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Autor Thema: Strom bezahlen? Ja, Nein. Vielleicht!  (Gelesen 9731 mal)

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Gast46477

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Re: Strom bezahlen? Ja, Nein. Vielleicht!
« Antwort #60 am: 28. Oktober 2019, 18:19:59 »
Zitat von: anne am 28. Oktober 2019, 16:59:52
Kann ich diese Beihilfe formlos beantragen?

Ja, formlos beantragen. Die "Ist-Situation" beschreiben und dann abwarten, was das JC dir zugesteht (i.d.R. kannst du auch so zwischen 6,- € und 9,- €/mtl. rechnen).

Zitat von: Gast44116 am 28. Oktober 2019, 17:29:25
Über eine sachliche Antwort, mit Argumenten nicht nur falsch angewendeter Rethorik, würde ich mich freuen.

Angie, um es mal ganz, ganz deutlich zu schildern: "Mein Leben als Hartz IV Empfänger hing nicht an 20,- € (bei mir sogar 30,- €) mehr oder weniger. Ich habe immer schon jeden Monat 30,- € abgezeigt und gespart und das mache ich heute als Rentner immer noch so."

Aber nehmen wir @Orakels 20,- € als Beispiel. Würde der LB das mtl. sparen, ergäbe es - welch´ Wunder -, 240,- €/Jahr. 1 - 2 Jahre sparen und man kann sich ein neues, energiesparendes Haushalts-Großgerät kaufen.

Als Alternativ bleibt ja nur, sich das Geld für die Neuanschaffung mittels Darlehen vom JC zu leihen und wir wissen beide, das Darlehen mit 10% der Regelleistung, also mit 42,40 € mtl. (mehr als das Doppelte des Sparbetrages) zurückgezahlt werden müssen, bzw. das JC hält diesen Betrag dann automatisch ein.

Und da recht viele Leistungsbezieher JC-Darlehen am Laufen haben und trotzdem noch nicht verhungert sind, müsste es also auch möglich sein, die 20,- € auf die Seite zu legen.


Gast44116

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Re: Strom bezahlen? Ja, Nein. Vielleicht!
« Antwort #61 am: 28. Oktober 2019, 18:49:07 »
Ich hatte nicht von Leistungsbezieher gesprochen sondern meine Aussage war: wenn jemand bereits Probleme mit Stromsperren hat, wir soll der noch stromsparende Geräte kaufen.

In wie weit es jemanden möglich ist der im Bezug ist, etwas zur Seite zu legen ist bei jedem anders. Es gibt Leistungsbezieher, die auf die Miete selbst drauf bezahlen müssen, Alleinerziehende mit Kindern werden dieses Geld eher für Kleidung oder Geschenke für ihre Kinder zur Seite legen oder generell Anschaffungen wie Schulzeug usw auf die Seite legen. Es gibt zig verschiedene Lebenssituationen. Manche geben diese 20€ her manche nicht.
Selbstverständlich muß man sich darum kümmern sparsam zu sein. Egal wer ob in Bezug oder nicht. Ist der Verbrauch zu hoch muss man überlegen woran liegt es, kann man es ändern usw.
Niemand bestreitet das und ich finde, wie bereits gesagt gut, dass du mit deinem Geld zufrieden bist und zurecht kommst. Jedoch ist deine Situation eben nicht übertragbar auf jeden. Das darf man halt einfach nicht vergessen und muss den Einzelfall anschauen.

Trotzdem muss man auch ganz sachlich anbringen dürfen, dass die Regelsätze zu knapp bemessen sind.
Das Eine hat ja mit dem Anderen nichts zu tun. Niemand erwartet als Leistungsempfänger sorglos mit seinem Geld um sich werfen zu können.

Offline Orakel

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Re: Strom bezahlen? Ja, Nein. Vielleicht!
« Antwort #62 am: 28. Oktober 2019, 19:00:02 »
§ 20 Abs. 1 SGB II:

Der Regelbedarf zur Sicherung des Lebensunterhalts umfasst insbesondere Ernährung, Kleidung, Körperpflege, Hausrat, Haushaltsenergie ohne die auf die Heizung und Erzeugung von Warmwasser entfallenden Anteile sowie persönliche Bedürfnisse des täglichen Lebens. Zu den persönlichen Bedürfnissen des täglichen Lebens gehört in vertretbarem Umfang eine Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben in der Gemeinschaft. Der Regelbedarf wird als monatlicher Pauschalbetrag berücksichtigt. Über die Verwendung der zur Deckung des Regelbedarfs erbrachten Leistungen entscheiden die Leistungsberechtigten eigenverantwortlich; dabei haben sie das Eintreten unregelmäßig anfallender Bedarfe zu berücksichtigen.

Jeder hat von Eigenverantwortung offensichtlich andere Vorstellungen ... Das erlebe ich nahezu wöchentlich in meinen Beratungen offline ...

Gast44116

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Re: Strom bezahlen? Ja, Nein. Vielleicht!
« Antwort #63 am: 28. Oktober 2019, 19:23:37 »
Nur weil in einem Paragraphen steht wozu der Regelsatz gedacht ist, sagt dass wenig darüber aus ob er korrekt festgelegt wurde.

Es gibt sicherlich Menschen die nicht mit Geld umgehen können, auch das wird nirgends bestritten. Nur zuerst davon auszugehen ist auch falsch.

Es gibt eben nicht nur schwarz und weiß, sparsam und verschwenderisch, dazwischen gibt es noch ganz ganz viel..die leben der Menschen ist viel zu komplex als solche Probleme einfach abzutun mit Standardsätzen.
Wenn du Beratung anbietest müsstest du das eigentlich wissen.

Offline Seepferdchen

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Re: Strom bezahlen? Ja, Nein. Vielleicht!
« Antwort #64 am: 28. Oktober 2019, 19:27:27 »
Zitat von: Orakel am 28. Oktober 2019, 19:00:02
Der Regelbedarf zur Sicherung des Lebensunterhalts umfasst insbesondere Ernährung, Kleidung, Körperpflege, Hausrat, Haushaltsenergie ohne die auf die Heizung und Erzeugung von Warmwasser entfallenden Anteile sowie persönliche Bedürfnisse des täglichen Lebens.

Zur Info dazu >>
In dem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) zu den Hartz-IV-Regelsätzen vom 23. Juli 2014 (BVerfG, 1 BvL 10/12) steht folgende Aussage:
So wie die Regelsätze festgelegt werden, „kommt der Gesetzgeber jedoch an die Grenze dessen, was zur Sicherung des Existenzminimums verfassungsrechtlich gefordert ist.“ (Absatz 121) Das Verfassungsgericht benotet die Ermittlung der Regelsätze also nur mit „Vier minus“. Daher verbindet es die Feststellung, die Regelsätze seien noch verfassungsgemäß, auch mit einer ganzen Reihe von Prüfaufträgen und Vorgaben für den Gesetzgeber.

Zu Weiße Ware“ und Brillen sieht das BVerfG „die Gefahr einer Unterdeckung (…) hinsichtlich langlebigen Konsumgütern, die in zeitlichen Abständen von mehreren Jahren angeschafft werden (…)“ (Absatz 120). Ausdrücklich genannt werden Anschaffungskosten für „Weiße Ware“ (Kühlschrank, Waschmaschine usw.) und „Gesundheitskosten wie für Sehhilfen“.

Das BVerfG fordert (zunächst) die Sozialgerichte auf, zu prüfen, ob Leistungen schon heute bei einer großzügigen Auslegung der bestehenden Gesetzesnormen zuerkannt werden können: „Fehlt es an einer Deckung der existenzsichernden Bedarfe, haben die Sozialgerichte Regelungen wie § 24 SGB II über gesondert neben dem Regelbedarf zu erbringende einmalige (…) Leistungen verfassungskonform auszulegen.“

Ich haben fertig.

Gast44116

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Re: Strom bezahlen? Ja, Nein. Vielleicht!
« Antwort #65 am: 28. Oktober 2019, 19:29:20 »
Seepferdchen sehr schön gemacht  :sehrgut:

Offline Orakel

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Re: Strom bezahlen? Ja, Nein. Vielleicht!
« Antwort #66 am: 28. Oktober 2019, 19:46:31 »
Wenn du Beratung anbietest müsstest du das eigentlich wissen.

Darum musst du dir nun wirklich keine Gedanken machen ... Im Übrigen habe ich Mitstreiterinnen und Mitstreiter an meiner Seite ... Für regen Gedankenaustausch ist also gesorgt, auch ohne hartz.info ...