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Autor Thema: Selbst kündigen bei Lohnausfall  (Gelesen 1578 mal)

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Offline Herzblatt

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Selbst kündigen bei Lohnausfall
« am: 10. August 2020, 21:58:10 »
Hallo,

überlege die Arbeit zu kündigen wegen ausbleibender Lohnzahlungen.

Wie genau muss das laufen, damit man nicht gesperrt wird. Also die nächste Miete werde ich nicht aufbringen können, wenn nicht bald (genug)
 Geld fließt. Ich habe zwar Verständnis für meinen Arbeitgeber, aber finanziell geht mir der Atem jetzt leider sehr schnell aus, so ohne Rücklagen..... Das Problem ist, dass mein Partner auch da arbeitet und wir gewissermaßen beide jetzt nicht genug Geld reinkriegen.... Also ich weiß jetzt halt nicht.

Mit dem Bewerben habe ich wohl jetzt auch schon zu lange gewartet bzw. es war halt anders geplant auf der Arbeit.

Wenn das letzte Gehalt ausgeblieben ist, kann ich dann kündigen? Welche Voraussetzungen müssen gelten?
Dann müsste ich aber fristlos kündigen, damit das Amt mich gleich weiter verwursteln kann?
Ein schlechtes Gewissen hätte ich schon, da ich echt immer sehr gut behandelt wurde auf meiner Arbeitsstelle..... Also den AG einfach so sitzen lassen, da tu' ich mich schon schwer damit.

Hat jemand Infos für mich?

LG

Online NevAda

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Re: Selbst kündigen bei Lohnausfall
« Antwort #1 am: 10. August 2020, 23:07:32 »
Keine Infos, aber:
Was bringt Dir eine Kündigung? Kriegst Du dadurch schneller Dein ausstehendes Geld?
Warum bewirbst Du Dich nicht jetzt?
Bekommen alle Angestellten zur Zeit (wie lange schon?) kein Geld? Warum?

Du könntest mit der AfA sprechen und Dir dann schriftlich zusichern lassen, dass eine Kündigung keine Sperrzeit nach sich zieht. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das die beste/schnellste Möglichkeit ist, an Geld zu kommen.
Wir sind hier nicht bei Wünschdirwas sondern bei ISSO.

Offline Meph1977

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Re: Selbst kündigen bei Lohnausfall
« Antwort #2 am: 11. August 2020, 07:13:45 »
Zunächst musst du mal den Arbeitgeber schriftlich abmahnen und eine Frist zur Zahlung setzen. Wenn du vor hast zu Kündigen dann musst du in der Abmahnung die fristlose Kündigung auch androhen. Für die Fristlose Kündigung muss der Lohnrüclstand aber erheblich sein. Da gehen die Meinungen etwas auseinander einige Gerichte sehen einen erheblichen Rückstand bei einem Monatslohn andere erst ab 1 1/2 Monatlöhne
Seid vorsichtig was ihr dem JC erzählt. Die machen aus nem französischen Rotwein eine rothaarige Französin und drehen euch noch eine BG mit der Französin an.

Online Ghostwriter

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Re: Selbst kündigen bei Lohnausfall
« Antwort #3 am: 11. August 2020, 07:14:20 »
Du musst diese Angelegenheit über das Arbeitsgericht klären!

Dazu hast du (habt ihr) möglicherweise Anspruch auf aufstockendes Hartz IV, also sofort zum JC und Antrag stellen.

Online Sheherazade

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Re: Selbst kündigen bei Lohnausfall
« Antwort #4 am: 11. August 2020, 09:38:41 »
Wenn das letzte Gehalt ausgeblieben ist

Wann wäre das letzte Gehalt denn fällig gewesen?

Da du UND dein Partner den gleichen Arbeitgeber habt, müsst ihr auch beide jeder für sich die entsprechenden notwendigen Schritte unternehmen.
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Offline Orakel

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Re: Selbst kündigen bei Lohnausfall
« Antwort #5 am: 11. August 2020, 10:30:09 »
Zunächst musst du mal den Arbeitgeber schriftlich abmahnen und eine Frist zur Zahlung setzen.

Unsinn! Der Vergütungsanspruch des Arbeitnehmers ist in § 614 BGB geregelt. Da die Vergütung bei Arbeitsverhältnissen regelmäßig nach Zeitabschnitten erfolgt, kommt der Arbeitgeber in Verzug, wenn er nach Ablauf des Zeitabschnittes nicht leistet - ohne dass es dazu ausdrücklich in Verzug gesetzt werden muss (§ 286 Abs. 2 Nr. 1 BGB).

Rechtliche Möglichkeiten des Arbeitnehmers.

1. Zurückbehaltungsrecht (der geschuldeten Arbeitsleistung durch den Arbeitnehmer). Die gängige Rechtsprechung geht dann dann als Grund für ein Leistungsverweigerungsrecht des Arbeitnehmers aus, wenn der Arbeitgeber mit zwei oder mehr Löhnen im Rückstand ist.

2. Einstweilige Verfügung, wenn der Arbeitnehmer nachweisen kann, dass er sich in einer Notlage befindet und er den ausstehenden Lohn dringend für seinen Lebensunterhalt benötigt.

3. Die Einreichung einer (Leistungs-)Klage vor dem Arbeitsgericht das richtige Mittel, um ausstehende Lohnansprüche geltend zu machen. Hier muss keine Eilbedürftigkeit nachgewiesen werden, sondern nur, dass der Arbeitgeber seiner Zahlungsverpflichtung nicht nachgekommen ist.

Beachte:

Da du UND dein Partner den gleichen Arbeitgeber habt, müsst ihr auch beide jeder für sich die entsprechenden notwendigen Schritte unternehmen.

Im Übrigen halte auch ich nichts von einer fristlosen Kündigung --> § 626 Abs. 1 BGB

Einem Arbeitnehmer ist es grundsätzlich zuzumuten, dass er zunächst alle rechtlichen Möglichkeiten zur Durchsetzung seines Vergütungsanspruchs ausschöpft. Das werden mit einiger Sicherheit die Agentur für Arbeit und/oder das Jobcenter nicht anders sehen.

Für die Fristlose Kündigung muss der Lohnrüclstand aber erheblich sein. Da gehen die Meinungen etwas auseinander einige Gerichte sehen einen erheblichen Rückstand bei einem Monatslohn andere erst ab 1 1/2 Monatlöhne

Gericht? Datum der Entscheidung? Aktenzeichen?
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Offline Meph1977

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Re: Selbst kündigen bei Lohnausfall
« Antwort #6 am: 11. August 2020, 16:28:13 »
Orakel wenn du nicht in der Lage oder zu faul bist Google zu benutzen ist das dein Problem nicht meins. "Lohnrückstand" einzugeben sollte ja nicht so schwer sein oder.

Ein Mahnung sollte schon alleine deswegen ausgesprochen werden um eventuellen Ausschlussfristen aus dem Arbeits- /Tarifvertrag, Betriebsvereinbarungen oder Sozialplänen einzuhalten da sonst der Lohn verfällt. Wenn es keine Ausschlussfristen gibt ist die Mahnung zumindest für die geltendmachung des Lohnanspruchs nicht notwendig aber auch nicht falsch.

Eine Abmahnung muss um Regelfall vor einer fristlosen Kündigung ausgesprochen werden und die Kündigung angedroht werden mit angemessener Fristsetzung. Auf eine Abmahnung vor der fristlosen Kündigung kann verzichtet werden wenn der Arbeitgeber bereits angekündigt hat, dass er keinen Lohn zahlen wird oder nicht zahlen kann, da das unter Umständen etwas schwierig nachzuweisen ist, ist auch hier eine Abmahnung zu empfehlen. Hat der Arbeitnehmer rechtmäßig fristlos gekündigt steht dem Arbeitnehmer Schadensersatz zu.

Das Zurückbehaltungsrecht wird regulär bei 2 Monatsgehältern Rückstand als gegeben angesehen wird jedoch kann auch schon bei einem Monatsgehalt ein Zurückbehaltungsrecht bestehen wenn der Arbeitgeber häufiger in Rückstand ist. Macht man von seinem Zurückbehaltungsrecht rechtmäßig gebrauch steht dem Arbeitnehmer Arbeitslosengeld zu das er natürlich beantragen muss. Der Arbeitgeber schuldet allerding trotzdem für die Zeit in der der Arbeitnehmer von seinem Zurückbehaltungsrecht gebrauch macht Lohn.

Solltest du allerdings eine der beiden Varianten versuchen wollen ist in jedem Fall zu raten einen Anwalt aufzusuchen.
« Letzte Änderung: 11. August 2020, 17:15:09 von Meph1977 »
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Offline Orakel

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Re: Selbst kündigen bei Lohnausfall
« Antwort #7 am: 11. August 2020, 16:52:38 »
Also die nächste Miete werde ich nicht aufbringen können, wenn nicht bald (genug)
 Geld fließt. Ich habe zwar Verständnis für meinen Arbeitgeber, aber finanziell geht mir der Atem jetzt leider sehr schnell aus, so ohne Rücklagen..... Das Problem ist, dass mein Partner auch da arbeitet und wir gewissermaßen beide jetzt nicht genug Geld reinkriegen.... Also ich weiß jetzt halt nicht.

2. Einstweilige Verfügung, wenn der Arbeitnehmer nachweisen kann, dass er sich in einer Notlage befindet und er den ausstehenden Lohn dringend für seinen Lebensunterhalt benötigt.

Was spricht dagegen? Bitte mit Rechtsgrundlagen!

Ich habe aus dem Eingangsposting weder Hinweise auf Ausschlussfristen, noch eine Ankündigung des Arbeitgebers, nicht leisten zu wollen, erkennen können.

Aber weshalb einfach (und schnell); wenn es auch kompliziert geht.

Ansprechpartner ist (wenn vorhanden) der Betriebsrat oder ein Gewerkschaftsvertreter; im Übrigen auch die Agentur für Arbeit (evtl Anspruch auf ALG I, evtl. Arbeitslosmeldung)
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Offline Meph1977

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Re: Selbst kündigen bei Lohnausfall
« Antwort #8 am: 11. August 2020, 17:23:46 »
Solange du nicht sicher weist das keine Ausschlussfristen bestehen ist immer davon auszugehen das welche bestehen zumal es nicht drauf ankommt ob der Arbeitnehmer Kenntniss von diesen hat. Im Zweifel macht man mit einer Mahnung nichts falsch.
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Offline Herzblatt

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Re: Selbst kündigen bei Lohnausfall
« Antwort #9 am: 12. August 2020, 11:22:45 »
Der Monat ist halb rum. Es könnte theoretisch, vielleicht, eventuell möglich sein, dass noch ein Kunde diese Woche in Bar seine Rechnung bezahlt. Dann wüsste ich frühestens Ende nächster Woche sicher, ob ein Gehalt fließt oder nicht. Dann ist der Monat schon fast rum, die Miete bald fällig.... Das reicht zeitlich auch nicht mehr, um einen neuen Job anzunehmen. Gewissermaßen müsste ich den dann auch sofort finden usw.

Jobcenter - die müssen einen dann nehmen. Wenn man nachweisen kann, dass ja kein Geld mehr für den Lebensunterhalt da ist. Arbeitsamt will dann erst mal wissen, was Sache ist und man muss Nachweise bringen über Lohnzahlung, eingeleitete Schritte????

Mal abgesehen davon, dass ich jetzt schon wieder zum Jobcenter muss. Ich war froh dort weg zu sein.

Ich überlege schon, dass ich dann von der Arbeit erst mal wegbleibe vielleicht, um mehr Zeit zu haben, einen neuen Job zu finden und meine Angelegenheiten zu regeln.

Es gibt ja eine Info-Nummer vom Arbeitsamt, 0800 nochwas... Kann man da anrufen, um sich zu informieren, oder ist das eher nicht so gut für mich?

LG

Online NevAda

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Re: Selbst kündigen bei Lohnausfall
« Antwort #10 am: 12. August 2020, 11:26:26 »
Zitat von: Herzblatt am 12. August 2020, 11:22:45
Es gibt ja eine Info-Nummer vom Arbeitsamt, 0800 nochwas... Kann man da anrufen, um sich zu informieren, oder ist das eher nicht so gut für mich?
Welche Art Information hättest Du gerne?

Zitat von: Herzblatt am 12. August 2020, 11:22:45
Dann ist der Monat schon fast rum, die Miete bald fällig.... Das reicht zeitlich auch nicht mehr, um einen neuen Job anzunehmen. Gewissermaßen müsste ich den dann auch sofort finden usw.
Weder JC noch AfA werden Dir so schnell Geld geben, dass Du am 3. Deine Miete zahlen kannst.
Ich verspreche Dir: Du wirst nie einen anderen Job finden, wenn Du nicht anfängst, danach zu suchen. Aber wenn Du beginnst, besteht zumindest die Chance.

Zitat von: Herzblatt am 12. August 2020, 11:22:45
Es könnte theoretisch, vielleicht, eventuell möglich sein, dass noch ein Kunde diese Woche in Bar seine Rechnung bezahlt. Dann wüsste ich frühestens Ende nächster Woche sicher, ob ein Gehalt fließt oder nicht.
Warum denkst Du, gerade Du würdest Dein Gehalt bekommen, sollte Deine Arbeitgeberin Geld bekommen? Warum nicht Deine Kollegen?

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Offline Herzblatt

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Re: Selbst kündigen bei Lohnausfall
« Antwort #11 am: 12. August 2020, 11:29:50 »
Na, eine Info wie das jetzt laufen kann/soll?!

Ist das jetzt von dir jetzt eine wirklich qualifizierte Info, dass ich am 3. meine Miete so oder so nicht zahlen kann. Das Jobcenter zahlt möglicherweise, wenn ich jetzt vorstellig werden würde.... Könnte knapp werden klar. Mal abgesehen davon, dass unsere Wohnung zu groß ist usw.

Ich weiß auch gar nicht, wie ich das bei dieser Hitze überhaupt hinkriegen soll. Ich mache ständig Fehler und vergesse Dinge, bin total platt.

LG

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Re: Selbst kündigen bei Lohnausfall
« Antwort #12 am: 12. August 2020, 11:34:27 »
Zitat von: Herzblatt am 12. August 2020, 11:29:50
Ich weiß auch gar nicht, wie ich das bei dieser Hitze überhaupt hinkriegen soll. Ich mache ständig Fehler und vergesse Dinge, bin total platt.
Wenn Du nicht fähig bist zu arbeiten, bist Du AU (-> krank schreiben lassen).

Zitat von: Herzblatt am 12. August 2020, 11:29:50
Ist das jetzt von dir jetzt eine wirklich qualifizierte Info, dass ich am 3. meine Miete so oder so nicht zahlen kann.
Nö. Woher denn. Aber so schnell kann kaum jemand sein. Egal wie vertrauenswürdig Du wirken magst - Deine Angaben werden so oder so überprüft.

Na, eine Info wie das jetzt laufen kann/soll?!
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Re: Selbst kündigen bei Lohnausfall
« Antwort #13 am: 12. August 2020, 11:52:30 »
Vielleicht ist meine Nachfrage ja untergegangen .....
Wenn das letzte Gehalt ausgeblieben ist

Wann wäre das letzte Gehalt denn fällig gewesen?

Und noch zusätzlich: Hast du deinen AG bereits angesprochen auf die verzögerte Lohnzahlung?
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