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Autor Thema: Firmenwagen als Nettoeinkommen?  (Gelesen 483 mal)

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Offline Steve79

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Firmenwagen als Nettoeinkommen?
« am: 13. April 2021, 11:11:10 »
Hallo,

Hier nochmal etwas übersichtlicher die Frage bezüglich Dienstwagen und Anrechnung beim Unterhalt:

Sachlage:

Frau verdient Netto 2000€. Der Chef bietet ihr an einen Dienstwagen zum leasen das ihr vom Gehalt abgezogen wird, den sie aber auch privat nutzen darf. Die Kosten von 300€/Monat werden direkt vom Gehalt abgezogen und ihr auch nicht überwiesen.

Ist das Gehalt dann nicht 1700€?
Wie berechnet man den Geldwerten Vorteil?
Wenn man die 300€ von seinem Gehalt bezahlt ist es dann doch kein Vorteil mehr, oder ?

Online HolsderGeier

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Re: Firmenwagen als Nettoeinkommen?
« Antwort #1 am: 13. April 2021, 11:32:19 »
Üblicherweise erspart man Kosten, die man hätte, wenn man selber ein solches
Fahrzeug unterhalten würde. Das ist der sogenannte geldwerte Vorteil. Und diesen Vorteil hätte das Finanzamt gerne
versteuert. Wahlweise nach 1-Prozent-Bruttolistenpreismethode oder nach Fahrtenbuch. In eurem Fall wird das
wohl die 1-Prozent-Bruttolistenpreismethode sein (1 Prozent vom Anschaffungswert des KFZ).
Das Gehalt ist immer noch 2000 Euro, weil das Auto eben Gehaltsbestandteil ist.

Ein Beispiel für eine solche Berechnung findet man hier:

https://www.vlh.de/arbeiten-pendeln/dienstfahrten/was-ist-die-1-regelung.html

Der Vorteil ist, das man ein Fahrzeug erhält, welches man in der Regel auch privat nutzen darf. Das Auto wird
üblicherweise auch durch den Arbeitgeber versichert, der entrichtet die Steuern und übernimmt die Kosten für die
Wartung. Der Arbeitnehmer muß dann allenfalls noch Kraftstoff und eine monatliche Wagenwäsche übernehmen.
Benzin für betrieblich notwendige Fahrten zu Einsatzorten bekommt er ggf. vom Arbeitgeber erstattet (z. B. im Außendienst).
Ansonsten kann er die Fahrtkosten zur Arbeit gegenüber dem Finanzamt geltend machen.
Einige Arbeitgeber händigen auch eine Flottenkarte für die Betankung aus. Dann gibt es quasi sogar den Kraftstoff umsonst.

Online Sheherazade

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Re: Firmenwagen als Nettoeinkommen?
« Antwort #2 am: 13. April 2021, 12:00:00 »
Hier nochmal etwas übersichtlicher die Frage bezüglich Dienstwagen und Anrechnung beim Unterhalt:

Vielleicht solltest du das Prinzip der 1%-Regelung erstmal verstehen.

Zitat
In der Gehaltsabrechnung ist der Firmenwagen mit einem bestimmten Geldbetrag ausgewiesen. In der Gehaltsabrechnung wird normalerweise zum normalen Bruttoeinkommen des Arbeitnehmers monatlich ein Betrag i.H.v. 1% des Neupreises des Fahrzeugs hinzugerechnet. Dadurch erhöhen sich die Einkommenssteuer und der Solidaritätszuschlag des Arbeitnehmers. Nach Abzug der Steuern wird dann der 1%-Betrag wieder abgezogen. Die Anrechnung des Dienstwagens führt also dazu, dass das Nettoeinkommen des Arbeitnehmers sinkt.

Soweit, so gut. Jetzt wird das ganze in den Bezug zur Unterhaltsverpflichtung bzw. -berechnung gesetzt:

Zitat
Die Berechnung des Arbeitgebers bzw. die Berechnung des Firmenwagens laut Gehaltsabrechnung ist aber nicht identisch mit der unterhaltsrechtlichen Bewertung. Deshalb kann man als geldwerten Vorteil nicht einfach denjenigen Betrag ansetzen, der in der Gehaltsabrechnung steht. Denn dieser Betrag ist nicht notwendig identisch mit der Ersparnis auf Seiten des Arbeitnehmers.

Bei der Unterhaltsberechnung kommt es deshalb nicht darauf an, wie teuer der Firmenwagen ist, sondern darauf, welchen Betrag der Betreffende dadurch spart, dass er kein eigenes Fahrzeug finanzieren muss.

Diese Ersparnis ist dem tatsächlichen Nettoeinkommen, wie es sich aus der Gehaltsabrechnung ergibt – also unter Berücksichtigung des Firmenfahrzeugs – hinzuzurechnen.

Quelle

Das Nettoeinkommen steigt also wieder, somit auch das für die Unterhaltsberechnung relevante Einkommen.


Prävention ist keine Hysterie, Ignoranz kein Mut.

Was nutzt es dem Menschen, wenn er Lesen und Schreiben gelernt hat, aber das Denken anderen überlässt?

Offline harry

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Re: Firmenwagen als Nettoeinkommen?
« Antwort #3 am: 13. April 2021, 13:54:23 »
Vermutlich? versteht er nicht warum die 300 € geldwerter Vorteil wieder auf den Lohn von 1.700 € draufgerechnet werden und er somit wieder 2.000 € hat.

Offline Steve79

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Re: Firmenwagen als Nettoeinkommen?
« Antwort #4 am: 13. April 2021, 13:59:27 »
Ja es ist die 1% Regel.

Nur wollte ich wissen was man dann abziehen darf.
Wenn man z.B. vorher ein 9.000€ Wagen gefahren ist und jetzt ein 40.000€ Wagen.
Also privat würde man ja weniger zahlen.
Die privaten Fahrten sind ohnehin nur sehr wenig 1-2 im Monat.

Online Sheherazade

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Re: Firmenwagen als Nettoeinkommen?
« Antwort #5 am: 13. April 2021, 14:03:54 »
Nur wollte ich wissen was man dann abziehen darf.

Guck in den Link, den ich dir oben eingestellt habe, wenn du schon den zitierten Text nicht liest. Oder deine Frau fragt einen Anwalt.
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Offline Ronald BW

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Re: Firmenwagen als Nettoeinkommen?
« Antwort #6 am: 13. April 2021, 14:11:25 »
Bei so wenig Privatnutzung sollte an das führen eines Fahrtenbuches gedacht,
und auf die 1% Regelung verzichtet werden.
Für den Unternehmer ist das dann auch besser, weil er mehr absetzen kann.

Online HolsderGeier

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Re: Firmenwagen als Nettoeinkommen?
« Antwort #7 am: 13. April 2021, 14:34:56 »
Nur wollte ich wissen was man dann abziehen darf.

Guck in den Link, den ich dir oben eingestellt habe, wenn du schon den zitierten Text nicht liest. Oder deine Frau fragt einen Anwalt.

Ich begreife gerade erst, daß es dabei um Unterhalt geht. Also, da kann es schon sein, daß der Steueranteil
als relevantes Netto auf das Nettoeinkommen für Unterhalt draufgepackt wird. (OLG Hamm, Az. II-2 UF 216/12 )
Im Einzelfall können die Beträge auch anders ausfallen, wenn ersichtlich wird, daß der Unterhaltsverpflichtete finanziell
zu weit nach unten gedrückt wird.
Durch Unterhaltsleistungen bin ich selber Aufstocker geworden. Mein Dienstwagen Ford Fiesta Titanium wird mit 150 Euro mtl. angesetzt,
wobei der Bruttolistenpreis inkl. Sonderausstattungen bei 21.000 Euro liegt. Die Berechnung für das unterhaltsrelevante
Einkommen ist dann Netto Auszahlungsbetrag + Summe geldwerter Vorteil Firmenwagen - Werbungskosten.