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Autor Thema: "Ich fühle mich dazu in der Lage 3 Stunden am Tag arbeiten": Was ankreuzen?  (Gelesen 477 mal)

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Offline sterben

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Ich würde gerne Sozialgeld beantragen. Ich bin seit Monaten krank, befinde mich in ärztl Behandlung und kriege starke Schmerzmedikamente, bin über 25 und wohne alleine. Vorher habe ich nach dem Studium für paar Monate gearbeitet bis ich krank (und arbeitslos) wurde. (Die Krankheit ist nicht heilbar)


A) Ich kann momentan überhaupt nicht arbeiten aus meiner Sicht. (Schmerzen, Alltagseinschränkung) Wenn ich beim Antrag die Frage "Ich fühle mich gesundheitlich dazu in der Lage mindestens 3 Stunden am Tag zu arbeiten" mit "nein" ankreuze, dann kommt ja wahrscheinlich ein Amtsarzt.

Ich gehe sehr davon aus, dass der Amtsarzt sagen wird, dass ich nicht arbeiten kann. Aber ich male mal den Teufel an die Wand: Was ist wenn der Amtsarzt anderer Meinung ist . Dann stehe ich ja mit nichts da (?)

B) Ich habe mir auch überlegt, "Ja" anzukreuzen und ein Schreiben beizufügen, in dem drin steht dass ich nicht arbeiten kann und meine Situation schildere.  Aber der Nachteil wäre natürlich, dass der Sachbearbeiter das Schreiben ignoriert und sagt "Sie haben doch Ja angekreuzt, also können Sie auch arbeiten".

Was ist besser euerer Meinung nach in meiner Situation?   A) oder B) ?


Online Fylou

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Erst einmal unterscheiden zwischen "arbeitsfähig" und "erwerbsfähig".

Arbeitsfähig bedeutet, dass du im Moment nicht arbeiten kannst, grundsätzlich aber schon. Beispiel: eine Erkrankung die auskuriert wird und vorübergehend ist.
Erwerbsfähig ist die grundsätzliche Fähigkeit für sich zu sorgen. Dort wird dann unterteilt in vorübergehend (max 6 Monate) erwerbsunfähig und dauerhaft erwerbsunfähig/erwerbsgemindert.

Kreuzt du jetzt an, dass du grundsätzlich nicht mehr als 3 Stunden/täglich arbeiten kannst wird der Amtsarzt entscheiden.

-> Befindet er dich für vorübergehend (!) erwerbsunfähig, bleibst du im ALG2-Bezug.
-> Befindet er dich für erwerbsfähig, bleibst du im ALG2-Bezug aber kannst dich trotzdem von deinem Facharzt arbeitsunfähig schreiben lassen.
-> Befindet er dich für länger als 6 Monate erwerbsunfähig, wirst du in den SGB XII-Bereich fallen.

So oder so wird dein finanzieller Bedarf entweder durch ALG2 oder Grundsicherung (SGB XII) gesichert.

Offline sterben

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Okay, das danke für die Info. Also kann ich zunächst beruhigt "nein" ankreuzen, ohne dass das Jobcenter Ärger macht? Es gibt ja Gerüchte, wie das Jobcenter reagiert, je nachdem was man ankreuzt

Offline mali123

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fylou guter beitrag. immer wieder top :sehrgut:

was sind die voraussetzungen für XII??
„In tausend Sklaven stecken 999 Sklavenhalter.“
―Emil Gött

Online Fylou

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Das Sozialamt wird einen Antrag immer erst annehmen wenn die Erwerbsfähigkeit geklärt ist. Daher ist das JC dann der erste Weg, alles andere müssen beide Träger dann unter sich klären.

Die Sozialhilfe ist die letzte Absicherung in unserem Sozialsystem, daher müssen die vorrangigen Ansprüche (ALG1, ALG2, Wohngeld, EU/EM-Rente...) vorher abgeklärt werden. Bis dahin muss das JC einspringen, aufrechnen können die dann untereinander.

Man kann natürlich auch ankreuzen "über 3h/Tag" und dann die laufenden AU einreichen. Die befreien nicht von der Bewerbungspflicht und auch nicht zwangsweise von der Pflicht beim JC zu erscheinen wenn mit einem gültigen Grund geladen wird; aber das JC wird dann von sich aus die Erwerbsfähigkeit beim ärztlichen Dienst überprüfen lassen.

Wie lange bist du denn jetzt arbeitsunfähig und wie lange denkst du, wird das so bleiben?

Offline sterben

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Danke für die Antwort! Seit über 4 Monaten schon. Und ich denke das wird noch mindestens mehrere Monate dauern.