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Autor Thema: Elternunterhalt - Erben  (Gelesen 714 mal)

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Offline Zauberfee666

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Elternunterhalt - Erben
« am: 09. Januar 2017, 23:24:19 »
Guten Abend!

Meine Eltern sind seit Jahren geschieden.
Mein Vater erhält Grundsicherung, da er als ehemaliger Selbstständiger nicht genügend in die Rentenkasse eingezahlt hat.

Meine Mutter ist seit sehr vielen Jahren an Krebs erkrankt. Bisher konnte man die Krankheit gut in Schach halten. Leider haben sich die Befunde verschlechtert, sodass man ihr mitgeteilt hat, dass sie nächstes Weihnachten nicht erleben könnte, sollte man den Krebs an einem Organ nicht aufhalten können.

Meine Mutter ist in Besitz von einer Eigentumswohnung und verfügt über einen gewissen Geldbetrag, der im Falle eines Todes zwischen mir und meiner Schwester aufgeteilt wird.

Meine Mutter möchte das alles regeln und es kam hier in einem Gespräch die Frage auf, ob meine Schwester und ich das geerbte Geld und die Wohnung dafür aufwenden müssten, um Unterhalt an unseren Vater zu zahlen.
Es ist vielleicht verständlich, dass unsere Mutter vermeiden möchte, dass ihr Vermögen dafür verwendet wird, dass ihre Kinder Unterhaltsleistungen an ihren Ex-Mann zu zahlen.

Wie ist hier die Rechtslage? Müsste es herangezogen werden?
Gibt es Tipps, wie man das umgehen könnte?
Zum Beispiel, dass meine Tochter es vererbt bekommt. Oder müsste ich ihr Vermögen antasten?

Wir sind nach dem Gespräch so verblieben, dass wir uns Erkundigungen einholen. Hoffen aber natürlich, dass dieser Zeitpunkt noch weit, weit entfernt ist.  :sad:

Offline Orakel

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Re: Elternunterhalt - Erben
« Antwort #1 am: 09. Januar 2017, 23:37:49 »
... dass sie nächstes Weihnachten nicht erleben könnte

Ärzte irren sich - zum Glück - auch mitunter bei solchen Prognosen ... Auf jeden Fall ist es richtig, jetzt Vorsorge zu treffen. Es gibt rechtliche Möglichkeiten, das Vermögen deiner Mutter zu Lebzeiten vor dem späteren Zugriff des Jobcenters zu schützen.

Eine Möglichkeit scheidet allerdings aus: Dich in der Erbfolge zu überspringen und deine Tochter testamentarisch zur Erbin bestimmen.

Bezieht deine Schwester auch Leistungen nach SGB II?
Rechtlicher Hinweis: Zu Risiken und Nebenwirkungen meiner Beiträge fragen Sie bitte Ihren Rechtsanwalt oder Steuerberater. Rechtsanwälte und Steuerberater sind allerdings berechtigt, sich die Beantwortung Ihrer Fragen bezahlen zu lassen.
Ein Blick ins Buch und zwei ins Leben // wird die rechte Form dem Geiste geben. (Johann Wolfgang von Goethe)
Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)

Offline Zauberfee666

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Re: Elternunterhalt - Erben
« Antwort #2 am: 09. Januar 2017, 23:51:25 »

Ärzte irren sich - zum Glück - auch mitunter bei solchen Prognosen ...

Ich hoffe es sehr, dass die Ärztin sich geirrt hat. Ein Leben ohne meine Mutter kann ich mir nicht vorstellen.  :sad:

 
Zitat
Auf jeden Fall ist es richtig, jetzt Vorsorge zu treffen.

Vom Kopf her sicherlich. Aber es fühlt sich unschön an.

Zitat
Es gibt rechtliche Möglichkeiten, das Vermögen deiner Mutter zu Lebzeiten vor dem späteren Zugriff des Jobcenters zu schützen.

Welche denn?

Zitat
Eine Möglichkeit scheidet allerdings aus: Dich in der Erbfolge zu überspringen und deine Tochter testamentarisch zur Erbin bestimmen.

Okay. Meine Schwester hatte diese Möglichkeit in den Raum geworfen.

Zitat
Bezieht deine Schwester auch Leistungen nach SGB II?

Nein, meine Schwester geht arbeiten.

Offline Orakel

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Re: Elternunterhalt - Erben
« Antwort #3 am: 10. Januar 2017, 00:05:27 »
Vom Kopf her sicherlich. Aber es fühlt sich unschön an.

Ich verstehe das durchaus, aber ein Testament muss existieren, wenn es gebraucht wird ... Testament besprechen, errichten ... und wieder vergessen bis es gebraucht wird ...

Welche denn?

Alle denkbaren Möglichkeiten hier aufzulisten, würden den Rahmen sprengen. Ich empfehle daher, den Rat Notars einzuholen (u.U. muss ein Testament wegen der Immobilie ohnehin notariell beurkundet werden).

Ist die Eigentumswohnung lastenfrei?

Was soll mit der Eigentumswohnung passieren? Werden deine Schwester oder du die Wohnung später selbst nutzen?

Wenn deine Schwester die Eigentumswohnung übernimmt, würde dein Anteil am Barvermögen ausreichen, deine Schwester auszuzahlen?

Wenn du die Wohnung übernimmst, wäre sie iSv SGB II angemessen (geschütztes Vermögen!)

Nachtrag: Notare kennen das Problem durch Testamente zu Gunsten behinderter Angehöriger. Auch da geht es darum, den Nachlass vor dem Zugriff des Sozialamtes zu schützen ...
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Offline Zauberfee666

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Re: Elternunterhalt - Erben
« Antwort #4 am: 10. Januar 2017, 11:19:18 »
Vielen Dank, Orakel.
Ich hoffe, cih habe alles korrekt beantwortet. Fühle mich gerade mit der Situation überfordert.

Zitat

Ist die Eigentumswohnung lastenfrei?

Nein. Sind wohl noch um die 30.000 Euro Hypothek drauf.

Zitat
Was soll mit der Eigentumswohnung passieren? Werden deine Schwester oder du die Wohnung später selbst nutzen?

Nein, das denke ich nicht.


Zitat
Wenn deine Schwester die Eigentumswohnung übernimmt, würde dein Anteil am Barvermögen ausreichen, deine Schwester auszuzahlen?

Ich stehe gerade auf dem Schlauch.
Wenn meine Schwester die Eigentumswohnung übernehmen würde, dann müsste sie doch mich auszahlen?


Zitat
Wenn du die Wohnung übernimmst, wäre sie iSv SGB II angemessen (geschütztes Vermögen!)

Du meinst, weil ich derzeit im ALG 2 Bezug bin?
Die Wohngung hat ca 80/85 qm. Genau weiss ich es nicht. Und hat 3 Zimmer.

Zitat
Nachtrag: Notare kennen das Problem durch Testamente zu Gunsten behinderter Angehöriger. Auch da geht es darum, den Nachlass vor dem Zugriff des Sozialamtes zu schützen ...

Ich werde das meiner Mutter vorschlagen, dass wir einen Anwaltstermin, also Notar ausmachen, um uns beraten zu lassen.

Offline Orakel

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Re: Elternunterhalt - Erben
« Antwort #5 am: 10. Januar 2017, 11:47:56 »
Ich stehe gerade auf dem Schlauch.
Wenn meine Schwester die Eigentumswohnung übernehmen würde, dann müsste sie doch mich auszahlen?

Uuuups, da stand wohl ich auf dem Schlauch. Du hast natürlich Recht. Meine Überlegung war eigentlich, dass das dir so zufließende Barvermögen auf sechs Monate (zusammen mit dem übrigen Erbe) aufgeteilt und auf deinen Leistungsanspruch angerechnet würde.

Die Hypothek gehört zu den Nachlassverbindlichkeiten, die den Nachlasswert entsprechend mindern.

Zitat
Wenn du die Wohnung übernimmst, wäre sie iSv SGB II angemessen (geschütztes Vermögen!)

Du meinst, weil ich derzeit im ALG 2 Bezug bin?

Genau darauf wollte ich hinaus. Es wäre aber auch denkbar, dass deine Schwester die Wohnung übernimmt (und dich gegebenenfalls auszahlen müsste) und die Wohnung später vermietet.

Denkbar wäre auch ein Erbvertrag, mit dem die Wohnung bereits jetzt im Wege der vorweggenommenen Erfolge auf dich oder deine Schwester übertragen wird und du oder deine Schwester im Gegenzug die Pflege der Mutter übernimmt.

Fühle mich gerade mit der Situation überfordert.

Verständlich. Ich kann nur einige mögliche Lösungen andeuten. Deshalb ist es richtig, sich mit den konkreten Vermögensverhältnissen deiner Mutter an einen Notar zu wenden. Die Kosten halten sich im Rahmen und lohnen sich allemal.

Kennst du den Ratgeber bereits? Dort findest du auch Hinweise zur Anrechnung des Erbes, die bei der Gestaltung des Testaments/Erbvertrages berücksichtigt werden können/müssen.
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