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Autor Thema: Stellenabbau: Siemens streicht ca. 3500 Jobs in Deutschland  (Gelesen 12396 mal)

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Offline Lady Miou

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Re: Stellenabbau: Siemens streicht ca. 3500 Jobs in Deutschland
« Antwort #45 am: 10. Dezember 2017, 22:51:39 »
Zitat von: eder am 10. Dezember 2017, 22:35:48
Turbinenwellen fürs Lager kann es ja wohl nicht sein?
Moment war es nicht so das die Auftragsbücher bis zum Ende 2018 gefüllt sind? Ich meine sowas ähnliches vernommen zu haben.
Das wäre doch Zeit in der andere Bereiche/ Spaten die gebraucht werden, auf- und ausgebaut werden könnten und die MA darauf geschult werden könnten, am bisherigen Standort. Profit wurde von Siemens und ihrer sonstigen Unternehmen nun wahrhaftig genug eingefahren um so etwas zu bewerkstelligen.
« Letzte Änderung: 10. Dezember 2017, 23:49:41 von Lady Miou »

Gast42062

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Re: Stellenabbau: Siemens streicht ca. 3500 Jobs in Deutschland
« Antwort #46 am: 12. Dezember 2017, 15:11:33 »
Zitat von: Lady Miou am 10. Dezember 2017, 22:51:39
Profit wurde von Siemens und ihrer sonstigen Unternehmen nun wahrhaftig genug eingefahren um so etwas zu bewerkstelligen.
es geht um Arbeitsplatzsicherung der noch bestehenden Arbeitsplätze (Standortschließungen) und eine gleichbleibende Dividende.

Offline Meck

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Der Technologiekonzern Siemens feiert ein Rekordjahr nach dem nächsten – und streicht Tausende Jobs. Die Werke in Görlitz und Leipzig stehen komplett vor dem Aus. Siemens-Mitarbeiter Martin Vogel kann nicht begreifen, wie die Siemens-Bosse das beschließen konnten.

Schon Martin Vogels Vater Detlev arbeitete beim Weltkonzern Siemens, erzählt er in der ARD-Sendung „hart aber fair“. Auch seine Frau Juliane ist bei Siemens. Und ihr gemeinsamer Sohn wünscht sich dasselbe. Mit seinem Bruder besucht der Vierjährige bereits die Siemens-Kita.

Doch mit den Massenentlassungen bricht aus heiterem Himmel die Welt der Familie zusammen. Das Ehepaar hatte sich in Görlitz ein Haus gekauft – jetzt wissen sie nicht weiter. Martin Vogel ist in der "ARD" den Tränen nahe: „Die Enttäuschung ist riesengroß... Wenn ich an die Kinder denke… wenn ich daran denke… wird mir anders."


-->> http://www.focus.de/finanzen/boerse/job-hammer-trifft-drei-generationen-keine-hoffnung-mehr-familie-lebte-fuer-siemens-jetzt-bricht-ihre-welt-zusammen_id_7969494.html

Offline Meck

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Der designierte Ministerpräsident Sachsens, Michael Kretschmer, zweifelt an den Aussagen von Siemens zur Schließung des Standorts in Görlitz. "Wir sind aus der Kenntnis einiger Details vor Ort der Meinung, dass die Geschichte, die uns erzählt wird, nicht stimmt", sagte Kretschmer in der MDR-Sendung "Fakt ist!" am Montagabend in Dresden. "Ich bin mir sehr sicher, dass die Situation nicht so ist, wie wir sie überall erzählt bekommen. Die Dinge passen irgendwie nicht zusammen." Es mache keinen Sinn die Produktion nach Mühlheim zu verlegen, obwohl das Stammwerk und das Leitwerk für die Technologie der Industriedampfturbinen in Görlitz ist. "Mühlheim ist viel teurer als Görlitz", erklärte Kretschmer.  Er glaubt, die Entscheidung des Siemens-Vorstandes beeinflussen zu können. "Und zwar deswegen, weil die Siemens-Geschichte nicht rund ist. Es werden hier verschiedene Dinge vermischt."

-->> https://www.mdr.de/sachsen/bautzen/kretschmer-zu-siemens-bei-fakt-ist-100.html

Offline Meck

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Heftige Kritik im Bundestag an Siemens
« Antwort #49 am: 12. Dezember 2017, 17:42:52 »
Der Siemens-Konzern hat sich im Bundestag erneut heftige Kritik an seinen Personalabbau-Plänen und der Art und Weise, wie er die Mitarbeiter informierte, eingehandelt.

Anlass dafür war am Dienstag ein von den Linken eingebrachter Gesetzentwurf, mit dem künftig Massenentlassungen bei profitablen Firmen verboten werden sollen. "Kündigungen werden untersagt, wenn diese trotz einer anhaltenden positiven Ertragssituation allein zur weiteren Gewinnsteigerung des Unternehmens vorgesehen sind", heißt es in dem Gesetzentwurf, über den nun im Hauptausschuss des Parlaments weiter diskutiert werden soll.


-->> http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/heftige-kritik-im-bundestag-an-siemens-5864527

Offline eder

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Re: Stellenabbau: Siemens streicht ca. 3500 Jobs in Deutschland
« Antwort #50 am: 12. Dezember 2017, 18:07:16 »
Zitat von: Meck am 12. Dezember 2017, 17:42:52
Kündigungen werden untersagt, wenn diese trotz einer anhaltenden positiven Ertragssituation allein zur weiteren Gewinnsteigerung des Unternehmens vorgesehen sind"
Genau mit sowas macht man sich  lächerlich , nein die Frage ist wohl mehr ,wie kommen wir dazu die Ressourcen und auch  Infrastruktur für lau "Bzw. auf die Allgemeinheit umgelegt" bereitzustellen.

Offline potamopyrgus

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Re: Stellenabbau: Siemens streicht ca. 3500 Jobs in Deutschland
« Antwort #51 am: 12. Dezember 2017, 23:34:46 »
Zitat von: Meck am 12. Dezember 2017, 17:42:52
Kündigungen werden untersagt, wenn diese trotz einer anhaltenden positiven Ertragssituation allein zur weiteren Gewinnsteigerung des Unternehmens vorgesehen sind"
Genau mit sowas macht man sich  lächerlich , nein die Frage ist wohl mehr ,wie kommen wir dazu die Ressourcen und auch  Infrastruktur für lau "Bzw. auf die Allgemeinheit umgelegt" bereitzustellen.

Ich musste auch gerade zweimal hinschauen.  :schock: Aber das ist typisch Linke. Die wissen ganz genau dass ihre aberwitzigen, weltfremden Forderungen niemals Realität werden und sie sich keine Gedanken um Konsequenzen machen müssen.  :scratch:

Gast42062

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Re: Stellenabbau: Siemens streicht ca. 3500 Jobs in Deutschland
« Antwort #52 am: 10. Januar 2018, 18:19:45 »
Von Christian Grimm

BERLIN (Dow Jones)--Die von Entlassungen oder Schließung bedrohten Siemens-Fabriken in Deutschland erhielten hohe öffentliche Unterstützung aus der Staatskasse.
Insgesamt bekam der Technologieriese für die Werke in Berlin, Mühlheim an der Ruhr, Leipzig und Görlitz in den vergangenen 10 Jahren insgesamt 35 Millionen Euro vom Bund.
Noch vergangenes Jahr erhielten die drei Letzteren 1,2 Millionen, wie aus einer Antwort des Wirtschaftsministeriums auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Pascal Meiser hervor.

Die Werke in Görlitz und Leipzig sollen komplett dichtgemacht werden.


https://www.finanzen.net/nachricht/aktien/bedrohte-siemens-werke-erhielten-35-millionen-euro-vom-bund-5906100

Warum bekommen Vorstände bei Siemens Millionenabfindungen, Gehälter und warum müssen die Unternehmen nicht die Unterstützung zurückzahlen an den Staat, das geht mir einfach nicht in den Kopf.
Es sei denn der Bund ist an der AG beteiligt.
« Letzte Änderung: 10. Januar 2018, 18:48:40 von Gast42062 »

Offline lea

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Re: Stellenabbau: Siemens streicht ca. 3500 Jobs in Deutschland
« Antwort #53 am: 11. Januar 2018, 03:34:18 »
War selbst jahrelang in verantwortlicher Position in einem allseits bekannten US Konzern.
Multinationales Team, die MA motiviert, engagiert, kompetent und top "fast" alle.
Die Arbeit stieg uns über den Kopf, das Unternehmen wuchs extrem und sehr schnell.
Deshalb haben wir, ich, alles darangesetzt die Arbeitsprozesse zu standardisieren und zu automatisieren;
und haben uns damit letztlich unser eigenes Grab geschaufelt (was ich damals noch nicht ahnte)

Irgendwann begann es damit, dass sogenannte "Level 1", also qualitativ nicht so anspruchsvolle Arbeiten an Drittanbieter, externe Dienstleister ausgelagert wurden.
Die Personalkosten sanken somit für das "nicht notleidende" sondern im stetigen Wachstum befindliche Unternehmen beträchtlich.
Landesgrenzen spielten beim Outsourcing keine Rolle da Internetunternehmen. Polen, Ungarn, Indien, egal.

Förderungen in beträchtlichen Höhen und an Bedingungen geknüpft gab es für das Unternehmen in den ersten Jahren.
Als das dann vertraglich auslief ging die Auslagerei der Arbeit los.
Die genauen Kenntnisse hierzu fehlen mir aber, das letzlich ist der Schluss den ich gezogen habe (ziehen musste), nachdem was ich wusste.

Es blieb nicht bei "Level 1 Arbeit" die ausgelagert wurde, es ging dann immer weiter.
Eigentlich eine systembedingte, logische Konsequenz...was ich aber erst viel später verstanden habe und auch die Ursache dessen.

Bis auf ein paar sehr wenige ist keiner mehr da aus meiner ehemaligen Abteilung, keiner mehr da der Leute, die sich sehr mit dem Unternehmen einst identifiziert hatten, hoch engagiert und motiviert waren, die sich in Sicherheit fühlten, junge Menschen die ihre Familien- und Lebensplanung entsprechend ein- und ausgerichtet hatten.
Alle entlassen inzwischen, ohne "eigentliche" Not des Unternehmens.....

Habe viel nachgedacht, über Jahre, wollte verstehen die Ursachen und Zusammenhänge.

Bin zu dem Schluss gekommen, dass das derzeitige System stark krankt und von innen heraus nicht mehr reformierbar ist.
Wurzeln des "Übels" sehe ich im Schuld-Geld-System (inkl. Zinses-Zins) was man mit einem Schneeballsystem vergleichen könnte.
Dazu privat kapitalistische Herrschaft, Ausbeutung und Profitmaximierung einiger Globalplayer, Monopole, Banken, die die Fäden in ihren Händen halten, die Ausrichtung von Medien, Politik etc. mittels Money in ihrer Macht haben und beeinflussen.

Insolvenzen sind Teil dieses Schuld-Geld Schneeballsystems, zwangsläufig, denn es ist schlicht mathematisch unmöglich dass alle "Kreditnehmer" bzw. Schuldner in diesem System ihre Schulden und Zinsen abbezahlen können.

Bei Geldschöpfung durch Kredite werden die fälligen Zinsen nicht in gleicher Weise mit "geschöpft".
So versucht jeder der Beteiligten am Wettbewerb dem anderen die Profite und Gewinne abzujagen damit sich das Karussell für ihn weiterdreht, er mindestens seine Schulden bedienen, bestenfalls Profite generieren kann.

Es ist wie beim Spiel "Reise nach Jerusalem",
alle rennen um die sicheren Plätze aber es ist einfach nicht genug für alle da, niemals.
Immer wird es Verlierer geben ( in diesem System).

Das Rennen um die Plätze wird extremer, die angewandten Mittel im Kampf werden ausgefeilter; Betrug, Skrupellosigkeit, Rechtsbeugungen ggf. sogar Menschenrechts-, Natur- und Umweltrechtsverletzungen sind keine Hemmschwelle mehr bei der Frage und Auseinandersetzung, WER GEWINNT UND ÜBERLEBT...

Lea

Offline Planloser

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Re: Stellenabbau: Siemens streicht ca. 3500 Jobs in Deutschland
« Antwort #54 am: 11. Januar 2018, 04:03:57 »
Zitat von: lea am 11. Januar 2018, 03:34:18
Insolvenzen sind Teil dieses Schuld-Geld Schneeballsystems, zwangsläufig, denn es ist schlicht mathematisch unmöglich dass alle "Kreditnehmer" bzw. Schuldner in diesem System ihre Schulden und Zinsen abbezahlen können.

Doch das geht sogar, selbst mit Zinsen aber nur wenn das Geld auch ausgegeben wird d.h. nicht allein von Kapitalerträgen lebt. Wird es leider nur nicht und daran erkrankt es, das Kapital sammelt sich und versucht reinvestiert zu werden wodurch es sich immer weiter akkumuliert und nicht mehr zu den unteren Gehaltsschichten zugute kommt. D.h. dem Schuldner wird es, wie seit tausenden Jahren, unmöglich gemacht seine Schulden zu bezahlen. Rein rechnerisch ist das hingegen kein Problem.

Mittlerweile befindet sich derart viel Geld auf dem Markt das den realen Wert der Produktionskette auch bei weitem nicht mehr abdeckt, man geht jetzt von einem weltweiten Geldvermögen aus das die Jahresproduktion um fast das 10 Fache überschreitet, vor der Finanzkrise war es "nur" 5 fach. Im Gegenzug ist natürlich auch die Verschuldung entsprechend gestiegen. Nunja, das Geld sucht wie gesagt eine Vermehrung, mittlerweile kann man von einer Tulpenmanie sprechen. Aktien sind aufgeblasen, selbst sinnfreie Digitalwährungen wie Bitcoins erleben neue Höhepunkte. Um die aufgeblasenen Aktien irgendwie gerecht zu werden versucht man alles mögliche "Ballast" abzuwerfen was dem Bild stören könnte das Unternehmen sei es nicht wert. Das trifft jetzt auch nicht nur auf Siemens zu sondern ist ein globales Problem, hinzu kommt das der Finanzsektor mit 5% exorbitant groß ist und mit 25% Gewinn des Volkseinkommen (Bsp. aus den USA) Höhen erreicht hat die keinesfalls gerechtfertigt sein dürfte, die beschäftigten sich nämlich nicht um Kernaufgaben sondern mehr oder minder mit sich selbst. Volkswirtschaftlich hat das absolut keinen Sinn davon will aber keiner etwas hören - würde der Finanzsektor wirklich auf seine Kernkompetenz der Finanzierung der Wirtschaft zurückgestutzt gäbe es in dem Augenblick auch doppelt so viele Arbeitssuchende wie heute (Nur mal um sich die Größe diesen Wahnsinns begreiflich zu machen).

Zitat von: lea am 11. Januar 2018, 03:34:18
Das Rennen um die Plätze wird extremer, die angewandten Mittel im Kampf werden ausgefeilter; Betrug, Skrupellosigkeit, Rechtsbeugungen ggf. sogar Menschenrechts-, Natur- und Umweltrechtsverletzungen sind keine Hemmschwelle mehr bei der Frage und Auseinandersetzung, WER GEWINNT UND ÜBERLEBT...

PJ Dunning drückte das mal so schön aus:

„Das Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit, oder sehr kleinen Profit, wie die Natur von der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv und waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens.“

War also schon immer so das versucht wurde alles mögliche daran gesetzt wurde hohen Profit zu erhalten.
Die Arbeit verschwindet – das will kein Politiker seinen Wählern erzählen. Stattdessen hat sich die Politik drei Pseudotheorien ausgedacht, um diese Entwicklung zu erklären. Wir verlieren in unserem Land Jobs, weil die bösen Unternehmer Stellen ins Ausland verlagern. Wir haben genug Jobs, die Leute sind nur nicht richtig ausgebildet. Wir haben zu wenig Jobs, weil die Sozialabgaben zu teuer sind. Alle drei Argumente sind für Jeremy Rifkin absurd.

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Re: Stellenabbau: Siemens streicht ca. 3500 Jobs in Deutschland
« Antwort #55 am: 11. Januar 2018, 12:58:03 »
Wie cool, subventionierte Arbeitsplätze. Die Leistungsträger in den Firmen bekommen eigentlich schon Hartz IV.
LG Hexe
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Offline lea

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Re: Stellenabbau: Siemens streicht ca. 3500 Jobs in Deutschland
« Antwort #56 am: 13. Januar 2018, 04:00:10 »
Zitat von: lea am 11. Januar 2018, 03:34:18
Insolvenzen sind Teil dieses Schuld-Geld Schneeballsystems, zwangsläufig, denn es ist schlicht mathematisch unmöglich dass alle "Kreditnehmer" bzw. Schuldner in diesem System ihre Schulden und Zinsen abbezahlen können.

Doch das geht sogar, selbst mit Zinsen aber nur wenn das Geld auch ausgegeben wird d.h. nicht allein von Kapitalerträgen lebt. Wird es leider nur nicht und daran erkrankt es, das Kapital sammelt sich und versucht reinvestiert zu werden wodurch es sich immer weiter akkumuliert und nicht mehr zu den unteren Gehaltsschichten zugute kommt. D.h. dem Schuldner wird es, wie seit tausenden Jahren, unmöglich gemacht seine Schulden zu bezahlen. Rein rechnerisch ist das hingegen kein Problem.


Hm, also ich sehe und verstehe das "noch" anders.

Mal ein extrem vereinfachtes "Verstehensmodell"; hoffe das führt nicht zu sehr ins OT.

Beispiel:

Nehmen wir an, es gibt 5 Markteilnehmer.
AAA ist Bauer
BBB ist Werkzeugmacher
CCC ist Fischer
DDD ist Zimmerman
EEE ist Förster

Und es gibt noch einen Banker.

Sonst nichts anderes im gedachten Modell, keine weiteren Teilnehmer.

Um den Handel der gefertigten Produkte unter den Teilnehmern zu erleichtern ersinnt der Banker eine Tauschwährung, er nennt es Geld.
Da der direkte Tausch der Produkte teilweise schwierig ist wegen Lagerbrenzungen, Haltbarkeit etc. sind die Marktteilnehmer begeistert von der Idee einer Tauschwährung.

Der Banker bietet an, jedem der Markteilnehmer (sagen wir mal) 1000 Einheiten Geld zu übergeben, als Kredit.
Aber er gibt auch an, eine Sicherheit dafür zu benötigen.
So werden Immonbilien, Werkstätten, Inventar als Sicherheitsleistung für das "aus dem Nichts" erschaffenen Kredit/Geld, bei der Bank eingetragen.

Ein Zins wird festgelegt von 10% pro Jahr. (Als Dienstleistungsgebühr oder ähnliches deklariert)

Nun "schöpft" der Banker aus dem Nichts für jeden der 5 Markteilnehmer 1000 Einheiten Geld und gibt sie ihnen.
Er produziert und bedruckt dazu nahezu fälschungessichere Papierscheine, versieht sie mit einem Siegel, einem Gottesspruch, einem Abbild einer Person der Geschichte und einer Signatur.

Der Banker bingt so also gesamt 5000 Einheiten Geld unter die Marktteilnehmer.
Rückzahlsummme für alle, gesamt und inkl. der vertraglich vereinbarten Zinsen (10%) am Ende das Jahres wären 5500.
5500 sind also fällig zur Rückzahlung wobei sich real nur 5000 vormals ausgegebene Geldeinheiten im Markt unter den Teilnehmern
befinden.
Eine Rückzahlung der Gesamtforderung ist also schlicht unmöglich.

AAA, BBB, CCC haben es vllt. geschafft, Gewinn zu erwirtschaften aus denen sie Rückzahlung und fällige Zinsen bedienten könnten.

Genau dieses "Mehr" bei AAA, BBB und CCC, fehlt dann aber bei DDD und EEE.
5000 ausgegebene "Taler" sind eben 5000 plus Zinsen 5500.
Hat der eine mehr und es geschafft, hat es ein anderer weiniger.
Der, der es nicht schafft kann sich neu und höher verschulden mit neuen Krediten oder er geht in Insolvenz, verliert die hinterlegten
Sicherheiten.
Die geforderten Zinsen auf die ausgegebenen Kredite sind nicht "mitgeschöpft" worden, fehlen also eigentlich.
Noch mehr Geld drucken und in den Kreislauf bringen, verschmiert das Ganze, lässt das System erstmal weiterlaufen.
Aber so entstehen auch  Blasen die irgendann platzen.

Lea

Offline Planloser

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Re: Stellenabbau: Siemens streicht ca. 3500 Jobs in Deutschland
« Antwort #57 am: 13. Januar 2018, 12:30:55 »
"Der Banker bingt so also gesamt 5000 Einheiten Geld unter die Marktteilnehmer.
Rückzahlsummme für alle, gesamt und inkl. der vertraglich vereinbarten Zinsen (10%) am Ende das Jahres wären 5500.
5500 sind also fällig zur Rückzahlung wobei sich real nur 5000 vormals ausgegebene Geldeinheiten im Markt unter den Teilnehmern
befinden.
Eine Rückzahlung der Gesamtforderung ist also schlicht unmöglich."

Ah da hast du den Denkfehler, niemand sagt alles gleich auf einmal zahlen zu müssen:

Also das erste Jahr ist rum die Zinsen werden fällig: Die Unternehmen zahlen 10% + die erste Rate vom Gesamtvolumen - d.h. also 1000 Einheiten (500 Zinsen, 500 Rate). Im Topf vom Banker sind also 1000 Einheiten und 4000 Einheiten bei den Unternehmen und die Unternehmen schulden dem Banker noch 4900 Einheiten im nächsten Jahr inkl Zinsen.

Soweit okay? Alles klar, dann gehen wir weiter:

Der Banker muss auch von etwas leben d.h. sollte sein Vermögen das 1000 beträgt zumindest zum Teil wieder an die Unternehmen zurückgeben, in diesem Falle Minimum 90% von seinen Einkommen. Gibt der Banker also 900 Einheiten an die Unternehmen über das Jahr heraus (Eigenverbrauch, eigene Kosten etc.) Sind auf der Unternehmerseite wieder 4900 Einheiten und beim Banker nur noch 100.

Weiter geht es im Jahr 2: Unternehmen zahlen Raten und Zinsen von 950 (500 Pauschal, 450 Zinsen), der Banker hat im Jahr jetzt 1050 Einheiten und die Unternehmen schulden ihm nächstes Jahr noch 4400 Einheiten inkl Zinsen und haben noch 3950. Der Banker muss in diesem Jahr wieder mindestens 450 Einheiten ausgeben usw.

Irgendwann hat der Banker das gesamte Geld wieder zurück und die Unternehmen sind schuldenfrei nach 10 Jahren - rechnerisch also kein Problem. Banker sind halt nur nicht blöd und geben deutlich weniger aus und das ist das Problem vor dem wir stehen, ab dem Zeitpunkt kippt das System aber auch wenn die Mitarbeiter Geld zurückhalten anstatt es auszugeben usw. Also die Wirtschaft funktioniert mit der Schuldwirtschaft relativ stabil sofern alle Menschen von ihrer Arbeit leben müssen. Sind die Überschüsse derart groß das man nur ein Bruchteil von seinem Einkommen ausgeben muss und den Rest hinterlegt und immer wieder reinvestieren will (wie derzeitig der Fall ist) um das Vermögen gar noch zu vergrößern kapituliert das oben beschriebene System irgendwann zwangsläufig. Gibt der Banker also systematisch immer zu wenig aus bleibt nie genug Geld übrig um alles zurückzuzahlen. Aber wenn Unternehmen A seine Schulden los wurde und ggf. wieder investiert zahlt Unternehmen E vl. noch seine letzten Schulden ab - der Banker verdient mit dem Geldverleih Einkommen das er ausgeben kann oder besser gesagt muss. Vielmehr müssen wir verstehen das Geldverleih keine Einbahnstraße ist und bei Zinsforderungen einen Rechtsanspruch bestehen sollte das dies dem Kreislauf wieder hinzugefügt wird ansonsten ist die Stabilität eben hinüber.

Sprich immer mehr Geld kann gut eingesetzt wie ein kleines Schmiermittel wirken und die Reibungsverluste minimieren - aber wir kippen mit der EZB gleich eine Badewanne voller Öl in den Motor und hoffen das er dann anspringt führt aber letztlich nur dazu das Unternehmen ineffizienter arbeiten können ggf. künstlich am Leben sind, Banken spekulieren können und gesunde Unternehmen oder gar ganze Länder (siehe Griechenland) in den Ruin treiben. Effektiv läuft da nix mehr obwohl Banken die Aufgabe haben Unternehmen subjektiv gesund zu halten, das wurde aber schon seit längerer Zeit verspielt.

Zitat von: lea am 13. Januar 2018, 04:00:10
Blasen die irgendann platzen.

Der Aktienmarkt basiert auf Blasen, das Geldsystem hingegen nicht.
Die Arbeit verschwindet – das will kein Politiker seinen Wählern erzählen. Stattdessen hat sich die Politik drei Pseudotheorien ausgedacht, um diese Entwicklung zu erklären. Wir verlieren in unserem Land Jobs, weil die bösen Unternehmer Stellen ins Ausland verlagern. Wir haben genug Jobs, die Leute sind nur nicht richtig ausgebildet. Wir haben zu wenig Jobs, weil die Sozialabgaben zu teuer sind. Alle drei Argumente sind für Jeremy Rifkin absurd.