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Autor Thema: Bildungs- und Teilhabe Paket Hannover  (Gelesen 775 mal)

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Offline omarhilft99

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Bildungs- und Teilhabe Paket Hannover
« am: 07. September 2017, 22:54:20 »
Guten Abend,
ich hoffe, dass dieser Thread hier im richtigen Unterforum ist, ansonsten bitte ich die Zustaendigen meinen Thread zu verschieben.
Ich gebe nun seit laengerer Zeit sehr gerne private Nachhilfe an Sozialleistungsempfaenger*, die einen Bildungsgutschein erhalten und soweit klappt alles ohne Probleme und sehr gut, auch wenn man meistens 5 Wochen auf die Abrechnung warten muss. Leider finde ich in Zukunft keine Zeit mehr dafuer und als mich dann wirklich unzaehlige Leute aus der Schule und meinem Umfeld ueber das Konzept gefragt haben, waren sie sowohl beigeistert als auch sehr skeptisch, da die meisten nur ungerne solange auf ihr Geld warten wollen, jedoch ist das Interesse bei den 16-20 Jaehrigen grundsaetzlich im vollen Umfang vorhanden. Also kamen mein Bruder und ich auf die Idee, uns foermlich 'zwischen die Behoerden und den "Anbietern" zu schalten' und als sogesehen kleines privates 'Institut' fuer die Vermittlung zwischen Schueler und Anbieter zu sorgen und den Schuelern bei den Antraegen fuer die Bildungsgutscheine zu helfen. Ausserdem wuerden wir das groesste Problem aus der Welt schaffen, indem wir das Geld fuer die 'Anbieter' vorlegen und sie monatlich bezahlen, anstatt alle 2-3 Monate zu warten wie es sonst der Fall waere. Fuer die Vermittlung, Verwaltung und den Kostenvorschuss wuerden wir dann einen kleinen Teil des Geldes einbehalten, meistens bezahlt die Stadt 17-20 Euro pro Stunde, dementsprechend wuerden wir den 'Anbietern' 13-16 Euro bezahlen. Natuerlich wuerden wir jegliche Vorkehrungen treffen und unser kleines 'Institut' gewerblich anmelden. Bis jetzt erscheint uns diese Idee als sehr plausibel und sinnvoll, da ich schon von vielen Schuelern gehoert habe, dass sie viel lieber mit gleichaltrigen bzw. 1-2 Jahre aelteren 'Anbietern' lernen als mit Erwachsenen, mit denen sich die Schueler ueberhaupt nicht identifizieren koennen. Desweiteren helfen wir den 'Anbietern' auch, welche meistens selber noch Schueler sind, ohne viel Zeitaufwand und komplizierte Buerokratie ihr 'Taschengeld' aufzustocken.
Das ist bis hierher die Idee und jetzt habe ich noch zwei wichtige Fragen an euch:
1. Was genau haltet ihr von dem Konzept (Kritik, Verbesserungsvorschlaege etc.)?
2. Private Anbieter bzw. Schueler die gerne Nachhilfe geben, kennen wir genug. Jetzt bleibt nur noch die Frage, wie wir an die Schueler die Nachhilfe in Anspruch nehmen wollen, rankommen? Viele Sozialleistungsempfaenger* wissen von dem Bildungs- und Teilhabepaket ueberhaupt nichts und haben daher noch nie so einen Antrag gestellt. Waere es also sinnvoll, Flyer an Schulen in der Umgebung aufzuhaengen bzw. zu verteilen oder 'Werbung' in Social Media Plattformen fuer uns zu machen? (weitere Optionen?)
Ich bedanke mich jetzt schonmal herzlich fuer jede Art von Feedback.
*
Harz IV – SGB II
Sozialhilfe – SGB XII
Asylbewerber Leistungsgesetz
Wohngeld / Kindergeldzuschlag

Offline coolio

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Re: Bildungs- und Teilhabe Paket Hannover
« Antwort #1 am: 07. September 2017, 23:17:55 »
Seid Ihr zugelassene Rechtsanwälte o.ä.?
Kennt Ihr das Rechtsdienstleistungsgesetz?
Ihr könnt als Ehrenamtliche viel machen, aber weder in der Konstellation, noch mit Provision, noch unter Verstoss  gegen das o.g. Gesetz.
Gibt Abmahnungen, die Ihr sicher nicht leisten könnt, falls Euch einer drauf kommt.
Εν οίδα οτι ουδέν οίδα (Sokrates) alias: Scio nescire - zu deutsch: null Ahnung
Wer redet oder telefoniert, der verliert!
I'm with intelligents - hopefully!

Offline omarhilft99

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Re: Bildungs- und Teilhabe Paket Hannover
« Antwort #2 am: 08. September 2017, 08:18:47 »
Kannst du das bitte etwas weiter ausführen? Denn wir haben beim zuständigen Büro für But nachgefragt und die meinten, solange man alles nach Vorschrift anmeldet, es kein Problem ist.. Deine Antwort irritiert mich jetzt sehr.

Offline Beluga

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Re: Bildungs- und Teilhabe Paket Hannover
« Antwort #3 am: 08. September 2017, 09:43:18 »
1. Was genau haltet ihr von dem Konzept (Kritik, Verbesserungsvorschlaege etc.)?
2. Private Anbieter bzw. Schueler die gerne Nachhilfe geben, kennen wir genug.
Warum stecken Schüler ihre Energie nicht darein,
dass sie sich bei ihren Eltern/Erziehern/Pädagogen/Behörden über das mangelhafte Bildungssystem beschweren,
damit diese Verbesserungsvorschläge machen,
oder im geringeren Maße: Auf Fehler aufmerksam machen?
Ist das Sozialindustrie 2.0?
« Letzte Änderung: 08. September 2017, 09:59:18 von Beluga »

Offline Ottokar

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Re: Bildungs- und Teilhabe Paket Hannover
« Antwort #4 am: 08. September 2017, 09:52:15 »
@coolio
Es geht hier um Leistungen nach § 28 Abs. 5 SGB II (Lernförderung), das hat mit dem RDG nichts zu tun.

Zitat von: omarhilft99 am 07. September 2017, 22:54:20
1. Was genau haltet ihr von dem Konzept (Kritik, Verbesserungsvorschlaege etc.)?
2. Private Anbieter bzw. Schueler die gerne Nachhilfe geben, kennen wir genug. Jetzt bleibt nur noch die Frage, wie wir an die Schueler die Nachhilfe in Anspruch nehmen wollen, rankommen?
Die Frage unter 2. sollte sich eigentlich aus dem Konzept zu 1. beantworten. Wenn nicht, ist es (noch) kein Konzept.
Beschäftige dich mal mit den gesetzlichen Anforderungen für Leistungen nach § 28 Abs. 5 SGB II.
Es gibt etliche vorrangige gesetzliche Leistungen der Lernförderung. Erst wenn diese nicht greifen, oder nicht ausreichend sind, kommt eine ergänzende Lernförderung nach § 28 Abs. 5 SGB II in Betracht. Das muss vom Antragsteller (Eltern) für jedes Kind individuell nachgewiesen werden.
D.h. die Eltern müssen
1. wissen, das ihr Kind Lernförderung benötigt,
2. von der Schule schriftlich bestätigt haben, dass diese die erforderliche Lernförderung nicht sicherstellen kann,
3. keinen Anspruch auf andere kostenlose gesetzlich geförderte Lernförderung haben (SGB VIII),
4. wissen, das Ihnen die Leistung nach § 28 Abs. 5 SGB II zusteht und gewillt sein, diese in Anspruch zu nehmen,
5. einen Antrag auf Leistung nach § 28 Abs. 5 SGB II stellen.

Zitat von: omarhilft99 am 08. September 2017, 08:18:47
Denn wir haben beim zuständigen Büro für But nachgefragt und die meinten, solange man alles nach Vorschrift anmeldet, es kein Problem ist..
Das JC ist dafür nicht zuständig.
Als Nachhilfe-"Lehrer" ist man freiberuflich tätig, dazu benötigt man keine Gewerbeanmeldung.
Ob und inwieweit man der Steuerpflicht unterliegt, hängt davon ab, welchen zeitlichen und finanziellen Umfang die Tätigkeit hat. Das muss man mit dem Finanzamt klären.
Meine Antworten basieren auf den zuvor genannten Fakten. Durch neue oder geänderte Fakten kann sich jedoch die Rechtslage ändern und bisherige Antworten dadurch ungültig werden.


Offline Orakel

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Re: Bildungs- und Teilhabe Paket Hannover
« Antwort #5 am: 08. September 2017, 10:05:45 »
Als Nachhilfe-"Lehrer" ist man freiberuflich tätig, dazu benötigt man keine Gewerbeanmeldung.

Der TE will aber zusammen mit seinem Bruder keinen Nachhilfeunterricht (mehr) geben, sondern mehr oder weniger als Makler fungieren:

Also kamen mein Bruder und ich auf die Idee, uns foermlich 'zwischen die Behoerden und den "Anbietern" zu schalten' und als sogesehen kleines privates 'Institut' fuer die Vermittlung zwischen Schueler und Anbieter zu sorgen und den Schuelern bei den Antraegen fuer die Bildungsgutscheine zu helfen.

Ist das Sozialindustrie 2.0?

Die Vermutung liegt jedenfalls nahe ...
« Letzte Änderung: 08. September 2017, 10:39:32 von Orakel »
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Offline Ottokar

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Re: Bildungs- und Teilhabe Paket Hannover
« Antwort #6 am: 08. September 2017, 12:44:14 »
Der TE will aber zusammen mit seinem Bruder keinen Nachhilfeunterricht (mehr) geben, sondern mehr oder weniger als Makler fungieren:

Also kamen mein Bruder und ich auf die Idee, uns foermlich 'zwischen die Behoerden und den "Anbietern" zu schalten' und als sogesehen kleines privates 'Institut' fuer die Vermittlung zwischen Schueler und Anbieter zu sorgen und den Schuelern bei den Antraegen fuer die Bildungsgutscheine zu helfen.
Ah, danke für den Schubs, das hatte ich so nicht gelesen.
Wenn das so ist, kann man die Idee nur als undurchführbar bewerten, da die dafür nach § 13 Abs. 1 SGB X erforderliche Vollmacht gemäß § 13 Abs. 5 SGB X gegen § 3 RDG verstößt.
Meine Antworten basieren auf den zuvor genannten Fakten. Durch neue oder geänderte Fakten kann sich jedoch die Rechtslage ändern und bisherige Antworten dadurch ungültig werden.