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Autor Thema: Privatdarlehen, Darlehensnehmer zahlt nicht  (Gelesen 2239 mal)

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Offline Simone-

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Privatdarlehen, Darlehensnehmer zahlt nicht
« am: 04. April 2019, 16:54:51 »
Privatdarlehen, Darlehensnehmer zahlt nicht

Ein guter Freund frage mich um Rat.

Er gab seiner Freundin ein Handy und eine Spielekonsole im Gesamtwert von 480 €. Sie wollte das Geld "irgendwann" zurück zahlen. Während der Beziehung hat er das so akzeptiert.

Nach Ende dieser kurzen Beziehung wollte sie die Sachen behalten, also wurde am 12.03.2019 über den Gesamtbetrag von 480 € ein Vertrag über ein zinsloses Privatdarlehen geschlossen.

Sie hätte ab April jeden Monat 30 € zurück zahlen müssen. Nun sind die ersten Tage des April verstrichen und es kam kein Geld.

Wir haben Grund zur Annahme, dass auch nie was kommen wird, bzw. dass sie nie vor hatte zu zahlen.

Wie wäre jetzt das weitere Vorgehen?

Hier mal der Text des Darlehensvertrags:

----

privater, zinsloser Darlehensvertrag

zwischen

Darlehensgeber                 Darlehensnehmer
[Name]                             [Name]
[Adresse]                          [Adresse]

im Folgenden                     im Folgenden
Darlehensgeber                  Darlehensnehmer
genannt                             genannt


Es wird folgender Darlehensvertrag geschlossen:


§ 1
Der Darlehensgeber übergab dem Darlehensnehmer folgende Gegenstände

- Handy, Modell Samsung Galaxy S8, im Wert von 330 €
- Nintendo Switch, im Wert von 150 €

in Form eines privaten und zinslosen Darlehens im Gesamtwert von 480 €.


§ 2
Die Rückzahlung der Darlehenssumme von insgesamt 480 € erfolgt ab dem 01.04.2019 in monatlichen Raten in Höhe von 30 € bis die gesamte Darlehenssumme abbezahlt ist.
Die Rückzahlung leistet der Darlehensnehmer dem Darlehensgeber wahlweise
- in Bar gegen eine Quittung,
oder
- per Überweisung auf das dem Darlehensnehmer bekannte Konto.
Die letzte Rate ist zum 01.07.2020 fällig.


§ 3
Der offene Restbetrag wird sofort fällig, wenn sich der Darlehensnehmer mit einer Rate mehr als 14 Tage im Verzug befindet.



[Ort], den 12.03.2019        [Ort], den 12.03.2019


--------                              --------
[Name]                             [Name]
Darlehensgeber                 Darlehensnehmer
"Alles was die weise Frau lernte schrieb sie in ihr Buch, und als die Seiten schwarz vor Tinte waren, nahm sie weiße Tinte und begann von vorne."

Offline Orakel

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Re: Privatdarlehen, Darlehensnehmer zahlt nicht
« Antwort #1 am: 04. April 2019, 17:12:03 »
Wie wäre jetzt das weitere Vorgehen?

Wie immer: 1. Mahnung --> 2. Mahnung --> 3. Mahnung --> Mahnbescheid --> Vollstreckungsbescheid --> Gerichtsvollzieher

Ich würde mir allerdings gut überlegen, ob ich schlechtem Geld gutes hinterherwerfe und die Chancen, das Geld zu bekommen, genau prüfen.

Ist der Freund hilfebedürftig? Dann evtl. Beratungshilfe beantragen und anwaltliche Hilfe in Anspruch nehmen.
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Offline Simone-

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Re: Privatdarlehen, Darlehensnehmer zahlt nicht
« Antwort #2 am: 04. April 2019, 17:50:49 »
1. Mahnung --> 2. Mahnung --> 3. Mahnung
Irgenwo habe ich gelesen, man müsse für die nächsten Schitte den Darlehensvertrag erst noch kündigen. Ist das mit der Klausel unter § 3 überhaupt nötig?

Mahnbescheid --> Vollstreckungsbescheid --> Gerichtsvollzieher
Was kostet das?

Ich würde mir allerdings gut überlegen, ob ich schlechtem Geld gutes hinterherwerfe und die Chancen, das Geld zu bekommen, genau prüfen.
Naja, wie will man da prüfen? Scheinbar hat sie bei ihrem vorherigen Vermieter schulden, mehr weiß ich nicht. In Insolvenz ist sie jedenfalls nicht. Gearbeitet hat sie aber nach letztem Wissensstand.

Mein guter Freund arbeitet auch, Rechtsschutzversicherung hat er nicht.
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Offline Sheherazade

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Re: Privatdarlehen, Darlehensnehmer zahlt nicht
« Antwort #3 am: 05. April 2019, 04:50:43 »
Mahnbescheid --> Vollstreckungsbescheid --> Gerichtsvollzieher
Was kostet das?

Das kann man pauschal nicht beantworten, in diesem Fall höchstwahrscheinlich mehr als der geschuldete Betrag. Lies dich mal hier, irgendwo da ist auch ein Link zu Mahnbescheid online, da kannst du die Kosten für die erste Stufe zumindest schon mal recherchieren.
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Offline Simone-

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Re: Privatdarlehen, Darlehensnehmer zahlt nicht
« Antwort #4 am: 05. April 2019, 07:09:56 »
Vielen Dank. Über die Seite kam ich auf folgende:
https://www.mahngerichte.de/de/verfahrensablauf.html
Hier war ein Rechner, der 32 € für den Mahnbescheid ausgerechnet hat.

Bisher ist der Plan, zunächst die fehlende erste Rate drei mal anzumahnen. Mit Wartezeit wird wohl die zweite Rate auch schon fällig. Doch wir gehen davon aus, dass nichts bezahlt wird.

Weiß denn nun jemand, ob man den Darlehensvertrag selbst förmlich kündigen und die komplette Summe mit Frist verlangen muss?
Muss dann die Zahlung des kompletten Betrags auch noch drei mal angemaht werden?
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Offline mousekiller

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Re: Privatdarlehen, Darlehensnehmer zahlt nicht
« Antwort #5 am: 05. April 2019, 07:28:07 »
Die 32 Euro gelten nur für die Ausstellung des Mahnbescheides. Hinzu kommen die Gerichtskosten, die man, wenn der Gegner dem Mahnbescheid widerspricht und man gezwungen ist, das Gerichtsverfahren durchzuführen, noch zu tragen hat. Ich habe das mal mit Anwaltsgebühren ausrechnen lassen: http://prntscr.com/n7qmf3

Hier wäre jedoch der Kreditvertrag erst einmal zu kündigen. Da die erste Rate aber jetzt erst fällig ist, wäre es besser, man wartet noch bis Anfang Mai und mahnt dann erst. Sollte die Dame dann noch immer nicht zahlen, gibt es die Möglichkeit, unter letzter Fristsetzung die Zahlung aller offenen Raten zu verlangen und den Vertrag hilfsweise zu kündigen sowie die Herausgabe der Gegenstände zu verlangen. Sollte sie dann nicht reagieren, wäre auch eine sofortige Klage auf Herausgabe der Gegenstände vor Gericht möglich.

Einen Mahnbescheid kann man zwar machen, der ist hier aber eher kontraproduktiv.

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Offline Simone-

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Re: Privatdarlehen, Darlehensnehmer zahlt nicht
« Antwort #6 am: 05. April 2019, 08:32:28 »
Erst mal vielen Dank für eure Hilfe.

Die erste Rate ist noch nicht überfällig, weshalb er warten muss, das ist ihm klar.

Nur geht er davon aus, dass sie sowieso nicht zahlen wird, deshalb will er sich schon mal informieren und vorbereiten.

Ich habe das mal mit Anwaltsgebühren ausrechnen lassen:
http://prntscr.com/n7qmf3
Vielen Dank für die Mühe.
Wäre das auch ohne Anwalt möglich?
Wenn ja, blieben die Gerichtskosten in Höhe von 105 €, und wie ich annehme plus die 32 € für den Mahnbescheid.
Summe der Kosten bis dahin 137 € :sad:.

Den Darlehensvertrag wird er im Zweifel offiziell kündigen, selbst wenn das gemäß Vertragsinhalt gar nicht nötig sein sollte. Einfach um auf der sicheren Seite zu stehen.

Sollte die Dame dann noch immer nicht zahlen, gibt es die Möglichkeit, unter letzter Fristsetzung die Zahlung aller offenen Raten zu verlangen und den Vertrag hilfsweise zu kündigen sowie die Herausgabe der Gegenstände zu verlangen.
Widerspricht sich das nicht?
Entweder er verlangt die offenen Raten, dann wäre ja der Vertrag noch bestehend,
oder er kündigt diesen und verlangt die komplette Summe, bzw. die Herausgabe der Sachen.
Oder soll das auch so (Rate zahlen, ODER Darlehensvertrag küngigen und komplette Summe bzw. alle Sachen her) formuliert werden?

Sollte sie dann nicht reagieren, wäre auch eine sofortige Klage auf Herausgabe der Gegenstände vor Gericht möglich.
Will heißen, keine Kosten für ein Mahnverfahren bzw. Gerichtskosten im Widerspruchsfall?

Wie würde man da vorgehen und was kostet das?

Sorry wenn ich so doof frage, aber ich kenne mich mit solchen Dingen gar nicht aus.
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Offline mousekiller

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Re: Privatdarlehen, Darlehensnehmer zahlt nicht
« Antwort #7 am: 05. April 2019, 14:01:15 »
Also, ich versuche mal, dass auf die Reihe zu kriegen.

WENN sie zahlt, läuft der Vertrag weiter. Das "hilfsweise" ist eine angekündigte Option, die dein Bekannter ziehen kann, wenn trotz dieser Drohung nicht gezahlt werden würde.
Er kann, sollte diese Option zum Tragen kommen, die Herausgabe der Sachen verlangen. Wäre sogar sinnvoll, weil er ja bis dato dann noch keinen Cent gesehen hat.

Mahnbescheid wäre nur nötig, wenn Geldzahlungen ausbleiben, aber bereits eine Zahlung stattgefunden hat.
Klage auf Herausgabe ist deswegen möglich, weil er ja nachweisbar einen materiellen Schaden hat. Die Gerichtskosten würden so oder so anfallen, allerdings dann nicht die Kosten für den Mahnbescheid in Höhe von 32,00 €.

Bei Klagen ist das Problem, dass der Kläger erst mal in Vorleistung treten muss. Allerdings kann er nach Erfolg der Klage die angefallenen Kosten bei der Beklagten geltend machen. Ich rate aber spätestens dann dringend zu einem Anwalt. Die Zivilprozessordnung ist für Laien auch nur schwer durchschaubar.
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Offline Simone-

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Re: Privatdarlehen, Darlehensnehmer zahlt nicht
« Antwort #8 am: 05. April 2019, 19:54:36 »
Vielen Dank nochmal.

Das mit Mahnbescheid usw. habe ich inzwischen abgehakt. Wie @Orakel geschrieben hat - gutes Geld schlechtem hinterhergeworfen.

Jetzt hat sich was neues ergeben. Sie hat ihm per WhatsApp geschrieben. Er hat es mir weitergeleitet, ich tipps mal genau ab:

Zitat
Bevor du dich irgendwie wunderst oder etwas falsches denkst. Ich habe jetzt für den ganzen Monat nur 80€ bekommen. Kann dir das persönlich beweisen. Könntest du noch bis nächsten Monat warten? Würde auch dafür unterschreiben. Nicht das du du denkst das ich nicht zahlen will.
Auf die Idee, dass im Mai dann eigentlich schon 60 € fällig wären, kommt sie sicher nicht. Vermutlich denkt sie, die Rückzahlungen sollen erst ab Mai anfangen, nicht wie im Darlehensvertrag ab April.

Wie gehen wir jetzt vor?

Soll er sich dazu tatsächlich was unterschreiben lassen? Mahnen und kulanterweise einem Rückzahlungsbeginn ab Mai zustimmen?

Wir wissen aber, dass sie dann die nächste Ausrede haben wird. Doch solange es nur Papier und Tinte kostet, wollen wir dran bleiben.

Keine Ahnung was ich dem Jungen raten soll...
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Offline Maunzi

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Re: Privatdarlehen, Darlehensnehmer zahlt nicht
« Antwort #9 am: 07. April 2019, 17:17:51 »
Leider habt ihr keine Eigentumsvorbehaltsklausel im Darlehensvertrag, das würde einiges ersparen und die direkte Rausgabe der Geräte ermöglichen (Hinweis für die Zukunft).

Kündigen des Vertrages ist nicht nötig, ihr habt ja eine Klausel drin die bei Nichtzahlung innerhalb von x Tagen die komplette Summe fällig werden lässt. Das greift jetzt sofern sie bis dahin nicht bezahlt hat - ab da kann er die gesamte Summe am Stück einfordern und das sollte er auch tun, sofern sie hier wirklich Spielchen spielt.

Ich würde ihr eine 1. Mahnung zukommen lassen bevor die x Tage um sind die ihn dann zur Forderung der Gesamtsumme berechtigen (bitte nicht per WhatsApp sondern nachweislich schriftlich, das macht sich vor Gericht ganz dumm mit Emails/SMS/WhatsAPP usw) so in der Art - natürlich mit Datum, Briefkopf usw:
Zitat
1. Mahnung

Da bis zum heutigen Tag xx.xx.2019 kein Geldeingang in Höhe der ersten vereinbarten Rate (fällig zum 01.04.2019) auf meinem Konto zu verzeichnen war und ich auch keine Barzahlung (gegen Quittung) über diesen Betrag erhalten habe, weise ich nochmal auf §3 des am xx.xx.2019 geschlossenen Darlehensvertrages hin, dieser besagt bei einem Verzug einer Rate von 14 Tagen, dass die gesamte Restsumme von derzeit xx,xx€ sofort fällig wird.

Sofern die fällige Rate nicht vor Ablauf dieser 14 Tage bei mir eintreffen sollte, sehe ich mich gezwungen den kompletten Betrag einzufordern, sollte diese Zahlung sodann verweigert werden, müsste ich rechtliche Schritte einleiten - diese Kosten werden der fälligen Forderung hinzugerechnet und erhöhen demnach den Gesamtbetrag beträchtlich.

Zur Vermeidung dieser Extrakosten und des entsprechenden Aufwandes wäre es demnach für beide Seiten sinnvoll, wenn die Zahlung noch pünktlich vor dem 14.04.2019 bei mir eintrifft.

Übrigens die Rückforderung der Sachen hätte auch noch einen Nachteil, denn sie sind ja gebraucht worden und haben entsprechend einen geminderten Wert -> das deckt wohl kaum den fälligen Betrag aus dem Darlehensvertrag oder?