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Hilfebereich => Fragen und Antworten zu Hartz IV / ALG II => Thema gestartet von: Fadox am 20. Mai 2019, 21:17:45

Titel: Amtsärztliches Gutachten anzweifeln
Beitrag von: Fadox am 20. Mai 2019, 21:17:45

Ich beziehe z.Z. Harz IV. Es wurde jedoch nun vom Amtsarzt nach Aktenlage eine Erwerbsunfähigkeit aufgrund einer "schweren und chronischen seelischen Gesundheitsstörung" auf Dauer ausgeschlossen.

Mitgeteilt wurde mir dies bei einem Termin im Jobcenter zu dem auch eine Mitarbeiterin des Sozialpsychiatrischen Dienstes zur Hilfe beim Stellen eines Rentenantrages eingeladen war. Dies sofort und unter Mithilfe des Sozialpsychiatrischen Dienstes zu tun habe ich abgelehnt. Es würde sich in meinem Fall sowieso nur um einen Antrag handeln, der mangels Ansprüchen gegenüber der Rentenversicherung abgelehnt werden würde. Eine eigene Begutachtung müsste nicht stattfinden.

Weiterer Fortgang offen.

Gibt es eine Möglichkeit, die Amtsärztlichen Feststellungen allein für sich anzuzweifeln? Es entstehen Befunde aus dem nichts, die durch die eingereichten Unterlagen nicht bestätigt werden.
Titel: Re: Amtsärztliches Gutachten anzweifeln
Beitrag von: coolio am 20. Mai 2019, 21:24:24
Wenn ich in der Instanz nicht irre, wäre ein Gutachten der DRV vorrangig, um den ÄD auszuhebeln (da /weil vorrangig)
Titel: Re: Amtsärztliches Gutachten anzweifeln
Beitrag von: Wuff am 20. Mai 2019, 21:47:16
Bitte doch einfach deine behandelnden Ärzte einmal darum sich das Gutachten komplett zusenden zu lassen. Diese können dann schauen, was die da geschrieben haben und wie die Gutachter des äD darauf kommen.

Im übrigen wenn du keinen Anspruch auf Rente hast, dann wäre es auch denkbar, dass das Sozialamt ein anderslautendes Gutachten erstellt
Titel: Re: Amtsärztliches Gutachten anzweifeln
Beitrag von: coolio am 20. Mai 2019, 21:51:12
MDK wäre noch eine Zwischeninstanz.
Titel: Re: Amtsärztliches Gutachten anzweifeln
Beitrag von: HermineL am 21. Mai 2019, 06:36:56
Nur die DRV kann eine dauerhafte Erwerbsminderung abschließend feststellen. Alle anderen Gutachten sind nicht bindend.
Der Entscheidung des ÄD kann jeder kommunale Träger, jeder andere Träger der zuständig wäre sowie die Krankenkasse widersprechen.
Der Leistungsempfänger kann ein Gutachten des ÄD oder Amtsarzt (bei Optionskommune) nicht unmittelbar angreifen sondern nur einen mit dem Gutachten begründeten Bescheid.

Ein Gutachten der DRV ist für alle Leistungsträger des Zweiten, Dritten, Fünften, Sechsten und Zwölften Buch bindend.

Rechtsgrundlage ist § 44a SGB II und § 45 SGB XII.
Titel: Re: Amtsärztliches Gutachten anzweifeln
Beitrag von: NevAda am 21. Mai 2019, 09:50:49
Die Erwerbsunfähigkeit wurde ausgeschlossen?
Titel: Re: Amtsärztliches Gutachten anzweifeln
Beitrag von: Fadox am 21. Mai 2019, 16:03:42
Bitte doch einfach deine behandelnden Ärzte einmal darum sich das Gutachten komplett zusenden zu lassen. Diese können dann schauen, was die da geschrieben haben und wie die Gutachter des äD darauf kommen.

Was heißt hier Gutachten komplett zusenden lassen? Gibt es da denn mehr als die 2 Seiten die ich bekommen habe? Das einzige was auf diesen 2 Seiten Richtung Befund geht ist:

Nach den Vorliegenden unterlagen ist Herr X eingeschränkt gemeinschaftsfähig.

Ja, ich war bei HARZ IV Antragstellung in einem Psychiatrischen Krankenhaus. Mir gehen alte Sachen oft im Kopf rum. Behandelt wurden laut Arztbrief "Gedankenkreisen", "Gedankenschleifen", "Grübelschleifen". Meine eingeschränkte gemeinschaftsfähigkeit entsteht aus Befunden wie "Im Kontakt kooperativ und offen" und dass ich "sehr engagiert" war "und zuverlässig an allen verordneten Therapien" teilnahm.


Ich hätte mich über jede noch so dämliche Maßnahme vom Jobcenter gefreut. Ablenkung. Verhindern, dass ich allein zu Hause in meine Grübelschleifen zurückfalle. Leider ausgekotzt worden.
Titel: Re: Amtsärztliches Gutachten anzweifeln
Beitrag von: Fettnäpfchen am 21. Mai 2019, 16:26:41
Fadox

Zitat von: Fadox am 21. Mai 2019, 16:03:42
Was heißt hier Gutachten komplett zusenden lassen? Gibt es da denn mehr als die 2 Seiten die ich bekommen habe?
Ja gibt es heißt Teil A und Teil B(hast du bekommen, (bzw. wenn falsch gemacht dann nur vorgelesen))
Hier im Anhang etwas zum nachlesen darüber.
Teil A sollte von deinen Ärzten angefordert werden, du selber wirst die uU nicht bekommen wenn schon eine
Zitat von: Fadox am 20. Mai 2019, 21:17:45
eine Mitarbeiterin des Sozialpsychiatrischen Dienstes zur Hilfe
dabei war.
Die sind allerdings nicht da um beim Antrag DRV zu helfen sondern um dich aufzufangen wenn nötig.
Zitat von: Fadox am 21. Mai 2019, 16:03:42
Ich hätte mich über jede noch so dämliche Maßnahme vom Jobcenter gefreut. Ablenkung. Verhindern, dass ich allein zu Hause in meine Grübelschleifen zurückfalle.
Da gibt es bessere Angebote als Maßnahmen vom JC welche auch noch freiwillig sind. Tagesstätten auf Std. Basis zum Beispiel.

MfG FN

[gelöscht durch Administrator wegen Erreichen der Speicherfrist]
Titel: Re: Amtsärztliches Gutachten anzweifeln
Beitrag von: Fadox am 14. August 2019, 11:40:56
Fadox

Zitat von: Fadox am 21. Mai 2019, 16:03:42
Was heißt hier Gutachten komplett zusenden lassen? Gibt es da denn mehr als die 2 Seiten die ich bekommen habe?
Ja gibt es heißt Teil A und Teil B(hast du bekommen, (bzw. wenn falsch gemacht dann nur vorgelesen))
Hier im Anhang etwas zum nachlesen darüber.
Teil A sollte von deinen Ärzten angefordert werden, du selber wirst die uU nicht bekommen ...

Ich habe eine Akteneinsicht genommen.

Es gab keinen Teil A. Das einzige was neben der Anforderung vom Jobcenter, dem Gesundheitsfragebogen, eingereichten Arztbriefen und Gutachten vorhanden ist, sind die 2 Seiten die ich bekommen habe sowie eine interne Gebührenfestsetzung fürs Jobcenter. Nicht ein Satz der dokumentieren würde, dass das eingereichte überhaupt gelesen wurde.
Titel: Re: Amtsärztliches Gutachten anzweifeln
Beitrag von: Angie69 am 14. August 2019, 12:49:43
Bei mir wurde auch bereits ein Gutachten per Aktenlage erstellt. Ich habe dem damals einfach widersprochen und die Begutachtung durch einen Arzt des ärztlichen Dienst verlangt. Dies wurde dann auch so gemacht.
Titel: Re: Amtsärztliches Gutachten anzweifeln
Beitrag von: Fadox am 14. August 2019, 13:39:04
Ich hatte danach vom Sozialamt ein Formblatt, nachdem ich meine Erwerbsunfähigkeit von der Rentenversicherung feststellen lassen sollte. Hatte ich abgelehnt mit dem Hinweis, dass ich mich weiter für erwerbsfähig halte. Hat denen gereicht um es ans Jobcenter zurückzugeben. Das war im Mai. Seitdem herrscht Funkstille.

Kann ich sowas machen wie eine EGV selber beantragen? Der Schwebezustand nervt.
Titel: Re: Amtsärztliches Gutachten anzweifeln
Beitrag von: Angie69 am 14. August 2019, 13:54:25
Die Rentenversicherung hätte aber auch deine Erwerbstätigkeit feststellen können.


Wie schon gesagt ich würde eine erneute persönliche Begutachtung durch den ärztlichen Dienst beantragen. Schriftlich nachweisbar eingereicht
Titel: Re: Amtsärztliches Gutachten anzweifeln
Beitrag von: Fettnäpfchen am 14. August 2019, 14:11:58
Zitat von: Fadox am 14. August 2019, 11:40:56
Ich habe eine Akteneinsicht genommen.

Es gab keinen Teil A.
Natürlich nicht das hat nichts in deiner Akte zu suchen weil es kein JC etwas angeht.
Darum habe ich folgendes
Zitat von: Fettnäpfchen am 21. Mai 2019, 16:26:41
Teil A sollte von deinen Ärzten angefordert werden, du selber wirst die uU nicht bekommen wenn schon eine ......
geschrieben gehabt.

Zitat von: Fadox am 14. August 2019, 11:40:56
Nicht ein Satz der dokumentieren würde, dass das eingereichte überhaupt gelesen wurde.
das passt aber nicht zu deinem Eingangspost:
Zitat von: Fadox am 20. Mai 2019, 21:17:45
Ich beziehe z.Z. Harz IV. Es wurde jedoch nun vom Amtsarzt nach Aktenlage eine Erwerbsunfähigkeit aufgrund einer "schweren und chronischen seelischen Gesundheitsstörung" auf Dauer ausgeschlossen.
Anmerkung von mir zu oberem seltsamen Satzgebilde: Erwerbsunfähigkeit auf Dauer ausgeschlossen heisst für mich irgendwann wieder erwerbsfähig.
Mitgeteilt wurde mir dies bei einem Termin im Jobcenter zu dem auch eine Mitarbeiterin des Sozialpsychiatrischen Dienstes zur Hilfe beim Stellen eines Rentenantrages eingeladen war


Zitat von: Fadox am 14. August 2019, 13:39:04
Kann ich sowas machen wie eine EGV selber beantragen?
Für was  :scratch:
andere sind froh wenn sie die Fessel mit der EinV nicht haben und meistens sind die nicht mal rechtmäßig sondern strotzen nur so von Nachteilen.

Eine neue Untersuchung durch den ÄD bringt nur was bei Besserung oder Verschlechterung, das letzte Mal ist gerade mal drei Monate osä her.

MfG FN
Titel: Re: Amtsärztliches Gutachten anzweifeln
Beitrag von: Fadox am 14. August 2019, 14:47:33
Zitat von: Fadox am 14. August 2019, 11:40:56
Ich habe eine Akteneinsicht genommen.

Es gab keinen Teil A.
Natürlich nicht das hat nichts in deiner Akte zu suchen weil es kein JC etwas angeht.
Darum habe ich folgendes
Zitat von: Fettnäpfchen am 21. Mai 2019, 16:26:41
Teil A sollte von deinen Ärzten angefordert werden, du selber wirst die uU nicht bekommen wenn schon eine ......
geschrieben gehabt.

Ich hatte meine Akteneinsicht beim Gesundheitsamt, zu dem der Amtsärztliche Dienst gehört. Es war nicht meine Akte vom Jobcenter und es wurde auch nichts entfernt - zumindest nicht ohne die Seitenzahlen neu zu vergeben. Seite 1, Anfrage vom Jobcenter und als letzte Seite mein Akteneinsichtsgesuch. Zwischendurch nichts brauchbares. Ein halbes Dutzend Schweigepflichtsentbindungen und nicht eine Anfrage an einen Arzt zur aktuellen gesundheitlichen Situation, kein internes Gutachten, kein Kommentar zu sich unterscheidenden Diagnosen, nichts...


Zitat von: Fadox am 14. August 2019, 11:40:56
Nicht ein Satz der dokumentieren würde, dass das eingereichte überhaupt gelesen wurde.
das passt aber nicht zu deinem Eingangspost:
Zitat von: Fadox am 20. Mai 2019, 21:17:45
Ich beziehe z.Z. Harz IV. Es wurde jedoch nun vom Amtsarzt nach Aktenlage eine Erwerbsunfähigkeit aufgrund einer "schweren und chronischen seelischen Gesundheitsstörung" auf Dauer ausgeschlossen.
Anmerkung von mir zu oberem seltsamen Satzgebilde: Erwerbsunfähigkeit auf Dauer ausgeschlossen heisst für mich irgendwann wieder erwerbsfähig.
Mitgeteilt wurde mir dies bei einem Termin im Jobcenter zu dem auch eine Mitarbeiterin des Sozialpsychiatrischen Dienstes zur Hilfe beim Stellen eines Rentenantrages eingeladen war

Ja ich hab mich verschrieben. Man hat meine Erwerbsfähigkeit auf Dauer ausgeschlossen.
Titel: Re: Amtsärztliches Gutachten anzweifeln
Beitrag von: Fettnäpfchen am 15. August 2019, 17:47:41
Fadox

Zitat von: Fadox am 14. August 2019, 14:47:33
Ich hatte meine Akteneinsicht beim Gesundheitsamt, zu dem der Amtsärztliche Dienst gehört.
Zitat von: Fadox am 14. August 2019, 14:47:33
Es war nicht meine Akte vom Jobcenter und es wurde auch nichts entfernt - zumindest nicht ohne die Seitenzahlen neu zu vergeben. Seite 1, Anfrage vom Jobcenter und als letzte Seite mein Akteneinsichtsgesuch. Zwischendurch nichts brauchbares. Ein halbes Dutzend Schweigepflichtsentbindungen und nicht eine Anfrage an einen Arzt zur aktuellen gesundheitlichen Situation, kein internes Gutachten, kein Kommentar zu sich unterscheidenden Diagnosen, nichts...
:weisnich:
Da fällt mir nix mehr ein. Also eine Begutachtung mit Ergebnis aber ohne Diagnose dafür aber eine sozialmedizinische Stellungsnahme für das JC.
Zumindest stellt es sich für mich so dar.

MfG FN
Titel: Re: Amtsärztliches Gutachten anzweifeln
Beitrag von: Fadox am 27. August 2019, 14:10:08
Ich habe ein weiteres Gutachten, diesmal von der Agentur für Arbeit aufgrund eines Antrages auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben.

Es sieht mich täglich 6 Stunden und mehr - "vollschichtig" leistungsfähig, bescheinigt mir eine ausreichende Gemeinschaftsfähigkeit und eine Werkstatt für behinderte Menschen wird explizit nicht empfohlen.

Das Gutachten vom Jobcenter/Amtsärztlicher Dienst des Landkreises bescheinigte mir täglich weniger als 3 Stunden (dauerhaft), eine eingeschränkte Gemeinschaftsfähigkeit und empfahl eine Werkstatt für Behinderte.


So, nun hab ich 2 Gutachten. Irgendwas vereinheitlichendes, verbindliches, anders lautendes fürs Jobcenter könnte aber nur die Rentenversicherung erstellen. Richtig?

Titel: Re: Amtsärztliches Gutachten anzweifeln
Beitrag von: Maunzi am 27. August 2019, 14:45:01
Richtig - aber mal ganz anders gedacht: wieso nimmst du es nicht so hin und lässt es darauf rauslaufen, beim Sozialamt zu landen? Vorteil wäre hier: du kannst dir selbst was suchen das dich beschäftigt UND dir Spaß macht, anstatt in irgendwas gezwungen zu werden was dir im schlimmsten Fall noch Probleme aufgrund deiner Erkrankung bringt (weiß hier nicht was du exakt hast, aber so ganz super scheints dir ja nicht zu gehen nehme ich an? wenn da jetzt zB ne maßnahme käme bei der dir per zwang noch mehr Zeit zum Grübeln gegeben wird, weil sie inhaltslos ist - leider oft der Fall - dann wär dir nicht geholfen).

Würde da eher schauen was dir spaß macht und dir in dem Bereich in deiner Freizeit (die du dann dank Sozialamt hast) suchen. Hab da wen im Bekanntenkreis, die wollte zunächst auch nicht in diesen Zustand "dauerhaft Erwerbsunfähig -> Sozialamt" rein, wegen ähnlicher Gründe ebenfalls lieber arbeiten oder beschäftigt werden. Jetzt ist sie es trotzdem und total glücklich, da sie sich selbst ein paar Beschäftigungen zugelegt hat die ihr riesigen Spaß machen und ein wenig helfen sich besser zu fühlen.

Eine davon ist übrigens ehrenamtlich im Tierheim zu helfen beim Tiere ausführen, füttern, kuscheln, bespaßen. Eine andere bei der Tafel auszuhelfen.

Irgendwas kann man durchaus finden, was einem zusagt.

---

Übrigens auch als erwerbsunfähig eingestuft hält dich keiner davon ab zu arbeiten wenn du dazu wieder bereit bist, du kannst dir durchaus einen Job suchen und auf die Gutachten sch... das liegt ganz bei dir was du machen magst  :smile:
Titel: Re: Amtsärztliches Gutachten anzweifeln
Beitrag von: Fadox am 28. August 2019, 13:22:00
Danke..., aber ich habe beim Arbeitsamt mit Sicherheit keine LTA/Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben/Berufliche REHA beantragt, weil ich gerne Angst vor irgendwelchen Maßnahmen dort hätte oder nur dem Jobcenter eins auswischen wollte.

Ich will das und natürlich ist das mit Maßnahmen verbunden. Ich bin froh, dass ich dort als erwerbsfähig eingestuft wurde und man mich nicht in eine Werkstatt für Behinderte abschieben will.

Leider habe ich dort erst am 25.09. einen Termin. Ich freu mich drauf und werde sicher nicht hingehen und sagen, ich hab es mir anders überlegt, ich mach jetzt doch lieber einen auf erwerbsunfähig.