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Autor Thema: Angst vor Kur-Zwang durch Jobcenter  (Gelesen 8656 mal)

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Offline MrKugelschreiber

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Angst vor Kur-Zwang durch Jobcenter
« am: 18. Januar 2017, 00:55:52 »
Hallo,

ich bin 24 und seit etwa einem Jahr wegen Depressionen krank geschrieben.

Ich war auch schon 2x beim Amtsarzt:
- beim 1. mal (Juni 2016), hab ich dem Amtsarzt gesagt das ich etwas gegen meine Depressionen tun möchte und derzeit auf der Suche nach einem Psychologen bin.
- beim 2. mal (Dez' 2016) hat dann (derselbe Amtsarzt) gefragt wie es denn aussieht, ich hab gesagt das ich bisher nur auf Wartelisten bin, den frühesten Termin den ich aktuell habe ist für Herbst 2017...

Der Amtsarzt hat dann gemeint das ich doch eine Stationäre Therapie mitmachen sollte. Davor hab ich aber sehr große Angst und mit meinem Hausarzt darüber gesprochen. Der meinte, ich könnte ja eine Therapie in einer Tagesklinik machen, die währ vor Ort und ich komme Abends nach Hause (hab sehr große Angst davor komplett weg von meiner Freundin und meiner Familie zu sein, denn die tun mir sehr sehr gut!)

Hab dann leider eine EGV beim Jobcenter unterschrieben die bis 25.07. noch läuft, in der drinsteht das ich eine Therapie machen werde. (Hatte Angst ärger zu bekommen, wenn ich nicht unterschreibe und will wegen meinen Depressionen derzeit jeden Ärger vermeiden...).
Hab deshalb, und auch aus eigenem Interesse heraus, dann bei der Tagesklink einen Termin ausgemacht und kann ab Anfang Februar dort hin.

Jetzt hab ich nur Angst das wenn ich die Tagesklinik durch hab und es mir noch nicht besser gehen sollte oder ich es am Ende gar nicht schaffe, das mich das Jobcenter dann zu einer stationären Kur zwingt.
Meine Freundin hat zudem ein Problem mit ihren Händen, sie braucht mich um ihren Alltag bestreiten zu können. Meine Familie wohnt in der Nähe, aber die könnten ihr auch nicht jeden Tag helfen und sie braucht mich auch schon für Dinge wie z.b: Flaschen öffnen, anziehen, Essen zubereiten (selbst Brot schmieren klappt nicht immer, je nachdem wie es ihr geht). Und ich würde mir letztendlich ständig Sorgen um sie machen und könnte mich gar nicht auf die Therapie einlassen.

Gegen eine Ambulante Therapie habe ich jedoch zu keiner Zeit etwas, denn ich will ja auch das es mir wieder besser geht.

Vielleicht kann mir jemand bisschen helfen und sagen was ich am besten tun soll?! Vielen Dank schonmal!

Offline draco

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Re: Angst vor Kur-Zwang durch Jobcenter
« Antwort #1 am: 18. Januar 2017, 01:02:46 »
Dinge, die mit der Gesundheit zu tun haben, haben nicht das geringste in einer Eingliederungsvereinbarung zu suchen, da wie du schon selbst erkannt hast, dieses einer Zwangsbehandlung gleich kommt und daher ist das unzulässig.

http://www.bg45.de/index.php/6607/zwangsbehandlung-psychiatrische-per-egv-rechtswidrig/

Daher würde ich dir empfehlen, dass du dir rechtlichen Beistand holst und gegen die EGV vorgehst und in Zukunft deine EGV mit nach Hause nimmst um sie zu überprüfen bzw. überprüfen zu lassen, wie zum Beispiel hier im Forum.

Offline Birgit63

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Re: Angst vor Kur-Zwang durch Jobcenter
« Antwort #2 am: 18. Januar 2017, 06:12:04 »
Ich denke, dass dir der Aufenthalt in einer Tagesklinik sehr gut tun wird. Du musst erstmal deine eigenen Probleme in den Griff bekommen. Dass du deiner Freundin helfen willst, kann ich sehr gut nachvollziehen aber erstmal musst du sehen, dass es dir gesundheitlich besser geht. Wenn du arbeiten würdest, wärst du auch nicht rund um die Uhr für deine Freundin da. Du bist erst 24 Jahre alt und hast noch fast dein ganzes Leben vor dir. Das JC kann dich aber zu nichts zwingen, was deine Gesundheit angeht. Aber es wäre in deinem eigenen Interesse, wenn du eine deine Depressionen in einer Tagesklinik behandeln lassen würdest.

Offline jalapeno

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Re: Angst vor Kur-Zwang durch Jobcenter
« Antwort #3 am: 18. Januar 2017, 06:40:29 »
also abgesehen davon, dass dich niemand zu etwas zwingen kann, wie schon angemerkt wurde.

wenn du jetzt in die Tagesklinik kannst, würde ich auch sagen, mach das erstmal. gibt viele, denen das schon wesentlich geholfen hat und die danach wesentlich weniger Beschwerden hatten. für dich könnte das zB bedeuten, dass du die Zeit bis du im Herbst bei einem niedergelassenen Therapeuten anfangen kannst, ganz gut aushältst und dann in die ambulante Psychotherapie einsteigen kannst um die Probleme endgültig zu lösen.

hast du nebem deinem Hausarzt auch einen niedergelassenen Psychiater, bei dem du schon in Behandlung bist? bekommst du schon Medikamente gg. die Depression?
den Psychiater wirst du nach der Tagesklinik wahrscheinlich brauchen, weil im klinischen Bereich meistens auch pharmakologisch gearbeitet wird und zur Fortsetzung der Behandlung ist ein Psychiater meist besser qualifiziert als die meisten Hausärzte.
(wieso schreib ich so viel "meistens" - ich will meine Erfahrungen bzw. die aus meinem Bekanntenkreis nicht übergeneralisieren, da ich weder deine Ärzte, noch die Tagesklinik, in die du gehen kannst, kenne. hier läuft es in der Regel allerdings so ab)
übrigens, falls du noch keine bekommen solltest: keine Angst vor Medikamenten gegen Depression! die modernen Antideressiva sind sehr spezifisch in der Wirkung und haben wenig Nebenwirkungen, und eine Kombination aus Medikamenten und Psychotherapie hilft nachweislich besser als eine Therapieform alleine.

was nach der Tagesklinik ist, darüber solltest du dich noch nicht zu sehr sorgen. ist klar, dass du dir da schon Gedanken machst, schließlich willst du dich kümmern, niemanden im Stich lassen usw. aber, das Ei ist noch nicht gelegt. erstmal liegen 8 oder 12 Wochen Tagesklinik vor dir, die dir wie gesagt ganz wesentlich weiterhelfen können. und selbst wenn nicht: im Herbst kannst du ja mit einem Therapeuten sprechen, und bis zum Herbst ist nach der Tagesklinik gar nicht mehr so lange hin.

und noch eine Frage hab ich: weißt du, dass es möglich ist, auch bei Therapeuten ohne Kassenzulassung eine Therapie zu machen, die von der Kasse bezahlt werden muss? Bei einer Wartezeit von mehr als 6 Monaten gilt es als unzumutbar, so lange zu warten, und man hat das Recht, bei Therapeuten ohne Kassenzulassung anzufangen. das löst nicht jedes Problem, weil es auch nicht überall so viele privat praktizierende Therapeuten gibt, aber falls du davon noch nichts wusstest, eröffnet dir das vielleicht auch nochmal bessere Möglichkeiten, an eine ambulante Therapie zu kommen.

die unglückliche EGV betreffend ist meine Meinung übrigens, dass die unter Umständen gar keine Rechtskraft entwickelt, da eine EGV mit dem erwerbsfähigen Leistungsberechtigten abgeschlossen werden soll. du bist aber im Moment eben grade nicht erwerbsfähig...

ich wünsche dir jedenfalls gute Besserung, und eine gute Zeit und viel Erfolg mit der Tagesklinik!
Bin Laie und versuche aus Interesse, zu verstehen und Tipps zurückzugeben. Keine Rechtsberatung und keine Gewährleistung für die Korrektheit der Tipps in meinen Beiträgen!

Offline Kaffeesäufer

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Re: Angst vor Kur-Zwang durch Jobcenter
« Antwort #4 am: 18. Januar 2017, 06:54:54 »
Ich wollte solch eine Reha wo es um die Psyche ging auch nie.....nun gehe ich alle 2 Jahre stationär mind. 5 Wochen zur Reha, da ich mir meine Kliniken selber raussuche hat es bisher immer gepasst und mir sehr geholfen, ich sehs schon quasi als bezahlter Urlaub an, und man hat sehr viel Spaß dort mit den Mitpatienten, habe sehr viele Leute kennengelernt wobei ich mit den meistn noch in Kontakt stehe in Whatsappgruppen ect. und das tut gut :)

Für dich würde ich auch erstmal sagen Tagesklinik, die Tagesstrukturierung ist da so ähnlich und hilft auch.

Offline Leopold Bloom

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Re: Angst vor Kur-Zwang durch Jobcenter
« Antwort #5 am: 18. Januar 2017, 15:25:50 »
Hallo,

ich bin 24 und seit etwa einem Jahr wegen Depressionen krank geschrieben.

Hallo Kugelschreiber,

da ist einiges unklar.

Wer
hat die Diagnose gestellt?
Welche Therapie hat der, der die Diagnose stellte, dir empfohlen?
Wie hat sich die Therapie ausgewirkt?
Wie wurde die Behandlung daraufhin fortgesetzt?
Was ist das Ziel dieser Therapie?

Ich war auch schon 2x beim Amtsarzt:
- beim 1. mal (Juni 2016), hab ich dem Amtsarzt gesagt das ich etwas gegen meine Depressionen tun möchte und derzeit auf der Suche nach einem Psychologen bin.
- beim 2. mal (Dez' 2016) hat dann (derselbe Amtsarzt) gefragt wie es denn aussieht, ich hab gesagt das ich bisher nur auf Wartelisten bin, den frühesten Termin den ich aktuell habe ist für Herbst 2017...

Der Amtsarzt hat dann gemeint das ich doch eine Stationäre Therapie mitmachen sollte.

Das sehe ich genau so. bei einer stationären Therapie könnte man der Sache mal auf den Grund gehen.

Davor hab ich aber sehr große Angst und mit meinem Hausarzt darüber gesprochen.

Du hast also Angst davor, dass dir dein sekundärer Krankheitsgewinn, den du aus deiner Krankheit ziehst, verloren geht?

(...)

Meine Freundin hat zudem ein Problem mit ihren Händen, sie braucht mich um ihren Alltag bestreiten zu können. Meine Familie wohnt in der Nähe, aber die könnten ihr auch nicht jeden Tag helfen und sie braucht mich auch schon für Dinge wie z.b: Flaschen öffnen, anziehen, Essen zubereiten (selbst Brot schmieren klappt nicht immer, je nachdem wie es ihr geht). Und ich würde mir letztendlich ständig Sorgen um sie machen und könnte mich gar nicht auf die Therapie einlassen. un soll?! Vielen Dank schonmal!

Vielleicht wäre eine ambulante Paartherapie für euch die Therapie der Wahl. Hast du das schon jemals thematisiert?


Offline KnotenKurt

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Re: Angst vor Kur-Zwang durch Jobcenter
« Antwort #6 am: 18. Januar 2017, 15:45:10 »
Grundgütiger, @Leopold, der TE hat beileibe definitiv nicht so viele Therapieerfahrung wie du und wird vermutlich noch lange nicht auf deinem Reflektionslevel sein. Bei ihm steht grad allein das große P auf der Stirn. Dass die Angst mehr und mehr abnimmt, je stabiler man wird, erkennt man zu diesem Zeitpnkt doch noch gar nicht.

Und zu Co-Abhängigkeit mag ich mich lieber gar nicht äußern.

Offline Leopold Bloom

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Re: Angst vor Kur-Zwang durch Jobcenter
« Antwort #7 am: 18. Januar 2017, 17:03:29 »
Grundgütiger, @Leopold, der TE hat beileibe definitiv nicht so viele Therapieerfahrung wie du und wird vermutlich noch lange nicht auf deinem Reflektionslevel sein. Bei ihm steht grad allein das große P auf der Stirn. Dass die Angst mehr und mehr abnimmt, je stabiler man wird, erkennt man zu diesem Zeitpnkt doch noch gar nicht.

Und zu Co-Abhängigkeit mag ich mich lieber gar nicht äußern.

Trotzdem - oder vielmehr deswegen - glaube ich, dass wahrscheinlich eine Paartherapie für den TE das Mittel der Wahl ist. Für mich wäre es jedenfalls gewesen, weil meine damalige Partnerin war der einzige Mensch, wo ich bereit gewesen wäre, etwas an mir zu ändern. Und diese Bereitschaft etwas zu ändern ist bereits der Therapieerfolg. Das weiß ich heute.

Angst ist der einzige Grund, warum diese Bereitschaft nicht vorhanden ist. Angst vor der großen Leere. Was ist dann noch da von dem ICH, wenn ich etwas ändere, also mein bisheriges ICH aufgebe?

Mein Nickname ist übrigens kein Zufall, sondern ist bewusst gewählt als Anspielung auf den weltberühmten Romanhelden gleichen Namens in einer Beziehungskrise.

Offline MrKugelschreiber

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Re: Angst vor Kur-Zwang durch Jobcenter
« Antwort #8 am: 18. Januar 2017, 19:33:28 »
Erstmal vielen Dank für die ganzen Antworten!
Da wohl einige Unklarheiten aufgekommen sind möchte ich diese zunächst beantworten:

Zitat
Wer hat die Diagnose gestellt?
Zuerst gab es eine Vermutung von meiner Hausärztin, die mich dann zu einem Psychiater geschickt hat, welcher dann als erster die Diagnose gestellt hatte.
Bekräftigt wurde dies dann durch die Amtsärztin, die ebenfalls meinte das ich an Depressionen leide.

Zitat
Welche Therapie hat der, der die Diagnose stellte, dir empfohlen?
Mein Psychiater meinte ich solle zunächst zu einem Psychologen gehen. Da das Zeitnah nicht geklappt hatte, hat mir dann die Amtsärztin eine intensivere Therapie vorgeschlagen. Meine Hausärztin hat mir dann die Tagesklinik empfohlen.

Zitat
Wie hat sich die Therapie ausgewirkt?
Tagesklinik war ich noch nie (erst ab Anfang Februar) und bei Psychologen bzw. bei einem Psychologen hatte ich bisher 3 Probesitzungen, jedoch war danach sehr schnell klar das ich kein Vertrauen in den Mann hatte, da er mich überhaupt nicht verstanden hat und ich mich überhaupt nicht wohl bei ihm gefühlt habe. Bei anderen Psychologen bin ich derzeit noch auf Wartelisten (frühestes ist Herbst 2017)

Zitat
Wie wurde die Behandlung daraufhin fortgesetzt?

siehe Oben

Zitat
Was ist das Ziel dieser Therapie?
Falls sich die Frage auf die Tagesklinik bezieht: Ich soll lernen wieder einen normalen Alltag bestreiten zu können (das wurde mir in einem kurzen ersten Info-Gespräch gesagt), mehr weiß ich noch nicht, wie gesagt, das geht erst Feb. 2017 los.

Zitat
Du hast also Angst davor, dass dir dein sekundärer Krankheitsgewinn, den du aus deiner Krankheit ziehst, verloren geht?
Ich versteh leider die Frage nicht ganz genau, aber ich hab sicher keine Angst das ich meine Krankheit loswerde, falls du das damit meinst.
Ich habe Angst davor nicht bei meiner Freundin zu sein und das für doch recht lange Zeit. Und ich denke diese Angst werde ich mein leben lang haben, denn meine Freundin ist der wichtigste Mensch in meinem Leben und mir wird es sicherlich nie damit gut gehen wenn ich von ihr getrennt bin.

Zitat
Vielleicht wäre eine ambulante Paartherapie für euch die Therapie der Wahl. Hast du das schon jemals thematisiert?
Um ehrlich zu sein wusste ich nicht mal das es das gibt, aber das ist eine gute idee und werd ich das nächste mal bei meiner Hausärztin direkt mit ansprechen.

Zitat
hast du nebem deinem Hausarzt auch einen niedergelassenen Psychiater, bei dem du schon in Behandlung bist? bekommst du schon Medikamente gg. die Depression?
Ja hab ich, allerdings bekomme ich derzeit keine Medikamente. Ich hab zwar schon welche bekommen gehabt (insgesammt 3 verschiedene, natürlich nicht gleichzeitig), hab jedoch bisher keines davon vertragen (nach spätestens 12 Stunden musste ich mich übergeben und das teilweise sehr lange). An dieser Stelle sei vielleicht noch zu erwähnen das ich an Emetophobie leide und auch noch chronische Magenprobleme habe (Magenpfördner schließt nicht), weshalb ich da sehr empfindlich bin.

Zitat
und noch eine Frage hab ich: weißt du, dass es möglich ist, auch bei Therapeuten ohne Kassenzulassung eine Therapie zu machen, die von der Kasse bezahlt werden muss?
Ich hatte mal nachgefragt und zwar währe in meiner Nähe eine Psychologin die keine Kassenzulassung hat und ich hab dann damals bei der AOK angerufen und gefragt ob die das übernehmen würden und die meinten das würden die nicht machen. Hab aber das ganze aber noch nie auf "Gerichtlichem" Weg oder ähnlichem versucht durchzusetzen, weil ich mich damit kaum auskenne, bzw. die Regelung dass die das machen müssen noch gar nicht kannte. Ist aber sehr gut zu wissen, danke dir!

Ansonsten: Nochmals vielen Dank für die ganzen Antworten, ich werde jetzt auf jeden Fall erstmal die Tagesklinik machen und in Zukunft jede EGV hier mit angeben, bzw mal bei euch Fragen was ihr davon haltet. Wirklich vielen vielen Dank für die viele Hilfe, ich weiß das sehr zu schätzen!

Wegen der aktuellen EGV: Sollte ich die am besten Jetzt schon anklagen oder erste wenn das Jobcenter mich sanktionieren will? Und wenn ja: soll ich dann einfach zum Anwalt gehen und was wird das kosten?
Ich hatte nämlich vor kurzem erst einen Anwalt genommen da ich vom Jobcenter verklagt wurde, weil ich 3 Monate zu spät angegeben hatte, das ich durch einen Gasanbieter wechsel 250 Euro Prämie erhalten hatte. Ich hatte damals auch einen Erstberatungsschein genommen für den Anwalt, hat aber trotzdem knapp 550 Euro gekostet (der Anwalt, das Verfahren wurde letztlich eingestellt). Würde das mit der EGV etwa ähnlich viel Kosten, also von Anwaltskosten her?!

Liebe Grüße,
Mr Kugelschreiber

Offline CHIPI

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Re: Angst vor Kur-Zwang durch Jobcenter
« Antwort #9 am: 18. Januar 2017, 19:57:18 »
Grundgütiger, @Leopold, der TE hat beileibe definitiv nicht so viele Therapieerfahrung wie du und wird vermutlich noch lange nicht auf deinem Reflektionslevel sein. Bei ihm steht grad allein das große P auf der Stirn. Dass die Angst mehr und mehr abnimmt, je stabiler man wird, erkennt man zu diesem Zeitpnkt doch noch gar nicht.

Und zu Co-Abhängigkeit mag ich mich lieber gar nicht äußern.
Dem stimme ich zu, da ich es genauso sehe, außerdem geht es nicht um Leopold sondern um den TN. Wie man an der Beantwortung der Fragen durch den TN  eindeutigt sieht, ist das zuviel für den TN und verunsichert ihn eher als das es hift. Wenn man selbst mit der Krankheit zu tun hat / hatte, müßte man das wissen.

Offline Leopold Bloom

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Re: Angst vor Kur-Zwang durch Jobcenter
« Antwort #10 am: 18. Januar 2017, 21:20:00 »
Wegen der aktuellen EGV: Sollte ich die am besten Jetzt schon anklagen oder erste wenn das Jobcenter mich sanktionieren will?
Du kannst eine Untersuchung durch den PD (Psychologischen Dienst) des Jobcenters beantragen.
Das läuft dann so ab:
Erstmal musst du deinen Arzt, in deinem Fall deine Psychiater von der Schweigepflicht entbinden. Keine Angst, dein SB bekommt von der Diagnose nichts mit. Das Jobcenter wird von deinem Psychiater ein Gutachten deines Psychiaters einholen, das dem Psychologen des Jobcenters vorgelegt wird, der wiederum dem SB gegenüber eine Schweigepflicht hat.
In dem Gutachten steht dann drin, was dir arbeitstechnisch usw. (therapeutisch) zumutbar ist.
Danach hast du erfahrungsgemäß Ruhe vor Sanktionen, du wirst keine mehr bekommen und es wird dir auch nicht mehr mit Sanktionen gedroht werden.

Es ist allerdings die Frage, wie der Psychiater aktuell zu einem stationären Aufenthalt steht. Wenn er das befürwortet, dann besteht allerdings das Risiko, dass dir das Jobcenter eine stationäre Therapie verordnet.
Wenn er das dagegen in der momentanen Situation ablehnt, dann hast du auch davor Ruhe.
Es wäre empfehlenswert, das vorher abzuklären, bevor du den PD einschaltest.


Offline MrKugelschreiber

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Re: Angst vor Kur-Zwang durch Jobcenter
« Antwort #11 am: 19. Januar 2017, 00:00:15 »
Zitat
Du kannst eine Untersuchung durch den PD (Psychologischen Dienst) des Jobcenters beantragen.
Das läuft dann so ab: (...)
Wenn er das dagegen in der momentanen Situation ablehnt, dann hast du auch davor Ruhe.
Es wäre empfehlenswert, das vorher abzuklären, bevor du den PD einschaltest.

Ich muss ganz ehrlich sagen davor hätte ich noch mehr Angst, denn wenn der dann sagt ich soll zu einer Stationären Therapie, dann muss ich da hin, oder?!
Ich möchte das auf jeden Fall vermeiden... (also Stationäre Therapie).

Außer es würde klappen, wie hier schon manche geschrieben haben, das ich dort mit meiner Partnerin zusammen hin könnte..

Offline kaykaiser

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Re: Angst vor Kur-Zwang durch Jobcenter
« Antwort #12 am: 19. Januar 2017, 00:47:30 »
Es ist allerdings die Frage, wie der Psychiater aktuell zu einem stationären Aufenthalt steht. Wenn er das befürwortet, dann besteht allerdings das Risiko, dass dir das Jobcenter eine stationäre Therapie verordnet.

Hier muss ich Dich leider etwas korrigieren. Der med. Dienst des JC kann und darf nichts "verordnen". Er kann nur empfehlen. Ob der TE die Empfehlung annimmt, bleibt ihm am Ende selbst überlassen. Daraus kann man jedoch keinesfalls eine Mitwirkungsfloskel basteln, um ihn dann zu sanktionieren. Das wäre ein Eingriff in die intimsten Persönlichkeitsrechte.

Mehr dazu kann hier ausführlich nachgelesen werden.
http://www.zwangspsychiatrie.de/2013/11/keine-zwangsbehandlung-fuer-hartz-iv-empfaenger-per-eingliederungsbescheid/
Gestern nannte man es noch Hartz IV
Heute nennt man es Menschenvernichtung mit System.

Ich habe nichts gegen Kritiker. Ich komme aus Ironien, das liegt direkt an der sarkastischen Grenze.

Offline jalapeno

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Re: Angst vor Kur-Zwang durch Jobcenter
« Antwort #13 am: 20. Januar 2017, 06:44:36 »
@Leopold Bloom:

ich muss - offTopic, drum werd ich mich möglichst kurz halten - feststellen, dass ich selbst als nicht angesprochene Person deinen Tonfall nachgeradezu übergriffig finde. die Frage nach dem Verlustiggehen des sekundären Krankheitsgewinns empfinde ich - wiederum subjektiv und persönlich - schon fast als Beleidigung.
no offense intended, aber man kann doch etwas langsamer aufeinander zugehen.
erstens ist offenbar, wie schon angemerkt wurde, der TE gar noch nicht in der Lage, seine Erkrankung auf abstrahierendem Level zu reflektieren.
zwotens ist der sek. Krankheitsgewinn doch ein relativ tiefergehendes psychodynamisches Phänomen, das zu diagnostizieren uns hier imho auf gar keinen Fall zusteht (meines Zeichens Dipl-Psych. maße ich mir das Urteil hier durchaus an).
drittens, von der Bereitschaft des TE, etwas an sich oder anderswo zu ändern, wissen wir hier gar nichts. nicht erst deswegen sollten wir alle ganz vorsichtig sein mit Vermutungen und Übertragungen der eigenen therapeutischen Erfahrungen auf seinen speziellen Einzelfall.
viertens: mir fällt beim Lesen auch schon das ein oder andere ins Auge, aber der Ausschnitt der Person, den wir hier im Thread erleben, ist so gering, dass sich darauf beruhende Rückschlüsse seriöserweise verbieten.

weiterhin: wenn der TE zu seinen behandelnden Ärzten ein vertrauensvolles Verhältnis hat - was, wie durchaus bekannt sein dürfte, Grundvoraussetzung für Compliance und damit auch Behandlungserfolg ist -, würde ich ÄD und auch den PD der AfA nur im Notfall hinzuziehen, wenn es nicht anders geht, sprich, die Ämter anders nicht von der aktuellen Arbeitsunfähigkeit des TE zu überzeugen sind.
Anstelle der imho ausgesprochen einfühlsamen Idee der Hausärztin, bei vom ÄD vorgeschlagener stationärer Therapie und derzeit nicht zu bekommender ambulanter Psychotherapie den Mittelweg einer Tagesklinik zu wählen, könnte dem PD alles Mögliche einfallen - es ist nicht gesagt, dass der amtliche Psychologie so ganz auf der Seite der Patienten steht, wenn klar ist, was ich meine. diese ganzen Aspekte bedacht rate ich doch deutlich zur Vorsicht, ohne unmittelbare Not amtliche Ärzte einzubeziehen.


@MrKugelschreiber
bzgl einer Paartherapie ist meine Einschätzung, dass die stationär wohl nicht möglich sein wird. ambulant gibt es da sicher Möglichkeiten, stationär hab ich aber erhebliche Zweifel (was allerdings nicht heißt, dass ich alle Einrichtungen kenne, beileibe nicht).

was die Genehmigung zur Psychotherapie bei Therapeuten ohne Kassenzulassung angeht, da gab es mal einen recht ausführlichen Artikel bei Spiegel Online, wenn ich mich recht erinnere. als Start für deine Suche nach Möglichkeiten ist das vllt. hilfreich.
dass dir die Krankenkasse nicht auf den Kopf zusagt "achso, sie finden keinen zugelassenen Therapeuten, aber einer ohne unsere Zulassung hat noch Platz? Klar, bezahlen wir!" - ist ja nicht weiter verwunderlich :grins:
Bin Laie und versuche aus Interesse, zu verstehen und Tipps zurückzugeben. Keine Rechtsberatung und keine Gewährleistung für die Korrektheit der Tipps in meinen Beiträgen!

Offline MrKugelschreiber

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Re: Angst vor Kur-Zwang durch Jobcenter
« Antwort #14 am: 20. Januar 2017, 13:40:38 »
Zitat
bzgl einer Paartherapie ist meine Einschätzung, dass die stationär wohl nicht möglich sein wird. ambulant gibt es da sicher Möglichkeiten, stationär hab ich aber erhebliche Zweifel (was allerdings nicht heißt, dass ich alle Einrichtungen kenne, beileibe nicht).
Ich werde das beim nächsten Termin bei meiner Hausärztin einfach mal ansprechen und schaun was die dazu meint. Und wenns nicht klappt wird das sicher auch kein Weltuntergang sein :)

Zitat
was die Genehmigung zur Psychotherapie bei Therapeuten ohne Kassenzulassung angeht, da gab es mal einen recht ausführlichen Artikel bei Spiegel Online, wenn ich mich recht erinnere. als Start für deine Suche nach Möglichkeiten ist das vllt. hilfreich.
dass dir die Krankenkasse nicht auf den Kopf zusagt "achso, sie finden keinen zugelassenen Therapeuten, aber einer ohne unsere Zulassung hat noch Platz? Klar, bezahlen wir!" - ist ja nicht weiter verwunderlich
Okay das die nicht sofort ja sagen macht sinn :D - das kenne ich ja vom Jobcenter gut genug...
Ich werde mal googeln nach dem Artikel von SPON, danke dir für den Tipp!

Jetzt hätte ich aber noch eine Frage:

Kann mir noch jemand nen Tipp geben wegen meiner (dummerweise) unterzeichneten EGV die ich schonmal erwähnt hatte?
(Wer sich nicht alles nochmal durchlesen will: Es stand drin, das ich eine Therapie machen werden -> Und ich hab Angst das ich die Tagesklinik am Ende vielleicht nicht schaffe und dann sanktioniert werde. Das setzt mich einfach Wahnsinnig unter Druck..)
Soll ich mir da am besten direkt einen Erstberatungsschein holen und versuchen das mit Anwalt anzufechten oder soll ich da warten bis 25. Juli wenn die ausläuft und mit Anwalt warten bis mich das Jobcenter sanktionieren will?!