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Autor Thema: Taschengeld-Job meines Sohnes wird angerechnet  (Gelesen 790 mal)

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Offline Mick0810

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Taschengeld-Job meines Sohnes wird angerechnet
« am: 12. Januar 2019, 16:54:33 »
Hallo!

Mein 13-jähriger Sohn verdient sich seit Herbst etwas Taschengeld dazu, indem er Werbeprospekte verteilt - etwa 1,5 Stunden Arbeit wöchentlich, etwa 40-60 € monatlich (variiert).
Dem Jobcenter haben wir das gemeldet - und auch eine Verdienstbescheinigung von dieser Firma zugeschickt, welche das Jobcenter angefordert hatte.

Heute haben wir einen Änderungsbescheid vom Jobcenter erhalten, in dem steht:
"Ab dem 01.02.2019, wird ein geschätztes Einkommen bei Ihrem Sohn aufgrund der Tätigkeit bei der Firma `XY` angerechnet."
Als Bedarfsgemeinschaft (4 Personen, Aufstocker) erhalten wir nun 952,33 € ALG2 - der darunter aufgeführte Gesamtbetrag von meinem Sohn, wurde von 166,98 € auf 128,71 € gesenkt.
Auf dem beigefügten Berechnungsbogen wurde der Bedarf meines Sohnes von 283,58 € auf 218,58 € gesenkt.

Ich möchte gerne einen Widerspruch schreiben.
Wie gehe ich das an und auf welchen Pragraphen berufe ich mich dabei?

Ich finde das sehr traurig: Meinem Sohn wird damit vermittelt, dass sich Arbeit nicht lohnt.

Vielen Dank für Hilfe und mit freundlichen Grüßen

Offline Fylou

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Re: Taschengeld-Job meines Sohnes wird angerechnet
« Antwort #1 am: 12. Januar 2019, 17:03:57 »
Da müsste die ALGII-Verordnung eigentlich greifen:

§ 1 Abs 1 Nr 9 ALG II-V:

Zitat
(1) Außer den in § 11a des Zweiten Buches Sozialgesetzbuch genannten Einnahmen sind nicht als Einkommen zu berücksichtigen:
9.
bei Sozialgeldempfängern, die das 15. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, Einnahmen aus Erwerbstätigkeit, soweit sie einen Betrag von 100 Euro monatlich nicht übersteigen,

Da dein Sohn unter 15 ist, zählt er als Sozialgeldempfänger.
Wenn man alle Gesetze studieren wollte, so hätte man gar keine Zeit mehr, sie zu übertreten.  :blum:
___Johann Wolfgang von Goethe___

Offline Mick0810

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Re: Taschengeld-Job meines Sohnes wird angerechnet
« Antwort #2 am: 12. Januar 2019, 18:10:17 »
Danke!  :smile:

Aber es gibt doch eine Gesetz, in dem steht, dass man als ALG2-Empfänger bis 100 € dazu verdienen kann, ohne dass etwas abgezogen wird?!
Und darüber hinaus werden dann (bis zu einem Verdienst von 400 €?) 80% abgezogen.
Aber dieses konkrete Gesetz finde ich nirgendwo.

Es müsste doch dem Jobcenter-Mitarbeiter bekannt sein, dass mein Sohn sich diese 40-60 € monatlich abzugsfrei dazu verdienen kann?
Oder liege ich total falsch?  :weisnich:

Mein Sohn wird die Stelle wieder aufgeben, wenn es bei der Anrechnung bleibt.
Er wollte das Geld sparen und sich mal etwas schönes kaufen.
Aber für nichts, möchte er auch nicht durch Regen und Schnee laufen.
Das verstehe ich.
Aber was lernt er daraus...?!  :no:

Online NevAda

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Re: Taschengeld-Job meines Sohnes wird angerechnet
« Antwort #3 am: 12. Januar 2019, 18:16:11 »
Dein Sohn ist kein ALG2-Empfänger.
Was er daraus lernt (ja, brutal, muss mit u15 nicht unbedingt sein) ist, dass das, was verdient wird, erst Taschengeld wird, wenn der Bauch voll ist. (Nein, von meinen 700 netto ist auch nicht alles zum Verjubeln...)
Ich profitiere permanent unmittelbar von Menschenrechtsverletzungen.

Offline coolio

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Re: Taschengeld-Job meines Sohnes wird angerechnet
« Antwort #4 am: 12. Januar 2019, 18:20:51 »
mindestens gilt:
Ratgeber Einkommensanrechnung
U25/Ü25 ist noch nicht beantwortet.
Wichtig wäre! Wie hoch das Einkommen (unzulässig!) geschätzt wurde.
Dazu müsste zunächst ein Mittel aus den letzten 6 Monaten (also ca. 50€ /mtl) gebildet werden.
Hier haben sie wohl weit höher gegriffen?!!!
Εν οίδα οτι ουδέν οίδα (Sokrates) alias: Scio nescire - zu deutsch: null Ahnung
Wer redet oder telefoniert, der verliert!
I'm with intelligents - hopefully!

Offline Mick0810

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Re: Taschengeld-Job meines Sohnes wird angerechnet
« Antwort #5 am: 12. Januar 2019, 18:33:46 »
NevAda:

Alt Teil der Bedarfsgemeinschaft ist auch mein Sohn ALG2-Empfänger.

Als Erwachsener wird er hoffentlich so denken, wie Du schreibst.
Uns, seinen Eltern (wie erwähnt: Aufstocker), ist das bewusst.
Jetzt wird er denken, dass sich Arbeit nicht lohnt.
Die Botschaft sollte aber lauten, dass sich Arbeit lohnt - und dass man mit Leistung mehr hat, als ohne.

Ich hoffe daher, dass wir dieser Entscheidung erfolgreich widersprechen können.

Aber mithilfe welcher "Argumente" und Paragraphen?

coolio:

Danke für diese Infos!

Online NevAda

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Re: Taschengeld-Job meines Sohnes wird angerechnet
« Antwort #6 am: 12. Januar 2019, 18:50:21 »
Da müsste die ALGII-Verordnung eigentlich greifen:

§ 1 Abs 1 Nr 9 ALG II-V:

Zitat
(1) Außer den in § 11a des Zweiten Buches Sozialgesetzbuch genannten Einnahmen sind nicht als Einkommen zu berücksichtigen:
9.
bei Sozialgeldempfängern, die das 15. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, Einnahmen aus Erwerbstätigkeit, soweit sie einen Betrag von 100 Euro monatlich nicht übersteigen,

Da dein Sohn unter 15 ist, zählt er als Sozialgeldempfänger.
Ich profitiere permanent unmittelbar von Menschenrechtsverletzungen.

Offline Mick0810

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Re: Taschengeld-Job meines Sohnes wird angerechnet
« Antwort #7 am: 12. Januar 2019, 18:56:20 »
Okay. Danke!
Ich werde versuchen, das in den Widerspruch rein zu bringen.  :ok:

Offline kaykaiser

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Re: Taschengeld-Job meines Sohnes wird angerechnet
« Antwort #8 am: 12. Januar 2019, 23:58:59 »
Mein 13-jähriger Sohn verdient sich seit Herbst etwas Taschengeld dazu, indem er Werbeprospekte verteilt - etwa 1,5 Stunden Arbeit wöchentlich, etwa 40-60 € monatlich (variiert).

Grundsätzlich darf er das auch.

Heute haben wir einen Änderungsbescheid vom Jobcenter erhalten, in dem steht:
"Ab dem 01.02.2019, wird ein geschätztes Einkommen bei Ihrem Sohn aufgrund der Tätigkeit bei der Firma `XY` angerechnet."

Ja, das hätte das JC gerne. Aber zu Unrecht, weil...

"Einkommen, das nicht angerechnet werden darf:

– Leistungen aus der Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II),
– Pflegegeld (für den Pflegegeldberechtigten),
– Kinderbetreuungszuschlag für BaföG-Empfänger
– Kindergeld für volljährige Kinder von Hilfebedürftigen, soweit dieses an ein nicht im Haushalt des Hilfebedürftigen lebendes Kind weitergeleitet wird,
– Renten oder Beihilfen nach dem Bundesentschädigungsgesetz (z. B. Vertriebenen- oder Stasi-Opfer-Rente),
– Entschädigungen, die wegen eines Schadens geleistet werden, der kein Vermögensschaden ist (z. B. Schmerzensgeld),
Einnahmen aus Erwerbstätigkeit von unter 15jährigen Sozialgeldempfängern soweit sie 100 Euro monatlich nicht übersteigen. Die Regelung betrifft Kinder von erwerbsfähigen Hilfebedürftigen, die bereits geringfügig erwerbstätig sind, d.h. etwa Aushilfs- oder Ferienjobs ausüben."


Somit kann das 13 jährige Kind sein Geld in vollem Umfang anrechnungsfrei behalten.

Quelle:
https://www.recht-e.de/hartz-iv-einkommensanrechnung/
"Ich habe viel Geld für Alkohol, Weiber und schnelle Autos ausgegeben. Den Rest hab’ ich einfach nur verprasst." - George Best

Ich habe nichts gegen Kritiker. Ich komme aus Ironien, das liegt direkt an der sarkastischen Grenze.