Laub fegen und Müll aufheben:Pflichtjobs bei Grundsicherungsgeld sind gestartet

Begonnen von selbiger, 02. August 2026, 15:35:22

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Dwight Manfredi

Statistisch gesehen sinkt die Wahrscheinlichkeit, während einer laufenden Maßnahme eine reguläre Arbeit zu finden, im Vergleich zu Nicht-Teilnehmern oft ab. Der positive Effekt einer Maßnahme zeigt sich meist erst nach deren Ende.

Die Arbeitszeit und der Alltag werden durch die Maßnahme ausgefüllt. Dadurch bleibt weniger Zeit für die gezielte Jobsuche, das Schreiben von Bewerbungen oder die Wahrnehmung von Vorstellungsgesprächen.

Die Beschäftigten gewöhnen sich an den geregelten Tagesablauf und die feste Mehraufwandsentschädigung. Das verringert unter Umständen den Druck oder die Motivation, das vertraute Umfeld für den unsicheren Wechsel auf den ersten Arbeitsmarkt zu verlassen.

Sinnvoll sind diese Maßnahmen primär für Personen mit sehr großen Vermittlungshemmnissen und Personen die lange arbeitslos sind oder waren, um überhaupt erst wieder eine Tagesstruktur zu erlernen.

Eichhörnchen

Sei wirklich Kunde - und keine Ware !

Hary

Zitat von: Dwight Manfredi am 03. August 2026, 19:51:02Sinnvoll sind diese Maßnahmen primär für Personen mit sehr großen Vermittlungshemmnissen und Personen die lange arbeitslos sind oder waren, um überhaupt erst wieder eine Tagesstruktur zu erlernen.

Dem würde ich grundsätzlich zustimmen. Wer seit Jahren oder sogar Jahrzehnte aus dem Arbeitsleben heraus ist, der wird es selten schaffen eine Vollzeitstelle anzutreten und auch zu erhalten. So was braucht Zeit. Als erste Starthilfe kann das also wohl sinnvoll sein. Aber eine entsprechende fachliche Begleitung wäre da schon wichtig und nicht nur die Androhung von Sanktionen wenn es schief geht.

Noch besser wäre aber die Kooperation mit Unternehmen vor Ort wo solche Personen die Möglichkeit haben erst einmal langsam wieder Fuß zu fassen mit ein paar Stunden die Woche/Tag und dann alle Monate einmal schauen wie es klappt, ob die Belastung in Ordnung ist und ob man Stunden vielleicht ein bisschen erhöhen kann für mehr Geld. Im Idealfall mit einen kompetenten Coaching.

selbiger

Zitat von: Hary am 04. August 2026, 14:32:15Noch besser wäre aber die Kooperation mit Unternehmen vor Ort wo solche Personen die Möglichkeit haben erst einmal langsam wieder Fuß zu fassen mit ein paar Stunden die Woche/Tag und dann alle Monate einmal schauen wie es klappt, ob die Belastung in Ordnung ist und ob man Stunden vielleicht ein bisschen erhöhen kann für mehr Geld. Im Idealfall mit einen kompetenten Coaching.

sowas hatten wir mal..bei uns waren es organisationen wie förderverein..start..oder tüvacademy..nur mal um einige zu nennen..aber genau diese udn andere würden aus kostengründen getrichen..den doch lieber beschäftigungstherapy..damit wenigstens eine seite gut scheffeln kann.. :clever:
Sich zu Tode arbeiten,ist die einzige gesellschaftliche anerkannte Form des Selbstmordes.

Die Menschen glauben viel leichter eine Lüge,die sie schon hundertmal gehört haben,als eine Wahrheit,die ihnen völlig neu ist.

MaSchuff

Gab oder gibt es hier in Thüringen auch, das weiß ich von einer Bekannten, die sie da rein gezwungen haben. Die ist über 60 und war schon zu Beginn der "Maßnahme"fast nicht mehr arbeitsfähig, hat sich aber nicht gewehrt. Täglich8 Stunden Müll aufsammeln, übelste Drecksarbeit. Lohn: 1 Euro.

Sie konnte dann irgendwann nicht mehr, bzw. hatte ernsthafte orthopädische Probleme, so daß nichts mehr ging.

Aus der lokalen Presse habe ich die Info, daß zu solchen "Jobs" ältere deutsche Langzeitarbeitslose heran gezogen werden. Wie ich finde, eine Unverschämtheit, die wehren sich nicht, und ältere Leute sind ja eh kaum mehr in Vollzeit vermittelbar. Reine Schikane, solch eine Maßnahme.Sowas taugt meiner Meinung nach nicht dazu, ältere Langzeitarbeitslose wieder in Arbeit zu vermitteln.

Dwight Manfredi

Eine tägliche Arbeitszeit von 8 Stunden (Vollzeit) ist für Ein-Euro-Jobs absolut unüblich und rechtlich kaum zu begründen. Da diese Maßnahmen der sozialen Stabilisierung und dem (Wieder-)Einstieg dienen, werden sie in der Regel in Teilzeit (z. B. 15 bis 30 Stunden pro Woche) ausgestaltet.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) stellt regelmäßig fest, dass Ein-Euro-Jobs keine hohe Integrationswirkung in den ersten Arbeitsmarkt besitzen. Sie fungieren in der politischen Debatte und Praxis oft als Instrument zur ,,Aktivierung" oder Überprüfung der Arbeitsbereitschaft.

Ältere Langzeitarbeitslose ab 50 oder 60 Jahren haben statistisch die geringsten Chancen auf eine schnelle Vermittlung auf den ersten Arbeitsmarkt. Jobcenter nutzen für diese "marktferne" Gruppe häufiger reaktivierende oder stabilisierende Maßnahmen, da Qualifizierungen oder klassische Bewerbungstrainings oft als weniger erfolgversprechend angesehen werden.

Bei jüngeren Arbeitslosen unterliegen Jobcenter dem gesetzlichen Auftrag, diese prioritär in Ausbildung oder reguläre Arbeit zu vermitteln. Ein-Euro-Jobs werden bei ihnen seltener eingesetzt, um eine Verfestigung der Arbeitslosigkeit zu verhindern.

selbiger

Zitat von: Dwight Manfredi am 04. August 2026, 23:36:53Da diese Maßnahmen der sozialen Stabilisierung und dem (Wieder-)Einstieg dienen, werden sie in der Regel in Teilzeit (z. B. 15 bis 30 Stunden pro Woche) ausgestaltet.

der ist gut..das sah udn sieht seit jahren aber ganz anders aus..wer von denen hat den von da aus einen job in vollzeit mit vernünftigen löhnen bekommen..bzw wurde übernommen..soweit ich weis kannste das an den fingern abzählen..die meisten werden als billige sklaven missbraucht..staatlich organisiert..
Sich zu Tode arbeiten,ist die einzige gesellschaftliche anerkannte Form des Selbstmordes.

Die Menschen glauben viel leichter eine Lüge,die sie schon hundertmal gehört haben,als eine Wahrheit,die ihnen völlig neu ist.

MaSchuff

Zitat von: Dwight Manfredi am 04. August 2026, 23:36:53Eine tägliche Arbeitszeit von 8 Stunden (Vollzeit) ist für Ein-Euro-Jobs absolut unüblich und rechtlich kaum zu begründen. Da diese Maßnahmen der sozialen Stabilisierung und dem (Wieder-)Einstieg dienen, werden sie in der Regel in Teilzeit (z. B. 15 bis 30 Stunden pro Woche) ausgestaltet.

das habe ich auch nicht verstanden, es war aber so.

peter_m

Zitat von: selbiger am 05. August 2026, 06:40:38die meisten werden als billige sklaven missbraucht..staatlich organisiert..

Ich verstehe nicht, warum man sich als billiger Sklave fühlt, wenn man etwas für sein Bürgergeld tun soll.
Alle anderen, die jeden Monat Bürgergeldempfängern ihre Miete bezahlen, fühlen sich auch nicht als billige Sklaven der Hartzer.

Vielleicht hilft es, wenn es Bürgergeld nur noch gibt, wenn man einer "Bürgerarbeit" nachgeht. Dann ist der Stundenlohn deutlich höher als 1 Euro, weil das Bürgergeld nicht mehr als selbstverständlich angesehen wird.

Bei 20 Stunden pro Woche und 1000 Euro Bürgergeld pro Monat liegt man direkt bei 12,50 Stundenlohn, bei üblicherweise deutlich geringeren Anforderungen als auf dem 1. Arbeitsmarkt.
Klingt wie ein gutes Angebot.
Und wer das nicht annehmen will, kann ja anders gucken, wie er über die Runden kommt.

Unwissender

 :offtopic: Das war bei uns anfangs auch so, das die 1€ Jobler bei der Stadt "gearbeitet" haben (die Angestellten standen rum, oder machten Pause und die 1€ Jobber arbeiteten!

Daraufhin gab es massiv Beschwerden, da diese Tätigkeiten wohl nicht zusätzlich sind (denn wenn die ursprünglichen Arbeiter nur rumstehen und die andern die Arbeit machen lassen, ist das wohl nicht so), das die ganze Sache wieder abgeschafft wurde! :yes: 
Dumm darf man sein, man muss sich nur zu helfen wissen!

Rotti

Zitat von: Unwissender am 05. August 2026, 10:10:39Das war bei uns anfangs auch so, das die 1€ Jobler bei der Stadt "gearbeitet" haben (die Angestellten standen rum, oder machten Pause und die 1€ Jobber arbeiteten!
es werden immer Leute für dich abgestellt um dich zu beaufsichtigen das ist oder war ja vom JC vorgeschrieben die Tochterunternehmen der Stadt wird wohl keine 1€ Jobber bekommen.
Zitat von: peter_m am 05. August 2026, 09:42:00Bei 20 Stunden pro Woche und 1000 Euro Bürgergeld pro Monat liegt man direkt bei 12,50 Stundenlohn, bei üblicherweise deutlich geringeren Anforderungen als auf dem 1. Arbeitsmarkt.
Klingt wie ein gutes Angebot.
ja aber nur wenn du dann nicht mehr vom JC weiter vermittelt wirst außer ein Vollzeitjob z.b. bei der Stadt nach Tarif.
Geld regiert die Welt

Niemand will mehr Verteidiger sein. Das geht nicht!
Von Lothar Matthäus

Eichhörnchen

Zitat von: Dwight Manfredi am 04. August 2026, 23:36:53bis 30 Stunden pro Woche

30 Stunden ist aber auch schon ganz ordentlich.
Das ist ja auch schon fast bald Vollzeit.

Zitat von: peter_m am 05. August 2026, 09:42:00...fühlen sich auch nicht als billige Sklaven der Hartzer.

Na dann ist doch alles top !  :sehrgut:
Hab ICH Übrigens früher während meiner Erwerbstätigkeit auch nie so gesehen - auch nicht noch vor Hartz4.

Zitat von: peter_m am 05. August 2026, 09:42:00Vielleicht hilft es, wenn es Bürgergeld nur noch gibt, wenn man einer "Bürgerarbeit" nachgeht.

Naja "Bürgergeld" ist ja jetzt abgeschaft. Jetzt ist es eine Grundsicherung !  :yes:

Zitat von: peter_m am 05. August 2026, 09:42:00bei üblicherweise deutlich geringeren Anforderungen als auf dem 1. Arbeitsmarkt.

Geringere Anforderungen !?!?
Zitat von: MaSchuff am 04. August 2026, 21:51:45...Müll aufsammeln, übelste Drecksarbeit. Lohn: 1 Euro.

Sie konnte dann irgendwann nicht mehr, bzw. hatte ernsthafte orthopädische Probleme, so daß nichts mehr ging.
:scratch:  :scratch:
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selbiger

Zitat von: peter_m am 05. August 2026, 09:42:001000 Euro Bürgergeld pro Monat

die habe ich nicht..sorry bin deutlich drunter.. :weisnich: zudem..wovon sollen deiner meinung nach hilfebedürftige personen denn sonst leben..?und ja man ist in gewisserweise ein sklave wenn man zu etwas gezwungen wird unter androhung..von exitensvernichtung.?weil einem in eienr demokratie freie entscheidung des lebenstils verwehrt wird..und das war auch so von den urvätern der sozialgesetzgebung nicht vorgesehen..erst die neukapitalisten machten aus der demokratie eine scheindemokratie..in der man bürger nur mit druck erpresst udn mit deren ängsten spielt..

Zitat von: peter_m am 05. August 2026, 09:42:00Klingt wie ein gutes Angebot.

naja..nur soviel wie man sich selbst wert fühlt..und allen anschein sind sich einige nichts mehr wert.. :wand: wenn ich noch so könnte wie ich will..denn würde ich wohl heute noch in meinem beruf arbeiten..mit nem wohlverdienten tarieflohn..und darum geht es den leuten ..von ihrer eigenen händeringenden arbeit vernünfig leben können..und nicht ausgebeutet zu werden..und nicht vom rest auch noch abgezockt zu werden.und all das ist in bürgergeld volles programm..
Sich zu Tode arbeiten,ist die einzige gesellschaftliche anerkannte Form des Selbstmordes.

Die Menschen glauben viel leichter eine Lüge,die sie schon hundertmal gehört haben,als eine Wahrheit,die ihnen völlig neu ist.

Sheherazade

So gesehen ist ja wohl jeder ein Sklave (seines gewählten Lebensstiles), der für seine eigene Existenzsicherung gegen Entlohnung arbeiten muss.
,,So ruft der verzweifelte deutsche Michel: Lasst doch mal die AfD ran und sie die vielen Brände löschen!
Ich bin sicher: Sie würde löschen. Mit Benzin."
Christian Nürnberger

Eichhörnchen

Zitat von: Sheherazade am 05. August 2026, 12:16:24So gesehen ist ja wohl jeder ein Sklave [...], der für seine eigene Existenzsicherung gegen Entlohnung arbeiten muss.

Stimmt. So würde ich es tatsächlich durchaus auch sehen.
Es gibt da aber so einen "psychologischen Trick", wie man sich dieser Versklavung entziehen kann.
Und nein, das ist nicht Grundsicherung beantragen, sondern das ist "seine Berufung finden" und leben (mit sog. "intrinsische Motivation") - halt dann eben auch für Geld. DANN merkt man diese Versklavung oft nicht mehr !
Die besondere Herausforderung dabei ist dann allerdings das Können und das Dürfen (man muss es können und dürfen).
Und DA liegen immer die ganzen "Stolpersteine" rum !
Sei wirklich Kunde - und keine Ware !