Noch bevor die bereits beschlossene Neuausrichtung der Grundsicherung vollständig wirksam geworden ist, nimmt die politische Debatte um das Bürgergeld erneut Fahrt auf.
https://www.gegen-hartz.de/news/buergergeld-reform-2026-2027-es-soll-noch-haerter-werden
Das wäre in der Tat fatal für alle Betroffenen. Vor allem würde die Branche die auf Ehrenämtler, Bundesfreiwilligendienst und Minijobber angewiesen sind extrem darunter leiden wenn jetzt alle Einkünfte angerechnet würden. Dann würde es die freiwillige Feuerwehr nicht mehr geben wenn die Aufwandsentschädigungen (Einsatz- und Übungsgeld) pro Einsatzstunde (oft zwischen 5 € und 15 €) angerechnet werden.
Zitat von: Dwight Manfredi am 09. April 2026, 08:27:39Vor allem würde die Branche die auf Ehrenämtler, Bundesfreiwilligendienst und Minijobber angewiesen sind
Die Rede im Artikel ist nur vom Minijob-Freibetrag, Ehrenamt und Bufdi sind aussen vor. Und ich kenne keine Branche, die auf Minijobber angewiesen ist.
Zitat von: Sheherazade am 09. April 2026, 09:43:43Die Rede im Artikel ist nur vom Minijob-Freibetrag, Ehrenamt und Bufdi sind aussen vor. Und ich kenne keine Branche, die auf Minijobber angewiesen ist.
Man weiß es nicht. Wenn es nur die Minijobs betrifft dann ist das eine Sache, man könnte jetzt aber auch hingehen und sagen für den Betrag bis zur Minijob Grenze (605 Euro glaube ich) wird alles angerechnet. Dann wäre es so das der Freibetrag dann errechnet wird vom Einkommen minus den 605 Euro und von dem Rest dann die paar Prozent. Das wäre fatal für alle Aufstocker.
Trotzdem sehe ich bei beiden Varianten erhebliche Zweifel ob das Bestand haben kann. Es ist eine ungleiche Behandlung und vom Lohnabstandsgebot will ich nicht erst anfangen...
Zitat von: Sheherazade am 09. April 2026, 09:43:43Und ich kenne keine Branche, die auf Minijobber angewiesen ist.
Da bist du aber nicht auf dem laufenden. In Deutschland gibt es mehrere Branchen, die strukturell stark auf Minijobber (geringfügig Beschäftigte) angewiesen sind. Das liegt meist an schwankenden Arbeitsaufkommen, langen Öffnungszeiten oder dem Bedarf an einfachen Tätigkeiten, die keine Vollzeitstelle rechtfertigen.
Gastronomie und Hotellerie, Einzelhandel, ob Supermarkt, Modeboutique oder Tankstelle – der Einzelhandel wäre ohne Minijobber kaum funktionsfähig. Gebäudereinigung und Facility Management, Lieferdienste und Logistik, Gesundheits- und Sozialwesen. Besonders in der Pflege und in Arztpraxen werden Minijobber eingesetzt, um Fachkräfte zu entlasten.
Zitat von: Dwight Manfredi am 09. April 2026, 13:13:33In Deutschland gibt es mehrere Branchen, die strukturell stark auf Minijobber (geringfügig Beschäftigte) angewiesen sind.
Diese Branchen
setzen auf Minijobber als Billigarbeitskräfte, zumal hier das Hire&Fire viel besser durchzuziehen ist, das ist was anderes als darauf angewiesen zu sein. Man könnte diese Minijobber auch als sozialversicherungspflichtige Teilzeitkräfte einstellen, da sind die Abgaben für den AG sogar niedriger.
Minijobs gehören abgeschafft und das nicht erst seit gestern.
Zitat von: Sheherazade am 09. April 2026, 13:55:32zumal hier das Hire&Fire viel besser durchzuziehen ist
Heuern und Feuern? Nö es gelten die gesetzlichen Kündigungsfristen.
Zitat von: Sheherazade am 09. April 2026, 13:55:32Man könnte diese Minijobber auch als sozialversicherungspflichtige Teilzeitkräfte einstellen, da sind die Abgaben für den AG sogar niedriger.
Das halte ich für ein Gerücht. Für den Arbeitgeber sind Minijobber attraktiv, weil die pauschalen Abgaben oft niedriger oder unkomplizierter sind als bei einer sozialversicherungspflichtigen Festanstellung, und sie keine Beiträge zur Arbeitslosenversicherung leisten müssen. Pauschalsteuer von 2 %. Vom Lohn des Arbeitnehmers.
Der Nachteil einer sozialversicherungspflichtigen Teilzeitkraft ist, Wenn jemand von 538 € (Minijob) auf 600 € (Teilzeit) erhöht, kann es passieren, dass durch die einsetzenden Sozialabgaben am Ende weniger Netto übrig bleibt als vorher.
Für mich ist der Minijob das ideale wenn man sich was nebenbei verdienen möchte.
Zitat von: Dwight Manfredi am 09. April 2026, 15:06:13Für mich ist der Minijob das ideale wenn man sich was nebenbei verdienen möchte.
Ja, wenn man eine Hauptbeschäftigung hat, dann ist der Begriff "nebenbei verdienen" auch korrekt angewendet. Ich kann zumindest die Intention hinter dem Plan, die Minijobfreibeträge für Bürgergeldbezieher zu streichen, verstehen und billigen.
Und das die Minijobs unterm Strich für den AG teurer kommen, kann man mit den diversen Abgabenrechnern im Netz leicht nachprüfen - wenn du schon meine Kenntnisse aus meiner langjährigen Tätigkeit in der Personalabteilung anzweifeln willst.
Zitat von: Sheherazade am 09. April 2026, 15:11:38das die Minijobs unterm Strich für den AG teurer kommen, kann man mit den diversen Abgabenrechnern im Netz leicht nachprüfen
Warum machen die Firmen das dann?
Zitat von: Sheherazade am 09. April 2026, 13:55:32zumal hier das Hire&Fire viel besser durchzuziehen ist
Dafür sind eher die Leihbuden zuständig. :sad:
Sollte es wirklich mit der Anrechnung ab dem ersten Euro so kommen, wird dieses Land ein Problem bekommen.
Warum sollte man so einen Job dann noch machen?
Plus obendrauf auch noch die Kosten für den Arbeitsweg vom Bürgergeld abdrücken?
So bekloppt wird kaum jemand sein.
Zitat von: Sheherazade am 09. April 2026, 15:11:38wenn du schon meine Kenntnisse aus meiner langjährigen Tätigkeit in der Personalabteilung anzweifeln willst.
Ich will überhaupt nichts anzweifeln. Wenn man die 13% Krankenversicherung und die 15% Rentenversicherung beirechnet für den AG hast du natürlich recht. Rein betriebswirtschaftlich gesehen ist der Minijob für den Chef tatsächlich die teuerste Form der Beschäftigung pro geleisteter Arbeitsstunde. Nach Adam Riese komme ich auf eine Gesamtbelastung für den AG auf 31% gegenüber einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit von 22% für den AG.
Zitat von: Kopfbahnhof am 09. April 2026, 16:06:48Sollte es wirklich mit der Anrechnung ab dem ersten Euro so kommen, wird dieses Land ein Problem bekommen.
Warum, nur weil dann ein paar Bürgergeldbezieher keinen Minijob mehr machen möchten? Vielleicht sehen sich einige davon dann im Zugzwang, eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit aufzunehmen. Da gibt es noch die Freibeträge.
Zitat von: Kopfbahnhof am 09. April 2026, 16:06:48Zitat von: Sheherazade am 09. April 2026, 15:11:38das die Minijobs unterm Strich für den AG teurer kommen, kann man mit den diversen Abgabenrechnern im Netz leicht nachprüfen
Warum machen die Firmen das dann?
Zitat von: Sheherazade am 09. April 2026, 13:55:32zumal hier das Hire&Fire viel besser durchzuziehen ist
Dafür sind eher die Leihbuden zuständig. :sad:
Sollte es wirklich mit der Anrechnung ab dem ersten Euro so kommen, wird dieses Land ein Problem bekommen.
Warum sollte man so einen Job dann noch machen?
Plus obendrauf auch noch die Kosten für den Arbeitsweg vom Bürgergeld abdrücken?
So bekloppt wird kaum jemand sein.
Das Land wird gar kein Problem bekommen. Null!
Der Geld braucht wird was tun und wer keins braucht und mit dem Bürgergald auskommt - eben nicht.
Die Abschaffung der Minijobs hat wohl im Wesentlichen mit der Abschaffung des sog. "Ehegatten-Splittings" zu tun !
Minijobs werden vor allen Dingen wohl auch klassischer weise von Müttern mit (mehr oder weniger) gut verdienenden Ehemännern gemacht.
DAS wollen sie abschaffen. Sie wollen, dass auch Mütter Vollzeitstellen annehmen - egal ob mit oder ohne Ehemann !
Die totaaaale Gleichberechtigung (Gleichverpflichtung !) der Geschlechter...
Zitat von: Vollloser am 10. April 2026, 08:28:20Die Abschaffung der Minijobs hat wohl im Wesentlichen mit der Abschaffung des sog. "Ehegatten-Splittings" zu tun !
Ähm, von der Abschaffung der Minijobs ist im Artikel gar nicht die Rede (auch, wenn schon darüber geredet wird). Hier wird offenbar geplant, im SGB2 keine Erwerbstätigenfreibeträge mehr auf das Einkommen aus Minijobs zu gewähren. Könnte man aber auch als Vorarbeit zur generellen Abschaffung der Minijobs sehen.
Zitat von: Vollloser am 10. April 2026, 08:28:20Die Abschaffung der Minijobs hat wohl im Wesentlichen mit der Abschaffung des sog. "Ehegatten-Splittings" zu tun !
ja die Minijobs für Leute in der neuen Grundsicherung wird dann die Kommune übernehmen mit 2 € Pflicht Jobangeboten.
ZitatBürgergeld-Reform 2026/2027: Es soll noch härter werden
Der große Wurf für mehr Gerechtigkeit für die wo keine Lobby haben.
Zitat von: Vollloser am 10. April 2026, 08:28:20Sie wollen, dass auch Mütter Vollzeitstellen annehmen - egal ob mit oder ohne Ehemann !
Du musst nicht immer "sozialversicherungspflichtig" mit "Vollzeit" gleichsetzen. Ich bin schon immer während meiner Erwerbstätigkeit aus eigenem Interesse mit 4 Kindern Minijobs ausgewichen und habe trotzdem nicht nur Vollzeit gearbeitet.
Meiner Meinung nach müsste man an die Logik der Minijobs, nicht an das Geld der Leute für die es wirklich wichtig ist.
Sinnvoll wäre:
1. Minijob von privat im privaten Umfeld (Reinigung, Kinderbetreuung, etc) alles wie bisher.
2. Im nicht Privaten Umfeld muss das unternehmen auf den Betrag volle steuer und Sozialabgaben zahlen.
Dann würde niemand bestraft und für Firmen zahlen Abgaben.
Aber wer erwartet sinnvolle Ansätze von Politiker?
Und was genau hat dein "sinnvoller" Ansatz mit dem möglichen Wegfall der Erwerbstätigenfreibeträge auf Minijobs im Leistungsbezug des SGB2 zu tun?
ja - genau nach:
"... Ich mach' mir die Welt Widdewidde wie sie mir gefällt."
Zitat von: Dagmar81 am 10. April 2026, 13:08:47"... Ich mach' mir die Welt Widdewidde wie sie mir gefällt."
Jaaa, das nennt man Affirmiiiieren.
Nichts anderes auch machen die in den sog. "Thinktanks" bei den "Eliten" !
Kann man ja auch ruhig mal zurückaffirmiiiieren ! :yes:
Kann mir irgendjemand den Zusammenhang zwischen Think Tank (deutsch: Denkfabrik, ein forschungsorientiertes Institut, das politische, soziale oder wirtschaftliche Konzepte entwickelt, um Politik und Öffentlichkeit zu beraten) und Affirmieren (bedeutet bejahen, zustimmen oder etwas nachdrücklich bestätigen) erklären? Oder werden hier Fremdwörter ohne Sinn und Verstand eingesetzt?
Der Zusammenhang zwischen einem Think Tank (Denkfabrik) und dem Prozess des Affirmierens ist auf den ersten Blick nicht offensichtlich, da beide Begriffe aus völlig unterschiedlichen Lebensbereichen stammen. Der eine aus der strategischen Politikberatung, der andere aus der Psychologie oder der Philosophie.
Der eigentliche Zusammenhang liegt in der Diskursgestaltung. Ein Think Tank liefert nicht nur trockene Daten, er liefert das Narrativ, das die Gesellschaft dazu bringen soll, bestimmte politische oder wirtschaftliche Konzepte zu affirmieren (bejahen).
Aha, dann liegt es wohl am Diskurs (Zitat von Pippi Langstrumpf), dass ich keinen Zusammenhang herstellen kann. Danke für die Erklärung.
Zitat von: Sheherazade am 12. April 2026, 14:08:55Denkfabrik, ein forschungsorientiertes Institut, das politische, soziale oder wirtschaftliche Konzepte entwickelt, um Politik und Öffentlichkeit zu beraten
Ich/wir mach/en' mir/uns die Welt Widdewidde wie sie uns am besten erscheint/gefällt.
Blau steht hier für Affirmieren.
Lila für die "Denkfabrik".