Wie soll es für mich weitergehen?

Begonnen von Lumpi99, 10. November 2021, 10:19:00

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Lumpi99

Schildere mal meine Situation zur besseren Einordnung:

Bin jetzt 27, hatte jahrelange schwere Mobbingerfahrungen in der Schule, bin dadurch in schwere Depressionen gerutscht, hatte Panikattacken und Angststörungen

Vor ca. 6 Jahren dann der Zusammenbruch (während meiner Ausbildung), wo ich dann 6 Monate ausfiel und in der Zeit unter anderem in tagesklinischer Behandlung war. Seit der Zeit nehme ich auch regelmäßig Antidepressiva.
Folgend blieb ich in der Einrichtung gemeldet für Psychiatertermine und Gespräche.
Währenddessen habe ich auch verschiedene privat bezahlte Therapien besucht, da ich halt akuter Hilfe brauchte und nicht auf eine kassenärtztliche Therapie warten wollte. Haben aber immer ganz schön Asche gekostet und ich konnte mich mit dem ständigen Blick aufm Geldbeutel nie vernünftig drauf einlassen.

Nach der Ausbildung (bin natürlich nicht übernommen worden) ein Jahr Arbeitslos gewesen, dann Vollzeitstelle bekommen, nach nem Tag abgebrochen, dann halbes Jahr arbeitslos, wieder Vollzeitstelle bekommen, nach 4 Tagen abgehauen, dann direkt 450€-Job angenommen, nach nem halben Jahr entlassen worden ("nichts zu tun"), dann direkt Teilzeitstelle, nach 2 Stunden geflohen, dann wieder 450€-Job und da habe ich tatsächlich 2,5 Jahre durchgehalten. Aber war halt wenig Geld und perspektive auf mehr hatte ich halt nie, weswegen ich jetzt die Reißleine zog und mich nach was neuem umsah.

Jetzt:
Wieder was gefunden (Vollzeit), Kündigung reingeschmissen und zack; was ist wohl passiert?
Leute kacke, ich fühl mich nicht wohl, Chef isn *****, ich bin überfordert ,ich habe wieder Selbstmordgedanken, fühl mich wert - und nutzlos und habe einen starken Drang nach "Erlösung" und "Frieden". Bin wieder abgehauen und bin jetzt mega verzweifelt. Von meiner jetzigen Firma kann ich wohl keine Unterstützung erwarten, meine Familie ist wieder in Alarmbereitschaft und ich stehe wieder mal vor dem nichts.
Das hatte ich alles seit gut 4-5 Jahren nicht mehr so extrem und das könnte mir jetzt mal wieder alles vermasseln.
Warum tue ich mir das immer wieder an?

Ich habe jetzt alle möglichen Therapeuten in meiner nähe durchtelefoniert und lasse mich auf Listen setzen, egal wie lange es dauert.
Es zeigt sich ein Muster, das definitiv nicht normal oder gesund ist.
Ich muss aus diesem Kreislauf raus und weiß nicht wie.
Vllt. bin ich einfach so, aber selbst dann muss ich irgendwie lernen, damit umzugehen und zu leben.

Was kann ich jetzt kurzfristig tun? Wie gesagt, es steht alles aufm Spiel: Beruflich, finanziell, gesundheitlich, beziehungstechnisch...

Macht es Sinn für mich, ne Behinderung zu beantragen? Besteht da ne Chance? Wie viel Prozent? Lohnt sich der Aufwand für mich? Was würde ich gewinnen/verlieren?

Danke schon mal für die Antworten
Life is pain

blaumeise

Das liest sich so, als ob ein Vollzeitjob zu viel für dich ist. Minijob scheint ganz gut zu gehen, sofern das Umfeld stimmt. Wenn du ALG II beantragst, müsste der Arbeitsvermittler dich erst mal zum med. Dienst schicken, um festzustellen, inwiefern du leistungsfähig bist. Dann erst steht fest, wie und wohin er dich vermitteln kann. Eventuell in eine Maßnahme.

Minijob ist besser als gar nichts. Ich würde mich nicht gleich wieder überfordern. Einen Therapeuten suchen finde ich auf jeden Fall gut. Mit einem Schwerbehindertenausweis würde ich warten, bis du einen Therapeuten hast. Der kann dir helfen und einen aktuellen Bericht schreiben. Das Versorgungsamt braucht ja Unterlagen, um dich beurteilen zu können.

Der Friese

Gehen deine Berufe immer in die gleiche Richtung? Macht dir die Arbeit dann Spaß, oder ist es nur Broterwerb? Dann reicht bei einigen Menschen schon der geringste negative "Vorfall" um schwups wird der Job geschmissen. Alleine um das Gefühl loszuwerden.
Geh mal in dich, was dich wirklich interessiert und mach dir Gedanken, ob du auch bei solchen Berufen sofort alles hinwerfen würdest. Du bist noch jung. Nicht jeder findet auf geradem Weg zu einer gewissen Zufriedenheit. Manchmal läuft das Leben zickzack und um Kurven.

Juljul

#3
.

asus1402

@Lumpi99,

vielleicht liegt es nicht nur alleine an dir, dass es dir so besch... geht.
Es gibt bestimmt Therapeuten, die noch besser helfen können.
Ich habe eine Therapie wg meiner Ängste erfolgreich hinter mir. Es waren 45 Sitzungen.
Und da habe ich gelernt, wie man mit seinen Ängsten umgehen muss.

jordan2sheepy

hi Lumpi99, du bist ja erst 27 jahre, das ist nicht alt. ich habe mich zum teil wiedererkannt und kann auch nicht 8 stunden am stueck irgendwo auf der arbeit sein. ich hab nun ein patchworkeinkommen aus nem hauptjob mit bis zu 10 stunden in der woche, dann noch einen minijob bei lieferando als rider, und dann gebe ich noch als freier mitarbeiter in einem nachhilfeinstitut nachhilfe. zusaetzlich gibt es aufstockend alg 2 und nach auslaufen der coronaregelung wohngeld.

darauf komme ich finanziell gut klar und bin auch nicht durch die arbeit ueberfordert (also wenn dann nur phasenweise).

wuerde mich auch interessieren, ob du auch schon deine nische gefunden hast, wo du dich nuetzlich machen kannst ohne dass es dich zu sehr nervt/anstrengt und was auch deinen neigungen so entspricht.

therapie kannst du klar wieder versuchen. fuer mich waere es aber erstmal wieder nichts, aber jeder ist da anders.

wuensche dir viel kraft fuer die zeit! vielleicht findest du auch auf ebay kleinanzeigen coole kleinere jobs die du machen kannst wenn dir langweilig ist.

Gast32644

Nabend

Zu psychischen Problemen kann ich eigentlich überhaupt nichts sagen, aber zu einem Schwerbehindertenausweis:

Ich rate grundsätzlich jedem, der auf Arbeitssuche ist, davon ab.

Warum ist ganz einfach: 75% der Firmen aus der freien Wirtschaft stellen keine Schwerbehinderten ein. Noch Fragen?

Und wenn du jetzt auf die Idee kommst, wie ein ehemaliger Arbeitskollege so schön formuliert hat: "Dann sag ich halt einfach nicht, dass ich schwerbehindert bin". Blöde Idee und auch Grund für eine fristlose Kündigung.

Vorteil bei Bewerbungen im Öffentlichen Dienst: Ja, aber die müssen erst mal den passenden Job für dich haben und wenn das nicht der Fall ist, dann nutzt dir das gar nichts.


Aber generell gesagt: Lass es langsam angehen und lass dich auch nicht auf die Schiene der Leistungsgesellschaft schieben. Mach wie du kannst und lass die anderen sich abstrampeln.


Maunzi

Zitat von: Gast32644 am 10. November 2021, 21:54:08

Und wenn du jetzt auf die Idee kommst, wie ein ehemaliger Arbeitskollege so schön formuliert hat: "Dann sag ich halt einfach nicht, dass ich schwerbehindert bin". Blöde Idee und auch Grund für eine fristlose Kündigung.


ZitatGemäß § 85 Neuntes Buch Sozialgesetzbuch (SGB IX) kann der Arbeitgeber einem schwerbehinderten Arbeitnehmer nur kündigen, wenn er zuvor die Zustimmung des Integrationsamtes eingeholt hat. Das gilt sogar, wenn der Arbeitgeber zum Zeitpunkt der Kündigung von der Schwerbehinderung nichts weiß.
https://www.hensche.de/Kuendigung_in_Unkenntnis_einer_Schwerbehinderung_Dreiwochenfrist_zur_Anzeige_der_Schweren_Behinderung_BAG_2AZR700-15_23.01.2017.html

Selbst auch schon erlebt wie schwer es ist einem Schwerbehinderten zu kündigen... da muss schon verdammt viel passieren bis das genehmigt wird!

https://www.t-online.de/finanzen/beruf-karriere/beruf/id_47849190/arbeitsrecht-schwerbehinderung-verschwiegen-bag-kippt-rauswurf.html

https://www.frag-einen-anwalt.de/Verschweigen-von-Schwerbehinderung-sinnvoll--f231392.html

Gibt da diverse Urteile usw in die Richtung, sofern man nicht gerade eine Behinderung verschweigt, welche bei Nennung zur nichteinstellung geführt hätte (Beipiel Putzfrau und chronische Rückenleiden -> kann sich nicht bücken) ist das nicht so leicht durchzukriegen.

Zudem kann es Vorteile haben, sowohl beim JC (sinnlose Jobvermittlung vermeiden) als auch generell. Je nach Einschränkungen gibt es einige Vergünstigungen im Alltag, dazu kann man sich belesen. Wobei bei dir der Aufwand vermutlich eher nicht das Ergebnis rechtfertigen würde, du scheinst ja in erster Linie aufs Finanzielle aus zu sein und da bringt es dich nicht erheblich weiter. Da wäre ggf ein Pflegegrad eher zielführend, wobei der meist mehr auf körperliches abzielt und die Beantragung kein Zuckerschlecken ist.

So wie du gerade klingst wäre es wohl am sinnvollsten dich von einem behandelnden Arzt kurzfristig in eine Psychosomatische (nicht Psychiatrische!) Klinik einweisen zu lassen, quasi eine Auszeit für Körper und Seele mit Rundum-Programm von Therapie, Beschäftigung, Sport, Massagen, Bäder uvm. Ist ne Art Mix aus Reha und Psychiatrischer Behandlung, die ich sehr empfehlen kann um aus so einer Krise rauszukommen.
Wer lügt, hat die Wahrheit immerhin gedacht. (Oliver Hassencamp)