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Autor Thema: Armutsbericht: Armut in Deutschland - Ursachen bekämpfen, nicht Symptome  (Gelesen 15364 mal)

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Offline Planloser

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Re: Eurostat-Bericht: 119 Millionen Menschen in EU von Armut bedroht
« Antwort #15 am: 16. November 2016, 21:34:31 »
Zitat von: MichaK am 14. November 2016, 21:35:37
Hat Marx schon vor 150 Jahren beschrieben. Mal im Manifest nachlesen.

Gewerkschaften und dessen Funktionen hat er nie beschrieben, wohl auch nie daran gedacht das Arbeitnehmer Recht einfordern können, wäre vor 150 Jahren auch völlig unpraktikabel gewesen.

Letztlich hat Marx aber nur das beschrieben was er gerade sah: den schlesischen Weberaufstand und die Aufstände und deren Gründe waren damals schon altbacken und weitläufig auch bekannt sowie anerkannt (Spätestens als die Zeichen bis zur Revolte 1948/49 real wurden). Das Neue waren lediglich die Lösungsansätze - aber er schlug, zur Durchführung seiner Thesen, den gewaltsamen Weg vor was mir völlig missfällt und er sah auch nicht die neue Probleme die seine Thesen hervorbrachten. Aber das ist so, wenn man in einer Idee vernarrt ist denkt man nicht unbedingt an die Probleme die daraus hervorgehen.
Die Arbeit verschwindet – das will kein Politiker seinen Wählern erzählen. Stattdessen hat sich die Politik drei Pseudotheorien ausgedacht, um diese Entwicklung zu erklären. Wir verlieren in unserem Land Jobs, weil die bösen Unternehmer Stellen ins Ausland verlagern. Wir haben genug Jobs, die Leute sind nur nicht richtig ausgebildet. Wir haben zu wenig Jobs, weil die Sozialabgaben zu teuer sind. Alle drei Argumente sind für Jeremy Rifkin absurd.

Offline eder

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Re: Eurostat-Bericht: 119 Millionen Menschen in EU von Armut bedroht
« Antwort #16 am: 16. November 2016, 21:56:29 »
Zitat von: Planloser am 16. November 2016, 21:34:31
Gewerkschaften und dessen Funktionen hat er nie beschrieben


Richtig aber warum die Kündigung des „Burgfriedens“  die Ersatzhandlung zum logischen „Sozialismus“ Financialization
Ganz aktuell Yanis Varoufakis bei Makronom
http://makronom.de/trumps-sieg-ist-fuer-die-progressiven-dieser-welt-auch-ein-grund-zur-hoffnung-17945

Online MichaK

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Re: Eurostat-Bericht: 119 Millionen Menschen in EU von Armut bedroht
« Antwort #17 am: 16. November 2016, 21:59:07 »
Zitat von: MichaK am 14. November 2016, 21:35:37
Hat Marx schon vor 150 Jahren beschrieben. Mal im Manifest nachlesen.

Gewerkschaften und dessen Funktionen hat er nie beschrieben, wohl auch nie daran gedacht das Arbeitnehmer Recht einfordern können, wäre vor 150 Jahren auch völlig unpraktikabel gewesen.


falsch! Mal nachlesen in "Forderungen der IAA" sowie "Arbeiterassoziationen"



Zitat von: MichaK am 14. November 2016, 21:35:37
Hat Marx schon vor 150 Jahren beschrieben. Mal im Manifest nachlesen.

er schlug, zur Durchführung seiner Thesen, den gewaltsamen Weg vor was mir völlig missfällt ...

wieder falsch! Nachlesen bitte in "Reichstagsdebatte zum Sozialistengesetz"
Engels war etwas "gewaltbereiter", Marx eher zurückhaltend.
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Offline Planloser

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Re: Eurostat-Bericht: 119 Millionen Menschen in EU von Armut bedroht
« Antwort #18 am: 16. November 2016, 22:40:57 »
Zitat von: eder am 16. November 2016, 21:56:29
Ganz aktuell Yanis Varoufakis bei Makronom

Das Ergebnis ist die Große Deflation im Westen, die von ultraniedrigen oder negativen Zinsen, fallenden Preisen und einer abgewerteten Arbeiterschaft gekennzeichnet ist.

Käse, die große Deflation gab es letztlich nicht, leistungsloses Einkommen wurde jedoch geschmälert.

Tatsächlich ist sie eine postmoderne Variante der 30er Jahre, mit genau derselben Deflation, Fremdenfeindlichkeit und Teile-und-Herrsche-Politik. Trumps Sieg ist auch kein isoliertes Ereignis, das ohne Folgen für den Rest der Welt bleiben wird – vielmehr wird es die toxische Politik bestärken, die der Brexit, die offen zur Schau getragene Bigotterie von Nicolas Sarkozy und Marine Le Pen in Frankreich, der Aufstieg der AfD in Deutschland, die zunehmend „illiberalen Demokratien“ in Osteuropa und die Goldene Morgenröte in Griechenland entfesselt haben.

Kann man so unterschreiben. Allerdings gab es eher weniger Deflation sondern vielmehr Inflation.

Aber um sicherzustellen, dass diese Veränderungen nicht von jener Natur sind, unter denen die Menschheit in den 30ern gelitten hat, brauchen wir Bewegungen, die eine Progressive Internationale formen, um die Leidenschaft und die Vernunft wieder in den Dienst des Humanismus zu stellen.

Ein schöner Satz der nicht hätte besser sein können - allerdings... naja, wir wissen wie Menschen denken und alle glauben selber mache man stets zu viel und anderen sind faul sprich würden nichts der Gesellschaft zurückführen. Deshalb hackt der Mist leider.

Zitat von: MichaK am 16. November 2016, 21:59:07
wieder falsch! Nachlesen bitte in "Reichstagsdebatte zum Sozialistengesetz"
Engels war etwas "gewaltbereiter", Marx eher zurückhaltend.

Soweit ich das Protokoll noch im Gedächtnis habe kritisiert er Eulenburg das er direkt Gewalt einsetzen will - er kritisiert aber nicht die Inanspruchnahme der Gewalt um seine Thesen bei Gegenwehr durchzusetzen. [Quelle]- Letztendlich verteidigte er sogar die damalige Gewalt um den Sozialismus nicht zu verdrängen.

Zitat von: MichaK am 16. November 2016, 21:59:07
falsch! Mal nachlesen in "Forderungen der IAA" sowie "Arbeiterassoziationen"

Marx hat so lange gar nicht mehr gelebt bis die Forderungen irgendwann in den 50ern durchgesetzt wurden. Die IAA hat sich damals noch vor seinem Tod selbst zerlegt da Sie erfolglos war und sich mit Grabenkämpfe beschäftigte die vor allem gegen Marx schossen. Ich bezweifle das er noch den Glauben haben konnte das sich das durchsetzt. Nach seinem Tod ging es in die zweite Runde mit der IAA, ~1890 die dann etwas langlebiger war. Aber auch hier: die IAA sollte stark autoritär und zentral geführt werden. Zumal es nicht darum ging das die IAA den Kapitalismus im Zaum hält (Diese Funktion war nie gegeben weshalb ich auch schrieb "die Gewerkschaften und dessen Funktionen") sondern das es eine Etappe zur Verwirklichung seiner Thesen ist. Wobei mir gerade auffällt das erst die Reinkarnation der IAA, wo Marx schon lange Tod war, erst offen zur Gewalt aufrief.

Das gleiche erleben wir heute auch mit den Gewerkschaften - möchten diese etwas durchsetzen und es führt zu monatelangen Streiks werden die Gesetze entsprechend geändert damit Gewerkschaften geschwächt werden. Aber nicht aufgrund der Stimmung einzelner Politiker (wie es bei der Debatte um das Sozialistengesetz geschah), sondern auf Wunsch der Bevölkerung was den friedlichen aber dennoch unvermeidlichen Niedergang der Sozialkultur gleichkommt. Sprich wenn das Volk so gepolt ist das es nach eigenen Verlust des Wohlstands geradezu ringt dann sehe ich schwarz für den sozialen Frieden.
« Letzte Änderung: 16. November 2016, 23:04:52 von Planloser »
Die Arbeit verschwindet – das will kein Politiker seinen Wählern erzählen. Stattdessen hat sich die Politik drei Pseudotheorien ausgedacht, um diese Entwicklung zu erklären. Wir verlieren in unserem Land Jobs, weil die bösen Unternehmer Stellen ins Ausland verlagern. Wir haben genug Jobs, die Leute sind nur nicht richtig ausgebildet. Wir haben zu wenig Jobs, weil die Sozialabgaben zu teuer sind. Alle drei Argumente sind für Jeremy Rifkin absurd.

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Re: Eurostat-Bericht: 119 Millionen Menschen in EU von Armut bedroht
« Antwort #19 am: 16. November 2016, 23:10:41 »
Zitat von: Planloser am 16. November 2016, 22:40:57
Käse, die große Deflation gab es letztlich nicht, leistungsloses Einkommen wurde jedoch geschmälert.
Wie? Wo stehen wir den? Das Feuerwerk der Financialization ist doch nun wirklich endgültig abgebrannt. Wo ist die Sorge „Sozialismus“ bzw. Inflation hält Schritt also Lohnsteigerung als Illusion  also Kapitalvernichtung

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Re: Eurostat-Bericht: 119 Millionen Menschen in EU von Armut bedroht
« Antwort #20 am: 17. November 2016, 10:59:27 »
Soweit ich das Protokoll noch im Gedächtnis habe kritisiert er Eulenburg das er direkt Gewalt einsetzen will - er kritisiert aber nicht die Inanspruchnahme der Gewalt um seine Thesen bei Gegenwehr durchzusetzen....

Die These ist doch, dass die Entwicklung gesetzmäßig verläuft. Was einschließt, unabhängig vom Bewusstsein. Insofern liegt es gar nicht in irgendeiner Gewalt, eine Gesetzmäßigkeit durchzusetzen, sondern in den konkreten Bedingungen.
Schon Gesetz ist Gewalt. Muss ich doch hier nicht erläutern. Insofern kann Neues Gesetz auch nur Gewalt sein, jedenfalls solange noch nötig. Bist du etwa der große Schöpfer, der gewaltlos den Hebel umlegt und das alte gegen das neue Bewusstsein tauscht? So etwas dauert gewöhnlich mehrere Generationen.

Forderst du in diesem Sinne Gewaltlosigkeit ? Dann forderst du, dass Wasser bergauf fließt!  :lol:

Du hast es doch aber erkannt, denn du selbst schreibst vom friedlichen, aber "unvermeidlichen" Niedergang der Sozialkultur. Ergebnis dürfte auch klar sein. Es steht also in Niemandes Macht, vorherzubestimmen, wie sich konkret eine Gesetzmäßigkeit Geltung verschafft. Und nichts Anderes hat Marx gesagt.
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Re: Eurostat-Bericht: 119 Millionen Menschen in EU von Armut bedroht
« Antwort #21 am: 17. November 2016, 12:48:44 »
del.
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Re: Eurostat-Bericht: 119 Millionen Menschen in EU von Armut bedroht
« Antwort #22 am: 17. November 2016, 19:47:01 »
Wie? Wo stehen wir den? Das Feuerwerk der Financialization ist doch nun wirklich endgültig abgebrannt. Wo ist die Sorge „Sozialismus“ bzw. Inflation hält Schritt also Lohnsteigerung als Illusion  also Kapitalvernichtung

Die großen Gewerkschaften haben bis dato immer eine größere Lohnerhöhung durchgesetzt bekommen als die höhe der Inflation. Aber wie gesagt - immer weniger Menschen sind in der Gewerkschaft... eigentlich nahezu alle Armen die arbeiten haben keine Arbeitgebervertreter die nicht durch die Firma selbst erschaffen wurde. Viele werden sogar mit Entlassung gedroht wenn diese in eine eintreten oder eine gründen wollen. Damit ist es für Firmen leichter die niedrigsten Gehaltsformen anzunehmen da Sie defragmentiert sind. Eine Einzelperson kann sich nur gerichtlich durchsetzen und das ist sehr zeitaufwendig.

Zitat von: MichaK am 17. November 2016, 10:59:27
Schon Gesetz ist Gewalt.

Aber auch Schutz. Zudem wird kein Gesetz einen Unwissenden Schaden, zumindest nicht in einem Rechtsstaat.

Zitat von: MichaK am 17. November 2016, 10:59:27
Bist du etwa der große Schöpfer, der gewaltlos den Hebel umlegt und das alte gegen das neue Bewusstsein tauscht? So etwas dauert gewöhnlich mehrere Generationen.

Nein aber für mich gilt Evolution statt Revolution. Das, am besten einvernehmliche, Ziel sollte klar sein - derzeit ist es mehr das Handhaben von Ereignissen die diese Politik beschäftigt. Derzeit torkeln wir herum zwischen Raubtierkapitalismus und Sozialismus - eine gerade Linie und auch durchhalten wäre deutlich besser.

Letztlich wurde auch in den 50-80er die Weichen derart gestellt das es nicht nachhaltig war. Allein der Generationenvertrag und der Drang nach ewigen Wachstum ist nicht miteinander vereinbar. Die Medien (Damit meine ich nicht nur die offiziellen) spielen auch eine große Rolle - viele finden den Werdegang zu mehr Wettbewerb allzu positiv oder allzu negativ. Aber wie gesagt, es fehlt einfach schlicht und ergreifend ein gemeinsames Ziel und das ist durch alle Einkommensstufen komplett durchgemischt.

Deswegen würde ich aber trotzdem nicht gewaltbereit Sozialsysteme ausbauen - gegen den Willen der Mehrheit.

Zitat von: MichaK am 17. November 2016, 10:59:27
Es steht also in Niemandes Macht, vorherzubestimmen, wie sich konkret eine Gesetzmäßigkeit Geltung verschafft.

Doch natürlich. Das sollte selbstverständlich klar definiert sein, ist es auch in Deutschland auch - im StGB/BGB etc. steht genau drin welche Geltung verschafft werden soll - nicht nur allein durch die zu erwartenden Strafen.

Aber ich gehe mehr von der Lebensphilosophie aus, für mich ist es eine Selbstverständlichkeit keinen anderen Menschen bewusst zu schaden oder gar zu töten, dafür brauche ich kein Gesetz - das Gesetz gibt es letztlich nur weil sich manche Menschen nicht daran halten. Für mich sagt meine Lebensphilosophie auch das ich jemanden helfe oder einen Teil meines Einkommen für andere zur Verfügung stelle, das ist in Ordnung, das hat auch hedonistische Hintergründe da es die Welt friedlicher macht wenn Menschen nicht ums überleben kämpfen müssen.

Andere sehen hingegen Steuern lediglich als eine Belastung da Sie selbst meinen nie davon zu profitieren, koppeln sich von der Gesellschaft ab mit Privatversicherungen. Das machen diejenigen auch aus dem Grunde das Sie der Gesellschaft mehr misstrauen. Die Privatversicherungen haben Sie auch nur weil man Sie sonst nicht aus den gesetzlichen Versicherungen lässt. Die Lebensphilosophie ist komplett anders: "Ich stehe für mich alleine und alle sollten dies ebenso handhaben". Davon sind auch einige Arbeitssuchende betroffen genauso wie diejenigen mit hohen Einkommen. So langsam setzt sich diese Philosophie eben auch durch, oft auch weil diejenigen immer wieder Zustimmung findet und es auch irgendwie in der Natur der Menschen liegt wenn man diese nicht aufklärt. Selbst in der Schule wird die Bedeutung die soziale Errungenschaften mit sich bringen nur in geringfügigen Maße verbreitet.

In Schweden/USA etc. ist das anders, dort wird darüber diskutiert, Fakten aufgestellt, ein eigenes System erstellt und kritisiert, sprich man macht sich mehr Gedanken darüber - das spiegelt sich auch in den Medien wieder, während in Deutschland jede Privatisierung zuerst bejubelt wurde, wird in Schweden erst einmal durchgerechnet ob sich das für das Volk überhaupt lohnt und meistens ist es negativ (Wie sich das in Deutschland danach oft auch herausstellt).

In Deutschland werden Kinder hingegen aufgezogen die angeblich bei der Wirtschaft von Anfang an zu wenig wissen und deshalb nicht hinterfragen sollen den man hätte ja sowieso keine Ahnung und sich lieber an den Lehrplan halten der Berufsvorbereitend sein solle um möglichst angepasst in dieses Wirtschaftssystem zu kommen welches Sie nicht hinterfragen sollen (Ich hoffe die Problematik ist klar :zwinker:). Ich glaube wir gehen deshalb einen verdammt schlechten Weg und dadurch führt es zu der friedlichen Evolution: Weg von der Sozialkultur hin zur Konservativkultur.

Wenn ich auch sehe welche Präferenzen Bildungsministerien setzen ist mir ein zeitnahes Umdenken nur schwer vorstellbar. Ich denke auch hier liegt der Schlüssel bei dem Ganzen. Das baut eben nacheinander auf. Die Generation der 60er hat den Umbruch in die heutige Welt nie und nimmer so schnell erfassen können. Das braucht ein paar Generationen Zeit damit das auch stabil wachsen kann und nicht weil einfach ein paar Ressourcen übrig sind.
Die Arbeit verschwindet – das will kein Politiker seinen Wählern erzählen. Stattdessen hat sich die Politik drei Pseudotheorien ausgedacht, um diese Entwicklung zu erklären. Wir verlieren in unserem Land Jobs, weil die bösen Unternehmer Stellen ins Ausland verlagern. Wir haben genug Jobs, die Leute sind nur nicht richtig ausgebildet. Wir haben zu wenig Jobs, weil die Sozialabgaben zu teuer sind. Alle drei Argumente sind für Jeremy Rifkin absurd.

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Re: Eurostat-Bericht: 119 Millionen Menschen in EU von Armut bedroht
« Antwort #23 am: 17. November 2016, 19:52:03 »
Zitat von: Planloser am 17. November 2016, 19:47:01
Zudem wird kein Gesetz einen Unwissenden Schaden, zumindest nicht in einem Rechtsstaat.

Willst du behaupten das wir es hier noch mit einem Rechtstaat zu tun haben. Dann ist das Hartz IV- Gesetz wohl nur eine Illusion und existiert garnicht!  :mocking: :mocking:
Wenn Du ihre Zuneigung verdient hast, wird eine Katze dein Freund sein, aber niemals dein Sklave.          -Thèophile Gautier

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Re: Eurostat-Bericht: 119 Millionen Menschen in EU von Armut bedroht
« Antwort #24 am: 17. November 2016, 20:23:13 »
Zudem wird kein Gesetz einen Unwissenden Schaden, zumindest nicht in einem Rechtsstaat.
Falsch! Rechtsgrundsatz: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.
Egal ob du weißt, das eine Tat gegen das Gesetz ist, oder nicht: Wenn du etwas Gesetzwidriges tust, wirst du dafür bestraft, selbst dann, wenn es dir absolut unmöglich war zu wissen dass deine Tat gesetzwidrig ist.  :flag:
International anerkannte Definition von Sklaverei= Sklaverei ist wenn Menschen unter Androhung körperlicher oder wirtschaftlicher Strafen zu Arbeiten gezwungen werden die sie nicht tun wollen !!

Religion macht sehr schnell abhängig: Fangen Sie erst gar nicht damit an!!
Religion fügt ihnen und den Menschen in Ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu.

Online MichaK

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Re: Eurostat-Bericht: 119 Millionen Menschen in EU von Armut bedroht
« Antwort #25 am: 17. November 2016, 21:08:38 »
Zitat von: MichaK am 17. November 2016, 10:59:27
Schon Gesetz ist Gewalt.

Aber auch Schutz. Zudem wird kein Gesetz einen Unwissenden Schaden, zumindest nicht in einem Rechtsstaat.

in Ergänzung zu Lady und Max, möchte ich noch behaupten, dass das Gesetz insofern Gewalt ist, als es immer den Eigentümer bevorzugt und den Abhängigen benachteiligt. Das liegt in der Natur der Sache in einer Klassengesellschaft. Mit Demokratie im eigentlichen Sinne von Interessen sehr schlecht vereinbar. Natürlich wird das Zerrbild des gemeinsamen Interesses in die Hirne gepflanzt. Betrachtet man die Vielzahl der Einzelschicksale ist es eine Lebenslüge. Deine Ausführungen bestätigen dies ..."nicht nachhaltig" usw. Das ist halt objektiv die Folge der Verhältnisse.

Nein aber für mich gilt Evolution statt Revolution. Das, am besten einvernehmliche, Ziel sollte klar sein - derzeit ist es mehr das Handhaben von Ereignissen die diese Politik beschäftigt. Derzeit torkeln wir herum zwischen Raubtierkapitalismus und Sozialismus - eine gerade Linie und auch durchhalten wäre deutlich besser.

da ist kein Widerspruch. Du kennst doch die dialektischen Grundgesetze. Die Evolution verläuft nicht geradlinig. Nirgends.

Zitat von: MichaK am 17. November 2016, 10:59:27
Es steht also in Niemandes Macht, vorherzubestimmen, wie sich konkret eine Gesetzmäßigkeit Geltung verschafft.

Doch natürlich. Das sollte selbstverständlich klar definiert sein, ist es auch in Deutschland auch - im StGB/BGB etc. steht genau drin welche Geltung verschafft werden soll - nicht nur allein durch die zu erwartenden Strafen.

verlesen? Ich sprach von Gesetzmäßigkeit.
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Re: Eurostat-Bericht: 119 Millionen Menschen in EU von Armut bedroht
« Antwort #26 am: 18. November 2016, 12:20:48 »
Willst du behaupten das wir es hier noch mit einem Rechtstaat zu tun haben. Dann ist das Hartz IV- Gesetz wohl nur eine Illusion und existiert garnicht!

Wenn es nicht existieren würde und durch nichts ersetzen würde - ja und dann? Mir ist bewusst das die Hartz Gesetze hart sind, aber es ist immerhin noch ein Anspruch auf ein Einkommen bei Erwerbslosigkeit.

Zitat von: Maxvorstadt am 17. November 2016, 20:23:13
Falsch! Rechtsgrundsatz: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.

Stimmt und damit fällt mein Lügengebilde um, ach gäbe es nur einen Tatbestandsirrtum - halt doch den gibt es tatsächlich: STGB §15 & 16 : http://www.buzer.de/gesetz/6165/a85235.htm - ja aber wenn man glaubt das sei Legal? Das ist doch der Knackpunkt. Ha doch erwischt! - Nein doch nicht, §17 - Verbotsirrtum

Steht ganz vorne dran. Entschuldigung dieser Rechtsgrundsatz hast du ganz brav aus dem römischen Reich geholt worauf auch unser Strafsystem beruht aber er ist nicht 1:1 umsetzbar.

Zitat von: MichaK am 17. November 2016, 21:08:38
in Ergänzung zu Lady und Max, möchte ich noch behaupten, dass das Gesetz insofern Gewalt ist, als es immer den Eigentümer bevorzugt und den Abhängigen benachteiligt. Das liegt in der Natur der Sache in einer Klassengesellschaft.

Da stimme ich dir zu, nur mit Klassengesellschaft hat es nichts zu tun, der Großteil der Bevölkerung hat Eigentum und das will es beschützt wissen. Das ist dann Demokratie: Die meisten haben etwas und wollen es verteidigen - entsprechend ist die Gesetzgebung.

Der eine hat natürlich mehr, der andere weniger. Du wirst aber den Autoeigentümer nicht dazu bringen seine Rechte ans Auto abzutreten nur weil es reiche Menschen weitaus mehr treffen würde selbst wenn er nur einen Fiat Panda BJ 1985 hat.

Zitat von: MichaK am 17. November 2016, 21:08:38
da ist kein Widerspruch. Du kennst doch die dialektischen Grundgesetze. Die Evolution verläuft nicht geradlinig. Nirgends.

Die Ausschläge verlaufen aber auch in gewissen Bahnen. Kein Reh wird sich kurzfristig in eine Amöbe zurückverwandeln und wieder zum Reh auferstehen.

Zitat von: MichaK am 17. November 2016, 21:08:38
verlesen? Ich sprach von Gesetzmäßigkeit.

Indem das Volk diese Gesetzmäßigkeit annimmt bzw. nach einer Gesetzmäßigkeit zum eigenen Schutze verlangt. Ein mittelalterlicher König hat dies nicht gebraucht, er hat regiert und das Versprechen abgegeben das Volk vor anderen Königen zu schützen dafür nahm er dann einen exorbitanten Obolus. Das Volk widersprach ihn nicht. Seien wir ehrlich, die meisten Menschen sind Schafe die der Herde folgen und auch regiert werden müssen sonst bringen Sie sich gegenseitig um.
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Re: Eurostat-Bericht: 119 Millionen Menschen in EU von Armut bedroht
« Antwort #27 am: 18. November 2016, 17:33:49 »
Kein Reh wird sich kurzfristig in eine Amöbe zurückverwandeln und wieder zum Reh auferstehen.


ich möchte dich nicht in die Enge treiben. Aber es sei mir noch gestattet, diesen Vergleich zurückzuweisen. Reh und Amöbe verhalten sich zu "Sozial und Konservativkultur" wie Onanie zum Sex.

Also es gibt etliche Möglichkeiten, mal die Kenntnisse im dialektischen Materialismus aufzufrischen. Bei Engels angefangen...

Zitat
Indem das Volk diese Gesetzmäßigkeit annimmt bzw. nach einer Gesetzmäßigkeit zum eigenen Schutze verlangt.

eine Gesetzmäßigkeit vollzieht sich unabhängig vom Bewusstsein. Es ist völlig belanglos, ob wer annimmt oder verlangt. Man kann allerdings eine erkannte Gesetzmäßigkeit nutzen, indem man die Bedingungen gestaltet. Funktioniert aber bestenfalls nur eine Zeitlang. Man kann sie nicht übertölpeln.
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Re: Eurostat-Bericht: 119 Millionen Menschen in EU von Armut bedroht
« Antwort #28 am: 19. November 2016, 00:17:25 »
Zitat von: MichaK am 18. November 2016, 17:33:49
ich möchte dich nicht in die Enge treiben.

Das tust du nicht keine Sorge  :zwinker: Aber ich denke du weißt was gemeint ist mit den Ausschlägen.

Zitat von: MichaK am 18. November 2016, 17:33:49
Man kann allerdings eine erkannte Gesetzmäßigkeit nutzen, indem man die Bedingungen gestaltet. Funktioniert aber bestenfalls nur eine Zeitlang.

Die Korrekturen sind auch in der Natur relativ langsam - bei der Politik haben wir innerhalb von einer Generation immense Veränderungen durchlebt. Vieles wurde aber nur erschaffen um letztlich einen großen Feind entgegen zutrotzen (UDSSR). Nun ist der Feind weg und Errungenschaften werden wieder abgebaut - mit dem Tempo wie Sie zuvor erst aufgebaut worden sind. Das kann nicht gut gehen. Die Frage bleibt aber wohin wir uns überhaupt gesellschaftlich bewegen wollen.

Nach Parteien zu urteilen: 15% wollen Rückschritt (AfD), 55% (CDU + SPD) wollen Stillstand, 30% will ein anderes System (FDP, Linke, Grüne).

Und nun? Man kann es nicht jeden Recht machen - auch innerhalb von Rückschritt Stillstand und Systemwechsel gibt es vielerlei unterschiedliche Ansichten die sich meist gegenseitig ausschließen. Die anerkannte Gesetzmäßigkeit zerteilt sich immer weiter. Für mich ist z.B. Umweltverschmutzung keineswegs ein Kavaliersdelikt genauso wie Steuerhinterziehung, die meisten sehen es aber anders.

Für mich wäre Geld für Umweltschutz besser angelegt als für Arbeitsplätze die offensichtlich sowieso nichts an der Armut ändern. Es rentiert sich auch nicht Minibiotope zu erstellen (Beruflich habe ich eines entdeckt das war ganze 0,11m² groß, Wahnsinn) sondern schlichtweg die Erkenntnis recyceln zu lernen und Energieversorgung auf die richtige Füße stellen. Andere sind der Meinung der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit sollte noch verstärkt werden - für mich ist es nur blöd der Kampf gegen die Armut läuft seit mehr als 2000 Jahren, ohne nennenswerten Erfolg wenn ich das mal so sagen darf - für mich ist maximal die Produktivität interessant aber nicht die dazugehörigen Arbeitsplätze. Die meisten Armen werden zwar gefüttert und haben ein Dach auf dem Kopf aber die Ansprüche steigen stetig aber auch weil es als gesellschaftlichen Standard dazu gehört (z.B. Strom, Warmwasser, Waschmaschine, Teilhabe, Telefon oder ganz neu: Internet).

Aber auch das Bild verändert sich, ein Auto ist nicht mehr so wichtig wie noch vor 20 Jahren. Es ist mehr das Smartphone - das sehe ich mal als positiv da ein Smartphone weitaus einfacher bereitzustellen ist als ein Auto. Die Bevölkerung verändert sich, Sie könnte in Zukunft wieder mit weniger zufrieden sein und die Diffamierungen kleiner werden. Die wichtige Frage ist was die Menschen dann mit ihren Geld eigentlich anstellen den vor allem die Industrie steht dann vor einem Problem wenn Sie ihre Waren nicht mehr losbekommt und damit keine Einkommen zahlen kann was wiederum zum entsprechenden geringeren Konsum führen würde, das gesamte Wirtschaftssystem ist auf Wachstum ausgelegt. Ich befürchte das bei weiterem Stillstand uns definitiv auf die Füße knallen werden weshalb viele wieder einen Rückschritt wollen um die alten Zeiten wieder zu bekommen.
« Letzte Änderung: 19. November 2016, 00:40:57 von Planloser »
Die Arbeit verschwindet – das will kein Politiker seinen Wählern erzählen. Stattdessen hat sich die Politik drei Pseudotheorien ausgedacht, um diese Entwicklung zu erklären. Wir verlieren in unserem Land Jobs, weil die bösen Unternehmer Stellen ins Ausland verlagern. Wir haben genug Jobs, die Leute sind nur nicht richtig ausgebildet. Wir haben zu wenig Jobs, weil die Sozialabgaben zu teuer sind. Alle drei Argumente sind für Jeremy Rifkin absurd.

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Re: Eurostat-Bericht: 119 Millionen Menschen in EU von Armut bedroht
« Antwort #29 am: 19. November 2016, 02:14:17 »
@Planloser,
ich sehe es wieder einmal ein wenig anders. Unsere ach so klugen Köpfe machen wieder den selben Fehler wie damals als sie für die Atomkraft alles in Bewegung gesetzt haben, sie blicken zu kurz. Jetzt kommt noch das Problem mit der Schnelligkeit dazu.

Veränderung muss sein, nur sollte man nichts überstürzen. Wir haben gerade die digitale Welt entdeckt. Warum wird das nicht erstmal auf- und ausgebaut, in allen Bereichen (Schulische Bildung, berufliche Ausbildung/Weiterbildung, ect). Warum werden die Menschen in der Bevölkerung nicht gefragt wieviel sie davon wollen?
Es wird von Hightech - Multikonzernen über die Köpfe der Menschen hinweg entschieden, das jetzt alles digitalisiert wird, das es künstliche Intelligenz zu geben hat, u.s.w.
Warum wird der Wandel nicht an menschliche Bedürfnisse angepasst?
Wer sagt denn das alle Menschen von Computer und Robotern ersetzt werden möchten? Vllt. möchten manche nur die Unterstützung durch solche Gerätschaften.
So wie es jetzt praktisiert wird werden es Millionen wenn nicht sogar Millarden Menschen mit ihrer Existenz bezahlen.
Deshalb plädiere ich für langsamen aber stetigen Fortschritt!
Als Beispiel: Wer E- Autos auf den Straßen haben will, muß erst die dafür benötigte Infrastruktur haben (was Arbeitsplätze schaffen würde) und geeignete Speichermöglichkeiten. Was nutzen da Kaufprämien, wenn man die Errungenschaften nicht vernünftig nutzen kann?
 
« Letzte Änderung: 19. November 2016, 02:33:14 von Lady Miou »
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