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Autor Thema: Änderungen des SGB II durch das Sozialschutz-Paket infolge der Corona-Pandemie  (Gelesen 9177 mal)

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Offline Ottokar

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Sozialschutz-Paket

Im Bundesgesetzblatt Nr. 14 vom 27.03.2020 wurde u.a. das Sozialschutz-Paket bekanntgemacht (verkündet).
Artikel 1 dieses Gesetzes, der am 27.03.2020 in Kraft getreten ist, regelt vereinfachte Bedingungen für die Antragstellung von ALG II ab 01.03.2020 bis 30.06.2020 und die Weiterbewilligung von ALG II im Zeitraum 31.03.2020 bis 31.08.2020.
Diese Regelungen wurden als § 67 in das SGB II eingefügt.

Weiterbewilligung
Lt. § 67 Abs. 5 SGB II werden Bewilligungszeiträume, die im Zeitraum 31.03.2020 bis einschl. 30.08.2020 enden, automatisch verlängert.
Für Weiterbewilligungszeiträume, die ab 01.04.2020 bis längstens 31.08.2020 beginnen würden, müssen somit keine Weiterbewilligungsanträge gestellt werden.
Bei vorangegangener abschließender Bewilligung erfolgt die automatische Weiterbewilligung für ein Jahr, bei vorangegangener vorläufiger Bewilligung für sechs Monate. Dabei gilt die gesetzliche Annahme unveränderter Verhältnisse, d.h. es findet keine Vermögensprüfung und auch keine Nachweiserhebung statt.

Erstanträge
Erstanträge werden zunächst ohne Vermögensprüfung und Prüfung der Angemessenheit der KdUH bewilligt (§ 67 Abs. 2 und 3 SGB II).
Diese Prüfungen erfolgen erstmalig nach Ablauf von 6 Monaten, jedoch nicht rückwirkend, sondern mit Wirkung ab dem 7. Bewilligungsmonat.
Die Bewilligung erfolgt für ein Jahr, bei vorläufiger Bewilligung für sechs Monate (§ 67 Abs. 4 SGB II).
Bei vorläufiger Bewilligung ist nach deren Ablauf ein Antrag auf eine abschließende Entscheidung erforderlich, da diese andernfalls nicht erfolgt, was für Antragsteller erhebliche rechtliche Nachteile bedeuten kann.




Nachträge

Nichtbeachtung der neuen Rechtsvorschriften durch Jobcenter (02.04.2020)
Es mehren sich Anfragen und Mitteilungen von Betroffenen, wonach bei Erst- und Weiterbewilligungsanträgen von Jobcentern weder § 67 SGB II noch die Weisung der Bundesagentur für Arbeit (BA) vom 17.03.2020 berücksichtigt werden.
In einigen Fällen wird von Jobcentern sogar weiterhin darauf hingewiesen, dass Leistungen erst nach persönlicher Vorsprache erbracht werden und geforderte Unterlagen nur mittels Termins und persönlich abgegeben werden dürfen, was im Übrigen auch schon vorher rechtlich unzutreffend war.
Betroffenen ist zu raten, ihr Jobcenter auf § 67 SGB II und die Weisung der BA vom 17.03.2020 hinzuweisen und deren Einhaltung zu fordern, sowie sich beim Kundenreaktionsmanagement der BA zu beschweren. Bei Optionskommunen ist die Landesregierung die zuständige Beschwerdestelle.
In dringenden Fällen kann Eilrechtsschutz beim zuständigen Sozialgericht geboten sein. Auch unter den aktuellen Umständen sind die Gerichte weiterhin handlungsfähig. Zudem ist damit zu rechnen, dass die Nichtbeachtung von § 67 SGB II bei den Richtern kaum Verständnis finden wird.

Hinweis zu Weiterbewilligungen (02.04.2020)
Betroffene, deren Weiterbewilligung im Zeitraum 01.04.2020 bis 31.08.2020 beginnen würde und die 2 Wochen vor Ablauf des aktuellen Bewilligungszeitraumes noch keinen Weiterbewilligungsbescheid erhalten haben, sollten dann unter Hinweis auf § 67 Abs. 5 SGB II zur Wahrung ihres Leistungsanspruches und in Vorbereitung auf eventuell notwendig werdenden Rechtsschutz formlos einen Weiterbewilligungsantrag stellen.
Ergänzung (08.04.2020): Ab 01.05.2020 sollen Weiterbewilligungen bis 31.08.2020 vollautomatisch erfolgen (Quelle).

Hinweis für Bezieher von Grundsicherung nach SGB XII (07.04.2020)
Mit § 144 SGB XII beinhaltet diese Grundsicherung eine inhaltlich identische Regelung.


« Letzte Änderung: 08. April 2020, 11:48:21 von Ottokar »
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