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Autor Thema: Aufstockung und Unterhalt  (Gelesen 695 mal)

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Offline Nahanphi

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Aufstockung und Unterhalt
« am: 10. Oktober 2020, 16:37:33 »
Hallo zusammen und danke für die Aufnahme in diesem Forum.

Wir sind Aufstocker seit der Geburt unserer gemeinsamen Tochter im März diesen Jahres. Mein Mann arbeitet 30 Std und hat einen guten Stundenlohn und verdient im Durchschnitt 1650 Euro. Er hat 2 Kinder aus einer früheren Beziehung, die natürlich auch ihren Unterhalt bekommen. Da mein Mann von Anfang des Jahres bis jetzt krank war und auch Krankengeld bezogen hat, hat er die Unterhaltszahlungen eingestellt und unser Anwalt hat bereits einen Antrag auf Abänderung gestellt wegen des geringeren Einkommens und der Geburt unserer Tochter.
Nun hat man sich außergerichtlich nach Monaten des Papierkrieges darauf geeinigt, dass ab nächsten Monat der titulierte Unterhalt für beide Kinder gezahlt wird. Das sind 168 und 134 Euro.
Dazu kommt, dass er eine Gehaltspfändung hat von mehreren zehntausend Euro für unterhaltsrückstände. Nun wird monatlich alles was über 1165 Euro verdient wurde gepfändet. Ab März kommt dann der Unterhalt dazu. Ich werde bei der pfändungsfreigrenze nicht berücksichtigt, da ich noch Elterngeld bekomme.

Nun ist meine Frage ob der Unterhalt irgendwie als außergewöhnliche Belastung angerechnet wird?

Mein Mann ist Pflegeassistent und verdient 14 Euro die Stunde, nun fordert die arbeitsvermittelung natürlich das er vollzeit arbeitet und schickt ihm immer wieder Stellenangebote für 40 Std zu wo er viel weniger Stundenlohn bekommt als jetzt. Und solange eine Gehaltspfändung vorliegt kommt er eh nicht über den Satz. Ich Weiss nicht wie ich mich ausdrücken soll.

Es ist natürlich eine scheiss Situation, aber das ist mir hinterher erst alles klar geworden.

Kann uns jemand helfen?

Liebe Grüße

Offline crazy

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Re: Aufstockung und Unterhalt
« Antwort #1 am: 10. Oktober 2020, 19:50:02 »
Für Alg2 wird der Barunterhalt als Absetzbetrag vom Netto Einkommen abgezogen. Aber nur titulierter.
Die Pfändung der Unterhaltsschulden wird nicht berücksichtigt, wäre ja auch etwas absurd, wenn das JC die Schuldentilgung zahlen würde  das ist Privatsache.
Kann dein Mann eventuell eine zweite Stelle als Minijob annehmen oder kannst Du was zum Elterngeld hinzuverdienen?Dein Mann hat ja nur 30 Stunden Woche, da ist ja Luft.
Was er nicht muss ist  seine gut bezahlte Stelle aufgeben, um mit gleichem Verdienst Vollzeit zu arbeiten  oder gar mit weniger EK rausgehen. Dass er schon auf Grund der Unterhaltsschuld für drei Kinder gesteigerter Erwerbsobliegenheit unterliegt wisst ihr ja.

Offline Nahanphi

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Re: Aufstockung und Unterhalt
« Antwort #2 am: 13. Oktober 2020, 10:06:02 »
Guten Morgen und vielen Dank für die Antwort crazy.

"Für Alg2 wird der Barunterhalt als Absetzbetrag vom Netto Einkommen abgezogen. Aber nur titulierter."

Was heisst das genau für doofe Menschen? :mail: Verstehe ich so, dass die 302 Euro, dass ist der genaue Betrag des titulierten Unterhaltes, auch nur angerechnet werden?

Die Pfändung der Unterhaltsschulden wird nicht berücksichtigt, wäre ja auch etwas absurd, wenn das JC die Schuldentilgung zahlen würde  das ist Privatsache.

Nee, dass stimmt nicht ganz. Da es sich um Unterhaltsrückstände handelt, wird das berücksichtigt aus aussergewöhnliche Belastung. Wir sprechen von fast 15.000 Euro. Der Gläubiger wollte 400 Euro monatlich haben, aber da wir das nicht aufbringen konnten und weniger angeboten haben, wird halt gepfändet.

Kann dein Mann eventuell eine zweite Stelle als Minijob annehmen oder kannst Du was zum Elterngeld hinzuverdienen?Dein Mann hat ja nur 30 Stunden Woche, da ist ja Luft.

Nein, das ist nicht möglich. Er ist zwar auf 30 Std eingestellt, arbeitet aber vollschichtig im 3 Schicht System.

Und ich kann auch nichts dazu verdienen. Ich habe hier niemanden, der sich um unsere Kleine kümmern könnte. Wir haben ein Schreikind und da ist das nicht so einfach. Omas wohnen über 100 km weit weg und zu einer besteht seitens meines Mannes schon Jahrelang kein Kontakt.


Online Sheherazade

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Re: Aufstockung und Unterhalt
« Antwort #3 am: 13. Oktober 2020, 10:40:32 »
Die Pfändung der Unterhaltsschulden wird nicht berücksichtigt, wäre ja auch etwas absurd, wenn das JC die Schuldentilgung zahlen würde  das ist Privatsache.

Nee, dass stimmt nicht ganz. Da es sich um Unterhaltsrückstände handelt, wird das berücksichtigt aus aussergewöhnliche Belastung.

Für das Finanzamt mag das zutreffen, ganz sicher aber nicht für das Jobcenter - die interessieren sich nicht für Schulden.
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Vergesst die Achse des Bösen, es ist die Achse des Blöden, die uns das Genick brechen wird.

Offline crazy

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Re: Aufstockung und Unterhalt
« Antwort #4 am: 13. Oktober 2020, 19:14:36 »
Ja, für Doofe: Der titulierte Betrag in Höhe von 302 wird für die Bedarfsberechnung vom Netto deines Mannes abgezogen. Dazu dann natürlich noch der Freibetrag aufs Erwerbseinkommen. Faktisch hat er dann noch etwas über 1000 Euro anrechenbares EK fürs JC.
Die Berechnung Pfändungsbeträge ist dann noch mal was anderes, da wird wieder ganz anders gerechnet. Wenn nicht hohe Fahrtkosten steht ein Teil des Freibetrages zur Schuldentilgung zur Verfügung, ohne dass ihr in die Unterdeckung geratet. Ist natürlich blöd, wenn die Schulden gegenüber den Kindern derartig hoch angehäuft wurden. Nahezu kaum zu schaffen diese Schuld abzutragen. Da heißt es noch ein paar Jahre Gürtel eng und durchhalten.

Offline Nahanphi

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Re: Aufstockung und Unterhalt
« Antwort #5 am: 14. Oktober 2020, 23:46:22 »
Hallo und danke nochmal für die Antworten.

Ohne Scheiss, ich kann es tatsächlich nachweisen, dass das JC die Pfändung der Unterhaltsrückstände berücksichtigt.

Ich wurde auch deswegen angeschrieben, ob wir möchten, dass sein Durchschnittseinkommen festgesetzt wird. Da ich aber nicht weiss, welche Vor- und Nachteile das hat, habe ich darauf bis jetzt nicht reagiert.

Mal als Beispiel... Im neuen Bescheid werden Brutto 1650 angerechnet, netto aber nur 1059... Mein Mann hat diesen Monat, aktuelle Abrechnung von heute, 1800 brutto verdient, 1535 netto minus Pfändung und Vorschuss bleiben 651. Vorschuss sind 400. Davon gehen jetzt noch 302 Unterhalt weg morgen, dass heisst es werden dann 749 angerechnet oder ist das falsch?

Das das eine total beschissene Situation ist, ist war und ohne mich würde er es glaube ich immer noch schleifen lassen.  :wand: ich seh es aber so, dass die Kinder auf ihr Geld brauchen.

Offline crazy

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Re: Aufstockung und Unterhalt
« Antwort #6 am: 15. Oktober 2020, 06:31:26 »
Nein das JC rechnet von 1800 den Freibetrag. Also 300 frei macht anrechenbares EK von 1235, abzüglich 302 Unterhalt ergibt 933 EK , dazu noch dein Elterngeld und das Kindergeld für ein drittes Kind(euer gemeinsames).
Ihr habt immer bis zu 300 mehr als nur Regelsatz und Miete für euch.
Was sie von den 1535 Euro als Rückzahlung Unterhalt pfänden weißt Du ja

Online Sheherazade

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Re: Aufstockung und Unterhalt
« Antwort #7 am: 15. Oktober 2020, 09:54:01 »
Also 300 frei

330€ wäre hier der Freibetrag auf Erwerbseinkommen, wenn ich mich nicht irre.
Prävention ist keine Hysterie, Ignoranz kein Mut.

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