Jobcenter meldet Eltern ans Jugendamt weil sie drei Termine verpasst haben

Begonnen von selbiger, 26. April 2026, 09:41:29

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eder, Schnuffel01 und 4 Gäste betrachten dieses Thema.

selbiger

Wer drei Meldetermine beim Jobcenter verpasst, verliert seinen kompletten Leistungsanspruch – auch dann, wenn dahinter eine Krankenhauseinweisung steckt, eine psychische Krise oder schlicht ein Brief, der nie ankam.

https://www.gegen-hartz.de/news/buergergeld-jobcenter-meldet-eltern-ans-jugendamt-weil-sie-drei-termine-verpasst-haben
Sich zu Tode arbeiten,ist die einzige gesellschaftliche anerkannte Form des Selbstmordes.

Die Menschen glauben viel leichter eine Lüge,die sie schon hundertmal gehört haben,als eine Wahrheit,die ihnen völlig neu ist.

Sheherazade

ZitatDas 13. SGB-II-Änderungsgesetz führt bei Meldeversäumnissen eine dreistufige Sanktionslogik ein. Wer einen Meldetermin unentschuldigt verpasst, bekommt den Regelbedarf im laufenden Monat um 10 Prozent gekürzt. Beim zweiten Versäumnis in Folge steigt die Kürzung auf 30 Prozent. Beim dritten aufeinanderfolgenden Termin greift § 7b Abs. 4 SGB II n.F. – die sogenannte Nichterreichbarkeitsfiktion.

Ab diesem Punkt läuft eine Monatsfrist: Die betroffene Person muss sich innerhalb von vier Wochen persönlich beim Jobcenter melden. Tut sie das nicht, gilt sie rechtlich als ,,nicht erreichbar" – unabhängig davon, ob sie tatsächlich unter ihrer Anschrift lebt und faktisch erreichbar wäre.

Die Fiktion ist eine juristische Unterstellung, kein Tatsachenbefund. Die Folgen sind vollständig: Es entfallen nicht nur der Regelbedarf, sondern auch die Kosten der Unterkunft und Heizung sowie die Absicherung über die gesetzliche Krankenversicherung.

Regt mich jetzt nicht so auf, wenn Arbeitnehmer sich so verhalten, sind die ihren Job und demnach ihr Einkommen noch schneller los - völlig ohne Härtefallprüfung.



"In Krisenzeiten suchen  die Intelligenten nach Lösungen, während die Schwachköpfe nach Schuldigen suchen." Totó 1898-1967
"Wir leben in einer Zeit, in der sich Dummheit nicht mehr versteckt, sondern gewählt, bezahlt, beklatscht und als Erfolg verkauft wird."
"Höher, schneller, weiter!" ist nicht das Problem. Das Problem ist: "Ich zuerst!", "Alles meins!" und "Mir doch egal!"

Vollloser

Grundsicherungsbezug mit einem Angestelltenverhältnis zu vergleichen, finde ich schwierich !
Wenn man von der Firma einfach eine Zeit lang weg bleibt - und das kann tatsächlich schon ein Tag lang ausreichen - werden die in der Firma eher eine Vermisstenanzeige bei der Polizei starten - wenn sie über nahe Angehörige nichts über den "verschwundenen" Kollegen erfahren können.
DESHLB fragen die bei einem Einstellungsverfahren in den Firmen auch immer nach Kontaktdaten von nahen angehörigen (für den Fall, dass mal "was passiert", oder so). Also so kenne ICH das noch.
Also so eine Firma hat da in Deutschland schon auch sowas wie eine "Sorgfaltspflicht", oder wie man das jetzt nennen will, gegenüber ihren Angestellten - würde ich mal so sehen !
Tja und SOWAS sollte man eigentlich dann auch von einem sozialstaatlichen Amt erwarten können. Denn der Staat wird sich final sowieso um jeden Menschen kümmern müssen - auch und spätestens dann, wenn es z. B. aus irgendeiner Wohnung irgendwann mal aus den Wohnungstürritzen anfängt komisch-penetrant zu stinken... !
Sei wirklich Kunde - und keine Ware !

Sheherazade

Zitat von: Vollloser am Heute um 08:25:48DESHLB fragen die bei einem Einstellungsverfahren in den Firmen auch immer nach Kontaktdaten von nahen angehörigen (für den Fall, dass mal "was passiert", oder so). Also so kenne ICH das noch.

Du bist dem Arbeitsmarkt schon länger fern, stimmt's?

Im übrigen mutet die Einstellung, dass man vom Jobcenter und Arbeitgebern elterliche Fürsorge bzw. Betreuungsdienste erwartet, schon etwas seltsam an.
"In Krisenzeiten suchen  die Intelligenten nach Lösungen, während die Schwachköpfe nach Schuldigen suchen." Totó 1898-1967
"Wir leben in einer Zeit, in der sich Dummheit nicht mehr versteckt, sondern gewählt, bezahlt, beklatscht und als Erfolg verkauft wird."
"Höher, schneller, weiter!" ist nicht das Problem. Das Problem ist: "Ich zuerst!", "Alles meins!" und "Mir doch egal!"

Vollloser

Zitat von: Sheherazade am Heute um 08:35:56Du bist dem Arbeitsmarkt schon länger fern, stimmt's?

Nein. Überhaupt nicht fern. Ich bin ja immer noch bei einem Jobcenter geführt !
Aber ja. ich bin inzwischen seit ein paar Jahren, so im mittleren einstelligen Bereich, bei dem Jobcenter erfolglos geführt.

Zitat von: Sheherazade am Heute um 08:35:56Im übrigen mutet die Einstellung, dass man vom Jobcenter und Arbeitgebern elterliche Fürsorge bzw. Betreuungsdienste erwartet, schon etwas seltsam an.

Elterliche Fürsorge, elterliche Fürsorge !?!?
Auf jeden Fall hat der deutsche Arbeitsmarkt den Charakter von "schulischer Fürsorge" !
Man bekommt sogar von den Firmen noch Zeugnisse ausgestellt, wenn man eine Firmer regulär per Kündigung z. B. verlässt (sog. "Arbeitszeugnis") !!
Ist das auch nicht mehr so ??
Sei wirklich Kunde - und keine Ware !

Sheherazade

Zitat von: Vollloser am Heute um 08:53:25Auf jeden Fall hat der deutsche Arbeitsmarkt den Charakter von "schulischer Fürsorge" !

Wir leben nunmal in einer Leistungsgesellschaft, auch wenn es für dich scheinbar schwer zu verstehen ist. In einer Leistungsgesellschaft sind Zeugnisse bzw. Bewertungen über individuelle Leistung, Können und Engagement wichtige Bescheinigungen für die Erwerbstätigenzeit - jedenfalls solange man Interesse an einer Erwerbstätigkeit hat.

Keine Ahnung, warum ich das jemandem erklären will, der seine gesamte Selbstfürsorge und Eigenverantwortung dem Staat übertragen will, so eine Einstellung kennt man hier im Westen nur von langjährig Inhaftierten.
"In Krisenzeiten suchen  die Intelligenten nach Lösungen, während die Schwachköpfe nach Schuldigen suchen." Totó 1898-1967
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Vollloser

Zitat von: Sheherazade am Heute um 09:34:01Wir leben nunmal in [...] [...] nur von langjährig Inhaftierten.

Keine weiteren Fragen euer Ehren !
Sei wirklich Kunde - und keine Ware !

peter_m

Zitat von: Vollloser am Heute um 09:38:23
Zitat von: Sheherazade am Heute um 09:34:01Wir leben nunmal in [...] [...] nur von langjährig Inhaftierten.

Keine weiteren Fragen euer Ehren !

Dass ein Arbeitgeber eine Vermisstenanzeige aufgibt, ist aber auch wirklich eine schräge Erwartungshaltung, sofern dem Arbeitgeber keine konkreten Hinweise vorliegen, die er mit der Polizei teilen könnte.

Da würde auch sofort wieder nach dem Datenschutz gerufen, wenn Arbeitgeber sich in die Privatangelegenheiten von Mitarbeitern einmischen.
Menschen wollen für sich selbst sorgen und daher müssen sie das auch, weil es an vielen Punkten verboten ist, dass dies jemand anders tut.

Man stelle sich vor, Arbeitslose bekommen nur noch vorgekochtes, gesundes Essen statt der Pauschale für Lebensmittel.

selbiger

Zitat von: peter_m am Heute um 11:23:40Man stelle sich vor, Arbeitslose bekommen nur noch vorgekochtes, gesundes Essen statt der Pauschale für Lebensmittel.


das würde einiges ändern..
Sich zu Tode arbeiten,ist die einzige gesellschaftliche anerkannte Form des Selbstmordes.

Die Menschen glauben viel leichter eine Lüge,die sie schon hundertmal gehört haben,als eine Wahrheit,die ihnen völlig neu ist.

Sheherazade

Ab und zu bekommt man den Eindruck, der eine oder andere User ist in einem Gulag aufgewachsen. Ist es so schwer zu verstehen, dass Freiheit auch Verantwortung für das eigene Leben bedeutet?
"In Krisenzeiten suchen  die Intelligenten nach Lösungen, während die Schwachköpfe nach Schuldigen suchen." Totó 1898-1967
"Wir leben in einer Zeit, in der sich Dummheit nicht mehr versteckt, sondern gewählt, bezahlt, beklatscht und als Erfolg verkauft wird."
"Höher, schneller, weiter!" ist nicht das Problem. Das Problem ist: "Ich zuerst!", "Alles meins!" und "Mir doch egal!"

anne

Das mit dem Notfallkontakt (freiwillig) kenne ich aber auch.

Sheherazade

Ja, ich auch, von Zeitarbeitsfirmen und bei AN mit bekannten Krankheiten wie Diabetes, Epilepsie u.ä. bzw. bei schwerbehinderten AN.
"In Krisenzeiten suchen  die Intelligenten nach Lösungen, während die Schwachköpfe nach Schuldigen suchen." Totó 1898-1967
"Wir leben in einer Zeit, in der sich Dummheit nicht mehr versteckt, sondern gewählt, bezahlt, beklatscht und als Erfolg verkauft wird."
"Höher, schneller, weiter!" ist nicht das Problem. Das Problem ist: "Ich zuerst!", "Alles meins!" und "Mir doch egal!"