Moinsen,
ohne genauer die Zusammenhänge analysiert zu haben, glaube ich trotzdem, das Recht zu haben, Entsetzen zu verspüren.
Es entsetzt mich die Energie, die seitens der Staatsanwaltschaft in die Ermittlung dieses ach so schwerverbrecherischen Aufrührers investiert wurde. Welch gigantische Fahndungsmaschinerie und wieviel Personal wurde in Position gebracht, um diesen Menschen dingfest zu machen....
Es entsetzt mich die Tatsache, daß man für eine Äußerung in einem Forum mit Knast und mehr bedroht wird: Die sinngemäße Äußerung: "ich kann s irgendwie verstehen und mich wundert, daß nicht noch mehr passiert" scheint ein weitaus schlimmeres Verbrechen zu sein als alle möglichen Tatbestände, die nicht mit solcher Vehemenz bekämpft, ermittelt und geahndet werden.
Es entsetzt mich, daß eine Äußerung wie oben wohl einen politisch motivierten Schauprozess zur Folge haben soll. Das letzte Mal, als ich von Schauprozessen gehört habe, war im Geschichtsunterricht über eine der dunkelsten Zeiten unserer Nation. Hallo, macht mal einer das Licht an!
Es entsetzt mich, daß ich leider davon ausgehen muß, wenn o.g., Äußerung über einen anderen Fall (beispielsweise eine ermordete Schwiegermutter oder einen krankenhausreif geschlagenen Kollegen) getätigt worden wäre, sich wahrscheins nichts außer zustimmendem Gemurmel ergeben hätte. Beim Themenbereich HartzIV und der Kritik an den Regelungen, die den Namen eines verurteilten Straftäters tragen, sieht die Sache scheinbar anders aus. Dann ist das offenbar ein schlimmeres Verbrechen als Körperverletzung etc.....
Es entsetzt mich die Drohkulisse, die gegenüber allen, die in irgendeinem Forum mal was geschrieben haben, aufgebaut wird.
Es entsetzt mich die Gewißheit über das, was ich vorher nur geahnt hatte: alle Teilnehmer an politischen Foren sind archiviert von unseren Geheimdiensten. Gegen jeden, der was geschrieben hat, kann ein Verdacht auf irgendwas konstruiert werden. Das oberste Ziel neben der Layen-schen Zensur gegen Kinderporno (und politische Seiten) scheint zu sein, die Bürger mundtot zu machen und sie zu bedrohen, sobald sie nur daran denken, daß es vorstellbar ist, es könnte Menschen geben, die mal was von dem Begriff eigene Meinung gehört haben.
Allerdings zwingt mich das nun annähernd grenzenlose Entsetzen nicht, der Junta zuzujubeln und ihre Beschlüsse gutzuheißen. Diesen Sinneswandel würde mir nicht mal der blödeste Geheimdienstschnüffler abkaufen.
Es erfordert allenfalls mehr Intelligenz beim Vertreten eines eigenen Standpunktes und es wirft Fragen auf. Jede Menge Fragen.
Denn, wenn ich was frage, habe ich ja nix behauptet..... Oder sehe ich das falsch?
Kann es denn sein, daß es Indizien dafür gibt, daß wir in Deutschland in einer Bananenrepublik leben? In einer Bananenrepublik, in der wir später mal unseren Enkeln erzählen müssen, was denn eine Banane war?
Kann mir einer zweifelsfrei belegen, daß Angela Merkel nicht für das MfS gearbeitet hat?
Grüsse erstmal
Martin