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Autor Thema: Mündliche "Kündigung" wegen Corona-Schließung  (Gelesen 996 mal)

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Offline Floeti

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Mündliche "Kündigung" wegen Corona-Schließung
« am: 22. März 2020, 16:02:06 »
Moin ihr,

die Tochter einer Freundin hat es jetzt schon erwischt. Sie arbeitet als Aushilfe in einem Restaurant, was nu natürlich von den Schließungen betroffen ist. Ihr Arbeitgeber hat ihr mündlich mitgeteilt, dass das Arbeitsverhältnis deswegen jetzt beendet ist und ihr nur noch die in diesem Monat bereits geleisteten Stunden sowie übrige Überstunden ausgezahlt werden.

Ihr liegt also keine schriftliche Kündigung vor - ergo Kündigung nicht wirksam. Oder gibt es hier Ausnahmen im Krisenfall? Ihr liegt leider auch kein schriftlicher Arbeitsvertrag vor (dumm). Sie hat aber wohl regelmäßig mindestens 10 Stunden pro Woche gearbeitet. Meine Laien-Meinung ist, dass ihr also im Minimum diese 10 Stunden/Woche gezahlt werden müssen, solang ihr nicht schriftlich gekündigt wurde. Richtig?

Wie sollte sie jetzt vorgehen? Arbeitskraft über ein entsprechendes Schreiben weiter anbieten? Restaurant ist ja geschlossen... Habe jetzt erstmal den Anruf bei der Rechtberatung am Amtsgericht bzw. Studentenwerk empfohlen, aber ob man da im Moment überhaupt jemanden erreicht, ist ja auch fraglich.

Solche Arbeitsgeber...  :wand:


Offline NevAda

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Re: Mündliche "Kündigung" wegen Corona-Schließung
« Antwort #1 am: 22. März 2020, 16:06:28 »
Zitat von: Floeti am 22. März 2020, 16:02:06
Solche Arbeitsgeber...
Der hat viel größere Probleme als nur 10-Wochenstunden kein Lohn.

Hat sie gesagt, dass sie die Kündigung gerne schriftlich hätte? Oder geht sie direkt vors Gericht?

Ja, sicher ist es nicht schön. Aber ein bisschen Verhältnis mäßigkeit....
Ich profitiere permanent unmittelbar von Menschenrechtsverletzungen.

Offline Sabine13

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Re: Mündliche "Kündigung" wegen Corona-Schließung
« Antwort #2 am: 22. März 2020, 16:08:36 »
Zitat von: Floeti am 22. März 2020, 16:02:06
Ihr liegt also keine schriftliche Kündigung vor - ergo Kündigung nicht wirksam. Oder gibt es hier Ausnahmen im Krisenfall?
Mit Sicherheit nicht. Eine Kündigung hat schriftlich zu erfolgen. Das gleiche Szenario wäre doch, wenn aus einem anderen Grund dem Restaurantbetreiber die Gäste wegfallen würden, weil vor seinem Gebäude eine Baustelle wäre.

Zitat von: Floeti am 22. März 2020, 16:02:06
Ihr liegt leider auch kein schriftlicher Arbeitsvertrag vor (dumm)
Nein, das ist nicht dumm für sie, sondern für den Gastrobetreiber.

Zitat von: Floeti am 22. März 2020, 16:02:06
Meine Laien-Meinung ist, dass ihr also im Minimum diese 10 Stunden/Woche gezahlt werden müssen, solang ihr nicht schriftlich gekündigt wurde.

Ich gehe hier noch einen Schritt weiter und würde § 12 des Teilzeit- und Befristungsgesetz heranziehen, was 20 Stunden ansetzt.

Zitat von: Floeti am 22. März 2020, 16:02:06
Arbeitskraft über ein entsprechendes Schreiben weiter anbieten?

Ja!

Geld nach Ablauf des Monats März fordern (20 Stunden die Woche).

Zitat von: NevAda am 22. März 2020, 16:06:28
Der hat viel größere Probleme als nur 10-Wochenstunden kein Lohn.
... ändert aber nichts an den Arbeitnehmerrechten. Jeder Unternehmer trägt ein unternehmerisches Risiko. Das muss sich jeder bewusst sein.

Zitat von: NevAda am 22. März 2020, 16:06:28
Hat sie gesagt, dass sie die Kündigung gerne schriftlich hätte?
Das ist völlig irrelevant.



Offline Floeti

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Re: Mündliche "Kündigung" wegen Corona-Schließung
« Antwort #3 am: 22. März 2020, 16:21:01 »
Zitat von: Floeti am 22. März 2020, 16:02:06
Solche Arbeitsgeber...
Der hat viel größere Probleme als nur 10-Wochenstunden kein Lohn.

Hat sie gesagt, dass sie die Kündigung gerne schriftlich hätte? Oder geht sie direkt vors Gericht?

Ja, sicher ist es nicht schön. Aber ein bisschen Verhältnis mäßigkeit....

Bisschen Verhältnismäßigkeit, wenn sie von jetzt auf gleich ohne Geld dastehen soll? Klar, ist das für den Arbeitgeber auch scheiße, aber für sowas gibt es Kurzarbeit und was auch immer noch für Maßnahmen entschieden werden. Und im Minimum gibt es dafür die fristgerechte Kündigung.

Offline AlterGaul

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Re: Mündliche "Kündigung" wegen Corona-Schließung
« Antwort #4 am: 22. März 2020, 16:25:23 »
Man doch sagen, solange keine schriftliche Kündigung vorliegt, ist sie weiter beschäftigt. Dabei ist es egal, was der Arbeitgeber davon hält oder auch nicht. Ich kann mich nicht dran erinnern, dass im Kündigungsschutzgesetz eine Ausnahme wegen Corona steht.
Klar ist es blöd vom Arbeitgeber, der möglicherweise deswegen seine Existenz verlieren wird, aber wenn er das tut, wird es die Mitarbeiter auch treffen.
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Offline NevAda

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Re: Mündliche "Kündigung" wegen Corona-Schließung
« Antwort #5 am: 22. März 2020, 16:27:17 »
Ich finde es unverhältnismäßig, zum Arbeitsgericht zu gehen, bevor sie den Chef gebeten hat, ihr (auch) schriftlich zu kündigen.
Ich profitiere permanent unmittelbar von Menschenrechtsverletzungen.

Offline AlterGaul

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Re: Mündliche "Kündigung" wegen Corona-Schließung
« Antwort #6 am: 22. März 2020, 16:31:00 »
Ich finde es unverhältnismäßig, zum Arbeitsgericht zu gehen, bevor sie den Chef gebeten hat, ihr (auch) schriftlich zu kündigen.
Warum sollte sie zum Arbeitsgericht gehen? Solange sie keine schriftliche Kündigung hat, ist sie weiterhin beschäftigt. Ich würde doch nicht drum bitten, dass man mir schriftlich kündigt. Wenn der Chef keine Kenntnisse im Arbeitsrecht hat, dann ist das dem sein Problem und er hat wohl ein wenig sein Beruf verfehlt.
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Offline Floeti

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Re: Mündliche "Kündigung" wegen Corona-Schließung
« Antwort #7 am: 22. März 2020, 16:32:42 »
Zitat von: Floeti am 22. März 2020, 16:02:06
Meine Laien-Meinung ist, dass ihr also im Minimum diese 10 Stunden/Woche gezahlt werden müssen, solang ihr nicht schriftlich gekündigt wurde.

Ich gehe hier noch einen Schritt weiter und würde § 12 des Teilzeit- und Befristungsgesetz heranziehen, was 20 Stunden ansetzt.
Naja, ich finde, das ginge in der Situation jetzt zu weit.

Zitat von: Floeti am 22. März 2020, 16:02:06
Arbeitskraft über ein entsprechendes Schreiben weiter anbieten?

Ja!
Hast du eine Formulierungsempfehlung?


Ich finde es unverhältnismäßig, zum Arbeitsgericht zu gehen, bevor sie den Chef gebeten hat, ihr (auch) schriftlich zu kündigen.
Arbeitsgericht stand doch noch gar nicht zur Debatte  :weisnich:

Offline Sabine13

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Re: Mündliche "Kündigung" wegen Corona-Schließung
« Antwort #8 am: 22. März 2020, 16:37:44 »
Zitat von: Floeti am 22. März 2020, 16:32:42
Naja, ich finde, das ginge in der Situation jetzt zu weit.
Da die erste Stufe beim Arbeitsgericht immer der Vergleich ist, ist es nicht verkehrt, das rechtlich Zulässige zu fordern (Urlaubsanspruch nicht vergessen), um das zu erhalten, was man normalerweise bekommen hätte.
Fordert sie nur 10 Stunden, wird sie sicherlich nach unten gedrückt.

Zitat von: Floeti am 22. März 2020, 16:32:42
Hast du eine Formulierungsempfehlung?
Lieber Cheffe!

Hiermit biete ich meine Arbeitskraft weiterhin an.

Liebe Grüße
Dein Flöckchen

Zitat von: NevAda am 22. März 2020, 16:27:17
Ich finde es unverhältnismäßig, zum Arbeitsgericht zu gehen, bevor sie den Chef gebeten hat, ihr (auch) schriftlich zu kündigen.

Für ausstehenden Lohn und nach fruchtloser Forderung bleibt doch kein anderer Weg; das hat auch nichts mit einer Kündigung zu tun.





Offline Floeti

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Re: Mündliche "Kündigung" wegen Corona-Schließung
« Antwort #9 am: 22. März 2020, 16:44:33 »
Zitat von: Sabine13 am 22. März 2020, 16:37:44
Lieber Cheffe!

Hiermit biete ich meine Arbeitskraft weiterhin an.

Liebe Grüße
Dein Flöckchen
Ok, also ganz schnörkelos einfach Arbeitskraft anbieten.

Offline Sabine13

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Re: Mündliche "Kündigung" wegen Corona-Schließung
« Antwort #10 am: 22. März 2020, 16:53:03 »
Die Bekannte sollte das Schreiben erst am 30./31.März nachweislich zustellen/zustellen lassen, dann wäre im Falle einer Kündigung bei entsprechender Kündigungsfrist der Monat April gehaltsmäßig noch abgedeckt.

Offline Ronald BW

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Re: Mündliche "Kündigung" wegen Corona-Schließung
« Antwort #11 am: 22. März 2020, 18:09:43 »
Angesichts dem was gerade passiert ist ein 10 Stunden Job  mündlich kündigen absolut verhältnismäßig.
Da ist Paragraphenreiterei das letzte was wir jetzt brauchen können
Also Ball flach halten nach einer realen Lösung suchen und im Gespräch bleiben

Ich und sonst niemand wichtig, hat gerade keine Konjunktur

Offline Sabine13

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Re: Mündliche "Kündigung" wegen Corona-Schließung
« Antwort #12 am: 22. März 2020, 18:22:02 »
Zitat von: Ronald BW am 22. März 2020, 18:09:43
Angesichts dem was gerade passiert ist ein 10 Stunden Job  mündlich kündigen absolut verhältnismäßig.
Wieder einmal ein absoluter Unsinn.

Gesetze gelten auch zu Corona Zeiten.

Zitat von: Ronald BW am 22. März 2020, 18:09:43
Da ist Paragraphenreiterei das letzte was wir jetzt brauchen können
Es geht nicht um dich, sondern um die Studentin, die ihren Job verliert.

 

Offline blablabla

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Re: Mündliche "Kündigung" wegen Corona-Schließung
« Antwort #13 am: 22. März 2020, 18:31:24 »
War der Job denn zumindest angemeldet oder, wie so häufig in der Gastronomie, schwarz?
Im zweiten Fall hat die Kellnerin ohnehin Pech.
Es gab ja gar kein Arbeitsverhältnis, das fortgesetzt werden könnte..

Offline Sabine13

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Re: Mündliche "Kündigung" wegen Corona-Schließung
« Antwort #14 am: 22. März 2020, 18:36:40 »
Wer sagt denn, dass bei einer Schwarzzahlung kein rechtliches Arbeitsverhältnis bestand?
Du bist da im Irrtum.
Sozial- und steuerrechtliche Probleme hätte vorrangig der Arbeitgeber.

Den irregulären Fall sollten wir aber ausschließen.