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Autor Thema: Hab' ich vielleicht zu viel Angst vorm Jobcenter?  (Gelesen 913 mal)

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Offline Herzblatt

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Hab' ich vielleicht zu viel Angst vorm Jobcenter?
« am: 12. Februar 2019, 17:38:02 »
Hallo,

seit einiger Zeit bin ich arbeitslos. Psychisch auch nicht so recht auf der Höhe, die Angst vor den Sanktionen, der wenig attraktive Arbeitsmarkt, all das bleibt nicht in den Kleidern hängen...

Seit einiger Zeit bin ich krank geschrieben vom Neurologen/Psychiater, weil ich nicht so recht weiter weiß. Nun "droht" mir scheinbar auch noch eine stationäre Therapie. Ich komme mir unendlich blöde vor, die Psychologen abzuklappern und denen mein Leid zu klagen. Das zieht sich alles noch etwas hin. Und ich bin mir echt nicht sicher, ob die mir überhaupt helfen können. Sie scheinen mir etwas überfordert zu sein?! Natürlich gibt das kaum jemand freiwillig zu. Und ich weiß nicht. Also zu Hause raus, das will ich ja nun gar nicht. Höchstens eine Tagestherapie. Doch mal ehrlich. Außer: Trauen Sie sich! Versuchen Sie's doch mal! So schlimm isses doch nicht! Sind nicht alle Menschen böse! etc. etc. kommt da doch auch nix.

Nun frage ich mich wovor ich mehr Angst haben muss: DAS - oder mich bis unter die Zähne bewaffnen und einmal im Monat zum Gesprächstermin beim Maßnahmen-Vermittler gehen und versuchen, die EGV und die Maßnahme abzuwimmeln. Letztere scheint irgendwie bei der Tagestherapie abgeguckt zu haben. "Sie brauchen eine Tagesstruktur blabla..."

Spätestens wenn die Tagesklinik mit natürlich arbeitsfähig entlässt, hat sich das wieder mit dem Krankenschein und ich muss mich am ersten Tag nach deren Ende melden. Dieser Druck vom Jobcenter macht mich echt fertig (bin ich wohl nicht die einzige). Ich möchte keine dieser sinnlosen Maßnahmen oder Weiterbildungen aufgedrückt kriegen, nur um aus der Statistik und aus dem Haus zu sein. Die Infos für die du dort 8 Stunden täglich für 3 Monate o. ä. rumsitzt, kannst du dir zu Hause viel schneller aus dem Internet holen.

Kurz gefragt: Was muss ich denn überhaupt? Ich habe sogar gelesen, dass ich nicht mal die EGV unterschreiben muss? Die Frage wäre im Grunde: wie komme ich am besten durch dieses monatliche Vermittlungsgespräch, wo ich bloß gegängelt und runtergemacht werde, was mir aber nicht dabei hilft, einen halbwegs guten oder für mich machbaren Job zu kriegen? Außerdem habe ich Angst vor diesen Sanktionen. Die Frage wäre dann dazu: Dürfen die das eigentlich wirklich mit diesem Sanktionieren? Oder kriegt man da vor jedem Sozialgericht sein Recht, wenn man sich dagegen wehrt? Viele (so wie ich) haben ja wahrscheinlich Angst und denken, dass die das dürfen und tun nichts dagegen. In meiner letzten Maßnahme waren einige dabei, die von erlebten Sanktionen gesprochen haben. Das ist doch echt  :no:

Klar möchte ich aus meinem Loch wieder raus. Aber ich habe beim Jobcenter nicht das nötige Vertrauen und fühle mich nur schnell "entsorgt" um aus der Statistik zu verschwinden. Mehr als mich bewerben, also ich meine, was soll ich denn noch tun? Und wirkliche Lösungen habe ich bisher keine gesehen bei der Vermittlung.

Gibt es einen Minimalfahrplan, um sanktionsfrei zu bleiben? Hab' nämlich so schon genug zu tun mit meiner Situation. Da brauch' ich dieses Pseudo-"Wir-wollen-Ihnen-ja-nur-helfen" vom Jobcenter nicht auch noch dauernd.

LG

Herzblatt


Offline oskar

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Re: Hab' ich vielleicht zu viel Angst vorm Jobcenter?
« Antwort #1 am: 12. Februar 2019, 18:14:13 »
Ich kann diese Angst teils nachempfinden. Man fühlt sich doch recht ausgeliefert. Das Jobcenter ist einem ja immer voraus was die "Vorhaben" des Termins angeht. Man ist einfach nicht vorbereitet.

Offline Angie69

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Re: Hab' ich vielleicht zu viel Angst vorm Jobcenter?
« Antwort #2 am: 12. Februar 2019, 18:52:20 »
Du könntest dir ein Attest holen das du nicht in der Lage bist zu Gespräche ins Jobcenter zu gehen und ggfs eine Begutachtung durch den ärztlichen Dienst verlangen.

Solang du krankgeschrieben bist dürfen sie keine EGV mit dir machen!
Daher musst du derzeit keine Angst vor Sanktionen haben oder vor Maßnahmen.

Wenn du nicht stationär möchtest und eine Tagesklinik für dich machbar ist ( ich zb könnte es nicht da mich der Weg durch die Stadt, die Menschen der Lärm fertig machen würde) aber wenn du das kannst dann besteh drauf.
Gibt es in deiner Nähe eine PIA? Psychiatrische Instituts Ambulanz! Dort könntest du auch ggfs Hilfe bekommen. Vielleicht müssen deine Diagnosen nochmals angeschaut werden und dir Medikamente verschrieben werden.

Sozialpsychiatrischer Dienst von Stadtmission usw könnten auch hilfreich sein.

Ich bin auch sehr lang sehr verzweifelt herumgelaufen bis ich die richtige Hilfe bekommen habe
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Offline Orakel

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Re: Hab' ich vielleicht zu viel Angst vorm Jobcenter?
« Antwort #3 am: 12. Februar 2019, 19:02:49 »
Solang du krankgeschrieben bist dürfen sie keine EGV mit dir machen!

Sicher hast du dafür auch eine Rechtsgrundlage???

@Herzblatt, einzig und allein auf deinen Gesundheitszustand, die Vorgeschichte und die Prognose kommt es an. Das heißt allerdings nicht, dass du generell Meldeaufforderungen nicht Folge leisten müsstest, es sei denn, dein behandelnder Arzt kann dir attestieren, dass du aus gesundheitlichen Gründen solche Termine nicht wahrnehmen kannst. In den Zusammenhang stellt sich natürlich auch die Frage, ob der Abschluss einer EinV sinnvoll ist.

Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung "schützt" dich vor allerdings vor Maßnahmen jeder Art ...
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Offline crazy

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Re: Hab' ich vielleicht zu viel Angst vorm Jobcenter?
« Antwort #4 am: 12. Februar 2019, 19:10:46 »
Mal Mut machen. Bekannte musste auch 3 Monate raus aus allem. Die Angst davor war schlimm ,zwei Kinder zurücklassen und 4 Wochen  Kontaktlos. Im nachhinein das beste was sie für sich selbst tun konnte. Sie arbeitet auch wieder und ihr geht es gut. Manchmal ist loslassen von allem und raus die Lösung und Therapie ambulant scheint bei dir nicht zu wirken.
Und das JC macht es bei dir nicht besser. Geld läuft im Übrigen weiter während deines Aufenthaltes und Du hast Ruhe vor dem JC und alkem anderen was dich belastet

Offline T89

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Re: Hab' ich vielleicht zu viel Angst vorm Jobcenter?
« Antwort #5 am: 13. Februar 2019, 12:40:47 »
@Orakel,

dass Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen vor Maßnahmen aller Art schützen, stimmt nicht. Mir wurde damals trotz bestehender Bescheinigung eine Maßnahme aufgebrummt. Da half nur eine Fantasiebescheinigung (WUB).

Offline blaumeise

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Re: Hab' ich vielleicht zu viel Angst vorm Jobcenter?
« Antwort #6 am: 13. Februar 2019, 12:54:27 »
Zitat von: Herzblatt am 12. Februar 2019, 17:38:02
Nun "droht" mir scheinbar auch noch eine stationäre Therapie.
Zitat von: Herzblatt am 12. Februar 2019, 17:38:02
Also zu Hause raus, das will ich ja nun gar nicht. Höchstens eine Tagestherapie.

Wenn du keinen stationären Aufenthalt willst, sondern lieber eine ambulante Therapie machen möchtest, dann mach das doch. Zwingen kann dich keiner zu irgendwas. Hätte auch keinen Sinn, wenn deine Bereitschaft fehlt.

Zitat von: Herzblatt am 12. Februar 2019, 17:38:02
Doch mal ehrlich. Außer: Trauen Sie sich! Versuchen Sie's doch mal! So schlimm isses doch nicht! Sind nicht alle Menschen böse! etc. etc. kommt da doch auch nix.
Du hast offensichtlich keine Ahnung, was für Therapien es gibt und welche Möglichkeiten du damit hättest. Wenn du deine vorschnellen Urteile mal weglässt, hättest du mehr Chancen.

Offline DerSofti

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Re: Hab' ich vielleicht zu viel Angst vorm Jobcenter?
« Antwort #7 am: 13. Februar 2019, 13:23:06 »
Eine EGV unterschreiben brauchst du nicht, stattdessen kannst du die mitnehmen und Bedenkzeit erbitten. Werde ich bei meinen Termin nächste Woche auch so machen. Habe aktuell auch psychische Probleme und diese Woche einen Termin bei einer Ambulanz zum Erstgespräch.
Schlimm war für mich heute der Versuch, bei einer Firma ganz in der nähe schnell unterzukommen, damit ich Ruhe vorm JC habe. Der Typ war kraß unpersönlich, wirkte roboterhaft und die Vorstellung mit so einem 8 Stunden am Tag im Büro zu sitzen graute mir. Ich kam mir vor wie ein Hausierer oder Bettler, den man von der Tür abweist....
Ich bin ein C++ - Entwickler mit Klasse ;-)

Offline Angie69

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Re: Hab' ich vielleicht zu viel Angst vorm Jobcenter?
« Antwort #8 am: 13. Februar 2019, 14:02:03 »
Das Problem denke ich ist das Angst kein guter Berater ist.

Angst vor das was evtl sein könnte.
Schlaflose Nächte weil.man sich das schlimmste ausmalt usw

Angst ist schlimm das weiß ich und ja ich weiß wie es sich anfühlt wenn jemand sagt warum Angst. Mach dich nicht verrückt usw

Leider kann man aber nur ermutigen mehr nicht

Und sich hier rechtlich genau beraten welche Rechte man hat um der Angst Herr zu werden.

Keiner kann einen zb zwingen stationär zu gehen. Es gibt keine Handhabe für das Jc oder den ärztlichen Dienst.
Das muss man sich vor Augen halten.

Und Sanktionen können einen nur drohen geht man nicht zu Terminen oder bewirbt sich nicht.
Auch das hilft vielleicht etwas gegen diese Angst.

Das blöde ist hat man Angst kann das jc einen halt auch sehr leicht einschüchtern ob bewusst oder unbewusst.

Deshalb denke ich hilft letztlich wirklich nur sich immer gut zu informieren:
Was muss ich wirklich machen
Wie komme ich raus wenn usw

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Offline Orakel

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Re: Hab' ich vielleicht zu viel Angst vorm Jobcenter?
« Antwort #9 am: 13. Februar 2019, 14:38:29 »
dass Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen vor Maßnahmen aller Art schützen, stimmt nicht.

Unsinn! Wenn du dich gegen die Maßnahme nicht gewehrt hast, heißt das nicht, dass sich andere danach zu richten hätten!
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Offline Fettnäpfchen

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Re: Hab' ich vielleicht zu viel Angst vorm Jobcenter?
« Antwort #10 am: 13. Februar 2019, 17:54:00 »
Herzblatt

Seit einiger Zeit.....

Was gegen die Sorge mit dem JC hilft ist sich über seine Rechte und Pflichten zu informieren. Mit steigendem Wissen wird auch die Sorge wegen dem JC geringer.
Heißt aber nicht das man deswegen sein mulmiges Gefühl los wird aber da ist jeder anders strukturiert.
Als Einstieg.........
Ratgeber (nicht nur) für Neulinge
Welche Dokumente & Nachweise darf das JobCenter fordern?
GOLDENE REGELN für den JobCenter-Alltag
Alltagstipps für den Umgang mit dem Leistungsträger
Kommunikation mit dem JC: Nur schriftlich auf dem Postwege - Nicht per Telefon!!
Nicht ohne Beistand zur Arge
Zitat von: Herzblatt am 12. Februar 2019, 17:38:02
Kurz gefragt: Was muss ich denn überhaupt? Ich habe sogar gelesen, dass ich nicht mal die EGV unterschreiben muss? Die Frage wäre im Grunde: wie komme ich am besten durch dieses monatliche Vermittlungsgespräch, wo ich bloß gegängelt und runtergemacht werde, was mir aber nicht dabei hilft, einen halbwegs guten oder für mich machbaren Job zu kriegen? Außerdem habe ich Angst vor diesen Sanktionen. Die Frage wäre dann dazu: Dürfen die das eigentlich wirklich mit diesem Sanktionieren? Oder kriegt man da vor jedem Sozialgericht sein Recht, wenn man sich dagegen wehrt? Viele (so wie ich) haben ja wahrscheinlich Angst und denken, dass die das dürfen und tun nichts dagegen. In meiner letzten Maßnahme waren einige dabei, die von erlebten Sanktionen gesprochen haben. Das ist doch echt  :no:
ACHTUNG! EinV (Eingliederungsvereinbarung)
Ratgeber Kürzung des ALG II bei Sanktionen
Maßnahmezuweisung: Was soll sie enthalten?

MfG FN
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