hartz.info erhebt und verarbeitet Daten um seine Dienste bereitzustellen, Anzeigen zu personalisieren und Fehler zu analysieren.
Teilweise benötigen wir dazu deine Zustimmung, diese kannst du jederzeit widerrufen. Mehr Infos dazu gibt es hier.
Mit Klick auf "Cookies ablehnen" kannst du die erforderliche Zustimmung ablehnen.

Ich stimme zu

Autor Thema: ärztliche begutachtung im SG Verfahren  (Gelesen 5363 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline jeschik

  • Vielschreiber
  • ***
  • Beiträge: 517
Re: ärztliche begutachtung im SG Verfahren
« Antwort #15 am: 09. Oktober 2020, 13:24:23 »
Zitat von: Phoenix am 09. Oktober 2020, 12:22:20
Mach Dir mal keine Sorgen!
Du hast jederzeit die Möglichkeit den Gutachter im SG-Verfahren über den Inhalt seines Gutachtens zu befragen und er muss es Dir verständlich erklären.
Du meinst hier sicher wenn das Gutachten schon fertiggestellt wurde, habe ich die möglichkeit Rückfragen zu stellen?
Weiss jemand ungefähr was auf einen im Gutachten zukommt, mal abgesehen von der orthopädischen Untersuchung ?
Gibt es hier feste Fragestellungen die der Gutachter für das SG beantwortet haben muss ?

Zitat von: Phoenix am 09. Oktober 2020, 12:22:20
Enthält das Gutachten Fehler ist es in der Verhandlung angreifbar und kann (wenn vorliegt)  wegen Mängel der Begutachterrichtlinien auch abgelehnt werden.
Gibt es den allgemeine feste Richtlinien für eine Begutachtung in einer SG Sache ?
Ich habe gelesen, das es ganz wenige Gutachter geben soll, die Fachlich dazu qualifiziert wären chronische Schmerzen entsprechend einzustufen. Das wird also bestimmt ein Problem werden.

Offline Phoenix

  • schon länger hier
  • **
  • Beiträge: 352
Re: ärztliche begutachtung im SG Verfahren
« Antwort #16 am: 09. Oktober 2020, 15:07:57 »
@ Jeschik
Ein Gutachter wird beauftragt um entscheidungserhebliche Fragen des SG zu klären.
Ein Anhaltspunkt:
Die Begutachtung chronischer Schmerzen erfordert  Kompetenzen  in  der  Beurteilung  körperlicher  und  psychischer Störungen. Darum  wohl ein weiterer Psycho-Gutachter.

Eine rein somatisch orientierte  Begutachtung  ist  ebenso  unzureichend  wie eine rein psychologische Beurteilung.
Die Begutachtung muss stets auf den Einzelfall ausgerichtet sein.
Zwingend ist eine umfassende biografische Anamnese, eine spezielle Schmerzanamnese, ein sorgfältiger körperlicher Befund und ein ausführlicher psychopathologischer Befund.

Psychische  Komorbiditäten (Zusatzerkrankung zur Grunderkrankung)  sind zu erfassen und zu berücksichtigen.
Der  Schweregrad  der  Störung  muss ermittelt werden.

Offline jeschik

  • Vielschreiber
  • ***
  • Beiträge: 517
Re: ärztliche begutachtung im SG Verfahren
« Antwort #17 am: 09. Oktober 2020, 15:54:39 »
Zitat von: Phoenix am 09. Oktober 2020, 15:07:57
Ein Gutachter wird beauftragt um entscheidungserhebliche Fragen des SG zu klären.
Darüber bin ich mir im klaren. Aber meinst Du ein orthopädischer Gutachter wird auch eine befragung zum privaten/beruflichen lebenslauf vornehmen? Hast du eine Ahnung welche punkte häufiger hinterfragt werden ?

Zitat von: Phoenix am 09. Oktober 2020, 15:07:57
Die Begutachtung chronischer Schmerzen erfordert  Kompetenzen  in  der  Beurteilung  körperlicher  und  psychischer Störungen. Darum  wohl ein weiterer Psycho-Gutachter.
bei einem reinen orthopäden muss man ja die kompetenz dazu absprechen psych. Störungen zu bewerten.
Mal sehen ob der orthop. Gutachter überhaupt dem SG mitteilen wird, das er ein weiteres psych. Gutachten für sinnvoll hält.

Zitat von: Phoenix am 09. Oktober 2020, 15:07:57
Die Begutachtung muss stets auf den Einzelfall ausgerichtet sein.
Zwingend ist eine umfassende biografische Anamnese, eine spezielle Schmerzanamnese, ein sorgfältiger körperlicher Befund und ein ausführlicher psychopathologischer Befund.
gibt es dinge die immer ein fester teil der biografischen anamnese sind ? Diese führt der Gutachter anhand einer befragung durch oder bekommt man da evtl. einen 15 Seiten Fragebogen vorgelegt, den man schriftlich dort ausfüllen muss ?

Zitat von: Phoenix am 09. Oktober 2020, 15:07:57
Psychische  Komorbiditäten (Zusatzerkrankung zur Grunderkrankung)  sind zu erfassen und zu berücksichtigen.
Der  Schweregrad  der  Störung  muss ermittelt werden.
Wegen des Kausalen zusammenhangs, werden wohl nur psych.Erkrankungen als Unfallfolgen gewertet, wenn diese als direkte Unfallfolgen anerkannt werden. Die Definition ist schon sehr seltsam, das heisst ja quasi Folgestörungen/Folgebeschwerden des Unfall wären keine direkten Unfallfolgen mehr.
 

Offline Phoenix

  • schon länger hier
  • **
  • Beiträge: 352
Re: ärztliche begutachtung im SG Verfahren
« Antwort #18 am: 09. Oktober 2020, 16:23:22 »
1. Der Gutachter ist  an die Fragestellung des SG gebunden!

2. Eine Anamnese wird er sicher erstellen.

3. In der biografischen Anamnese (das ist Dein Lebenslauf) wird er sicher fragen nach:

    Historie (Geburt, Kindergarten, Schule, etc.)
    Familie (Beziehung zu Ehemann-/frau, Partner, Kinder, Eltern, Gesundheitsverhalten)
    Beruf (Ausbildung, Studium, Arbeitsplatz, Arbeitgeber, berufliche Situation)
    Lebenseinstellung (Werte, was ist wichtig im Leben, etc.)
    Außerfamiliäre Bereiche (Freizeitaktivitäten)

Die biografische Anamnese wird in der Psychosomatik und Psychotherapie eingesetzt. Sie ist für den Facharzt für Psychiatrie von essentieller Bedeutung, um das Krankheitsbild des Patienten in seiner Gesamtheit werten zu können.

4. Du kannst ein psychologisches Gutachten selbst beim SG beantragen, falls das orthopädische nicht die Zusammenhänge so würdigt, dass alle Krankheitsumstände in die gerichtliche Würdigung einfließen können.

Zur Kausalität kann ich nichts sagen, weil ich weder das Ereignis kenne welches zur Grunderkrankung geführt hat noch die Ursache der psychischen Störungen kenne.
« Letzte Änderung: 09. Oktober 2020, 16:42:54 von Phoenix »

Offline jeschik

  • Vielschreiber
  • ***
  • Beiträge: 517
Re: ärztliche begutachtung im SG Verfahren
« Antwort #19 am: 09. Oktober 2020, 17:15:46 »
Zitat von: Phoenix am 09. Oktober 2020, 16:23:22
3. In der biografischen Anamnese (das ist Dein Lebenslauf) wird er sicher fragen nach:

    Historie (Geburt, Kindergarten, Schule, etc.)
    Familie (Beziehung zu Ehemann-/frau, Partner, Kinder, Eltern, Gesundheitsverhalten)
    Beruf (Ausbildung, Studium, Arbeitsplatz, Arbeitgeber, berufliche Situation)
    Lebenseinstellung (Werte, was ist wichtig im Leben, etc.)
    Außerfamiliäre Bereiche (Freizeitaktivitäten)

Die biografische Anamnese wird in der Psychosomatik und Psychotherapie eingesetzt. Sie ist für den Facharzt für Psychiatrie von essentieller Bedeutung, um das Krankheitsbild des Patienten in seiner Gesamtheit werten zu können.
bisher wurde solch eine Anamnese noch nie mit mir durchgeführt. bei einem orth. Gutachten wäre solch eine Anamnese dann sicher unüblich.

Zitat von: Phoenix am 09. Oktober 2020, 16:23:22
4. Du kannst ein psychologisches Gutachten selbst beim SG beantragen, falls das orthopädische nicht die Zusammenhänge so würdigt, dass alle Krankheitsumstände in die gerichtliche Würdigung einfließen können.
Gut zu wissen Danke

Zitat von: Phoenix am 09. Oktober 2020, 16:23:22
Zur Kausalität kann ich nichts sagen, weil ich weder das Ereignis kenne welches zur Grunderkrankung geführt hat noch die Ursache der psychischen Störungen kenne.
aber richtig beschrieben und verstanden habe ich das ganze mit der Kausalität nehme ich an ?

Offline Phoenix

  • schon länger hier
  • **
  • Beiträge: 352
Re: ärztliche begutachtung im SG Verfahren
« Antwort #20 am: 10. Oktober 2020, 11:30:30 »

...aber richtig beschrieben und verstanden habe ich das ganze mit der Kausalität nehme ich an ?
[/quote]

Beispiel 1:
Du hattest vor einem Unfall keinerlei Gehbeschwerden.
Nach dem Unfall ziehst Du ein Bein hinterher.
Der Kausalzusammenhang ist offensichtlich!
___________
Beispiel 2:
Vor dem Unfall warst Du Gang- und Stand unsicher.
Nach dem Unfall brauchst DU eine Krücke um Stürze zu vermeiden, weil sich die bestehenden Beschwerden verschlimmert haben.
Die Kausalität Unfall > Krücke ist schwer zu beweisen, nachdem bereits vor dem Unfall Gehbehinderung bestand.
Es sei denn es handelt sich unfallbedingt um eine so schwere Beinverletzung, dass eine Krücke auf Dauer notwendig ist.

Offline jeschik

  • Vielschreiber
  • ***
  • Beiträge: 517
Re: ärztliche begutachtung im SG Verfahren
« Antwort #21 am: 10. Oktober 2020, 12:47:14 »
Das klingt sehr plausibel und müsste vielfach wohl auch gerecht sein, wenn es um so offensichtliche Fälle geht. 
Bei mir ist es so das die psych.Beschweren erst viele viele Jahre nach dem Unfall gutachterlich erfasst wurden. Aus dem einfachen Grund, weil mir bis dahin nichtmal bewusst war, das psych. Beschwerden auch von der Uk mitbewertet werden.
Ich hatte jedenfalls vor dem Unfall keine psych. Beschwerden. Nun wird sich in dem psych. Gutachten darauf berufen, das zuviel Zeit seit Unfall vergangen wäre um die Beschwerden auf den Unfall zurück zu führen. Deswegen mein bestreben das ein weiteres psych. Gutachten nötig wäre.
Und orthopädisch ist es so, das bisher noch nie (chronische) Schmerzen und eingeschränkte belastungfähigkeit mit bewertet wurden, hier wurde immer nur starr nach gliedertaxe eingestuft, was in fall meiner verletzungen ziemlich absurd erscheint.
Es heisst ja eigentlich, das die mde Einstufung auch danach festgelegt wird, in welchem maß sich die eigene erbwerbsfähigkeit auf dem gesamten arbeitsmarkt verschlechtert hat.

Offline Phoenix

  • schon länger hier
  • **
  • Beiträge: 352
Re: ärztliche begutachtung im SG Verfahren
« Antwort #22 am: 10. Oktober 2020, 15:54:16 »
Das liest sich nicht gut!
Ab wann traten diese psychischen Beschwerden auf und wie äußerten die sich?
Gibt es Zeugen (Ehefrau, Kinder etc.) welche die psychischen Veränderungen nach dem Unfall bestätigen?

Ein 2. Psychogutachten wird den Kausalzusmmenhang nach so vielen Jahren m.E. nicht problemlos herstellen.
Wird ein solches Psychogutachten nicht auf Deinen Antrag hin gerichtlich angeordnet, zahlst Du die Kosten (sicher ca. 1500 - 2000 € selber.
Gibst Du so ein Gutachten selber in Auftrag wird es von der Versicherung z.B. als "nutzloses" Parteigutachten gewertet.

Bei chronischen Schmerzen die durch den Unfall entstanden sind, müsstest Du danach dauerhaft Schmerzmittel-Rezepte erhalten haben (z.B. für Novaminsulfon, Tramadol u.ä.).
D.h. diese wären also beweisbar.

Man müsste die gesamte Krankenakte kennen um eine detaillierte Aussage machen zu können.

Vorsicht: Psychobeschwerden werden gern als Modekrankheit eingestuft!

Offline jeschik

  • Vielschreiber
  • ***
  • Beiträge: 517
Re: ärztliche begutachtung im SG Verfahren
« Antwort #23 am: 10. Oktober 2020, 17:09:11 »
Zitat von: Phoenix am 10. Oktober 2020, 15:54:16
Das liest sich nicht gut!
Ab wann traten diese psychischen Beschwerden auf und wie äußerten die sich?
Gibt es Zeugen (Ehefrau, Kinder etc.) welche die psychischen Veränderungen nach dem Unfall bestätigen?

Ich würde sagen das unfalltrauma ptbs entstand schon direkt nach dem unfall als Kind, wegen eines schweren verkehrsunfalls. Aber als Kind bist Du Dir ja nicht darüber bewusst, das man psychisch krank wäre. Wenn ich die beschwerden schildern würde wird es zu lang, da müsste man zu allen einzelheiten zu weit ausholen. aber laut gutachten ist eine anpassungstörung und persönlichkeitsstörung diagnostiziert. und von mir im kurzen wiedergegeben, ich denke das meine komplette entwicklung durch den unfall stark negativ beeinflusst wurde, wegen diesen psych. und orthop. beschwerden, auf alle lebensphasen und lebenssiutationen bezogen.
Zum Thema zeugen, hier ist es ja sehr schwierig jemand zu benennen. Es sind ja vielfach keine so offensichtlichen veränderungen. Sonst wäre doch auch damals nach dem Unfall ein Elternteil mit mir bei einem Arzt gewesen. Lange habe ich mich davor auch verschlossen, jemandem von psych. Beschwerden zu berichten, da ich dies als schwäche gesehen habe damals,  sicher auch aus den aufgrund dem unfall resultirenden starken minderwertigkeitskomplexen.
Offensichtlicher werden dann erst die späteren resultate, wie schlechter schul und berufsbildung, sozialer rückzug bei allem, langzeitarbeirbeitslosigkeit, beziehungsunfähigkeit etc.

Zitat von: Phoenix am 10. Oktober 2020, 15:54:16
Ein 2. Psychogutachten wird den Kausalzusmmenhang nach so vielen Jahren m.E. nicht problemlos herstellen.
Wird ein solches Psychogutachten nicht auf Deinen Antrag hin gerichtlich angeordnet, zahlst Du die Kosten (sicher ca. 1500 - 2000 € selber.
Gibst Du so ein Gutachten selber in Auftrag wird es von der Versicherung z.B. als "nutzloses" Parteigutachten gewertet.
Dann hoffe ich das hier ein weiteres Gutachten in auftrag gegeben wird, ansonsten werde ich das abhaken müssen.

Zitat von: Phoenix am 10. Oktober 2020, 15:54:16
Bei chronischen Schmerzen die durch den Unfall entstanden sind, müsstest Du danach dauerhaft Schmerzmittel-Rezepte erhalten haben (z.B. für Novaminsulfon, Tramadol u.ä.).
D.h. diese wären also beweisbar.
Genau über diese Thematik habe ich mir schon des öfteren gedanken gemacht, aber von einem anderen blickwinkel.
Das ich wegen der Tatsache, das ich keine schmerzmittel verschrieben bekomme, zu meinem nachteil minder eingestuft werde.
ich nehme nur ganz selten jegliche art von chemie,dazu zählen auch schmerzmittel und das weil ich weiss das diese immer nebenwirkungen haben. Wenn ich über Jahre schmerzmittel regelmässig eingenommen hätte, würde ich eine ganze menge weiterer gesundheitsbeschwerden haben. Ich kenne einige die schon dadurch die leber und nieren kaputt haben.
Aber ein super system, mit schmerzen erst ernstgenommen werden, wenn man jeden tag schmerzmittel nimmt!  Und der jenige der beim Zahnarzt keine Spritze erhalten will, hat demnach auch keine schmerzen bei der behandlung, wa?
Ich finde allgemein wird es sich von den ärtzten zu einfach gemacht.

« Letzte Änderung: 10. Oktober 2020, 17:25:44 von jeschik »

Offline Phoenix

  • schon länger hier
  • **
  • Beiträge: 352
Re: ärztliche begutachtung im SG Verfahren
« Antwort #24 am: 10. Oktober 2020, 18:10:10 »
Einfache Frage: Welches Ziel verfolgst Du mit der Klage und
welche orthopädischen Beschwerden sollen diagnostiziert (gutachterlich bestätigt) werden?


Einen Kausalzusammenhang des vorliegenden Posttraumatischen Belastungssyndroms und einem Unfall in der Kindheit herzustellen dürfte fast unmöglich sein, obwohl es das real gibt.
Das aber ist dann Inhalt der biographischen Anamnese und das würde ich an Deiner Stelle ihm auch als Begründung für ein Psychogutachten sagen.
« Letzte Änderung: 10. Oktober 2020, 18:38:02 von Phoenix »

Offline blaumeise

  • Urgestein
  • ****
  • Beiträge: 2668
Re: ärztliche begutachtung im SG Verfahren
« Antwort #25 am: 10. Oktober 2020, 18:34:22 »

Zitat von: blaumeise am 07. Oktober 2020, 12:40:10
Dem Gutachter gegenüber kannst du deine schriftlichen Aufzeichnungen damit begründen, dass du vor Aufregung meist die Hälfte vergisst und ihm daher alles zusätzlich noch schriftlich geben möchtest.
Das ist eine gute Idee, dies entspricht ja auch der Wahrheit. Also meinst Du dem Thema mögliche beeinflussung muss man in dem zusammenhang keine grosse bedeutung schenken?


Ich sehe da keine mögliche Beeinflussung. Es ist so, dass ein Arzt dich begutachten will und du musst ihm logischerweise Informationen über dich geben, wie das bei jedem anderen Arztbesuch auch wäre. Ob du ihm die Infos nur mündlich oder auch schriftlich gibst, weil du so nichts vergisst, ist doch egal. Wenn der Orthopäde es für nötig hält, wird er dich zusätzlich auch noch körperlich untersuchen.

Wenn ich mich recht erinnere, musste ich vor meinem Gutachtertermin für die RV sogar auf Verlangen des Arztes eine ganze Menge Papiere ausfüllen mit den Angaben von Kinderkrankheiten bis Hastenichtgesehen.

Bei jedem Arztgespräch tauscht man sich erst mal mündlich aus. In dieser speziellen Situation - es geht immerhin vor Gericht - ist es verständlich, dass du nichts vergessen willst und sicherheitshalber nochmal alles schriftlich zusammengefasst hast.

Offline jeschik

  • Vielschreiber
  • ***
  • Beiträge: 517
Re: ärztliche begutachtung im SG Verfahren
« Antwort #26 am: 10. Oktober 2020, 19:31:49 »
Zitat von: Phoenix am 10. Oktober 2020, 18:10:10
Einfache Frage: Welches Ziel verfolgst Du mit der Klage und
welche orthopädischen Beschwerden sollen diagnostiziert (gutachterlich bestätigt) werden?
auf beiden fachgebieten höher eingestuft zu werden. ich denke mal die gesamten orthopädischen beschwerden sollen diagnostiziert werden, oder denkst du nicht? Die Unfallgrundverletzungen, aktuelle veränderliche beschwerden der grundverletzung.

Zitat von: Phoenix am 10. Oktober 2020, 18:10:10
Einen Kausalzusammenhang des vorliegenden Posttraumatischen Belastungssyndroms und einem Unfall in der Kindheit herzustellen dürfte fast unmöglich sein, obwohl es das real gibt.
Das aber ist dann Inhalt der biographischen Anamnese und das würde ich an Deiner Stelle ihm auch als Begründung für ein Psychogutachten sagen.

Das dies sehr schwierig ist glaub ich, aber ich glaube du hast vollkommen recht, der einzigste weg ist da eine ausgiebige biographische Anamnese. Deswegen ist man darauf angewiesen das sich überhaupt jemand viel Zeit nimmt und die nötigen dinge zu papier bringt. Ich selbst weiss ja auch garnicht in welcher Form und welchem Umfang ich was schriftlich vorbereiten sollte.

Zitat von: blaumeise am 10. Oktober 2020, 18:34:22
Ich sehe da keine mögliche Beeinflussung. Es ist so, dass ein Arzt dich begutachten will und du musst ihm logischerweise Informationen über dich geben, wie das bei jedem anderen Arztbesuch auch wäre. Ob du ihm die Infos nur mündlich oder auch schriftlich gibst, weil du so nichts vergisst, ist doch egal. Wenn der Orthopäde es für nötig hält, wird er dich zusätzlich auch noch körperlich untersuchen.
Danke, das bestärkt mich! Bin nur was vorbelastet, bei einem letzten gutachten hatte ich einige seiten vorbereitet, diese wollte ich dem arzt übergeben, doch ich sollte ihm daraus nur das wichtigste vorlesen. War da auch total im schock und habe das dann mit gemacht, bin dann so vor den kopf gestossen das ich mich nichtmehr vebal einsetzen oder wiedersetzen könnte. Am Ende hab ich dann nochmal meinen Mut zusammen genommen und habe ihm gesagt, auf meinen Notizen würden noch wichtige dinge drauf stehen, ich würde ihm die gerne da lassen. Dies wurde dann abgelehnt, würde er nicht brauchen. 

Offline blaumeise

  • Urgestein
  • ****
  • Beiträge: 2668
Re: ärztliche begutachtung im SG Verfahren
« Antwort #27 am: 10. Oktober 2020, 19:47:36 »
Zitat von: jeschik am 10. Oktober 2020, 19:31:49
Dies wurde dann abgelehnt, würde er nicht brauchen. 
Kann passieren. Behalte es, wenn, im Hinterkopf. Denn der Arzt muss natürlich alles Relevante berücksichtigen. Und wenn du bereits gesagt hast, dass du vor Aufregung die Hälfte vergisst, dann wäre es sinnvoll, wenn er die Unterlagen nimmt. Falls dir die Untersuchung zu oberflächlich erscheint, dann hast du sicher auch noch die Möglichkeit, das später vor Gericht zu erwähnen.

Zitat von: jeschik am 10. Oktober 2020, 19:31:49
Bin nur was vorbelastet, bei einem letzten gutachten hatte ich einige seiten vorbereitet, diese wollte ich dem arzt übergeben, doch ich sollte ihm daraus nur das wichtigste vorlesen.
Darauf kannst du dich diesmal vorbereiten. Du hast eine Kopie, nimm einen Markierer und streich dir an, was du für wesentlich hältst. Oder du bringst das, was du sagen willst, von vornherein kurz und knapp auf den Punkt bzw. auf maximal eine Seite. Das ist sowieso empfehelnswert, damit der Gutachter keinen Roman lesen muss, den er dann nur kurz überfliegt.

Offline jeschik

  • Vielschreiber
  • ***
  • Beiträge: 517
Re: ärztliche begutachtung im SG Verfahren
« Antwort #28 am: 10. Oktober 2020, 20:18:48 »
Zitat von: blaumeise am 10. Oktober 2020, 19:47:36
Darauf kannst du dich diesmal vorbereiten. Du hast eine Kopie, nimm einen Markierer und streich dir an, was du für wesentlich hältst. Oder du bringst das, was du sagen willst, von vornherein kurz und knapp auf den Punkt bzw. auf maximal eine Seite. Das ist sowieso empfehelnswert, damit der Gutachter keinen Roman lesen muss, den er dann nur kurz überfliegt.
die orthopädischen beschwerden bekomme ich vll. noch auf eine Seite, die psych. beschwerden bekomme ich niemals auf eine seite.
ortho. ist es schwer als laie schmerzen zu beschreiben die so unterschiedlich sind, dazu noch an verschiedensten bereichen der hauptsächtlich geschädigten körperpartie. psych. ist es auch sehr schwierig, wenn man alleine gefühle/beschwerden  in kurzworten notiert, hat das in meinen augen keine richtige aussagekraft. und wenn man so einige fallbeispiele von realen belastungen ab unfall notiert, kommt schnell einiges geschriebenes zusammen.
komme mir jetzt schon blöd vor wenn ich dem ortho. gutachter solche zahlreichen fallbeispiele von mir mitbringen würde, die die psyche betreffen. Aber vieles kann man doch nur in sätzen wiedergeben.
Eine starke entscheidungsschwäche und selbstzweifel habe ich auch, weswegen ich immer hin und her gerissen bin, selbst bei dieser thematik des notizen der beschwerden anfertigen. Da fängste was an, dann löscht man es, dann fängt man wieder an, dann hinterfragt man sich dauernd, kannst du das so schreiben, ist dies oder das too much.  :wand: Ich sag euch, das kann echt anstregend sein, wenn man da nicht mehr den inneren ausschalter finden kann.
 

Offline Phoenix

  • schon länger hier
  • **
  • Beiträge: 352
Re: ärztliche begutachtung im SG Verfahren
« Antwort #29 am: 11. Oktober 2020, 14:49:39 »
Zitat von: Phoenix am 10. Oktober 2020, 18:10:10
Einfache Frage: Welches Ziel verfolgst Du mit der Klage und
welche orthopädischen Beschwerden sollen diagnostiziert (gutachterlich bestätigt) werden?
auf beiden fachgebieten höher eingestuft zu werden. ich denke mal die gesamten orthopädischen beschwerden sollen diagnostiziert werden, oder denkst du nicht? Die Unfallgrundverletzungen, aktuelle veränderliche beschwerden der grundverletzung.

Du willst also einen höheren GdB erreichen. Dann musst Du auch daran denken, dass der GdB ca. alle 2 Jahre auf Aktualität überprüft wird. Das  kann auch eine Rückstufung bedeuten!!!

Ein höherer GdB bringt Dir eigentlich nur dann einige Vorteile wenn Du noch in Arbeit stehst, oder eine Arbeitsaufnahme durch das JC unmittelbar bevorsteht bzw. Du Bewerbungen schreiben musst.

Das JC darf Dich nur nach Deinen noch vorhandenen Fähigkeiten unter Berücksichtigung der körperlichen / geistigen Beschwerden vermitteln.

Beziehst Du aber bereits EM-Rente oder Grundsicherung ist ein höherer GdB praktisch unbedeutend.
Wieviel % GdB hast Du derzeit?

Mir persönlich würde ein GdB von locker 70 % zustehen.
Ich habe mich aber mit 50 % zufrieden gegeben weil diese unbefristet also lebenslang gelten und ich damit künftige Nachprüfungen und evtl. Streit vermeide.






« Letzte Änderung: 11. Oktober 2020, 15:08:51 von Phoenix »