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Autor Thema: Armutsbericht: Armut in Deutschland - Ursachen bekämpfen, nicht Symptome  (Gelesen 14972 mal)

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Offline Meck

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Im Februar wird der Paritätische Wohlfahrtsverband seinen neuen Armutsbericht vorstellen. Verbandschef Ulrich Schneider wird dann vermutlich wieder einen neuen Armutsrekord für die Bundesrepublik verkünden. Im vergangenen Jahr gab es um den Bericht und Schneider einen Streit. Vor dem Erscheinen des neuen Berichts schlägt Schneider zurück: Er hat vier bekannte Armuts- und Sozialforscher gebeten aufzuschreiben, was sie von der Debatte halten. "Kampf um die Armut" heißt das Buch.

Ulrich Schneider besteht darauf: Es gibt Armut in Deutschland. Der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands will sich von saturierten Hauptstadt-Journalisten und Lehrstuhl-Inhabern die Armut nicht zerreden lassen.


-->> http://www.deutschlandfunk.de/paritaetische-wohlfahrtsverband-armut-in-deutschland.1310.de.html?dram:article_id=343707

Offline Meck

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Armut in Sachsen wächst
« Antwort #1 am: 28. Januar 2016, 20:44:10 »
Die Wirtschaft brummt – doch Wohlfahrtsverbände wie die Diakonie registrie­ren immer mehr arme Kinder, Schuldner und Menschen ohne Wohnung.

Armut in Sachsen hat viele Gesichter. Oft ist es ein unauffälliges, leicht zu übersehen. Kinder aber haben ein feines Gespür für sie. Wenn es nichts wird mit einem Urlaub, mit einem Kinobesuch oder mit den Klamotten, die die anderen tragen, zum Beispiel. 18,8 Prozent der Sachsen seien arm, heißt es im Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, sowie knapp 20 Prozent aller Kinder in Deutschland, Tendenz steigend. Und auch 40 Prozent aller Alleinerziehenden.


-->> https://www.sonntag-sachsen.de/2016/05/armut-sachsen-waechst

Offline Meck

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Der aktuelle Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes zeichnet ein unfreundliches Bild von Deutschland. 12,5 Millionen Menschen gelten als arm.

Sie verfügen über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens unserer Gesellschaft. Darunter sind 3,4 Millionen Rentner und rund 2,5 Millionen Kinder. Auch Menschen mit Migrationshintergrund sind überproportional häufig von Armut betroffen.

Das klingt schlimm. Und so fordern die Autoren wie auch in den vergangenen Jahren reflexartig mehr Geld. Höhere Renten, höhere Regelsätze in der Grundsicherung, mehr Sozialhilfe, mehr Kindergeld.

Ungeachtet der Frage, woher das Geld kommen soll: Es ist der falsche Ansatz. Denn so behandelt man Symptome, keine Ursachen.
Nun sind die Ursachen von Armut vielfältig. So vielfältig, dass es kein Patentrezept zu ihrer Bekämpfung gibt. In Deutschland lassen sich aber zwei Faktoren festmachen, die tatsächlich mit überschaubarem Aufwand beeinflussbar und darüber hinaus unmittelbar miteinander verknüpft sind: Kinder und geringe Bildung.
Drei schon heute umsetzbare Maßnahmen können Abhilfe schaffen.

-->> http://www.tagesspiegel.de/politik/armut-in-deutschland-ursachen-bekaempfen-nicht-symptome/13035258.html

Offline Meck

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Armut: Jeder fünfte Prignitzer bedroht
« Antwort #3 am: 01. März 2016, 18:22:18 »
Das größte Risiko für ein leben in Armut tragen Alleinerziehende.

Mehr als jeder achte Brandenburger lebt an der Schwelle zur Armut. Das ist viel, aber weniger als vor zwei Jahren. Die Quote der armutsgefährdeten Bevölkerung sank von 2012 bis 2014 um 1,2 Punkte auf 13,4 Prozent, teilt das Landesamt für Statistik mit. Das größte Risiko tragen schlecht Qualifizierte, Langzeitarbeitslose und Alleinerziehende.

Altersarmut steigt – anders als befürchtet – in Brandenburg kaum an. Nach den neuesten Daten sind 8,2 Prozent der Brandenburger über 65 Jahren von Armut bedroht, in den vergangenen 15 Jahren blieb die Quote nahezu stabil. Zum Vergleich: 17,1 Prozent der Kinder und Jugendlichen leben mit der Gefahr, in die Armut abzurutschen.


-->> http://www.svz.de/regionales/brandenburg/armut-jeder-fuenfte-prignitzer-bedroht-id12866931.html

Offline Meck

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Neuköllns Bürgermeisterin Franziska Giffey spricht im Tagesspiegel-Interview über das Armutsrisiko in ihrem Bezirk, Aufwertungstendenzen und vorbildliche Migranten. Frau Giffey, nach dem neuen Sozialbericht des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg ist das Armutsrisiko in Neukölln berlinweit am höchsten. Nicht das erste Mal, dass der Bezirk Schlusslicht in solchen Rankings ist. Woran liegt das und warum ändert sich so wenig?

-->> http://www.tagesspiegel.de/berlin/armut-in-berlin-neukoelln-franziska-giffey-zu-uns-kommen-die-verdraengten/13027814.html

Offline dagobert1

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Offline Peter Kempen

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Wenn ich mir nur den ersten der 3 sog. Sofortmaßnahmen durchlese ......

sinngemäß: "500.000 alleinerziehende Elternteile wollen und können arbeiten, wenn ihre Kinder betreut würden!"

dann frage ich mich:

"Wo sind diese 500.000 Arbeitsplätze. Warum werden die wohl nicht von anderen - weniger belastenden - Arbeitsuchenden besetzt?`"

Hier wird vom Paritätischen mal wieder ordentlich auf die Ka... gehauen, Stimmung gemacht !
Meine Beiträge spiegeln nur meine persönlichen Erfahrungen und Meinungen wider!

Offline NevAda

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nur eine Vermutung:
wegen der fehlenden Qualifikation

Es SIND doch Stellen offen, die nicht besetzt werden (können). Und das sind nicht nur temporäre Hilfsjobs...

Offline Lady Miou

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Zitat von: NevAda am 02. März 2016, 08:37:27
nur eine Vermutung:
wegen der fehlenden Qualifikation

Es SIND doch Stellen offen, die nicht besetzt werden (können). Und das sind nicht nur temporäre Hilfsjobs...

Dann schau mal: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/2900/umfrage/entwicklung-des-gemeldeten-offenen-arbeitsstellenbestands/

Dazu kommt dann noch das nicht genügend Betreuungsplätze passend zu den Arbeitszeiten vorhanden sind. Außerdem kommen Qualifizierungen beim JC an allerletzter Stelle. Somit ist das Armutsrisiko von unserer Regierung hausgemacht, da auch noch die finanzielle schlechter Stelllung von Alleinerziehenden dazu kommt.
Wenn Du ihre Zuneigung verdient hast, wird eine Katze dein Freund sein, aber niemals dein Sklave.          -Thèophile Gautier

Offline Meck

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Immer mehr Menschen können ihre Schulden über einen längeren Zeitraum nicht zurückzahlen, es sind 300.000 mehr Haushalte als 2006. Häufigste Ursache: Arbeitslosigkeit.

Immer mehr Haushalte in Deutschland sind überschuldet. Laut Zahlen des Bundesarbeitsministeriums sei die Zahl der Haushalte "mit hoher Überschuldungsintensität" zwischen 2006 und 2015 von 1,64 Millionen auf 1,97 Millionen gestiegen, berichtet die Nordwest-Zeitung aus Oldenburg. Haushalte "mit hoher Überschuldungsintensität" bezeichnen unter anderem Personen oder Familien, die über einen längeren Zeitraum ihre Schulden bei mehreren Gläubigern nicht zurückzahlen können. Die Zahlen sollen im neuen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung veröffentlicht werden.


-->> http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-09/armutsbericht-ueberschuldung-haushalte-deutschland

Offline Meck

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Eurostat-Bericht: 119 Millionen Menschen in EU von Armut bedroht
« Antwort #10 am: 19. Oktober 2016, 18:42:08 »
Nahezu jeder vierte Europäer war im vergangenen Jahr armutsgefährdet oder der Gefahr sozialer Ausgrenzung ausgesetzt. Das gab die EU-Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg bekannt. In Deutschland sind 20 Prozent der Bevölkerung betroffen.

In die Kategorie der von Armut bedrohten Menschen fallen laut Eurostat Personen in mindestens einer von drei Situationen: Sie waren nach der Zahlung von Sozialleistungen von Armut bedroht, sie litten unter erheblicher materieller Deprivation - konnten also zum Beispiel Rechnungen nicht zahlen oder sich nicht leisten, ihre Wohnung zu heizen - oder sie lebten in einem Haushalt mit sehr niedriger Erwerbstätigkeit.

Menschen unter 18 Jahren sind demnach häufiger betroffen als Menschen über 65, Frauen etwas häufiger als Männer und Haushalte mit Kindern sind häufiger von Armut bedroht als Haushalte ohne Kinder.


-->> http://www.deutschlandfunk.de/eurostat-bericht-119-millionen-menschen-in-eu-von-armut.1818.de.html?dram:article_id=368800

Offline Meck

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Mehr Menschen in der EU trotz Vollzeitjobs von Armut bedroht
« Antwort #11 am: 14. November 2016, 14:01:47 »
Weniger Arbeitslosigkeit führt laut einer Studie nicht zu sinkendem Armutsrisiko. Deshalb sei auch die Legitimität unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung bedroht.

Der Anteil der Menschen, die trotz eines Vollzeitjobs von Armut bedroht sind, ist in Europa laut einer Studie gewachsen. Ihr Anteil stieg im vergangenen Jahr auf 7,8 Prozent, wie die Bertelsmann-Stiftung in Gütersloh unter Verweis auf ihre Untersuchung Social Justice Index 2016 mitteilte. 2013 lag der Anteil noch bei 7,2 Prozent. Als Gründe für das steigende Armutsrisiko trotz voller Erwerbstätigkeit nennt die Stiftung unter anderem einen wachsenden Niedriglohnsektor und die Spaltung der Arbeitsmärkte in reguläre und atypische Formen von Beschäftigung.


-->> http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-11/bertelsmann-stiftung-armut-arbeitsmarkt-europa

Online Planloser

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Re: Eurostat-Bericht: 119 Millionen Menschen in EU von Armut bedroht
« Antwort #12 am: 14. November 2016, 20:25:41 »
Zitat von: Meck am 14. November 2016, 14:01:47
Weniger Arbeitslosigkeit führt laut einer Studie nicht zu sinkendem Armutsrisiko. Deshalb sei auch die Legitimität unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung bedroht.

Was heißt bedroht - Sie ist am Ende. Das Dogma Jobs um jeden Preis funktioniert nicht. Die Löhne vorzuschlagen ist Sache der Gewerkschaft die um ihr überleben kämpfen weil es immer mehr Menschen nicht verstehen wollen wofür Sie da sind. Dann gibt es Gewerkschaften die das genaue Gegenteil veranlassen. Das war das einzige was die Löhne erhöht hat. Bei weiterer Schwächung haben wir wieder Verhältnisse die Marx beschrieben hatte.
Die Arbeit verschwindet – das will kein Politiker seinen Wählern erzählen. Stattdessen hat sich die Politik drei Pseudotheorien ausgedacht, um diese Entwicklung zu erklären. Wir verlieren in unserem Land Jobs, weil die bösen Unternehmer Stellen ins Ausland verlagern. Wir haben genug Jobs, die Leute sind nur nicht richtig ausgebildet. Wir haben zu wenig Jobs, weil die Sozialabgaben zu teuer sind. Alle drei Argumente sind für Jeremy Rifkin absurd.

Offline kroetenschleim

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Re: Eurostat-Bericht: 119 Millionen Menschen in EU von Armut bedroht
« Antwort #13 am: 14. November 2016, 20:33:21 »
"Bedroht" von Armut - - als würden die Betroffenen nicht bereits in der Armut drinstecken. Die Bedrohung besteht in der Erhöhung der Zahl der Betroffenen.

Offline MichaK

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Re: Eurostat-Bericht: 119 Millionen Menschen in EU von Armut bedroht
« Antwort #14 am: 14. November 2016, 21:35:37 »
haben wir wieder Verhältnisse die Marx beschrieben hatte.

Nun, das grundlegende Verhältnis ist das Selbe geblieben, es sollte also nicht wundern, dass sich die sekundären Verhältnisse ähneln.
Alles ganz kalter Kaffee, was da zusammengetragen wird, einschließlich Globalisierung. Hat Marx schon vor 150 Jahren beschrieben. Mal im Manifest nachlesen.  :lol:
„Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken.“
Karl Marx (MEW 3/46)