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Autor Thema: Von Grundsicherung nach SGB XII nach ALG 2  (Gelesen 480 mal)

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Offline Kai

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Von Grundsicherung nach SGB XII nach ALG 2
« am: 14. September 2017, 13:21:57 »
Hallo,
ich bin voll erwerbsgemindert, bekomme wegen fehlender Vorversicherungszeiten keine Erwerbsminderungsrente und deshalb erhalte ich Grundsicherung bei Erwerbsminderung nach SGB XII. Da ich wieder auf den ersten Arbeitsmarkt kommen will, habe ich die Idee, mit Hilfe eines Gutachtens seitens der Rentenversicherung mich wieder erwerbsfähig schreiben zu lassen und auf diese Weise in den Bereich SGB II zu gelangen, also dann ALG II zu erhalten. Deshalb, weil ich meine, das das Arbeitsamt so einige Programme und Hilfen bieten kann, die das Sozialamt eben nicht anbietet. Ich bin ungelernt, aber mit einiges an Erfahrung als Hilfsarbeiter(kann einiges, aber habe keine Scheine). Vielleicht kann ich dann auch mit einem Bildungsgutschein mich fortbilden lassen. Der Arbeitsmarkt in meiner Gegend ist nicht gerade positiv, aber vielleicht gelingt ja mein Vorhaben.
Von den werten Forumsexperten-und Schreibern würde ich gerne wissen, ob meine Vorgehensweise empfehlenswert ist oder doch mit Nachteilen behaftet.
Vielen Dank für die Hilfe.

Offline Quinky

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  • Beiträge: 3417
Re: Von Grundsicherung nach SGB XII nach ALG 2
« Antwort #1 am: 14. September 2017, 17:23:25 »
Grundsätzlich negativ ist eine Arbeitsaufnahme/Ausbildung nicht,
ABER
RV sowie JC werden Schwierigkeiten machen, denn dadurch entstehen nicht unerhebliche Kosten. Du bist ausgesteuert, wirst praktisch in keiner Statistik erfaßt, falls Du zu Geld kommst, wird es komplett verrechnet.
Nach meiner Meinung MUSS zuerst ein neues Gutachten erstellt werden, das Du wieder arbeitsfähig bist. Weder RV (weil sie nicht zahlen muss in alle Ewigkeit) und JObcenter (weil es nichts zahlen muss in alle Ewigkeit) sind nicht daran interessiert, daran etwas zu ändern. Weiterhin sind SÄMTLICHE finanziellen Bedingungen im SGBXII die schlechtesten die es gibt. Bis zum Todes darfst Du praktisch NICHTS besitzen und bist wesentlich schlechter gestellt als ein HartzIV-Empfänger = Mensch letzter Klasse.
Da Du Dein Geld vom Sozialamt bekommst,die Töpfe der RV und JC nicht belastest, ist es egal (zumindest statistisch) woher Du Geld bekommst, es interessiert keinen.
Wie kannst Du vorgehen?
Nach MEINER Meinung wäre folgendes von Vorteil, BEVOR Du eine neues Gutachten verlangst.
Du versuchst einen Minijob zu bekommen (auch wenn es nur 2-3 Stunden die Woche sind), somit arbeitest Du wieder. Der Lohn wird zwar mit dem Sozialgeld verrechnet (Verdienst minus 70% SONDERARMENSTEUER!!), jedoch kannst Du praktisch Arbeitsfähigkeit und Arbeitswillen dadurch beweisen.
Da ohnehin fast alles verrechnet wird, würde ich freiwillig den vollen RV-Beitrag zahlen, damit Du RV-Zeiten aufbaust (Nachher zwei Beispiele). Das kann Dir niemand verbieten, selbst wenn die RV hier einen Einspruch machen würde.

1. Beispiel:
Du verdienst 150€ netto im Monat, zahlst keinen freiwilligen Beitrag zur RV sondern belässt es bei der vom Arbeitsgeber (automatisch) zu zahlenden Pauschalsteuer. Damit sind zwar 15% RV-Beiträge gezahlt, allerdings zählen sie nicht voll für Rentenzeiten sowie EM-Rentenansprüche.
Was dürftest Du von den 150€ anrechnungsfrei behalten?
150€ minus 70% Sonderarmensteuer = 45€ würdest Du tatsächlich bekommen, Dein Sozialgeld würde um 105€ gekürzt.

2. Beispiel
Du verdienst weiterhin 150€ netto im Monat, entscheidest Dich jedoch für eine freiwillige Zahlung zur VOLLEN RV-Pflicht. JETZT zählt das VOLL für die Rentenzeiten, sowie voll für EM-Rentenansprüche, sofern die Mindestzeit erfüllt ist.
Was dürftest Du von den 150€ anrechnungsfrei behalten.
Jetzt wird es ein bisschen komplizierter (wird extra gesetzesmäßig so kompliziert gemacht, damit Otto-Normalverbrauchen das möglichst nicht kapiert und betrogen werden kann).
Damit VOLLE RV-Pflicht erfüllt ist, muss mindestens bei Erwerbstätigkeit ein Einzahlungsbetrag von 18,7% von 175€ pro Monat erfolgen.
18,7% von 175€ = 32,73€. Dieser Betrag muss der Arbeitgeber monatlich abführen. Da aber in meinem Beispiel Du nur 150€ verdienst, in der Pauschalsteuer lediglich 15% der Arbeitgeber zahlen muss, bist Du für den Differenzbetrag zuständig
15% von 150€ = 22,50€
32,73€ Mindestbeitrag minus 22,50 vom Arbeitgeber sind 10,23€, die Du selbst aufbringen mußt und an Deinem Lohn abgezogen werden.
150€ Lohn minus 10,23€ Eigenbeitrag = 139,77
Das wird der neue Nettobetrag, davon wiederum 70% Sonderarmensteuer = 97,84 die angerechnet werden, sodass im Endeffekt Dir netto 139,77 minus 97,84 = 41,93€ als Selbstbehalt bleiben.

Also im 2. Beispiel statt 45,00€ bleiben 41,93€. Für diesen geringen Differenzbetrag bist Du jetzt jedoch VOLL RV-versichert in allen Belangen. Selbstverständlich steht Dir dann eine Rente von 175€ Verdienst zu, obwohl Du tatsächlich nur 150€ verdient hast. Zwar ist der Rentenanspruch selbst nur gering, jedoch zählt hier der Grundsatz.

Das ganze ist zwar kompliziert, ich kann es jedoch nicht einfacher erklären.

Für weitere Erläuterungen stehe ich zur Verfügung.

Gruß
Ernie