hartz.info erhebt und verarbeitet Daten um seine Dienste bereitzustellen, Anzeigen zu personalisieren und Fehler zu analysieren.
Teilweise benötigen wir dazu deine Zustimmung, diese kannst du jederzeit widerrufen. Mehr Infos dazu gibt es hier.
Mit Klick auf "Cookies ablehnen" kannst du die erforderliche Zustimmung ablehnen.

Ich stimme zu

Autor Thema: Jobcenter senkt PKV-Zuzahlung  (Gelesen 2695 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline senking

  • neu dabei
  • Beiträge: 5
Jobcenter senkt PKV-Zuzahlung
« am: 03. Februar 2021, 16:24:56 »
Heute kam eine Mahnung meiner privaten Krankenversicherung über einen Beitragsrückstand von knapp 22 Euro für Januar 2021. Das konnte ich mir nicht erklären, denn die letzte Beitragserhöhung der Krankenversicherung fand im April 2020 statt. Dann ging ich meine Post vom Jobcenter durch und stellte fest, dass die Zuzahlung des Jobcenters für die PKV ab Januar um genau jene knapp 22 Euro gesunken war. Das war sehr ungewöhnlich, denn in der Regel steigt die Zuzahlung jedes Jahr.

Ich rief beim Jobcenter in der Leistungsabteilung an und dort erklärte man mir, dass ich ja letztes Jahr von meiner Krankenversicherung die Höhe des fiktiven Basistarifes erfragen sollte, um sie dem Jobcenter mitzuteilen. Das hatte ich wohl auch getan (muss ich verdrängt haben) und aufgrund jenes Basistarifes berechnet das Jobcenter nun seine Zuzahlung zur PKV. So sollte es eigentlich auch laut Gesetz sein, aber in den ganzen Jahren bis jetzt (ich bin seit 2011 "Kunde" des Jobcenter) zahlte das Jobcenter immer alles bis zum gesetzlichen Maximalbetrag. Das waren letztes Jahr noch gut 367 Euro plus Pflegeversicherung. Dieses Jahr wären es 384 Euro plus Pflegeversicherung gewesen. Der für mich berechnete fiktive (halbe) Basistarif liegt aber nur bei 345 Euro. Das hat den unangenehmen Effekt, dass das Jobcenter nicht wie erwartet 17 Euro mehr, sondern 22 Euro weniger Zuschüsse für meine PKV zahlt. Also 39 Euro Euro pro Monat weniger als ich hätte, wenn man die Zuzahlung  so berechnet hätte, wie in den zehn Jahren davor.

Zukünftig muss ich von meiner Grundsicherung gut 91 Euro pro Monat aus eigener Tasche zur Krankenversicherung beisteuern. Die nächste Beitragserhöhung wird wohl zum April stattfinden und dann erwarte ich, etwa 120 Euro pro Monat selbst zahlen zu müssen.

Aus der PKV raus komme ich leider nicht. Das würde ich sofort tun, wenn es ginge. Wenn ich die 120 Euro pro Monat sparen will, bleibt mir nur der Weg in den Basistarif der PKV, der im Prinzip alle Nachteile von PKV und GKV vereint. Immer noch recht hohe Beiträge, die dann aber zumindest vollstänig vom Jobcenter übernommen würden, einen Leistungsumfang, der schlechter ist als bei den meisten gesetzlichen Krankenkassen, keine Mitversicherung etwaiger Familienmitglieder, aber trotzdem noch den Ärger, Rechnungen oft selber vorstrecken zu müssen und dann darauf zu hoffen, dass die PKV alles übernimmt. Zudem verweigern einige Ärzte die Behandlung von Patienten im Basistarif und für viele Dinge fallen Zuzahlungen an.

Wie sollte ich mich entscheiden? Auf der einen Seite habe ich habe ich eine private Krankenversicherung mit einigen Vorteilen, deren Beiträge immer noch zu etwa 80% vom Jobcenter getragen werden. Es ist toll, dass ich als Arbeitsloser kostenlos Kunststofffüllungen, Zahnreinigungen und Zweibettzimmer bekomme und für keine Leistungen Zuzahlungen leisten muss. Auf der anderen Seite tun mir die 20%, die ich selber bezahlen muss, immer mehr weh. Mit den bald vier Euro pro Tag oder mehr als 1400 Euro pro Jahr wüsste ich Besseres anzufangen. Ein Kompromiss könnte sein, von den monatlich 120 Euro, die ich im Basistarif spare, 50 Euro pro Monat zurück zu legen, um davon Leistungen zu bezahlen, die im Basistarif nicht abgedeckt sind - wie zum Beispiel die so wichtigen Zahnreinigungen.

Im Moment tendiere ich stark zum Basistarif, denn die Beitragserhöhung dieses Jahr wird nicht die Letzte sein. Jedes Jahr werden zu meiner Selbstbeteiligung zwischen 20 und 40 Euro dazu kommen und in drei Jahren müsste ich - falls ich dann noch arbeitslos bin - wohl die Hälfte meiner Grundsicherung nur für die PKV zahlen.

War jemand von Euch in ähnlicher Situation? Nutzt jemand von Euch den Basistarif? Ist er wirklich so schlimm, wie viele Ratgeber schreiben? Wird man da wirklich ständig von Ärzten abgewiesen oder bleibt auf Kosten sitzen? Sollte ich die Bundestagswahl abwarten und hoffen, dass danach Gesetze zu meinen Gunsten geändert werden, weil die Grünen mitregieren?

Ich würde mich über Euer Feedback freuen.


Offline The Witch

  • Urgestein
  • ****
  • Beiträge: 1072
Re: Jobcenter senkt PKV-Zuzahlung
« Antwort #1 am: 03. Februar 2021, 16:43:13 »
Die Grünen werden ganz sicher nicht dafür sorgen, dass da irgendwas "zu deinen Gunsten" geändert wird - die möchten nämlich eigentlich die PKV ganz abschaffen.

Offline senking

  • neu dabei
  • Beiträge: 5
Re: Jobcenter senkt PKV-Zuzahlung
« Antwort #2 am: 03. Februar 2021, 16:55:39 »
PKV abschaffen wäre im Moment sehr zu meinen Gunsten. Ich bin in der PKV gefangen und seit 2007 sind die Beiträge um gut 140% gestiegen. Mir ist allerdings klar, dass die Abschaffung der PKV zu höheren Beiträgen in der GKV führen würde, denn die PKV zahlt für einige Leistungen sehr viel Geld und das würde dann in Praxen und Kliniken fehlen.

Offline Yavanna

  • Vielschreiber
  • ***
  • Beiträge: 672
  • In einem Loch im Boden da lebte ein Hobbit...
Re: Jobcenter senkt PKV-Zuzahlung
« Antwort #3 am: 04. Februar 2021, 08:47:31 »
Bist du denn im Basistarif drin?
Unterscheidet sich der tatsächliche halbe Basistarif vom fiktiven? Dann wäre der tatsächliche zu übernehmen.
Wenn du in einem anderen Tarif bist, ist es doch verständlich, dass das JC nur den Basistarif zahlt und nicht die maximale Summe raushaut. Ist doch bei den KDU nicht anders.
Die Höhe kann von KK zu KK vom Preis her variieren.

Offline senking

  • neu dabei
  • Beiträge: 5
Re: Jobcenter senkt PKV-Zuzahlung
« Antwort #4 am: 04. Februar 2021, 09:31:40 »
"Fiktiv" sagt man, weil der Basistarif ja eigentlich erst berechnet wird, wenn man ihn beantragt. Das ist so nach dem Prinzip "Wie viel würden Sie für ihr Auto verlangen, wenn es heute jemand kaufen wollte?". Er hängt zum Beispiel von der Höhe der Altersrückstellungen ab, die schon gebildet worden sind. Die Bescheinigung schätzt also, wie hoch er sein könnte, falls man ihn beantragen würde. Und jener Beitrag halbiert sich dann natürlich bei Hilfsbedürftigkeit und wird vom Jobcenter komplett übernommen.

Ja, es sollen nur die tatsächlichen Kosten erstattet werden, aber in den Jahren 2011 bis 2020 wurden immer die maximal möglichen Kosten erstattet. Der Mitarbeiter der Leistungsabteilung teilte mir mit, dass ich "Pech" habe, dass meine Krankenversicherung meinen Basistarif so niedrig abgesetzt hat, obwohl sie bis zur maximal möglichen Summe hätte hoch gehen können.

Ein weiteres Problem ist auch, dass mir ja nie mitgeteilt wird, wann der Basistarif teurer wird, wenn ich ihn noch gar nicht nutze. Jede Steigerung des Basistarifes würde ja dazu führen, dass das Jobcenter wieder mehr Geld übernimmt. Dazu müsste das Jobcenter aber wissen, dass der Basistarif teurer wurde. In der Praxis müsste ich mir nun also regelmäßig von meiner Krankenversicherung den Basistarif berechnen lassen, um nicht Geld dadurch zu verlieren, dass das Jobcenter zu spät von der Erhöhung erfährt. Die Auskunft über die Höhe enthält ja nicht den Zeitpunkt der letzten Erhöhung. Dann könnte das Jobcenter wenigstens rückwirkend Geld nachschießen.

Offline senking

  • neu dabei
  • Beiträge: 5
Re: Jobcenter senkt PKV-Zuzahlung
« Antwort #5 am: 04. Februar 2021, 13:05:50 »
Wow, eine positive Wendung. Das Jobcenter zahlt zwar weiterhin nicht mehr, aber ich habe erfahren, dass ich 83 Euro pro Monat, also etwa 1000 Euro pro Jahr sparen kann, wenn ich Einzelzimmer und Chefarztbehandlung abbestelle. Zu dritt auf einem Zimmer mit Fremden zu liegen, ist zwar wirklich kein Spaß, aber wenn ich von den 1000 Euro einen Teil zurück lege, könnte ich damit im Notfall auch selbst ein Zweitbettzimmer bezahlen, das 91 Euro extra kostet.

Online crazy

  • Urgestein
  • ****
  • Beiträge: 12158
Re: Jobcenter senkt PKV-Zuzahlung
« Antwort #6 am: 05. Februar 2021, 11:50:56 »
Exakt das hätte ich Dir jetzt geraten. Den Tarif nach Zusatzleistungen prüfen die ggf. gar nicht unbedingt notwendig sind,
Dann hast du das ja selbst rausgefunden und schon passt es wieder.

Sollten jetzt allerdings deine Beiträge geringer sein als das was man dir derzeit überweist seitens JC wird man diesen Betrag auf die tatsächlichen Kosten reduzieren!
Es sei denn Du hattest das bisher gar nicht mit drin in dem was Du dem JC als Rechnung vorgelegt hattest.
Ich hatte zwar Krankentagegeld versichert, das fand gar keine Berücksichtigung in den Beiträgen die das JC überwiesen hat.