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Autor Thema: Gekündigter Mitarbeiter soll als Leiharbeiter zurück auf seine Stelle  (Gelesen 4406 mal)

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Offline Planloser

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Kommt auf den Verleiher an. Ich habe gute und schlechte gleichermaßen erlebt. Bei der guten hatte ich 31,5 Tage Urlaub und eine 36h Woche bei einem Einkommen das den Festangestellten nach 9 Monaten sehr nahe kam. Dann hatte ich auch einen Rohrkrepierer, 30h 1100€ Brutto und das noch auf Montage d.h. man saß den Großteil im Hotel und konnte nichts machen. Das Problem ist der Großteil der ZAFs ist eher der zweite Fall und das ist mir auch bewusst. Bei mir gilt einfach: Zeitarbeit prinzipiell ja, aber nicht wie er heute zum Großteil praktiziert wird. Das hat mit Auftragsspitzen nichts mehr zu tun und spätestens mit der heutigen Spezialisierung ist das Prinzip der ZAFs eigentlich völlig überholt.
Die Arbeit verschwindet – das will kein Politiker seinen Wählern erzählen. Stattdessen hat sich die Politik drei Pseudotheorien ausgedacht, um diese Entwicklung zu erklären. Wir verlieren in unserem Land Jobs, weil die bösen Unternehmer Stellen ins Ausland verlagern. Wir haben genug Jobs, die Leute sind nur nicht richtig ausgebildet. Wir haben zu wenig Jobs, weil die Sozialabgaben zu teuer sind. Alle drei Argumente sind für Jeremy Rifkin absurd.

Offline coolio

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überholt eigentlich weniger..... wenn die Idee zeckenfrei umgesetzt würde (werden könnte)....
Die Zecken haben sich erst mit Schröder und Hartz IV so wirklich festgesetzt.
"Wir haben den besten Niedriglohnsektor" (Schröder)
welch ein glorioser Ansatz....  :teuflisch:
1972 habe ich mit Randstadt (je die!) als Schüler mitgeholfen, das Olympia Stadion in München mit Strom zu bestücken.
War ein geiler und gut bezahlter Ferienjob .... damals....
Heute gibts nur nur noch die durch das ebenfalls korrumpierte JC  begünstigten Leihbuden (auch hier ist Randstadt wieder ganz vorne dabei).
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Ich warte ja nur auf den AV, der rät, eine ZAF zu eröffnen ("Dann sind Sie sicher in 3 Monaten aus dem Bezug")
Εν οίδα οτι ουδέν οίδα (Sokrates) alias: Scio nescire - zu deutsch: null Ahnung
Wer redet oder telefoniert, der verliert!
I'm with intelligents - hopefully!

Offline Fettnäpfchen

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Zitat von: NevAda am 03. März 2019, 14:09:04
Hast Du schon oft davon gehört, dass FESTE gekündigt werden und als Leihis wieder eingestellt???
Ja oft genug.
Liebend gern wird das Thema in Sendungen wie Quer und Frontal, mit entsprechenden Belegen, gebracht. Und auch ob sich etwas nach Ausstrahlung geändert hat und das man auf dem laufenden gehalten wird.
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Für eine verbindliche Rechtsberatung und -vertretung suchen Sie bitte einen Anwalt auf.
Wer das Ziel kennt, kann entscheiden. Wer entscheidet, findet Ruhe. Wer Ruhe findet, ist sicher. Wer sicher ist, kann überlegen. Wer überlegt, kann verbessern. (Konfuzius)

Offline Kraftreiniger

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Aber trotzdem: nirgends auf der Welt gibt es mehr Empörung (Shitstorm) wenn irgendwo irgendwas schiefläuft als bei uns.
Das funktioniert ganz gut das System. Man muss als Chef eine Kündigung niet und nagelfest machen. Deswegen arbeiten in den schlechteren Jobs auch so wenige Deutsche. Man nimmt lieber jemanden der noch autoritätsgewöhnt ist und nicht aufmuckt und sich einfach nur freut, dass das vereinbarte Geld auf seinem Konto irgendwann landet und er davon halbwegs leben kann.
Und selbst da gibt es noch Möglichkeiten weiterer Ausnutzung indem man z.b. Überstunden nicht oder nur teilweise bezahlt etc.

Offline Planloser

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Zitat von: Kraftreiniger am 04. März 2019, 14:14:23
Aber trotzdem: nirgends auf der Welt gibt es mehr Empörung (Shitstorm) wenn irgendwo irgendwas schiefläuft als bei uns.

Sicher? Darf ich an Metoo-Debatten erinnern, die massenverhaftungen an den Unis von unschuldigen Menschen, oder letztens Apu aus der Serie Simpsons? Ich meine das sind Sachen die mal punktuell aus den USA zu uns schwankten. Mir scheint es gibt in den meisten Ländern Empörung im Volk.

Zitat von: Kraftreiniger am 04. März 2019, 14:14:23
Und selbst da gibt es noch Möglichkeiten weiterer Ausnutzung indem man z.b. Überstunden nicht oder nur teilweise bezahlt etc.

Wenn man liest das jedes Jahr Millionen von unbezahlten Überstunden geleistet wird und dieser Wert stetig hoch bleibt obwohl der Arbeitzeitschutzgesetz was ganz anderes aussagt stellt sich letztlich die Frage warum das Menschen mit sich machen lassen - v.a. im Niedriglohnsektor, da sind definitiv nicht die Mehrheit Ausländer sondern eben welche mit entsprechender deutschen schulischen Ausbildung und das Wissen darüber welche Rechte man hat. :weisnich: Ja bis 25, 30 kann man das mal machen aber danach muss man zur Ruhe kommen und seinen Platz in der Gesellschaft gefunden haben.
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Offline Anne-Suvi

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Zitat von: Planloser am 04. März 2019, 15:06:32
das Wissen darüber welche Rechte man hat

Glaub ich nicht, daß man immer weiß, welche Rechte man hat. Hinterher weiß man immer Bescheid, aber erst, wenn es zu spät ist. Und manche nehmen manches einfach so hin. Die kommen gar nicht drauf mal zu gucken, ob das alles so in Ordnung ist.

Offline Planloser

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Zitat von: Anne-Suvi am 04. März 2019, 15:42:32
Die kommen gar nicht drauf mal zu gucken, ob das alles so in Ordnung ist.

Da wirst du absolut recht haben. Es wird gemotzt aber gemacht. Das ist mir v.a. im Osten aufgefallen, rumgemeckert wird da viel aber gleichzeitig suchen die sich selbst ausreden nicht dagegen vorzugehen obwohl Sie es könnten, das war auch ein Grund warum ich dann Richtung Westen ausgewandert bin.
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Offline Anne-Suvi

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Zitat von: Planloser am 04. März 2019, 15:06:32
Ja bis 25, 30 kann man das mal machen aber danach muss man zur Ruhe kommen und seinen Platz in der Gesellschaft gefunden haben.

Ach, das sehe ich jetzt erst. Ja, das ist so ein Spruch (von früher). Iwie verschiebt sich das altersmäßig alles nach hinten, weil sie wegen Arbeitslosigkeit noch eine Ausbildung machen oder noch was studieren... Oder arbeiten gehen, immer befristet, kaputten Lebenslauf und so. Wie will man denn da zur Ruhe kommen? Eigentlich nur, wenn man einem iwann alles egal ist. Da kommt man automatisch hin, weil es sonst viel zu anstrengend würde.

Offline Planloser

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Naja, also zur Ruhe kommen meine ich ein anständiges Gehalt und eine dauerhafte Anstellung in der man auch über mehrere Jahrzehnten bleiben kann. Hab es selbst auch erst mit 25 erreicht und erst einmal 3 Jahre das rausgearbeitet was mir die Hartz Reformen eingebrockt haben. Mittlerweile kann ich meine Freizeit vor der Arbeit stellen, meine Reputation ist bei Kunden wie auch intern zum Großteil positiv - ich habe nichts zu befürchten und mache meine Arbeit gerne. Ich kann damit eine Familie gründen, brauch auch nicht mehr umziehen.

Wer mit 35 noch keine Ruhe im Leben hat (und da kenne ich auch einige Menschen) wird Probleme bekommen sie in Zukunft zu erreichen. Natürlich gibt es dann noch Menschen die es trotzdem schaffen aber der Knick ist derzeit eindeutig bei 30.
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Offline Anne-Suvi

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Zitat von: Planloser am 04. März 2019, 20:55:56
Naja, also zur Ruhe kommen meine ich ein anständiges Gehalt und eine dauerhafte Anstellung in der man auch über mehrere Jahrzehnten bleiben kann

Hab ich schon verstanden. Ist ja auch schön für dich. Aber wer erst mal regelmäßig befristet arbeitet und nicht mehr ganz jung ist und zwischendurch Alg 2 bezieht, kommt da nicht mehr raus. Das ist wie früher "einmal Sozialhilfe, immer Sozialhilfe". Ich persönlich komme damit klar, weil ich nicht viel Geld brauche und keinen Job für den Selbstrespekt. Aber bei anderen sieht das anders aus. Braucht man ja nicht weiter erklären. Manchmal denke ich auch, wenn ich damals meinen Job behalten hätte und nicht wegen iwelcher Flausen gekündigt hätte, wäre ich jetzt fein raus. Aber wer konnte das denn ahnen, Weltwirtschaftskrise, Hartz 4 und alles :mocking: Jetzt ist es so, wies ist :mocking:

Offline Planloser

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Ich weiß, das Konzept ist eine Drehtür, kommt er schnell rein kommt er schnell raus aber genauso schnell wieder rein usw. am Ende brachte das Konzept auch nicht "mehr Arbeit" (woher die auch immer kommen sollte) sondern schlichtweg auf andere verteilt. Dadurch betrifft es einfach nur mehr Menschen.

Zitat von: Anne-Suvi am 04. März 2019, 21:06:10
Aber wer konnte das denn ahnen, Weltwirtschaftskrise, Hartz 4 und alles  Jetzt ist es so, wies ist

Wie sollte man das auch ändern können. Meine Ausbildung war 2008 zuende, vor Freude hat die Wirtschaft erst einmal verkündet das Sie auf Wasser gebaut hat und in der Baubranche ist erst einmal Ebbe. Super... Wenn man dann in einen liberalisierten Arbeitsmarkt auf den sich jeder zerfleischt wenn Krise herrscht.  :sehrgut: Perfekter Start also.
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Offline Anne-Suvi

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Zitat von: Planloser am 04. März 2019, 21:35:08
Wenn man dann in einen liberalisierten Arbeitsmarkt auf den sich jeder zerfleischt wenn Krise herrscht. 

Und mobben tun sie. Man ergattert einen Job und dann... :lachen: Sowas prallt an mir ab. Ich tu zumindest so, bis es vom bloßen Gedanken zur ... :scratch: ... normalen Haltung wird. Dann hört das auf.

Offline Kraftreiniger

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Das ist mehr eine Gesellschaftsstatus frage als eine Altersfrage.
In Deutschland brauchen über die Hälfte der Leute nie schlechte Jobs annehmen, viele nur als Student.
Aber die unteren ca. 20% kommen im Grunde nie "zur Ruhe". Ab nem bestimmten Punkt gibt es nahezu keine Aufstiegsmöglichkeiten mehr. Mit Arbeit wird man nicht reich. Wenn man nicht direkt nach der Schule fussfassen kann ist es schon fast vorbei mit Berufschancen.
Man kann nur noch durch viel Fleiß was Mittelmäßiges machen. Einer von Zehntausenden schafft es dennoch irgendeine Lücke zu finden, der Rest schuftet bis zum krepieren und kriegt nen 1000er oder 2 wenn er Glück hat. Und wird noch manchmal vom Chef oder der Firma verarscht wie in dem Fall um den es hier ging.

Auf der anderen Seite gibt es gerade in meiner Generation und der drunter 2/3 der Leute die noch nie echten Mangel an lebensnotwendigen Dingen erlebt haben, noch nie irgendwas getan haben für ihren Status, sondern nur reingeboren wurden. Und das Schlimme daran ist, wenn man es gar nicht anders kennt nimmt man es nicht wahr das es nicht selbstverständlich ist das für alles gesorgt ist.

Offline Anne-Suvi

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Zitat von: Kraftreiniger am 04. März 2019, 21:49:50
Auf der anderen Seite gibt es gerade in meiner Generation und der drunter 2/3 der Leute die noch nie echten Mangel an lebensnotwendigen Dingen erlebt haben, noch nie irgendwas getan haben für ihren Status, sondern nur reingeboren wurden. U

Das stimmt. Wenn man lang genug dabei ist, vergißt man die ganzen "Normalen".

Offline Planloser

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Mit Arbeit wird man nicht reich. Wenn man nicht direkt nach der Schule fussfassen kann ist es schon fast vorbei mit Berufschancen.
Man kann nur noch durch viel Fleiß was Mittelmäßiges machen. Einer von Zehntausenden schafft es dennoch irgendeine Lücke zu finden, der Rest schuftet bis zum krepieren und kriegt nen 1000er oder 2 wenn er Glück hat.

Arbeit hat auch nicht den Zweck reich zu werden und schon gar nicht ein Großteil, das verkraftet die Erde bei weitem nicht, da ist unser jetziger Lebensstil schon zu viel. Zum anderen passt das weniger mit der Statistik - es gibt 1 Mio. Millionäre, d.h. jeder 80te in Deutschland hat eine Million € oder mehr an Vermögen.

Irgendwie haut das nicht hin. Selbst bei 5000€ Netto (!) braucht man dafür über 16 Jahre ohne jemals einen Cent ausgegeben zu haben. Aber ich kenne niemanden der solche Gehälter vorweisen kann - bei weitem nicht. In der Verwandtschaft kratzte jemand an 6000€... Brutto allerdings. Ein Vermögensmillionär ist er auch nicht. Er hat eine Eigentumswohnung einen eigenen Garten ein Auto aber kaum 50.000€ auf dem Konto. :weisnich:

Aber bei normalen Berufen, da ist man mit 2000€ Netto noch gut bedient v.a. wenn es eine sichere Stelle ist wie bei dem Herren in dem Artikel. Der wird mehrere Jahre bzw. Jahrzehnte dort gearbeitet haben. Ein gewisses Finanzpolster ist da meist da und wird ihn nicht allzu hart treffen. Aber wenn man sich nach einem halben Jahr von einem Job zum anderen hangelt dann kann nie was da sein. Mir ging es ja die ersten 5 Jahre nicht anders, im Gegenteil - man hat sich eher arm gearbeitet und mit ALG II konnte ich mich eher finanziell erholen so irrsinnig das klingt. Damit hatte ich mehr Geld zur Verfügung als mit 1200€ Netto (bei 300€ Warmmiete).

Die Löhne für Arbeit bleiben zu niedrig. ALG II ist nicht der Brüller aber wenn man dann noch einen Beruf hat der nicht an jeder Ecke gefragt ist und dennoch wenig entlohnt wird - damit hat man ein gigantisches Problem am Hals, da ist man mit Einzelhandelskaufmann oder Pfleger schon fast gut bedient. Ein Berufswechsel bringt i.d.R. woanders "nur" 200€ mehr Brutto weshalb sich der Umzug nicht lohnt und man findet etwas in der Umgebung. Mit einen spezialisierten Beruf, wie in meinen Fall als Vermessungstechniker, wo man dann Angebote bekommt wie 1600€ Brutto in damals 300km entfernten Esslingen oder 1800€ Brutto in München dann guckt man ganz schön blöd aus der Wäsche v.a. wenn das die einzigen Angebote innerhalb eines Jahres sind.

Ich will es nicht verneinen: Pfleger Paketboten und Co haben es alles andere als einfach aber die Probleme die es in Nischenberufen gibt werden meines Erachtens kaum vergleichbar und es juckt auch niemanden wenn diejenigen wenig verdienen. Wenn ich im Artikel lese das der Herr in seinem Alter und Erfahrung ein paar Kilometer weiter eine neue Stelle gefunden hat, da guck ich schon etwas neidisch aus der Wäsche.

Es muss dann aber v.a. den Alteingessenen bewusst werden das Menschen dann eine Rente finanzieren müssen mit einem Einkommen das Sie nicht wie die Alten erreichen werden und so wie es aussieht wird es nicht besser. Meine Eltern sind da nicht anders, die kennen das nicht anders - 4000 Brutto, 8h festgesetzte Arbeitszeit, die brauchten sich um nichts fürchten und Jahrzehntelang der gleiche Arbeitgeber und konnten mit meinen Problemen gar nichts anfangen, nein im Gegenteil man gab ständig mir die Schuld bis ich Nase voll hatte von allen Seiten Druck zu bekommen.

Genau so ein Schlag Menschen wie meine Eltern sitzen noch zuhauf in Unternehmen, die werden aber langsam aber sicher ausgewechselt - die Babyboomgeneration geht in Rente, es werden Menschen folgen die alle mal eine arbeitslose Phase und eine Niedriglohnphase hatten - die alle Wütend sind wie es gelaufen ist. Das was man mit der Generation gemacht hat sitzt tief, richtig tief und für mich war das im Rückblick weder ein Lerneffekt noch eine positive Persönlichkeitsänderung oder ein Umdenken sondern schlichtweg verlorene Jahre in denen man verbittert.
Die Arbeit verschwindet – das will kein Politiker seinen Wählern erzählen. Stattdessen hat sich die Politik drei Pseudotheorien ausgedacht, um diese Entwicklung zu erklären. Wir verlieren in unserem Land Jobs, weil die bösen Unternehmer Stellen ins Ausland verlagern. Wir haben genug Jobs, die Leute sind nur nicht richtig ausgebildet. Wir haben zu wenig Jobs, weil die Sozialabgaben zu teuer sind. Alle drei Argumente sind für Jeremy Rifkin absurd.