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Autor Thema: Unsichere Arbeitsverhältnisse: 2,8 Millionen Arbeitsstellen sind befristet  (Gelesen 1454 mal)

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Offline Meck

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Es war eine der ersten arbeitsmarktpolitischen Entscheidungen der Regierung Kohl: Sie schuf 1985 die Möglichkeit, Arbeitsverhältnisse ohne sachliche Begründung zu befristen. Seither steigt die Zahl dieser Jobs.

In den letzten 20 Jahren hat sie sich laut Bundesarbeitsministerium verdoppelt: Während 1996 etwa 1,3 Millionen Menschen befristet beschäftigt waren, stieg die Zahl 2015 auf 2,8 Millionen. Allerdings zeigt die Antwort des Ministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion auch: Der Anteil befristet Beschäftigter an der Gesamtzahl der Arbeitnehmer sank zuletzt wieder leicht, auf 7,3 Prozent. Das liegt daran, dass es insgesamt viele neue Jobs gab.


-->> http://www.br.de/nachrichten/befristung-arbeit-entwicklung-100.html

Offline Delfinanne

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Ich bin auch nur befristet eingestellt. Was aber in 1. Lilien daran lag, das niemand wusste, ob unser Warenhaus nun schließen muss oder umgebaut wird. So gab es immer nur Arbeitsverträge bis zum aktuellen Mietsvertragsende. Mitterlweie bauen wir um und ich bin in der letzten möglichen Befristung, welche bis 04.10.17 geht. Mündlich habe ich schon gehört von meiner Chefin, dass es einen Fstvertrag geben soll. Originalzitat: "Sie und Frau xy gehen nur über meine Leiche!"
Carpe diem! ich lebe jetzt, ich lebe heute und ich geniesse in vollen Zügen

Offline Angela1968

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Dann pass mal schön auf eine Chefin auf das die am Leben bleibt. Du weist ja was dran hängt :grins:

Angela
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Offline CHIPI

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Ich hatte damals noch Glück das ich einen unbefristeten Vertrag bekommen habe.
Seit knapp 4 Jahren gibts bei uns nur noch befristete für 1 Jahr und die Stellen in den Zeitungen genauso.  Einen unbefristeten zu bekommen ist heute wie ein sechser im Lotto.

Offline AlterGaul

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Einen unbefristeten zu bekommen ist heute wie ein sechser im Lotto.

Ich würde sagen es hängt von der Qualifikation, Branche, Ort und Unternehmen selber ab. Viele Unternehmen sind gezwungen unbefristete Verträge anzubieten, weil sie sonst gar nicht ihre freien Stellen besetzen können. Die Unternehmen wissen mittlerweile, dass sie sich für die Bewerber interessant machen müssen.
Ich habe es in meinem Bekanntenkreis vielfach mitbekommen, das die Firmen so gernen einstellen würden, aber vielfach keine passenden Bewerber bekommen. Da würde es weder an zu wenig Gehalt, Urlaub oder einem unbefristeten Vertrag scheitern. Der Markt ist relativ leer. Das zieht sich durch die Pharma-, Automobil- und Elektronikbranche so durch.
Letztendlich muss man unterscheiden um was für eine Art Stelle es sich handelt. Für Ungelernte ist es natürlich viel viel schwieriger sich für den Markt interessant zu machen, als für Akademiker oder Spezialisten in ihrem Bereich.
Wen man für die Firma interessant genug ist, dann wird sie auf einen warten und auch direkt einen unbefristeten Vertrag schliessen bzw. schliessen wollen. Denn aus Sicht der Firma macht es keinen Sinn einen Mitarbeiter einzuarbeiten und dann wenn er in der Materie drinsteckt ihn dann wieder loswerden zu wollen.

Offline Planloser

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Das Problem ist vor allem das unbefristete Verträge häufig intern als befristet gilt. der Kündigungsschutz wurde dank FDP massiv zurückgefahren weshalb auch eine Festanstellung bei weitem nicht so sicher ist wie man es noch annimmt. Ausnahme bilden größere Unternehmen mit funktionierenden Betriebsrat und die stellen kaum noch ein weil man das eigene Gesindel ja nicht mehr so leicht losbekommt. Aber auch der Betriebsrat stimmt i.d.R. zu wenn es um Entlassungen aus betriebswirtschaftlichen Gründen geht, wäre auch irgendwie verkehrt wenn dem nicht so wäre.

Es bringt also alles nix mehr, eine gewisse Sicherheit gibt es nimmer - die Sicherheit existiert nur in manchen Fällen wenn man das Unternehmen an einen bindet und Know-How zurückhält oder anderen nicht weitergibt. Aber bei vielen Arbeitsplätzen ist das nicht möglich und auch dann ist bei einer Kündigungsrunde nicht automatisch besser gestellt (manchmal holen Unternehmen auch einen wieder zurück). Kurzum, egal ob befristet oder nicht - es sieht immer mau aus wenn man nicht schon 30 Jahre in dem Unternehmen sitzt und das Renteneintrittsalter in Sicht ist.

Befristete Verträge sind vor allem eines: Lediglich ehrlich und das vertragen die meisten nicht. Letztlich kann man den AG danach auch den Vogel zeigen und man habe nie an den Betrieb geglaubt was angeblich immer so wichtig sei. Hat also auch was befreiendes, man muss es halt nur für sich selbst zu nutzen wissen.
Die Arbeit verschwindet – das will kein Politiker seinen Wählern erzählen. Stattdessen hat sich die Politik drei Pseudotheorien ausgedacht, um diese Entwicklung zu erklären. Wir verlieren in unserem Land Jobs, weil die bösen Unternehmer Stellen ins Ausland verlagern. Wir haben genug Jobs, die Leute sind nur nicht richtig ausgebildet. Wir haben zu wenig Jobs, weil die Sozialabgaben zu teuer sind. Alle drei Argumente sind für Jeremy Rifkin absurd.

Offline CHIPI

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Ich arbeite in der Pflege und da gibt es fast nur noch befristete auch für exam. Pflegekräfte und das obwohl in der Pflege ein extremer Mangel Mitarbeitern besteht. Ich sehe das öfters bei uns, sie machen ihre Ausbildung u. sagen dann schon ... wenn ich fertig bin gehe ich aus der Pflege raus. Obwohl bei uns das Arbeiten noch ertragbar ist, da wir eine supi Chefin haben .... denn ich kenne da schon andere Häuser, da würde ich es verstehen.

Offline Angela1968

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Chipi,

kann ich so nicht bestätigen.

Ich fing sogar mit einem unbefristeten 400 Euro Job an. Erst als dieser in ein sv-pflichtiges Arbeitsverhältnis umgewandelt wurde, bekam ich erst mal einen befristeten 1 Jahres Arbetsvertrag. Ab dem Zeitpunkt wo dieser ausgelaufen war, hatte ich aber wieder einen unbefristeten Arbeitsvertrag.

Angela
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Offline CHIPI

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Ich sprach nicht von einem 400,-, das diese meist unbefristet sind ist klar. Bei mir ist es schon ein paar Jahre her, da habe ich auch einen unbefristeten sozialpf. Job bekommen. Außerdem arbeitest du in der Betreuung und nicht in der Pflege.

Offline Angela1968

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Also ich arbeite seit April 2010 bei meiner jetzigen AG ín.Den befristeten Arbeitsvertrag hatte ich so Mitte 2011 bis Mitte 2012. Weis nicht ob das für Dich als ein Weilchen her ist gilt.

Und von meinen Kollegen , egal ob Betreuungsfachkraft als auch Pflegehelfer, erfuhr ich das es bei ihnen ähnlich war. Erst einen befristeten Jahresvertrag der dann in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis überging.

Angela 
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Offline Meck

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Neulich berichtete die NGG, dass es besonders in der Gastronomie sehr viele sachgrundlose Befristungen bei den Arbeitsverträgen gibt. Doch der Grund liegt hier nicht, dass die Gastronomen und Hotelbetriebe diese Praxis durchführen. Eingeführt wurde dies von der CDU und der FDP. Man wollte so den Arbeitsmarkt flexibler gestalten.

Man sollte schneller Leute einstellen können. Doch genau das Gegenteil ist eingetroffen. Damit keine finanzielle Verpflichtung für den Betrieb entsteht, wird pünktlich zur Frist gekündigt. Das gibt weder dem Arbeitsmarkt noch dem Arbeitnehmer entsprechende Planungssicherheit. Junge Menschen haben in bestimmten Berufen kaum eine Perspektive.


-->> http://www.lokalkompass.de/dinslaken/politik/sachgrundlose-befristungen-auf-dem-arbeitsmarkt-d769000.html

Offline potamopyrgus

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Zitat
Berufseinsteiger und Azubis haben besonders in der Gastronomie kaum eine Perspektive. [...] Doch nur weil eine Menge Hotels gebaut werden und der Bedarf an „Fachkräften“ steigt, bedeutet das nicht, dass es keine Probleme gibt.

Problem in der Branche ist, dass es tatsächlich keine Fachkräfte braucht. Man braucht in jedem Bereich 1-2 Leute, welche länger dabei sind (und welche dann im Normalfall auch fest angestellt und gut bezahlt sind), aber der Rest kann beliebig ausgetauscht werden. Einarbeit schafft man in einem Wochenendkurs (wenn überhaupt) oder neben der täglichen Arbeit.

Selbst im Bereich der Küche, braucht es dank Fertigprodukten extra für die Gastronomie, kaum noch ausgebildete Köche.
Automatisierung und co werden so schnell besser, dass ein normaler Kunde davon überhaupt nichts mehr mitbekommt.

Wenn in solchen Branchen der Gesetzgeber nicht eingreift, haben die Mitarbeiter grundsätzlich keine Chance.  :weisnich:

Offline Planloser

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Zitat von: potamopyrgus am 17. Juni 2017, 10:43:38
Selbst im Bereich der Küche, braucht es dank Fertigprodukten extra für die Gastronomie, kaum noch ausgebildete Köche.
Automatisierung und co werden so schnell besser, dass ein normaler Kunde davon überhaupt nichts mehr mitbekommt.

Bei der Bäckerei bekommt man das recht schnell mit - bei den meisten gibt es eine Fertigmischung oder es werden tiefgekühlte Rohlinge geliefert. Bei einer richtigen Bäckerei schmecken Brötchen immer mal wieder anders, Sie sind richtig weich und krümmeln nicht (ich mag das besonders gerne) weil Sie frisch sind, die Produkte haben Makel, die Auswahl deutlich kleiner (oft nichts belegtes außer Butterbrezeln und Seelen) und sind zu Geschäftsbeginn noch nicht alle verfügbar und wechselt auch im Laufe des Tages oder manchmal gar nicht verfügbar oder in geänderter Form (ein Laugenhörnchen gab es mal mit Mohn anstatt mit Sesam weil Sie vergessen hatten Sesam zu bestellen)

Wenn im Restaurant das Essen immer gleich schmeckt wechselt man eher das Restaurant weil der Geschmack einfach zu eintönig ist. Das ist aber nicht wirklich schlimm, genauso wie die Bäckereien mit ihren Auftaubrötchen wenn es Sie nur noch gibt - aus irgendwelchen Gründen sind diese auch weitaus beliebter als diejenigen die durch gutes Handwerk bestechen. In der Hinsicht ist der Konsument auch selber Schuld.

Zitat von: potamopyrgus am 17. Juni 2017, 10:43:38
Problem in der Branche ist, dass es tatsächlich keine Fachkräfte braucht. Man braucht in jedem Bereich 1-2 Leute, welche länger dabei sind (und welche dann im Normalfall auch fest angestellt und gut bezahlt sind), aber der Rest kann beliebig ausgetauscht werden.

Das funktioniert so in größeren Unternehmen mit Standardabläufen, der Witz ist dafür werden oft hochqualifizierte Arbeitskräfte eingesetzt bzw. angeheuert um solche Aufgaben zu erledigen. Wenn das allerdings eine kleinere Abteilung ist von 5 oder 10 Leuten rechnet sich das nicht da die 2 ständig nur am erklären sind und Führungskompetenzen erlernen müssen außer es handelt sich, wie du schon sagtest, um etwas was man mit wenigen Handgriffen erlernen kann - aber das ist bekannt, im Niedriglohnbereich war das noch nie anders weshalb dieser eben auch mit vielen Kündigungen und Anstellungen glänzt... auf dem Dorf wurde man vielleicht immer von der Frau des Gasthofeigentümers bedient aber in der Stadt mit deutlich mehr Angestellten kenne ich persönlich nur einen stetigen Wechsel genauso wie in Friseurläden oder bei Billiganbietern wie Kik und Co.
Die Arbeit verschwindet – das will kein Politiker seinen Wählern erzählen. Stattdessen hat sich die Politik drei Pseudotheorien ausgedacht, um diese Entwicklung zu erklären. Wir verlieren in unserem Land Jobs, weil die bösen Unternehmer Stellen ins Ausland verlagern. Wir haben genug Jobs, die Leute sind nur nicht richtig ausgebildet. Wir haben zu wenig Jobs, weil die Sozialabgaben zu teuer sind. Alle drei Argumente sind für Jeremy Rifkin absurd.

Online coolio

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Ich verstehe das Problem nicht:
Befristet wie unbefristet hat die gleichen Kündigungsfristen.
"corporate identity" aus dem eine wirkliche Wertschöpfung möglich ist, scheints nicht mehr zu geben.
Sind die AG denn Dank SchröderHartz alle gänzlich verblödet?
Das Geschäftsmodell der ZAF, PAV, JC ist durchsichtig - Ok, nun hinzunehmen.
Und was ist mit dem berühmten Mittelstand? Grossunternehmen?
Brauchen die keine loyalen Mitarbeiter mehr?
Als befristeter Lohnsklave wäre ich in der Raucherecke oder hinter meinem mitgebrachten Smartphone spielend zu finden. Produktivität gegen Null.
Hab ich selbst bei einem Freiberufler in einem gemeinsamen Projektteam schon mal erlebt. ==> Füsse auf dem Schreibtisch, Phones im Ohr, das wars - aber nicht lange, nur zu lange.
Da muss sich doch Trump(el) u.a. keine Sorgen  über einen deutschen Aussenhandelsüberschuss mehr machen?
Wird nicht mehr lange anhalten, mangels handelbarem Gut.

Gegenbeispiel wäre z.B. Trigema mit seinen für mich inakzeptablen Produkten (Feinripp - hihi) - aber als selbsthaftender Familienbetrieb hervorragend geführt.
Wer nicht weiter als bis auf die eigenen Füsse spucken kann, sollte sich auch auf diese Tätigkeit beschränken.
Ich hab viel gesehen und gemacht in meinem Arbeitsleben - Ok manchmal war die Tätigkeit an sich hart, aber immer wieder gabs im Umgang (jaja-damals) positive Überraschungen.
Soweit ich weiss haben trotzdem alle AG überlebt, einige sogar erheblich prosperiert.
Was soll die Kleinscheisserei also?
Die am Personal gesparte Mark von heute ist der verlorene Euro oder Dollar von morgen *4.
Ist Deutschland Arbeitsland wirklich schon so dämlich geworden?
Εν οίδα οτι ουδέν οίδα (Sokrates) alias: Scio nescire - zu deutsch: null Ahnung
Wer redet oder telefoniert, der verliert!
I'm with intelligents - hopefully!

Offline Planloser

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Zitat von: coolio am 18. Juni 2017, 05:11:47
Befristet wie unbefristet hat die gleichen Kündigungsfristen.

Befristete Verträge haben den Vorteil das der AG sich schön anstrengen soll damit er vielleicht übernommen werden wird. Wirkt hat nicht wirklich. Damit kann er einen Arbeitnehmer einfach loswerden ohne ihn kündigen zu müssen, d.h. der Chef muss nicht mehr aktiv kündigen sondern kann bequem im Sessel sitzen bleiben und wenn der Mitarbeiter doch die Frechheit hat nachzufragen braucht er nur mit "Nein" antworten.

Zitat von: coolio am 18. Juni 2017, 05:11:47
"corporate identity" aus dem eine wirkliche Wertschöpfung möglich ist, scheints nicht mehr zu geben.

Kann man nicht in Zahlen fassen, für die Zahlenjunkies aus dem Controlling also irrelevant. Für die geht es darum was Sie aus dem VWL-Studium beigebracht wurde - was erwartet man von Menschen die mit einer Kultur aufgewachsen sind die "Kopf runter und liefern" keinerlei eigenen Ideen einbringen darf?

Zitat von: coolio am 18. Juni 2017, 05:11:47
Sind die AG denn Dank SchröderHartz alle gänzlich verblödet?

Mag sein das die Hartz Reformen wie ein Brandbeschleuniger wirken aber die Entwicklung gab es seit den 80ern und wurde immer heftiger und das auch in allen Ländern. Der Keyanismus wurde schlichtweg abgeschafft. Adam Smith wird als allgemeingültiger Standard angeschafft aber es gibt nahezu nichts womit er recht gehabt hätte und alles in der Realität gescheitert ist. Die Deutsche Bank z.B. hat ihren Eigennutz derart hoch ausgeprägt gehabt, die hatten, als Sie 2005 von Rekordgewinn zu Rekordgewinn jagten, jedes Jahr mit Massenentlassungen auf sich aufmerksam gemacht und das Unternehmen hatte mit den Hartz-Reformen eher weniger Kontakt. Die ernüchternde Bilanz aus dem ganzen: Alle Unternehmen reagierten danach und schadeten der Volkswirtschaft dauerhaft.

Zitat von: coolio am 18. Juni 2017, 05:11:47
Und was ist mit dem berühmten Mittelstand? Grossunternehmen?

Der Mittelstand lässt sich weniger hereinreden - die können sich schlichtweg auch kaum leisten beraten zu werden. Tun Sie es doch gehen Sie pleite, das was Sie aber behalten ist: "Die Zukunft ungewiss, alle stehen mit dem Rücken zur Wand" usw. und fangen selber an sinnfrei zu agieren. Problem ist aber: Das stimmt gar nicht, das ganze ist einfach nur eingeredet. Das funktioniert genauso wie mit dem Publikationsdruck der Wissenschaftler wodurch man beim lesen den Eindruck gewinnt man könne gar nichts mehr essen oder machen. Da gibt es Studien die E-Bike-Fahren umweltschonender halten als selber Fahrrad fahren: https://www.heise.de/tp/news/E-Bike-fahren-spart-CO2-Emissionen-gegenueber-dem-Fahren-mit-Muskelkraft-2018636.html - Was für ein ausgemachter Unfug!

Bei Großunternehmen wird es noch lustiger, die Manager wollen keine Verantwortung mehr vor ihren Aktionären vertragen und stellen deshalb Berater ein und die beantworten für einige Millionen die Fragen dann mit Konzepten aus der Kartei - Berater die selbst Unternehmen anfingen zu leiten sind phänomenal gescheitert, z.B. bei Puma Yahoo HP Metro-Group usw. - das ist der Wahnsinn wie viele Unternehmen bereits vor die Wand gefahren wurden. Die Telekom-US genauso, die wollte man eigentlich verkaufen und stellte am Ende irgendeinen Manager ein der das ganze einfach nur verwalten sollte... Witzig - durch ihn wurde der Ableger zum Wachstumsbringer der Telekom. Das ganze ist wie ein Krebsgeschwür geworden.

Zitat von: coolio am 18. Juni 2017, 05:11:47
Brauchen die keine loyalen Mitarbeiter mehr?

Einige Unternehmen stehen hinter ihren Mitarbeitern, bei den meisten Unternehmen nicht mehr - da wird eine Reformierung nach der anderen durchgezogen wie man bei Air-Berlin sehr schön sieht. Man entlässt sogar Leute die für das Unternehmen eigentlich lebensnotwendig sind um Sie im nachhinein für viel Geld wieder einzustellen weil es kaum Menschen mit solchen Kompetenzen auf dem Markt gibt aber Hauptsache man hat mal ausgemistet... Das ist so als würdest du vor einen Umzug ausmisten und aus versehen den Kühlschrank wegschmeißt weil du denkst du würdest ihn sowieso nicht mehr brauchen.

Zitat von: coolio am 18. Juni 2017, 05:11:47
Als befristeter Lohnsklave wäre ich in der Raucherecke oder hinter meinem mitgebrachten Smartphone spielend zu finden. Produktivität gegen Null.

Dann wirst du halt sofort entlassen, ist doch kein Problem. Dir muss nur eingeredet werden das ein Job essentiell sei und eine dauerhafte Anstellung unter Umständen möglich sei wenn man sich nur gut genug anstrengt und bei den meisten Leuten funktioniert es (natürlich nicht alle), Sie strampeln sich ab.

Zitat von: coolio am 18. Juni 2017, 05:11:47
Wird nicht mehr lange anhalten, mangels handelbarem Gut.

Wenn Unternehmen so schizophren weiterarbeiten und keine gesellschaftliche Verantwortung tragen wollen die Sie aber haben wars das bald. Deutschland lebt jetzt schon nur noch von seinen Namen, Qualität und Kundenzufriedenheit hat eher eine untergeordnete Rolle bekommen weshalb wir direkt mit China und Co konkurrieren und damit auf lange Sicht auch ihr Niveau erreichen werden. Bin aber heilfroh das China immerhin versucht ihr Niveau mit Erfolg zu steigern.

Zitat von: coolio am 18. Juni 2017, 05:11:47
Soweit ich weiss haben trotzdem alle AG überlebt, einige sogar erheblich prosperiert.
Was soll die Kleinscheisserei also?

Das ist wie bei Pegida... gefühlte Abstiegsängste und nicht weil es eine akute Bedrohung gibt. Deswegen überlebt Pegida-Bewegung auch nur dort wo es von den bedrohlichen Gut sowieso nichts gibt. Witzigerweise hält sich das beständiger als reale Gründe oder Misswirtschaften.

Zitat von: coolio am 18. Juni 2017, 05:11:47
Ist Deutschland Arbeitsland wirklich schon so dämlich geworden?

Kurzum: Ja. Irgendwann habe ich im eigenen Unternehmen gelernt das man die Anweisungen von oben einfach anfängt zu ignorieren um uns nicht selbst zu schaden. Wenn das auf breiter Masse so ist gibt es auch die Begründung warum sich Unternehmen dennoch halten: Der Dickschädel der Arbeiter.  :grins:
Die Arbeit verschwindet – das will kein Politiker seinen Wählern erzählen. Stattdessen hat sich die Politik drei Pseudotheorien ausgedacht, um diese Entwicklung zu erklären. Wir verlieren in unserem Land Jobs, weil die bösen Unternehmer Stellen ins Ausland verlagern. Wir haben genug Jobs, die Leute sind nur nicht richtig ausgebildet. Wir haben zu wenig Jobs, weil die Sozialabgaben zu teuer sind. Alle drei Argumente sind für Jeremy Rifkin absurd.