.
Die Welt wird nicht von skrupellosen Verbrechern, finstren Kapitalisten oder machtgierigen Despoten regiert, sondern von einer gigantischen, weltumspannenden RIESENBLÖDHEIT.
Wer´s nicht glaubt, ist schon infiziert.
(Michael Schmidt-Salomon, GBS-Sprecher)

Offline pad008

  • öfter hier
  • *
  • Beiträge: 12
Re: Kurse in christlicher/kirchlicher Trägerschaft
« Antwort #4 am: 16. April 2018, 11:20:33 »
Was mir aufgefallen ist, dass mich diese Termine beim Job Center sehr stressen.

Unter meiner Arbeitslosigkeit leide ich eigentlich nicht so, ich lese sehr viel und habe keine Langeweile und suche auch nicht DIE Bestätigung in irgend einer Arbeit! Klar das Geld fehlt und Kollegen, aber ich bin meist beschäftigt und habe 90% Kontakte in kulturellen oder Studentenleben. Kurz ich habe ein ganz anderes Weltbild als dort im Amt.

Meine Freundin (20 Jahre jünger) kommt erst aus dem asiatischen Kulturkreis und im Buddhismus wird zum Beispiel Arbeit lediglich als Quelle für Geld gesehen. Kein Max Weber, keine protestantische Arbeitsethik.

Ich lebe in einer Großstadt und hier gibt es alles... aber um seine Lebenseinstellung behaupten zu können schadet es wohl nicht ein Einkommen zu haben! ;-)

Ich habe Bekannte die buddhistische Mönche in der Schweiz sind und den Kommentar eines Schweizers > in der Schweiz ohne Geld zu leben könnte schwierig werden... < kurz man ist hier dem Thema Geld sehr versessen und da ich mich dem wohl oder übel beugen muss sind mir diese Termine beim Job Center äußerst unangenehm. Verleugne mich schon etwas um nicht als Querulant aufzufallen und dort unter die Räder zu kommen. Beamtenfamilie kenne das dort! ;-)

> Eine (besondere) Lebenseinstellung können Sie sich leisten wenn sie ihr eigenes Geld verdienen! < , darauf könnte es in etwa hinauslaufen auch wenn es niemand offen sagt. Weil mir das bewusst war habe ich mich wohl selbst mit einer angeschlagenen Gesundheit nach einer schweren OP selbst wieder an die Arbeit zurück gequält um einfach dieser Konfrontation > Erst Arbeit gibt dem Leben Sinn und Würde < aus dem Weg zu gehen für das ich auch keine Lösung sehe. Wir leben halt in diesem Kulturkreis, auch wenn das weder für mich noch 50% der Bewohner meiner Großstadt gilt.

Offline abcxyz

  • öfter hier
  • *
  • Beiträge: 32
Re: Kurse in christlicher/kirchlicher Trägerschaft
« Antwort #5 am: 16. April 2018, 16:01:17 »
Warum tust du dir bei deiner Einstellung all das Überhaupt an?
Du musst dich nicht arbeitslos melden. Du verteidigst dein Weltbild und auch ich denke, Vielfalt kann nur gut sein.
Auch ohne direktes Einkommen zu leben ist möglich. Ich habe mal einen interessanten Artikel gelesen über einen jungen Mann, war nicht Arbeitslos gemeldet und hat sein Leben durch Tauschgeschäfte organisiert. Er hat entweder Waren getauscht oder Dienstleistungen angeboten (z.B. Zimmer streichen) im Austausch gegen andere Waren oder was er benötigt hat. Er war da recht konsequent und so konnte ihn niemand zu etwas zwingen was er nicht selbst wollte. Wäre auch etwas für dich denke ich. Ich weiß nicht ob du im Leistungsbezug bist oder hier nur hypothetische Fragen stellst. Doch wenn du im Leistungsbezug bist kannst du nicht einerseits Leistungen erwarten und auf der anderen Seite unbegrenztes Verständnis für dein Weltbild.

Offline eder

  • Urgestein
  • ****
  • Beiträge: 1714
  • Wo gehobelt wird …….
Re: Kurse in christlicher/kirchlicher Trägerschaft
« Antwort #6 am: 16. April 2018, 16:41:02 »
Zitat von: abcxyz am 16. April 2018, 16:01:17
Auch ohne direktes Einkommen zu leben ist möglich
Nein! Es ist nun mal nicht möglich seine Krankenkasse mit Hosenknöpfen zu bezahlen. Auf gut deutsch: dass nicht verfügen von  Geldmitteln ist halt eine OWI womit sich die Frage nach der „Freiwilligkeit“ der Arbeitslosmeldung   mehr als erübrigt haben dürfte.

Offline Fettnäpfchen

  • Urgestein
  • ****
  • Beiträge: 14066
  • Optionskommune
Re: Kurse in christlicher/kirchlicher Trägerschaft
« Antwort #7 am: 16. April 2018, 17:09:32 »
Zitat von: pad008 am 16. April 2018, 09:47:02
Kann man solche Maßnahmen verweigern?
Zumutbarkeitskriterien nach § 10 SGB II bei Jobs und Maßnahmen zur Eingliederung
Zitat
• bei Zugehörigkeit zu bestimmten Volksgruppen anderer Kulturkreise und Religionsgemeinschaften, wenn die Tätigkeit den Glaubensgrundsätzen widerspricht.

MfG FN
Meine Beiträge beinhalten oder ersetzen keine anwaltliche Beratung oder Tätigkeit.
Für eine verbindliche Rechtsberatung und -vertretung suchen Sie bitte einen Anwalt auf.
Wer das Ziel kennt, kann entscheiden. Wer entscheidet, findet Ruhe. Wer Ruhe findet, ist sicher. Wer sicher ist, kann überlegen. Wer überlegt, kann verbessern. (Konfuzius)

Offline zugchef werner

  • Urgestein
  • ****
  • Beiträge: 1749
Re: Kurse in christlicher/kirchlicher Trägerschaft
« Antwort #8 am: 16. April 2018, 17:13:54 »
Hier gab/gibt es ähnliches und da wird das beim Träger so kommuniziert.
Wer ein Problem mit der Kirche hat muss nicht daran Teilnehmen und bekommt dann vom JC einen anderen Euro Job.

Bei Gebeten o.ä. muss man aber ganz sicher auch nicht mit machen.
Zitat von: pad008 am 16. April 2018, 09:47:02
Boden putzen, Klo, Küchendienst
Habe ich Zweifel ob das als Euro Job durch geht.

Ich sehe das soweit kritisch, dass Euro Jobber gern gesehen sind (ohne Konfession), aber bei Festanstellung meistens eine Kirchenmitgliedschaft zwingend ist.



Offline Hexe

  • Mentor
  • *****
  • Beiträge: 9933
Re: Kurse in christlicher/kirchlicher Trägerschaft
« Antwort #9 am: 16. April 2018, 18:41:08 »
Zitat von: zugchef werner am 16. April 2018, 17:13:54
aber bei Festanstellung meistens eine Kirchenmitgliedschaft zwingend ist.

Laut einem Kirchlichen Pflegedienst (bei uns vor Ort )ist bei einer Einstellung die Mitgliedschaft in der Kirche nicht mehr Vorraussetzung.
LG Hexe
Ich erteile keine Rechtsberatung sondern gebe nur meine eigene Erfahrung weiter

Offline zugchef werner

  • Urgestein
  • ****
  • Beiträge: 1749
Re: Kurse in christlicher/kirchlicher Trägerschaft
« Antwort #10 am: 16. April 2018, 18:55:04 »
Zitat von: Hexe am 16. April 2018, 18:41:08
meistens eine Kirchenmitgliedschaft zwingend ist
Deswegen steht da ja auch in Rot...

Offline Hexe

  • Mentor
  • *****
  • Beiträge: 9933
Re: Kurse in christlicher/kirchlicher Trägerschaft
« Antwort #11 am: 16. April 2018, 19:42:09 »
@zugchef werner,habe ich gesehen.
Das Zitat ist nicht von mir.

Bei1€ Jobs macht so manche Kirche bestimmt eine Ausnahme.
Da wäre die Zuweisung der Maßnahme hier wichtig zu lesen. Ob diese überhaupt den Anforderungen entspricht.
LG Hexe
Ich erteile keine Rechtsberatung sondern gebe nur meine eigene Erfahrung weiter

Offline zugchef werner

  • Urgestein
  • ****
  • Beiträge: 1749
Re: Kurse in christlicher/kirchlicher Trägerschaft
« Antwort #12 am: 17. April 2018, 15:45:23 »
@Hexe

Ja das war von mir selbst, aber aus deiner Antwort zitiert.

Bei Euro Job's ist es der Kirche vollkommen egal ob man in einer Kirche ist.
Wenn es um eine Festanstellung geht, dagegen nicht.
Wenn man die Leute "umsonst" bekommt wird nicht danach gefragt.
Das finde ich eben nicht so in Ordnung.

Wenn da wirklich die Tätigkeiten zu machen sind, wie TE es beschreibt, muss das auch ordentlich bezahlt werden.

Oder man muss erst dagegen vor gehen, wie das Urteil heute, in einem Fall aus Berlin.
(wo eine Mitgliedschaft als Bedingung für einen Job gefordert wurde)

Offline Hexe

  • Mentor
  • *****
  • Beiträge: 9933
Re: Kurse in christlicher/kirchlicher Trägerschaft
« Antwort #13 am: 17. April 2018, 15:54:45 »
Zitat von: zugchef werner am 16. April 2018, 18:55:04
Zitat von: Hexe am 16. April 2018, 18:41:08

    meistens eine Kirchenmitgliedschaft zwingend ist

1.Das Zitat ist von dir, es steht aber mein Name oben.Eventuell nicht richtig zitiert.
2. Ich denke nicht das Kirchen sich bei 1€Job daran stören, wenn jemand nicht  in  der Kirche ist.
LG Hexe
Ich erteile keine Rechtsberatung sondern gebe nur meine eigene Erfahrung weiter

Offline crazy

  • Urgestein
  • ****
  • Beiträge: 5145
Re: Kurse in christlicher/kirchlicher Trägerschaft
« Antwort #14 am: 17. April 2018, 15:55:49 »
Wenn man mit Glauben nichts zu tun haben will arbeitet man nicht für diese Ausbeutervereine und schickt auch seine Kinder nicht in deren Einrichtungen.
Da man auf Grund seines Glaubens Sonderbehandlung einfordern kann muss das auch umgekehrt gelten.
Laut unserer Verfassung besteht strikte Trennung von Kirche und Staat. Das JC ist staatlich. Damit können sie niemanden in eine glaubensgestützte und verwaltete Maßnahme zwingen. Da der Stast das Entgelt berappt wäre das ja Vorteilsgabe zu diesen Einrichtungen.
So ein gefolterter Zimmermann in jedem Raum hängend kann schon seelischen Schaden hervorrufen....