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Hilfebereich => Fragen und Antworten zu Hartz IV / ALG II => Thema gestartet von: Gutbell am 12. März 2019, 12:15:49

Titel: Kündigung ohne Sperrfrist
Beitrag von: Gutbell am 12. März 2019, 12:15:49
Liebe Community,

heute benötige ich mal wieder euren Rat. Seit Anfang 2017 bin ich als Buchhalterin beschäftigt und zwar in Teilzeit. Entgegen der Zusage meines Arbeitgebers wurde der Teilzeitvertrag über 18 Wochenstunden nach einigen Monaten nicht auf Vollzeit aufgestockt. Eineinhalb Jahre unbezahlte Überstunden (ca. 15 pro Woche) waren jedoch an der Tagesordnung. Aus Angst, meinen Arbeitsplatz zu verlieren und weil ich vonseiten des Chefs massiv eingeschüchtert wurde, machte ich gute Miene zum bösen Spiel. Nun ist mein Chef zahlungsunfähig und zahlt mein Gehalt nicht. Obwohl er set Monaten von seiner finanziellen Lage weiß, hat er mich einfach weiter für sich arbeiten lassen. Er benötigt meine Arbeit, da er selbst kaum noch etwas macht und mit dem Unternehmen heillos überfordert ist.

Von mir wird seit dem Eintritt in die Firma verlangt, die Versäumnisse der letzten Jahre auszubügeln, während der Chef sich um nichts kümmert und noch nicht einmal Arbeitsmittel in ausreichendem Umfang zu Verfügung stellt. Auch kann ich diverse sinistre Geschäftspraktiken nicht tragen. Er kündigt mir jedoch nicht, da er ja den Laden möglichst lange am Leben halten will. Selbst kündigen darf ich nicht, da ich sonst drei Monate kein ALG I bekomme (ich bin Aufstocker und erhalte jetzt Gehalt und ergänzendes Hartz IV). Auf Grund meiner Schwerbehinderung habe ich das Integrationsamt eingeschaltet. Die können leider auch nichts machen, damit ich kündigen darf, bieten mir jedoch ein Präventionsgespräch an. Meine Erklärung, daß der Chef ja gar nichts ändern wolle und außerdem gar nicht mehr in der Lage sei, sich verantwortungsbewußt zu verhalten, wurde nicht akzeptiert. Es ist aber wirklich so, daß mein Arbeitgeber nicht mehr in der Lage ist, Absprachen einzuhalten, denen er in lichten Augenblicken zugestimmt hat.

Ferner unterlaufen ihm regelmäßig Fehler, die umso schlimmer sind, da er auch in meiner Arbeit herumpfuscht und einfach Buchungen löscht und dergl.. Auch darf ich meine eigentliche Arbeit nicht erledigen, werde jedoch angebrüllt, wenn ich das Pensum nicht geschafft habe. Meiner Bitte um die schriftliche Bestätigung seiner Anweisungen kommt er nicht nach.

Ich bin wirklich total verzweifelt und hatte jetzt einen Zusammenbruch. Mein Fallmanager weiß von allem, merkte aber an, ich dürfe nicht kündigen. Bitte meldet euch,
wenn ihr etwas Hilfreiches beitragen könnt.

Liebe Grüße,

Gutbell
Titel: Re: Kündigung ohne Sperrfrist
Beitrag von: Sheherazade am 12. März 2019, 12:26:57
Nun ist mein Chef zahlungsunfähig und zahlt mein Gehalt nicht.

Nur dein Gehalt nicht oder auch noch mehr, was er nicht bezahlt, z. B. KV-Beiträge? Hat er selbst schon einen Insolvenzantrag gestellt? Wenn nicht, macht das auch gerne die Krankenkasse. Du kannst dann Insolvenzgeld beim Arbeitsamt beantragen. Vielleicht kann man dir dort ja auch noch weiterhelfen.
Titel: Re: Kündigung ohne Sperrfrist
Beitrag von: Ottokar am 12. März 2019, 13:05:48
Teile deiner Krankenkasse umgehend mit, dass dein Chef deinen Lohn nicht mehr zahlt, weil er zahlungsunfähig ist.
Außerdem beantrage umgehend beim Arbeitsamt Insolvenzausfallgeld.
Beide, Krankenkasse und Arbeitsamt, prüfen dann, ob tatsächlich eine Insolvenz vorliegt. Ist das der Fall, worauf deine Aussagen hindeuten, erhälst du vom Arbeitsamt den fehlenden Lohn als Insolvenzausfallgeld für max. 3 Monate. Dein Chef wird gezwungen, Insolvenz zu beantragen bzw. zu erklären, und du kannst dich mit der Forderung der Bezahlugn der Überstunden mit eintragen lassen.
Titel: Re: Kündigung ohne Sperrfrist
Beitrag von: Gutbell am 14. März 2019, 16:44:17
Vielen herzlichen Dank, das wußte ich nicht. Das war wirklich eine große Hilfe für mich.

LG und einen schönen Abend.