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Autor Thema: ausweglose Lage  (Gelesen 2924 mal)

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Offline H1

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ausweglose Lage
« am: 11. Februar 2020, 12:52:55 »
Hallo,
ich gebe zu, dass der Titel sehr überspitzt gewählt ist, es meinen aktuellen Gemütszustand dennoch sehr gut beschreibt, was mich zur Anmeldung auf dieser Plattform bewegt hat.

Zu mir... ich bin mittlerweile 32, habe drei Ausbildungen angefangen und aufgrund von Drogenproblemen und psychischer Erkrankung immer kurz vor Ende abbrechen müssen.
Ich beziehe seit nun knapp 6 Jahren Hartz4 und bin gesundheitlich (noch!) auf einem sehr guten Weg, um mein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen.
Mein JC-Berater hatte sehr lange Geduld mit mir aber seit November letzten Jahres wurde ich zu einem "Bewerbungscoach" geschickt. Versprochen wurde mir, dass er auf meine Situation eingeht und mich unterstützt, bei allen Problemen, die sich so angehäuft haben.
Nach nun mehr als einem viertel Jahr zeigt er aber immer mehr, worum es eigentlich geht und er übt starken Druck auf mich aus, auch wenn er das vielleicht ein bisschen anders als das JC versucht, durch (ich nenne es mal) plumpe Manipulation gepaart mit Arschkriecherei.
Letztlich zählt aber nur eins- mir eine Stelle im Niedriglohnsektor zu beschaffen und ich soll mich dafür auch noch bedanken. Ich habe in der Vergangenheit viele Fehler gemacht und mittlerweile wird mir immer bewusster, was darausz heute resultiert. Ein Praktika hier, ein Praktika da. Bei guter Führung, Fleisz und Pünktlichkeit bekomm ich dann eine Einstellung zum Mindestlohntarif und ich habe unterm Strich weniger Geld zur Verfügung, als ich es aktuell habe.
Zudem einen nervenaufreibenden ( und kostspieligen) Arbeitsweg, Druck, der mich in der Vergangenheit immer wieder krank gemacht hat und eben dieses Gefühl trotzdem der Allerletzte zu sein. Alles, was darausz resultiert ist am Ende nichts wert aber ich weisz einfach nicht, wie ich da wieder rauskomme, ohne das letzte Biszchen, was ich habe, durch Sanktionen auch noch zu verlieren.
Leider kann man ja so offen auch mit keinem darüber reden, weil man direkt als "fauler Hartzer" oder Schmarotzer abgestempelt wird.

Ich frage mich, wie ihr damit fertig werdet, was man tun kann und ob ich dem Bewerbungscoach so offen meine Gefühlswelt darlegen sollte

Grusz vom Heins

Offline Birgit63

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Re: ausweglose Lage
« Antwort #1 am: 11. Februar 2020, 12:55:27 »
Du musst dich in ärztliche Behandlung begeben und eine Therapie machen. Während der Therapie wirst du krank geschrieben und das JC muss dich in Ruhe lassen.

Offline Orakel

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Re: ausweglose Lage
« Antwort #2 am: 11. Februar 2020, 12:57:57 »
Letztlich zählt aber nur eins- mir eine Stelle im Niedriglohnsektor zu beschaffen und ich soll mich dafür auch noch bedanken.

Was erwartest du?

... ich bin mittlerweile 32, habe drei Ausbildungen angefangen und aufgrund von Drogenproblemen und psychischer Erkrankung immer kurz vor Ende abbrechen müssen.

Damit ist eine Führungsposition wohl eher nicht drin.

Im Übrigen schließe ich mich Birgit63 an.
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Offline H1

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Re: ausweglose Lage
« Antwort #3 am: 11. Februar 2020, 13:26:53 »
Letztlich zählt aber nur eins- mir eine Stelle im Niedriglohnsektor zu beschaffen und ich soll mich dafür auch noch bedanken.

Was erwartest du?

... ich bin mittlerweile 32, habe drei Ausbildungen angefangen und aufgrund von Drogenproblemen und psychischer Erkrankung immer kurz vor Ende abbrechen müssen.

Damit ist eine Führungsposition wohl eher nicht drin.

Im Übrigen schließe ich mich Birgit63 an.

Danke für deine Antwort @Birgit63
Therapie und Krankschreibung halte ich für nicht richtig, da ich mich nicht krank fühle, allerdings wird ja aber daran gearbeitet...

@Orakel
Was ich erwarte? Angemessen entlohnt zu werden und da denke ich schon nicht an Luxus. Ich müsste mir ein KFZ kaufen und unterhalten können, was ich nur für den Arbeitsweg benötige, aufgrund meines ländlichen Wohnortes. Und dann sollte aber auch noch etwas überbleiben. In Armut leben ist schon kein Zuckerschlecken aber in gröszerer Armut leben trotz Job?Ganz ehrlich...

Das sind halt so diese typischen Reaktionen, die man von einem gewissen Schlag Mensch erwartet und mit denen ich hier, wie auch im Reallife nichts zutun haben möchte. Danke dennoch @Orakel

Online NevAda

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Re: ausweglose Lage
« Antwort #4 am: 11. Februar 2020, 13:53:37 »
Du leistest Dir den Luxus, auf dem Dorf zu leben. Darfst Du. Aber warum sollte jemand anderes dafür aufkommen? Ich lebe mein Leben lang in Städten. Autolos. Geht. Andere Lebensqualität. Aber hier kann ich mir das Leben leisten. In einem Dorf nicht.
Ich entscheide mich übrigens jeden Tag neu dafür. Niemand zwingt mich. Echt.
Ich profitiere permanent unmittelbar von Menschenrechtsverletzungen.

Offline Sheherazade

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Re: ausweglose Lage
« Antwort #5 am: 11. Februar 2020, 13:54:19 »
Was ich erwarte? Angemessen entlohnt zu werden und da denke ich schon nicht an Luxus.

Angemessen in Anbetracht welcher Gegenleistung, die du bringen kannst?

Du hast nur 3 abgebrochene Ausbildungen und eine mangelhafte psychische Belastbarkeit vorzuweisen. Der Rat von @ Birgit ist der einzig sinnvolle Weg, den du derzeit ins Auge fassen solltest.
"Wie hast du den Vogel zum Singen gebracht, Momo? Niemand hat das bisher geschafft!" "Ich denke, man muss ihm auch zuhören, wenn er nicht singt!" (M.Ende)

Im Leben braucht man drei Dinge: Die Bescheidenheit, sich anderen nicht überlegen zu fühlen. Den Mut, jede Situation zu bestehen. Und die Weisheit, sich von der Dummheit mancher Menschen nicht beeindrucken zu lassen.

Online crazy

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Re: ausweglose Lage
« Antwort #6 am: 11. Februar 2020, 14:07:05 »
Ich kann nur sagen:
 Willkommen in der Wirklichkeit!
Ja,das ist ohne Hirnvernebelung manchmal schwer zu ertragen.
Du erhälst Deine Belohnung fürs Durchhalten  ohne Droge. Nicht sofort und alles auf einmal. In kleinen Dosen verabreicht fällt das Freuen über jedes Stück mehr viel besser aus.
Du hast Glück
Du hast ein zu Hause
Du bist Drogenfrei
Du hast Arbeit

Gelingt es dir diesen Erfolg zu halten,wirst Du eine Lohnerhöhung erhalten,dir eine für dich bessere Arbeit suchen können und später auch Auto,kleinen individuellen Luxus und vieles mehr.

Gibst  Du jetzt schon wieder auf. Du weißt wo Du dann landen wirst

Online Charlie

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Re: ausweglose Lage
« Antwort #7 am: 11. Februar 2020, 14:09:03 »
Hallo, zunächst, Du schreibst, dass Du 32 Jahre alt bist, also noch lange nicht im Rentenalter. Die Aufgabe vom JC ist, Dich zu vermitteln, entweder Arbeit, Praktikum, Maßnahmen oder halt Dich arbeitsunfähig zu erklären und zum Sozialamt abzuschieben. Welche Interessen hast Du? Wie möchtest Du Deinen Lebensunterhalt verdienen? Wahrscheinlich ist, dass Dein JC Vermittler Dich weiter nervt und Dich in Maßnahmen steckt, die Dir nicht gefallen. Überlege, was Du gut kannst, und suche Dir dem entsprechend eine Erwerbsmöglichkeit. Oder lasse Dich zum Sozialamt abschieben, dann hast Du Deine Ruhe und trotzdem Geld für Deinen Lebensunterhalt. Oder Du ziehst um, in eine Großstadt, da wo es für Leute Deines Alters viele Arbeitsmöglichkeiten gibt.

Offline blaumeise

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Re: ausweglose Lage
« Antwort #8 am: 11. Februar 2020, 14:23:37 »
Du leistest Dir den Luxus, auf dem Dorf zu leben. Darfst Du. Aber warum sollte jemand anderes dafür aufkommen? Ich lebe mein Leben lang in Städten. Autolos. Geht. Andere Lebensqualität. Aber hier kann ich mir das Leben leisten. In einem Dorf nicht.
Ich entscheide mich übrigens jeden Tag neu dafür. Niemand zwingt mich. Echt.

Was redest du denn da. Hast du mal versucht, in München oder einer anderen großen Stadt eine preislich passende Wohnung zu finden, die ins Hartz-IV-Schema passt?

Gott sei Dank dürfen auch Hartz-IV-Bezieher noch selber frei entscheiden, wo sie leben möchten.


@H1: Du bist als Leistungsempfänger verpflichtet, deine Hilfebdürftigkeit zu verringern bzw. zu beenden. Sobald du etwas verdienst, wird das zwar aufs ALG II angerechnet, aber nicht voll, sondern du hast einen Freibetrag und damit auf jeden Fall mehr, als wenn du nur ALG II, ohne Job, bekämst. Somit lohnt sich auch ein Minijob mit Mindestlohn. Als Einstieg ins Arbeitsleben auf jeden Fall. Es steht dir ja frei, dich gleichzeitig um besser bezahlte Jobs zu bemühen.

Online NevAda

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Re: ausweglose Lage
« Antwort #9 am: 11. Februar 2020, 14:40:04 »
TE meint, er müsste sich da, wo er jetzt wohnt, ein Auto leisten. Wetten, Wohnung, die auch ohne Individualverkehr funktioniert, ist insgesamt günstiger?
Natürlich dürfen alle leben, wo sie wollen! Sie dürfen auch Ansprüche haben, wie sie wollen. Aber ich mache darauf aufmerksam, dass es gewollter Luxus ist. Und es auch anders geht.
Ich profitiere permanent unmittelbar von Menschenrechtsverletzungen.

Offline blaumeise

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Re: ausweglose Lage
« Antwort #10 am: 11. Februar 2020, 16:00:15 »
Zitat von: NevAda am 11. Februar 2020, 14:40:04
Wetten, Wohnung, die auch ohne Individualverkehr funktioniert, ist insgesamt günstiger?
So eine pauschale Aussage kann man schlichtweg nicht treffen - den öffentlichen Nahverkehr gibt's übrigens auch nicht umsonst.

Offline Maxvorstadt

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Re: ausweglose Lage
« Antwort #11 am: 11. Februar 2020, 16:09:47 »
TE meint, er müsste sich da, wo er jetzt wohnt, ein Auto leisten. Wetten, Wohnung, die auch ohne Individualverkehr funktioniert, ist insgesamt günstiger?
Natürlich dürfen alle leben, wo sie wollen! Sie dürfen auch Ansprüche haben, wie sie wollen. Aber ich mache darauf aufmerksam, dass es gewollter Luxus ist. Und es auch anders geht.
Vielleicht wohnt TE ja im Dorf, weil die Mieten in der Stadt so hoch sind?
International anerkannte Definition von Sklaverei= Sklaverei ist wenn Menschen unter Androhung körperlicher oder wirtschaftlicher Strafen zu Arbeiten gezwungen werden die sie nicht tun wollen !!
Religion macht sehr schnell abhängig: Fangen Sie erst gar nicht damit an!!
Wir werden Menschen sein. Wir werden es sein, oder die Welt wird dem Erdboden gleichgemacht bei unserem Versuch, es zu werden.

Online Charlie

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Re: ausweglose Lage
« Antwort #12 am: 11. Februar 2020, 16:28:26 »
Am Anfang ein möbliertes Zimmer oder WG, ist sicher bezahlbar. Und, es muß ja nicht München oder Berlin sein. Wenn man kein eigenes Haus hat und auf dem Land oder in der Kleinstadt lebt und eine Wohnung mieten muß, ist dass auch teuer. Vermieter wollen überall Provit machen.  In Frankfurt gibt es den Sozialpass, damit kann man günstig eine Monatskarte für öffentliche Verkehrsmittel kaufen usw.

Online Angie69

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Re: ausweglose Lage
« Antwort #13 am: 11. Februar 2020, 16:49:13 »
Nur weil.der Arbeitsweg kürzer ist ändert sich für den te die Grundsituation auch nicht wirklich.im Gegenteil. In der Stadt zu leben ist nicht für jeden etwas.

Hier fehlen eher die Perspektiven / Ideen was der TE aus seinem Leben machen kann. Dazu gehört nun einmal mehr als irgend eine Arbeit sondern es braucht schon etwas mehr um glücklich zu sein und damit auch leistungsfähiger.

Es wird oft vergessen dass Menschen keine Maschinen sind
„Der Staatsdienst muss zum Nutzen derer geführt werden, die ihm anvertraut werden, nicht zum Nutzen derer, denen er anvertraut ist. "

Online BigMama

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Re: ausweglose Lage
« Antwort #14 am: 11. Februar 2020, 17:18:36 »
Rollst du grad die Bedürfnispyramide nach Maslow von hinten auf?

Zuerst sollte mal die Existenz aus eigenen Mitteln bestritten werden bevor es an andere Dinge geht. Glück oder Zufriedenheit findet man auch in kleinen Dingen. Es soll sogar Menschen geben, die Energie aus ihrer Tätigkeit ziehen auch wenn sie nicht die bestbezahlte Stelle ist.
Die Welt wird nicht von skrupellosen Verbrechern, finstren Kapitalisten oder machtgierigen Despoten regiert, sondern von einer gigantischen, weltumspannenden RIESENBLÖDHEIT.
Wer´s nicht glaubt, ist schon infiziert.
(Michael Schmidt-Salomon, GBS-Sprecher)