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Autor Thema: Sehr schlechtes Abschlusszeugnis in Vorstellungsgesprächen begründen  (Gelesen 947 mal)

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Offline Benutzer50

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Hallo,

ich habe, wie ihr vielleicht aus meinem letzten Thread wisst, ein sehr schlechtes Berufsschulabschlusszeugnis. Bzw. ich werde es erst noch erhalten, aber ich kenne schon meine Noten aus den letzten Schuljahren. Für eine Übernahme im Ausbildungsbetrieb sieht es schlecht aus und ich habe mich bisher bewusst nirgendwo anders beworben, weil ich diese Zwischenzeugnisse eigentlich keinem Arbeitgeber zeigen kann. Es geht um mehrere 5en und 6en, die daraus entstanden sind, dass ich teilweise nie im Unterricht anwesend war. Der Rest gleicht das nicht mit 1en und 2en aus, sondern mit 3en und 4en.

Ich bin nicht mit dem Unterrichtsinhalt überfordert, sondern allgemein damit, in die Schule zu gehen. Ich schaffe es nicht Kontakt zu anderen Menschen aufzubauen und hatte auch nie Freunde. Mimik und Gestik verstehe ich nur bedingt und kann ich selbst nicht anwenden. Und dann gibt es ständig Gruppenarbeiten und ich stehe während jedem Unterrichtstag extrem unter Stress und habe oft die Entscheidung getroffen, deshalb nicht in die Schule zu gehen, da ich unter diesen Bedingungen dann auch keine Informationen aufnehme. Meine Psychologin hat die Verdachtsdiagnose Asperger Syndrom gestellt und leider trifft vieles davon auf mich zu.

Bei Vorstellungsgesprächen würde ich gerne einfach sagen können, dass ich Asperger Syndrom habe und das aus dem obigen Absatz einigermaßen so wiedergeben. Aber unabhängig davon, ob dass sinnvoll ist, stört es mich dann gerade, dass das Unternehmen es dann wüsste und man anders wahrgenommen wird. Das wirft auch ein negatives Licht auf die sozialen Fähigkeiten im Unternehmen und das nicht zu unrecht (aus eigener Erfahrung).

Daher frage ich lieber mal allgemein nach Strategien, miserable Zeugnisse zu begründen, wenn auch mit Unwahrheiten. Hat/hatte jemand das selbe Problem? Oder sollte ich es besser sein lassen? Es geht in meinem Fall um den Beruf Mediengestalter, falls dies wichtig sein sollte.

Offline Sheherazade

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Ich bin nicht mit dem Unterrichtsinhalt überfordert, sondern allgemein damit, in die Schule zu gehen.

Hm, dann hättest du ja gerade von den letzten 1,5 Jahren sehr vom Homeschooling profitieren müssen. Mein jüngster Sohn (diagnostizierter Autist) hat das jedenfalls.

Zitat
Bei Vorstellungsgesprächen würde ich gerne einfach sagen können, dass ich Asperger Syndrom habe und das aus dem obigen Absatz einigermaßen so wiedergeben. Aber unabhängig davon, ob dass sinnvoll ist, stört es mich dann gerade, dass das Unternehmen es dann wüsste und man anders wahrgenommen wird. Das wirft auch ein negatives Licht auf die sozialen Fähigkeiten im Unternehmen und das nicht zu unrecht (aus eigener Erfahrung).

Liest sich nach "Wasch mich, aber mach mich nicht nass", keine gute Strategie.

Zitat

Daher frage ich lieber mal allgemein nach Strategien, miserable Zeugnisse zu begründen, wenn auch mit Unwahrheiten.

Du suchst Ausflüchte? Davon rate ich dringend ab, es wird auch schwer, wenn ich mir das Berufsbild des Mediengestalters so anschaue, wichtige Voraussetzungen sind Kreativität, Kommunikationsfähigkeit, gute Kundenorientierung und ein excellentes Verständnis für Technik.

Welche der Fachrichtungen (Beratung und Planung, Konzeption und Visualisierung oder Gestaltung und Technik) hast du im 2. Ausbildungsjahr gewählt?

Jeder Arbeitgeber wird sich (und vielleicht auch dich) fragen, warum du diese Ausbildung gewählt hast, wenn du dich mit den grundsätzlichen Voraussetzungen so schwer tust.

Konzentriere  dich auf schlüssige Begründungen, warum du diese Ausbildung gemacht hast, was dich daran interessiert, was dich an der Tätigkeit begeistert - Unwahrheiten werden dir früher oder später derbe auf die Füße fallen.
Man wird nicht dadurch besser, dass man andere schlecht macht.

Auch Menschen können Nebenwirkungen verursachen - einige Herzklopfen, andere Kopfschmerzen und manche Brechreiz.

Offline harry

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Ich habe mir mal einen Artikel über Asperger angesehen.
Besinne dich auf deine Stärken.
Angeblich liegen die Schwierigkeiten hauptsächlich in der sozialen Kommunikation.
Asperger*innen haben wenig sprachliche Probleme. Ihr Wortschatz ist oft groß, und sie können sich grammatikalisch korrekt und komplex ausdrücken. Ihre sprachlichen Probleme liegen ausschließlich im Bereich der sozialen Kommunikation, der Verwendung von Sprache im sozialen Kontext.

Das Asperger-Syndrom ist keine Krankheit; es ist vielmehr eine Wesensart – wenn auch eine, die in unserer Welt das Leben nicht unbedingt einfacher macht.

Die Schwächen, die Menschen mit Asperger-Syndrom haben, sind aber untrennbar verbunden mit ihren Stärken, zum Beispiel logisches Denken, Ehrlichkeit, Loyalität.

Da würde ich dir im Gespräch zur Wahrheit raten.
Ein vernünftiger Chef wird das alle erkennen und hoffentlich die Stärken anerkennen.
Um klar zu sehen reicht oft ein Wechsel der Blickrichtung.(A. de Saint-Exupéry)
Meine Beiträge ersetzen keine anwaltliche Rechtsberatung!!

Gast34764

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Zitat von: harry am 08. August 2021, 12:46:35
Ihr Wortschatz ist oft groß, und sie können sich grammatikalisch korrekt und komplex ausdrücken.


Asperger haben fast immer Komorbiditäten, 14% davon eine Lese-Rechtschreib-Schwäche. Mein Bruder gehört z.B. dazu. Er kann dich mit Fachbegriffen in Grund und Boden reden, aber schreiben... naja, man kann verstehen was er einem sagen will.  :zwinker: In Englisch hatte er in der Berufsschule eine 5, unterhält sich aber stundenlang mit seinen amerikanischen Freunden beim zocken...

Zitat von: Benutzer50 am 06. August 2021, 21:27:48
Meine Psychologin hat die Verdachtsdiagnose Asperger Syndrom gestellt und leider trifft vieles davon auf mich zu.

Da hier ein Psychologe schon im Spiel ist sollte man vielleicht die Diagnose auch bestätigen lassen und dann über diesen Weg schauen, ob die Berufswahl wirklich so gut war. Oder, ob man eine zweite Ausbildung in Angriff nimmt. Mit einer gesicherten Diagnose bekommt man z.B. einen Nachteilsausgleich. Der kann so aussehen, dass man mehr Zeit für Prüfungen bekommt, die Prüfungen am PC schreiben kann o.Ä.

Mein Bruder hatte bei seinem Ausbildungsplatz auch anfangs nichts von seinem Schwerbehindertenausweis/Nachteilsausgleich gesagt weil er nicht bevorzugt oder abgestempelt werden wollte. Das ging so lange gut, bis es in der Berufsschule total gekracht hat. Er fiel im sozialen Bereich auf und schaffte die Arbeiten/Prüfungen handschriftlich einfach nicht.  Als er dann endlich dem Ausbildungsleiter die Situation erklärt hat ist der aus allen Wolken gefallen: denn den psychologischen Test im Vorfeld hatte mein Bruder mit Bravour bestanden!  :mocking: Er hat dann von den 13 Absolventen als Vierbester abgeschlossen. Weil ihn die Arbeit interessiert und er sich voll reingehangen hat.

Vielleicht solltest du einmal überlegen, ob der Beruf für die nächsten 45 Jahre das ist, was du machen willst und kannst. Wenn ein großer Bestandteil deiner Arbeit Kundenkontakt ist und der dir schwer fällt ist es nur eine Frage der Zeit, bis du nervlich nicht mehr kannst.

Aus deinen vielen Themen konnte ich zumindest herauslesen, dass dich auch der äD schon einmal für erwerbsunfähig erklärt hat, du eine Einstiegsqualifizierung gemacht hast, beim Rehaberater im JC warst usw. 2018 gab es schon ein schlechtes Arbeitszeugnis das du verschweigen bzw. nicht vorlegen wolltest. Möchtest du so dein Leben gestalten?

Offline harry

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Im Prinzip ist es egal welchen Berufszweig TE wählt.
Ihm geht es darum ein miserables Abschlusszeugnis zu erklären bzw. zu begründen.
Und da rate ich bei jedem Arbeitgeber zur Wahrheit und ein vernünftiger AG wird Verständnis aufbringen. Wenn nicht, ist der Arbeitsplatz für TE sowieso dann nicht geeignet.
Das ist meine persönliche Meinung.
Um klar zu sehen reicht oft ein Wechsel der Blickrichtung.(A. de Saint-Exupéry)
Meine Beiträge ersetzen keine anwaltliche Rechtsberatung!!

Offline Birgit63

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Zumal hier das Asperger Syndrom ja nur eine Vermutung der Psychologin ist und keine Diagnose. Hier wird nach einer Ausrede für ein schlechtes Zeugnis gesucht. Ich würde den Schritt nach vorne wagen, erklären, warum das Zeugnis so schlecht ist und dann ein "Probearbeiten" anbieten. Von Asperger würde ich erstmal (da es ja noch gar keine Diagnose gibt) nichts erwähnen.