Jobcenter forder AU - Hauptbetreuer schickt mich sonst in Maßnahmen

Begonnen von Moonraker, 14. Mai 2026, 04:29:24

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Moonraker

Hallo zusammen,

ich hatte vor kurzem einen Telefontermin mit meinem Jobcenter und dabei erfahren, dass ich einen neuen Hauptbetreuer bekommen habe.

Während des Gesprächs machte er mir mehr oder weniger durch die Blume klar, dass ich aufgrund meiner sozialen Phobie eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen sollte. Gleichzeitig bekam ich den Eindruck vermittelt, dass ich ansonsten relativ schnell in einer Maßnahme landen könnte.

Da ich seit längerer Zeit vergeblich nach einem Therapieplatz suche – bevorzugt ambulant beziehungsweise in Form einer Einzeltherapie – steht nun diese Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung im Raum.

Ehrlich gesagt habe ich große Angst vor weiteren Maßnahmen. Ich habe bereits einige hinter mir, und diese waren aufgrund meiner sozialen Phobie psychisch nur schwer zu verkraften. Wirklich etwas gelernt habe ich dort nicht, und mein Lebenslauf ist ohnehin alles andere als ideal.

Um der Isolation zumindest etwas zu entkommen, übe ich aktuell einen Minijob auf Stundenbasis aus. Auch wenn es nur wenige Stunden im Monat sind, gibt mir das manchmal noch das Gefühl, für irgendetwas gut zu sein. Mein neuer Betreuer möchte allerdings, dass ich die Stunden mindestens auf Teilzeitniveau erhöhe, was momentan für mich nicht realistisch ist.

Meine Schwägerin machte sich damals große Sorgen um mich, weshalb ich bei ihr zumindest stundenweise etwas unterkommen konnte.

Schließlich habe ich mich dazu durchgerungen, einen Termin bei meinem Hausarzt zu vereinbaren – wegen der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Das fiel mir alles andere als leicht, denn ich muss dort offen ansprechen beziehungsweise eingestehen, dass ich aufgrund meiner sozialen Phobie aktuell nur eingeschränkt belastbar bin und dem Arbeitsmarkt nicht vollständig zur Verfügung stehe, und von Sozialleistungen abhängig bin.

Der Arzttermin ist morgen, und ehrlich gesagt bin ich jetzt schon nervös. Ich habe keine Ahnung, wie ich meinem Hausarzt erklären soll, dass ich eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung brauche.

Mein Hauptbetreuer meinte außerdem, dass er mich aufgrund neuer gesetzlicher Vorgaben nun alle vier Wochen telefonisch kontaktieren müsse. Ob das tatsächlich stimmt, kann ich allerdings nicht beurteilen. Zusätzlich bin ich bereits seit längerer Zeit von Bewerbungen befreit.

Da ich mich mit dem Thema Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung überhaupt nicht auskenne, hätte ich dazu noch einige Fragen:

Bin ich überhaupt verpflichtet, mir eine solche Bescheinigung ausstellen zu lassen, und wie erkläre ich das am besten dem Hausarzt?

Muss eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung regelmäßig – beispielsweise alle zwei Wochen – abgeholt werden, und wie reicht man diese heutzutage beim Jobcenter ein? Läuft das mittlerweile elektronisch?

Außerdem würde mich interessieren, ob ein Hauptbetreuer solche Dinge überhaupt von mir verlangen darf und wie in einem solchen Fall meine Mitwirkungspflichten ( und auch in Zukunft)aussehen würden.

Schon mal vielen Dank im voraus!

Ottokar

Beim JC gibt es keinen Hauptbetreuer, das nennt sich Arbeitsvermittler.

Was du beschreibst ist die übliche Drohkulisse beim JC, wo ohne Rücksicht auf individuelle Vermittlungseinschränkungen Betroffenen Angst vor (weiteren) Repressalien gemacht wird, weil in Köpfen unserer Politiker und Beamten festsitzt, dass man potentiell als arbeitsscheue angesehene Menschen nur durch diese Angst dazu motivieren kann, zu arbeiten.
Die Forderung des Vermittlers nach einer AU zielt darauf ab, dass er nicht tätig werden muss, solange eine AU besteht. Er sucht also nach einer Begründung, warum er dich nicht vermitteln muss.
Solange das JC hier keine konkreten Jobangeboten oder Maßnahmezuweisungen vornimmt, ist das nur eine leere Drohung.

Ist die sozialen Phobie ärztlich attestiert?
Falls nicht, sollte das unverzüglich passieren, denn ohne diese Diagnose existiert die sozialen Phobie für das JC nicht und du kannst dich bei Jobangeboten und Maßnahmezuweisungen nicht darauf berufen.
Mit der Diagnose kannst du dich jedoch bei Jobangeboten und Maßnahmezuweisungen auf die Unzumutbarkeit wegen der sozialen Phobie berufen.
Eine sozialen Phobie führt nicht per se zu einer Arbeitsunfähigkeit, ob eine solche vorliegt, muss ein Arzt entscheiden und nicht das JC.
Sollte die soziale Phobie jedoch tatsächlich zu einer Arbeitsunfähigkeit führen, ist man als Leistungsbezieher lt. § 56 SGB II verpflichtet, diese ärztlich feststellen zu lassen und nachzuweisen. Allerdings kann eine Nichtbefolgung dieser Pflicht weder sanktioniert noch anderweitig bestraft oder erzwungen werden.
Mit einer sozialen Phobie bist du bei einem Allgemeinmediziner jedoch falsch, du solltest dir einen Facharzt für Psychiatrie und Neurologie suchen, falls du noch keinen hast.
Wenn der Arzt sagt, dass keine Arbeitsunfähigkeit vorliegt, der Vermittler vom JC jedoch anderer Meinung ist, muss er dich zum ärztlichen Dienst der AfA schicken.
Auch du kannst verlangen, dass der äD den Umfang deiner Erwerbsfähigkeit feststellt und festlegt, was das JC dabei alles zu beachten hat. An eine solche Feststellung ist das JC dann gebunden.
Meine Beiträge beinhalten oder ersetzen keine anwaltliche Beratung oder Tätigkeit.
Für eine verbindliche Rechtsberatung und -vertretung suchen Sie bitte einen Anwalt auf.


Moonraker

Vielen lieben Dank für deine ausführliche und informative Erklärung. Da wusste ich tatsächlich einiges noch nicht, und dafür bin ich dir wirklich dankbar.

Meine früheren Arbeitsvermittler waren deutlich unkomplizierter als mein jetziger. Er meinte außerdem, dass er mich aufgrund neuer gesetzlicher Vorgaben nun alle vier Wochen telefonisch kontaktieren müsse.

Mit den neuen Erkenntnissen aus diesem Austausch gehe ich an die ganze Situation jetzt allerdings deutlich entspannter und etwas erleichterter heran.

Ottokar

Zitat von: Moonraker am 14. Mai 2026, 12:49:55Er meinte außerdem, dass er mich aufgrund neuer gesetzlicher Vorgaben nun alle vier Wochen telefonisch kontaktieren müsse.
Da hat er dich angelogen, solche gesetzliche Vorgaben gibt es aktuell nicht und wird es auch mit den Änderungen ab 01.07.2026 nicht geben.
Tatsächlich musst du dem JC deine Telefonnummer nicht geben und hast das Recht, vom JC zu fordern, dass es diese aus deinen Daten löscht.
Wende dich dazu schriftlich an den Datenschutzbeauftragten des JC.
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Moonraker

@Ottokar

Vielen Dank für deine Hilfe, sobald es Neuigkeiten gibt werde diese hier posten  :cool:

Verycold

Zitat von: Ottokar am 14. Mai 2026, 10:55:22Beim JC gibt es keinen Hauptbetreuer, das nennt sich Arbeitsvermittler.


Das stimmt so nicht, es gibt in vielen Jobcentern Fallmanager und Arbeitsvermittler gleichzeitig, Fallmanager sind hier die Hauptbetreuer. Diese sind für u.a. für Grundsatzentscheidungen zuständig.

Diese sind gleichzeitig für den selben Menschen neben der Leistungsbearbeitung zuständig.

Very

Ottokar

Zitat von: Verycold am 16. Mai 2026, 01:07:36Das stimmt so nicht, es gibt in vielen Jobcentern Fallmanager und Arbeitsvermittler gleichzeitig
DAS stimmt so nicht.

Die Betreuung durch einen Arbeitsvermittler ist der Normalfall.
Fallmanager betreuen Personen in schwierigen Lebenssituationen anstelle des Arbeitsvermittlers.
https://www.arbeitsagentur.de/arbeitslos-arbeit-finden/buergergeld/arbeit-finden/fallmanagement
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Moonraker

Ein kleines Update:

Mein Hausarzt hat mir zunächst eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für zwei Wochen ausgestellt, wodurch der Telefontermin mit dem Jobcenter vorerst hinfällig war.

Außerdem bekam ich eine Überweisung zu einem Psychiater beziehungsweise Psychologen mit den Verdachtsdiagnosen soziale Phobie und Depressionen. Mein Hausarzt meinte, ich solle zunächst dort vorstellig werden und anschließend wieder zu ihm kommen – unter anderem auch im Hinblick auf die weitere Krankschreibung.

Was ich allerdings noch nicht ganz verstehe: Geht es bei diesem Termin in erster Linie darum festzustellen, ob tatsächlich eine soziale Phobie und Depression vorliegen, oder eher darum, mich direkt mit Antidepressiva zu behandeln?

Würde allein die fachärztliche Feststellung beziehungsweise Diagnose bereits ausreichen, oder braucht es zusätzlich weiterhin regelmäßig eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung?

Nächste Woche habe ich auf jeden Fall zwei Termine. Mein Arbeitsvermittler hat natürlich direkt wieder einen neuen Telefontermin vereinbart.

Außerdem beschäftigt mich noch folgende Frage: Ich übe aktuell einen Minijob auf Stundenbasis aus. Wenn ich eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung habe, darf ich diesen Minijob weiterhin ausüben? Es handelt sich nur um wenige Stunden im Monat, aber ich möchte natürlich keinen Ärger deswegen bekommen.

Joschua

Zitat von: Moonraker am 23. Mai 2026, 16:38:00Außerdem beschäftigt mich noch folgende Frage: Ich übe aktuell einen Minijob auf Stundenbasis aus. Wenn ich eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung habe, darf ich diesen Minijob weiterhin ausüben? Es handelt sich nur um wenige Stunden im Monat, aber ich möchte natürlich keinen Ärger deswegen bekommen.


Was bedeutet "Arbeitsunfähigkeit"... ?  Also sollte die Frage bezüglich MiniJob beantwortete sein.

Und ja - du musst regelmäßig eine neue AU vorlegen.
Wahrscheinlich schickt dich das JC dann auch noch zum Ärztlichen Dienst.

Meck

@ Moonraker

Noch ergänzen möchte in Bezug auf die Erreichbarkeit und zur Löschung von Telefonnummer, lies mal bitte hier (Kommunikation mit dem JC: Nur schriftlich auf dem Postwege - Nicht per Telefon!!) -->>
https://hartz.info/index.php/topic,39225.0.html
Finde das grosse Glück in den kleinen Dingen des Lebens und empfinde dadurch wahre Zufriedenheit.
Erwarte nichts und Du bekommst alles! Erwarte viel und Du wirst meistens enttäuscht! LG Meck
:bye:

Ottokar

Zitat von: Moonraker am 23. Mai 2026, 16:38:00Geht es bei diesem Termin in erster Linie darum festzustellen, ob tatsächlich eine soziale Phobie und Depression vorliegen, oder eher darum, mich direkt mit Antidepressiva zu behandeln?
Vor jeder Behandlung steht die Diagnostik.
Und wenn du keine Depression hast, oder (trotzdem) keine Antidepressiva nehmen willst, ist das deine Entscheidung.
Meine Beiträge beinhalten oder ersetzen keine anwaltliche Beratung oder Tätigkeit.
Für eine verbindliche Rechtsberatung und -vertretung suchen Sie bitte einen Anwalt auf.


Moonraker

Zitat von: JoschuaWas bedeutet "Arbeitsunfähigkeit"... ?  Also sollte die Frage bezüglich MiniJob beantwortete sein.


Soweit ich informiert bin, bedeutet eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung im Bereich des SGB II gemäß den AUB-Richtlinien, dass man aktuell nicht in der Lage ist, mehr als 15 Stunden pro Woche zu arbeiten oder an einer Eingliederungsmaßnahme teilzunehmen.

Da bin ich mir halt nicht ganz sicher, deswegen habe ich euch gefragt.

Mein Minijob liegt jedoch weit darunter, da ich lediglich etwa vier bis sechs Stunden im Monat arbeite. Zudem wirkt sich diese geringe Tätigkeit aus meiner Sicht eher positiv auf meine gesundheitliche Situation aus, da sie mir etwas Struktur im Alltag gibt und mich zumindest teilweise aus der Isolation herausholt.

Vielleicht könnte der Hausarzt mir bestätigen das dieser Minijob trotz Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung aus medizinischer Sicht vertretbar wäre?

Zitat von: Meck am 23. Mai 2026, 21:49:49@ Moonraker

Noch ergänzen möchte in Bezug auf die Erreichbarkeit und zur Löschung von Telefonnummer, lies mal bitte hier (Kommunikation mit dem JC: Nur schriftlich auf dem Postwege - Nicht per Telefon!!)


Der Grund, weshalb ich die Gespräche mit dem Jobcenter telefonisch führe, liegt vor allem an meiner sozialen Phobie, durch die ich im persönlichen Kontakt deutlich eingeschränkt bin.

Zitat von: Ottokar am 24. Mai 2026, 11:44:04Vor jeder Behandlung steht die Diagnostik.
Und wenn du keine Depression hast, oder (trotzdem) keine Antidepressiva nehmen willst, ist das deine Entscheidung.

Mit Antidepressiva habe ich in der Vergangenheit eher schlechte Erfahrungen gemacht. Man wird dadurch vielleicht etwas ruhiger, aber die eigentlichen Probleme werden dadurch für mich nicht gelöst.

Deshalb werde ich eine Behandlung mit Antidepressiva für mich vorerst ablehnen beziehungsweise nicht in Anspruch nehmen.


Joschua

Der JC Mitarbeiter wird dich mit Sicherheit zur klärung der Medizinisch Dinge zum ärztlichen Dienst schicken.
Ganz sicher! der weis ja nicht wo er mit dir dran ist.
Und krank - aber MiniJob geht ... genau deswegen!

Zitat von: Moonraker am 24. Mai 2026, 13:41:16Deshalb werde ich eine Behandlung mit Antidepressiva für mich vorerst ablehnen beziehungsweise nicht in Anspruch nehmen.

Und wie denkste soll es mal bessser werden? Oder willst du in diesem Zustand "verharren".  Irgendwas wirst du tun müssen!
Millionen Menschen nehmen Antidepressiva.

Sheherazade

Zitat von: Moonraker am 24. Mai 2026, 13:41:16Deshalb werde ich eine Behandlung mit Antidepressiva für mich vorerst ablehnen beziehungsweise nicht in Anspruch nehmen.

Vielleicht lässt du erstmal eine vernünftige Diagnostik machen, deshalb hast du schließlich von deinem Hausarzt die Überweisung bekommen. Von einer Therapie (ob mit oder ohne Medikamente) bist du noch weit entfernt.
"In Krisenzeiten suchen  die Intelligenten nach Lösungen, während die Schwachköpfe nach Schuldigen suchen." Totó 1898-1967
"Wir leben in einer Zeit, in der sich Dummheit nicht mehr versteckt, sondern gewählt, bezahlt, beklatscht und als Erfolg verkauft wird."
"Höher, schneller, weiter!" ist nicht das Problem. Das Problem ist: "Ich zuerst!", "Alles meins!" und "Mir doch egal!"

Moonraker

Zitat von: Joschua am 24. Mai 2026, 14:24:22Der JC Mitarbeiter wird dich mit Sicherheit zur klärung der Medizinisch Dinge zum ärztlichen Dienst schicken.
Ganz sicher! der weis ja nicht wo er mit dir dran ist.
Und krank - aber MiniJob geht ... genau deswegen!

Du stellst es so dar, als gäbe es nur die Optionen "gesund" oder "arbeitsunfähig". Die Realität ist deutlich differenzierter. Viele Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen können in begrenztem Umfang arbeiten, ohne dass dadurch ihre Probleme verschwinden.

Der Arbeitsvermittler ist sehr wohl informiert, er hatte ja auch die Idee mit der AU.

Nach deiner Logik dürfte jemand mit Rückenproblemen auch nicht spazieren gehen, weil er ja "krank" ist. So funktioniert Gesundheit aber nicht.

Zitat von: Joschua am 24. Mai 2026, 14:24:22Und wie denkste soll es mal bessser werden? Oder willst du in diesem Zustand "verharren".  Irgendwas wirst du tun müssen!
Millionen Menschen nehmen Antidepressiva.

Zwischen "Antidepressiva nehmen" und "nichts tun" gibt es noch einige andere Möglichkeiten. Nur weil ich Medikamente nicht vertrage, heißt das nicht, dass ich keine Behandlung möchte oder an meinem Zustand nichts ändern will.

"Millionen Menschen nehmen Antidepressiva" ist für mich kein Argument. Millionen Menschen trinken auch Kaffee – wenn ich ihn nicht vertrage, wird er dadurch nicht verträglicher.